Unsere Kinder

Als Zoe und Noah letzte Woche wie zwei Verbündete gemeinsam aufbrachen- sich anzogen, aufs Rad schwangen, um zum Spielplatz zu fahren und die wilde Freiheit zu geniessen, da ging mir das Herz auf.
Zoe und Noah sind nur 17 Monate auseinander. Die Schwangerschaft mit Noah war nicht einfach und oft hatte ich das Gefühl, gerade wegen vorzeitigen Wehen mich zwischen dem kleinen Mädchen zu Hause und dem Kind in meinem Bauch entscheiden zu müssen. Umso schöner war es, als wir dann gesund vereint waren. Zoe war sehr fürsorglich, empathisch. So ist sie. Zusammen wuchsen beide auf, teilten sich ein Zimmer, wie später Tom und Ben bis der vorerst Kleinste damals fast 8 Monate alt war und wir umzogen. Da sich der dritte Bruder auf den Weg gemacht hatte, versprach ich ihr zum Trost ein eigenes Reich, sollten wir ein neues zu Hause finden. Als es soweit war, war Zoe 5, Noah 4 und Tom 2 Jahre alt.
Es brach mir ein bisschen das Herz die „grossen“ Kinder, die bis dahin vier Jahre ihres Lebens ein Zimmer geteilt hatten zu trennen, obwohl beide sich auf ihre Tür zum hinter sich schließen, ihr eigenes Zimmer gefreut hatten.
Ihr Verhältnis hat sich verändert über die Jahre, ihre Beziehung fühlt sich von Außen weniger eng an. Für mich waren sie neben all ihren Ähnlichkeiten immer schon Ying und Yan, das ist geblieben. Ich versuche sie zu sehen, wie sie sind.
Das Tempo unter den Geschwistern veränderte sich. Immer wieder. Spielten Tom und Ben, ebenfalls nur 18 Monate auseinander unentwegt miteinander, machten den quatschigsten Scheisselkram bis Tom in den Kindergarten mit 3 1/2 Jahren kam (und darüber hinaus, aber dann nicht mehr tagsüber), zieht es Ben im Moment mit seinen mittlerweile vier Jahren oft zu Emil (19 Monate), während Tom (fast 6) hier und da die Nähe zu seinem grossen Bruder Noah (bald 8) sucht.
Es wechselt, wie das Meer. Oft, wirklich oft spielen sie zusammen oder zumindest in einem Raum, wenn ich dann einen Blick erhaschen kann oder das Glück habe ein Foto machen zu können, geht mir das Herz auf.
Und wenn ich dann meine Tochter mit 9 und meinen fast 8 Jährigen zusammen um die Häuser ziehen sehe, gemeinsam wie früher als sie klein waren, dann ist das für mich etwas Besonderes.
Alle Fünf sind sie so unterschiedlich, dennoch verbindet sie eines, ihr zu Hause. Es ist nicht verwunderlich, dass meine Fürbitte an unseren Sohn Emil nicht das selbstverständlich gewünschte Glück war, sondern eine gute und dauerhafte Beziehung zu seinen Geschwistern.
Ich bin so gespannt, beobachte das alles und hoffe, dass es eine fürs Leben stärkende Kindheit dank ihrer Geschwister wird.
Ich hatte zwei Mal zwei Kinder unter zwei Jahren, einmal drei Kinder unter vier Jahren, einmal vier unter fünf Jahren und nun fünf unter Acht.
Ich hätte mir für meine Kinder einen geringeren Altersunterschied gewünscht, gerade für die letzten Beiden. Das muss nicht jeder verstehen oder gut finden, manchmal wurde ich dafür verurteilt, Kinder seien schliesslich kein Produkt einer Fabrik.
Aber genau das wusste ich, sie sind Geschenke. Ben war fast drei, als Emil zur Welt kam. Es fiel ihm sichtlich schwer mit der neuen Situation zurecht zu kommen, es lag nicht an Emil, den liebte er, sondern an uns. Es brauchte seine Zeit für ihn zu greifen, zu erfahren, dass er immer noch unser kleiner Ben war. Und genau das war ja der Fall, er blieb klein.
Mir ist klar, dass es nicht an seinen drei Jahren dazwischen lag, sondern an unserer engen Beziehung, die wir uns aufgebaut hatten, dass ihm das schwerer fiel, als vorher seinen Geschwistern in der gleichen Situation. Was an dieser Stelle nicht heißt, dass es zu den anderen Kindern weniger eng war, aber wir hatten eben auf dem Weg zu Emil alle viel durch gestanden, was er mitbekommen hatte- der Familienzuwachs war ganz einfach anders, als die Male zuvor.
Für mich war es das erste Mal, dass ich am Morgen nach der Geburt nicht plötzlich Riesen sah, kleine Kinder über Nacht zu grossen Geschwistern mutiert, sondern ich sah das allererste Mal nach einer Geburt die selben Kinder, es schien als wäre ich angekommen in der richtigen Zeit, bei mir, alles war richtig. Da war jetzt ein kleines Bündel Zauberwesen mehr, aber sonst hatte sich nichts groß verändert, vielleicht machte ich da, an dieser Stelle meinen Frieden mit der Zeit, die (zuviel) vergangen war.
Auch wenn es oft anstrengend war mit zwei unter Zwei (und in einem fort) oder anstrengender gewesen wäre mit noch kleinerem Ben, als Emil schließlich kam, ich zog aus dieser (engen) Bindung meiner Kinder immer Kraft, es gab mir zu fiel, es füllte mein Herz.
Für uns, auf unsere Familienkonstellation ist es ein wertvolles Geschenk, sie nah beieinander zu wissen, auch wenn ich weiss, dass es in anderen Familien total egal ist, wie weit die Geschwister auseinander sind und eine tolle Beziehung zu einander haben.

5 Responses to “Unsere Kinder”

  1. Frau PN Says:

    So schön.

    Und es ist wirklich interessant wie unterschiedlich verschiedene Altersabstände zwischen Geschwistern in einzelnen Familien wahr genommen werden. Wie unterschiedlich die Vorstellungen von Vor- und Nachteilen sind.

    Ich wollte auch immer geringe Altersabstände. (Meine Schwester und ich sind 5 Jahre auseinander und haben uns nie verstanden. Gibt aber auch Familien wo das gut klappt)
    Aber mein Körper wollte noch nicht. Der Muckelito kam so schnell es überhaupt ging. Als ich dachte, dass es scheint dass mein Körper jetzt wohl wieder bereit ist, war er schon da ❤️ 2 einhalb Jahre trennen sie nun und es ist gut so.

    Zum dritten Kind wollte ich ebenso einen so gering wie möglichen Abstand. Noch will mein Körper auch nicht. Aber ich habe in den letzten Tagen auch darüber nachgedacht ob ein Jahr später als meine bisherige Wunschvorstellung nicht sogar besser wäre….

    Der Muckel wirkt auf mich so klein, noch so babyhaft. So als würde er mich noch ein Weilchen länger brauchen. Ich weiß auch nicht…. Der Mann will weiterhin einen kurzen Abstand und im Grunde finde ich das ja auch gut. Mein Körper will eh noch nicht und vermutlich lassen wir es einfach passieren :)

    Liebe Grüße

    Tina

  2. kassiopeia Says:

    DANKE ♥

    (Meine Schwester ist auch fünf einhalb Jahre jünger als ich und ich fand das nicht immer einfach mit uns. :) )

    Mein Körper nahm sich auch sehr Zeit. Wenn ich hier und da haderte, dass ich die ersten Drei nicht stillen konnte, weiß ich heute, dass ohne die Flasche alles anders gekommen wäre. Das zeigte mir mein Körper ebenso deutlich nach Bens und Emils Geburt, wie deiner. Bei Ben dauerte es „durch das Stillen“ fast ein Jahr bis zum ersten Zyklus, bei Emil über ein Jahr. Damit mache ich quasi meinen Frieden, was diesen Ballast (das Nicht- Stillen) betrifft.

    Wenn du deinem Körper nun beim zweiten Mal nach einer Geburt vertrauen und Zeit lassen kannst, ist das ein Riesengeschenk. Ich wünsch dir dann, wenn es soweit ist, frohes Hibbeln :)

    Liebe Gedanken zu dir! <3

  3. frl_mieke Says:

    (Spannend, das mit den Altersabständen.Ich bin mit meiner Schwester nur 15 Monate auseinander und wir waren eng, aber immer mal wieder zu eng. Schwierig öfter mal, bis heute.
    Meine Söhne sind 19 Monate auseinander und sie streiten fast jeden Tag einmal unerbittlich und bis aufs (Herz)Blut,
    aber wenn sie dann, wie Zoe und Noah, zusammen ein Abenteuer bestreiten, oder einer sich traut, was der andere noch nicht alleine wagt, dann halten sie zusammen wie Pech und Schwefel. Alles spannend, für mich als Mama oft eine Grenzerfahrung, aber dennoch, einfach das echte, wahre Leben.
    Schön, von Deinen Gedanken und dem Glück der kurzen Abstände zu lesen. Für mich war dieses Abstand so oft Erklärung für alles Schwierige.
    Umso besser tut es, alles auch mal ganz anders in den Blick zu nehmen.)

    Dicken Knutscher und bis bald live und in Farbe

  4. denise Says:

    Meine 3 haben auch einen geringen Altersabstand und ich fand das immer toll, weil sie echt zusammen gewachsen sind. Jetzt sind sie 9, 7 und 5 Jahre alt. Ich möchte noch ein Kind. Jetzt les ich aber gerade, das ihr euch mit euren Geschwistern, wo euch 5 Jahre trennen, nicht so gut versteht oder es als schwierig empfindet. Puh…
    Was, wenn meine Kids, ein neues Baby total blöd finden würden? Schwierig…

    Lg Denise

  5. kassiopeia Says:

    @frl_mieke: Ich wollte nur los werden, wie schön ich das finde. :)

    @denise: Es sind ja auch deine Lebenspläne. Wenn du dir noch ein Kind wünscht, wer sollte es verbieten? Ich meine damit, dass man den Kindern, (die da sind) oft zuviel Raum gibt, das eigene elterliche Leben zu gestalten, dabei nehmen sie sicher später auf unsere Befindlichkeiten auch keine Rücksicht- zum Glück! :)

    Aber viel wichtiger: Ich wollte hier nur von meinem Glück mit den kurzen Abständen schreiben, nicht werben oder predigen, manchmal klappt es ja wie bei uns dann auch einfach nicht eher mit einem weiteren Kind. Es gibt zu viele Lebenspläne! Das Leben ist bunt. Lass dir keine Angst einjagen von unseren Geschwisterbeziehungen :)