Archive for März, 2014

Voller Liebe

Freitag, März 28th, 2014

Ich wünschte, ich wäre eine Schwangere, die strahlt und sich voller Hoffnung ausschließlich auf ihr Kind freut, von diesem Ideal bin ich wohl etwas entfernt.
Bevor ich diesen ersten Plastikzauberstab mit zwei zarten Strichen in den Händen halten durfte, war ich ganz bei mir in meiner Mitte, eine Frau mit zwei Beinen fest auf dem Boden, einem Mann an der Seite und fünf Kindern an der Hand.
Aber mit diesem kleinen Glück im Bauch, diese leise Ahnung bei 3+3 bestätigt mit zwei parallelen Streifen änderte sich schlagartig alles. Ich war eine werdende Mutter, eine die liebt und hofft und auch bangt.
Die ersten zwölf Wochen hangelte ich mich so ganz gut durch, ich war mir selbst durch meine Ängste, mein größter Feind. Jede Woche hatte ich einen Termin bei meiner Ärztin, die sich fürsorglich um mich kümmerte und für mich da war. Ich brauchte diese Fürsorge und auch das Utrogest, zu dieser Zeit wussten dann genau zwei Menschen neben meiner Frauenärztin von dem kleinen Menschlein unter meinem Herzen.
Dann kamen die vielleicht schlimmsten Wochen, die Zeit in der ich James- unser Manschgal verloren habe. Als auch die geschafft waren, hatte ich mal eine kleine Blutung, die sich nicht mehr blicken ließ, bis zu dem Tag, genau einen Tag vor unserer Abreise nach Paris. Als ich ganz wenig blutete, es wurde eine Ektopie festgestellt, die mich seitdem etwas in Atem hält, vor allem zu diesen Zeitpunkt der Schwangerschaft. Kleine andere Momente, die mich dazu brachten, außerplanmässig das Krankenhaus aufzusuchen gab es auch, jetzt beginnen langsam die Vorwehen, die ich genau im Auge habe, ich schrieb darüber Tagebuch, mir immer alles von der Seele.
Nun waren meine Eltern am Wochenende da, das Geheimnis war gelüftet (hier liest meine Schwester mit: HALLO! :) ) Die Kinder wissen es schon etwas länger und seitdem auch Nachbarn und Freunde, mit dem Tempo der Kinder musste ich erst mal mithalten lernen.
Dieser Schritt, das kleine Glück ins Internet zu tragen, fällt mir schwer. Ich hatte gestern Abend auch direkt Herzklopfen, jetzt ist das nicht wirklich besser. Ich möchte nicht diese große Aufmerksamkeit, ja ich habe Angst, ich kann da nicht so gut aus meiner Haut, denn Hochmut kommt vor dem Fall, ich bin nur hier ganz dankbar bei mir, still und leise. Denn ich liebe dieses Kind so sehr. Es ist ein Wunder. Ich wollte nicht unbedingt schwanger werden, ich hatte mir immer gewünscht, es nur zu werden, wenn ich das Kind auch halten kann. Und dann kam er und stellte meine Welt einmal auf den Kopf, ein so großes Glück, einfach so schwanger zu werden und bis hier her zu kommen! Und ich mag einfach nur die kommenden Wochen gut rum kriegen, damit ich unseren Sohn gesund und munter Ende Juli im Arm halten darf.
Ich sitze nicht hier, wie ein kleines krankes Häschen, ich schmiede Pläne, habe Träume, kaufe besondere Kleinigkeiten für ihn und streichle abends versonnen meinen Bauch, wenn er sich kräftigt bewegt. Aber die Angst sitzt daneben, wie schon bei Emil. Die Zeit kann nicht schnell genug vergehen.
Ich war mal so gern schwanger, ich war dann ganz bei mir, das hat sich doch sehr verändert. Für meine Seele ist es eine aufregende Zeit, in vielerlei Hinsicht.

Wir stehen hier voller Hoffnung und Liebe- und warten alle gespannt auf die Ankunft von Anton in 17 Wochen.

Ich liebe dich so sehr! Bleib stark kleiner Mann, lass dir Zeit zum Wachsen!

Plötzlicher Wintereinbruch im Tierpark

Donnerstag, März 27th, 2014

Als meine Eltern hier waren, setzten wir uns alle direkt nach dem Schultag in ein Großraumtaxi und fuhren zum Tierpark, um ein paar schöne Stunden dort zu verbringen.
Gerade ausgestiegen, fing es an zu hageln, es war eiskalt im Wind, aber wir haben es wirklich genossen. Unvergessliche Erinnerung an den Besuch von Oma und Opa.

Uns so schnell sind die Kinder schon lange nicht mehr abends eingeschlafen. :)

Ein Moment

Montag, März 24th, 2014

Vorhin war die Stimmung so schön, ich hatte mich zu meiner Mutter gekuschelt, ein Geschenk in den Armen und sah zu, wie Emil raus zu seinen Geschwistern schaute, denn auf einmal hatte es begonnen zu regnen, schneien und hageln…

Ein Versuch diese Stimmung einzufangen…

Im Herzen

Samstag, März 22nd, 2014

Ich hatte einmal einen Freund, dessen Mutter sich Jahre zuvor das Leben genommen hatte. Er sagte immer, er wüsste nicht genau wann das passiert sei, ihren Geburtstag hätte er auch nicht mehr im Sinn, aber er bräuchte eben kein Datum um sich an sie oder das, was geschehen war zu erinnern, das täte er sowieso.

Bei mir ist das anders. Das Datum heute suchte mich. Kurz nach Toms Geburtstag kam da eine Welle der Erinnerung, dann wurde es ruhiger und ich dachte noch, vielleicht umschiffen wir dieses Jahr dieses Datum ganz ruhig. Dann merkte ich, wie ich unruhig wurde, als die 10er des Monats sich dem Ende entgegen neigten, aber noch war ich gut beschäftigt, Nils war nicht da- ich war zwei Tage voll und ganz mit den Kindern allein, die teilweise auch noch eine hartnäckige Bindehautentzündung mit sich herum trugen.
Gestern war ich schon sehr angespannt und als ich heute morgen aufwachte, war da dieses Gefühl: „Heute vor drei Jahren ist es passiert…“

Jetzt ist es drei Jahre her und in mir hat sich vielleicht ein wenig was bewegt und das mag ich aufschreiben und auch für diejenigen, die sich nicht fragen trauen, mich nicht so lange kennen und aus den Fragmenten, die man hier findet, keine Antwort finden. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das hier je so klar formulieren konnte.
Kurz nachdem „es“ passiert war, war ich mir nicht sicher, mit der Zeit und den Symptomen des Körpers kristallisierte sich für mich wirklich immer mehr und mehr heraus, dass es doch sehr wahrscheinlich so war…

Am Nachmittag des 22. März fuhr ich mit meinen Kindern aus der Altstadt mit dem Bus nach Hause, kurz davor- man konnte unser Haus quasi schon hinter der Schallschutzmauer sehen, bremste der Bus stark ab, so richtig, weil jemand ihm zu schnell in der engen Straße und Kurve entgegen gekommen war. Eines meiner Kinder stürzte, Köpfe stießen gegen die vorderen Sitzreihen, ich fiel und mein Kinderwagen fiel samt Kleinkind direkt auf mich drauf, die eine spitze Seite des Plastik- Lenkers bohrte sich genau in meinen Bauch. Ich war erschrocken, musste Kinder trösten, sammelte die drei „Großen“ ein und stieg aus. Keine große Sache. Mein Bauch tat weh, aber ich hätte niemals gedacht, dass das Allerschlimmste passierst sein könnte. Aber das war es, denn schon am nächsten Tag bei meinem Kontrolltermin fand meine Ärztin in der 14. Woche keinen Herzschlag mehr, dafür einen großen Bluterguss. Da das kleine Menschlein im Bauch weiter gewachsen war und alles noch frisch aussah, konnten wir uns nur aus dem was passiert war schließen, dass der Schlag, der Aufprall des Lenkers, ausgelöst durch Kräfte der Vollbremsung quasi die Plazenta verletzt hatte. Es gab eine Einblutung, die die Versorgung des Kindes unterbrochen hatte, das Herz hatte aufgehört zu schlagen- simple Worte für den Tod des eigenen Kindes. Noch Wochen später hatte ich Blut in mir, dass so tief in die Schichten gedrungen war.
Heute morgen stand ich vorm Spiegel im Bad und erinnerte mich: Am meisten quälte mich die Frage, ob es schnell passiert war, ob er leiden musste, sich gequält hat.

(Er- ein Gefühl. Unser Manschgal, so sein Spitzname. Es dauerte sehr lange bis ich diesem Gefühl nachgeben konnte und den ungeborenen Kindern „ihren“ Namen lassen konnte. Es war ein Abschied für immer. Endgültig.)

Zwei Tage später war ich dann im Krankenhaus und dort wurde die „Geburt“ quasi eingeleitet. Was mir bis heute nahe geht, ist dass ich unser Kind nicht sehen konnte, man riet mir ab und ich hatte keine Kraft mir das zu erkämpfen. Aber ich hätte es zum Verarbeiten gebraucht, sehr.
Nur wenige Tage später bestatteten wir unser wenige Zentimeter großes Kind individuell wie es hieß, aber anonym, alles was wir haben ist ein Stein in der Spirale des Lebens auf unserem Friedhof, ein kleiner Ort zum Erinnern und zudem damals nicht die Normalität, aber ich hatte Hilfe und Unterstützung auf diesem Weg durch eine liebe Bekannte.
Viel hat sich in den letzten Jahren getan, seit 2012 werden diese sogenannten „Sternenkinder“, auch Kinder die weniger als 500g wiegen als Person anerkannt, dürfen ins Familienstammbuch eingetragen werden und haben ein Recht auf Bestattung.

Das alles hat mich verändert. Manchmal gefühlt dieser Unfall mehr, als die Fehlgeburten vor und nach diesem Tag. Es ist diese Willkür, dieses Unvorhersehbare, dass mich gebrochen hat.
Ich würde von mir behaupten ein glücklicher Mensch zu sein, voller Dankbarkeit im Herzen, aber da ist auch diese Angst, wie ein kleines Tier im Wald, an manchen Tagen warte ich auf den Schuss. Sorge begleitet mich um die Menschen, die ich liebe und die ich im Herzen trage. Das ist geblieben, nicht über die Maßen, die beängstigend wäre, aber da und nicht weg zu (durch) denken.
Ich kann nie wieder unbeschwert schwanger sein, das wird nicht mehr gehen, daran glaube ich nicht, was blieb ist die Dankbarkeit und Erleichterung, als die Geburt geschafft und ich unser Kind im Arm hatte. Vier Mal war ich schwanger bis dieses Gefühl da war, bis dann Emil da war. Leben ist unplanbar.

Heute war ich mit zwei Kindern erst in der Gärtnerei, dort bekamen wir wieder viel Liebenswürdigkeit und außerdem noch Weidenkätzchen geschenkt, im Anschluss gingen wir mit unseren Blumen und der Kerze auf den Friedhof.
Ich war heute angespannt, die Arbeit am Nachmittag im Garten hat mich aber etwas geerdet.
Morgen werden nach Monaten meine Eltern wieder zu Besuch kommen und all das wird mich ablenken, mich wieder hinein bringen in den Puls unseres Lebens.
Jetzt am Abend nahm ich mir die Kiste, gefüllt mit all den Briefen, all dem Zuspruch, etwas Kleidung und ein paar Unterlagen, mit allem was so bleibt. Eine kleine Anhäufung von Unworten wie Fötensarg, pathologisch- anatomischer Begutachtung und Krankenhausunterlagen, aber auch viel Liebe, einem Mutterpass, der für immer nur halb ausgefüllt sein wird und ganz vielen Erinnerungen.

Sonntagsfreude

Sonntag, März 9th, 2014

Heute war wirklich ein außergewöhnlich schöner Tag. Ich muss das an dieser Stelle so hervor heben, weil gestern für mich ein außergewöhnlich doofer Tag war.
Die Unterschiede zwischen beiden Tagen könnten nicht größer wiegen. Gestern hatte ich Kopfschmerzen und fühlte mich schwer und antriebslos. Ich war nicht ich selbst, aber damit habe ich in den letzten Wochen gehäuft Probleme. Viel überraschender also ist nicht, mein Stimmungstief von gestern, sondern das Hoch von diesem Sonntag.

Ich durfte ausschlafen, obwohl der Mann noch angeschlagen ist und nach einem ausgedehnten Frühstück und einer kurzen Zeit im Bad, stahl ich mich mit drei Kindern davon, um zur Gärtnerei meines Vertrauens zu gehen. Dort fanden Zoe, Tom, der schlafende Emil und ich auch ein paar schöne Blümelein und zogen nach einem herzerwärmenden Gespräch mit der Besitzerin von dannen, Richtung Friedhof. Die Idee der Kinder. Die Kerze vom letzten Besuch stand noch überraschend dort und so stellten wir zu der alten noch eine neue Kerze, zupften ein paar Blüten von unseren Blumen ab und schmückten den Stein. (Tom hat heute noch einmal mit seinen Worten wieder gegeben, was er meinte, was damals passiert sei. Es hatte mit ihm zu tun, muss ich erwähnen, er wollte sich damals nicht hinsetzen (aber er ist und war nie Schuld!!! Es ist nur Teil des ganzen Bildes von Unfallhergang!) und das erzählte er heute. Verblüfft davon, weil wir noch nie darüber gesprochen haben, rechnete ich nach, es ist in diesem Jahr drei Jahre her, dass heißt er war da frische drei Jahre alt und es ist noch sehr präsent bei ihm- Wahnsinn. Auch wenn die Kinder Daten und Reihenfolgen durch einander bringen, gibt es Dinge, die sich eingebrannt haben.)
Als wir dann zu Hause waren haben wir uns gleich ans Werk gemacht und die neuen Blümchen eingepflanzt und weiter altes Laub aus dem Vorgarten gepult. Die Beiden waren echt fleissig und später kam Ben noch hinzu.
Ich habe gespürt wie gut mir die Gartenarbeit tut und das sie mir auch wenn sie anstrengend ist, gefehlt hat, weil sie ein Teil von mir ist.
Anschließend haben wir ein- glaube ich- drittes Mal in diesem Jahr gegrillt. Dazu gab es einen Eiersalat und frische Knoblauchbutter, ganz simpel aber super lecker.
Den größten Teil des Tages haben wir also draußen verbracht, in der Sonne, auch wenn zwei meiner Männer (der große und ein kleinerer) noch angeschlagen sind. Später stellte ich mich noch in die Küche und probierte ein neues Rezept aus. Mir haben die Cookies super gut geschmeckt, eigentlich mampften alle gut was weg, das war genau das Richtige, als es doch langsam frisch wurde: warme, weiche Cookies und Bananenmilch. Als die Kinder sich dann total lieb bedankten für das Backwerk, hab ich mich so gefreut und mal wieder gemerkt, wie gern ich wirklich backe.
Im Anschluss hab ich nur noch Haushaltskram erledigt, das war jetzt nicht so aufregend, gehört aber dazu. Jetzt so langsam kehrt Ruhe ein, ein paar Kinder schlafen schon und der gemütlich Teil des Abends beginnt.

Was mir aber beim Kuscheln mit Ben keine Ruhe ließ, ist was den Unterschied ausmachte. Ich weiß nicht, ob das hier her passt oder lieber ein einzelner Post hätte sein sollen, aber ich habe in den letzten Monaten viele Dinge, die mir etwas bedeuten nicht mehr machen können. Ich habe ein Projekt aus Angst vor Versagen und dann weil anderes wichtiger war liegen gelassen, war Monate nicht schwimmen und habe wochenlang kein Buch gelesen, doch auch nicht wirklich gebloggt, weil ich stattdessen, die Zeit die ich hatte nutzte, um Tagebuch zu schreiben oder mir Ablenkung gönnte. Es ist wenig übrig geblieben von dem was mich ausmacht, vor lauter Gedanken, Angst und Sorge, das ändert sich auch nicht von heute auf morgen, dass weiß ich- manche Dinge brauchen ganz einfach nur Zeit und einen offenen Blick.
Ich bin dankbar für diesen Tag, der mich wieder etwas näher bei mir fühlen liess und hoffe, dass mit ein bißchen Glück und Sonne sich wieder mehr Tage von dieser Sorte zeigen werden.

Warum Hebammen mir so wichtig sind…

Samstag, März 8th, 2014

In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht, warum ich persönlich Hebammenarbeit so wichtig und unverzichtbar finde.
Die Antwort ist simpel, wie kompliziert und vielschichtig, weil sie mich oft gerettet hat.

Ich bin eine Frau, die zum neunten Mal schwanger ist. Fünf Kinder habe ich natürlich gebären dürfen, drei verloren, wobei eine (Fehl-)Geburt im Krankenhaus eingeleitet wurde und dort durch eine Kürettage beendet wurde, eine Geburt steht noch aus.

Ich bin keine Frau, die von sich sagen würde, dass sie unkompliziert schwanger gewesen wäre.
Beim ersten Kind, unserer Tochter war ich wahnsinnig unsicher. Ich war sehr jung, hatte bis dahin viel erlesen, aber vielleicht nicht immer das für mich Richtige. Ich entschied mich damals für einen Geburtsvorbereitungskurs in München, weit ab von unserem Wohnort, schlicht und einfach, weil es der angebotene Kurs vom Krankenhaus war, in dem ich entbinden wollte, in dem ich nur entbinden wollte, weil mein damaliger toller (!) Arzt, dort Belegarzt war. Zur Geburt war ich also an einem Ort, den ich eigentlich nicht kannte, war maximal unentspannt und fühlte mich so „nackig“ unter Fremden nicht wohl, dazu die Schmerzen- es war nicht meine Lieblingsgeburt. Lichtblick damals war mein Arzt, der anwesend war, auch wenn er dabei auf meinem Bauch lag und kristellerte. Nach der Geburt fühlte ich mich körperlich verletzt und unförmig, ich weinte unter der Dusche und das mit dem Stillen klappte auch überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Meine Schwiegermama machte die Nachsorge, gab mir Mut mein Kind bei mir zu lassen, soviel wie ich mochte, sie zu trösten, wenn sie weinte und irgendwann riet sie mir aufzugeben, es gut sein zu lassen, zu kämpfen mit dem Stillen und das fühlte sich gut an.
Beim zweiten Kind ein paar Monate später, hatte ich vorzeitige Wehen, die ich erstmal nicht bemerkte. Mit meiner Schwiegermama gab es zu der Zeit Streit, teilweise herrschte Funkstille und so war ich angewiesen auf meinen neuen Arzt, in der neuen Praxis, bei uns im Wohnort. Was mir die ganze Schwangerschaft über Kraft gab, war das Yoga für Schwangere, das die Hebammenpraxis anbot. Die von mir gar nicht bemerkten Wehen, brachten mich sofort ins Krankenhaus, denn ich war erst in der 32. Woche und dort verbrachte ich die erstmal schlimmsten Tage meines Lebens- voll gepumpt mit Wehenhemmern, die mein Herzschlag in nie geahnte Höhen wandern ließen. Es war zermürbend. Als die Tokolyse nicht mehr anschlug, kam jemand auf die Idee, die Ursache eher zu suchen, als das Symptom zu behandeln, schlussendlich hatte ich zuviel Fruchtwasser. Es könnte sein, dass unser Sohn krank sei hieß es, es machte mich verrückt. Ich sorgte mich und wehte tapfer zu Hause weiter bis mein Arzt mir Ende der 37. Schwangerschaftswoche sagte, wir würden nun einleiten, unser Sohn wäre bereit. Die Einleitung war toll, die Geburt dauerte eine Stunde weniger als die der Tochter und war wunderschön, weil ich die Räume kannte, die Gesichter und mittlerweile mich. Aber mein Sohn fand das alles scheiße, er war zu früh dran und brauchte Tage um sich zu erholen, Tage in denen wir bangten, ob er gesund ist, keine Entzündungszeichen hätte usw. Zu uns nach Hause kam eine Hebamme, die Noah ansah, aber es dauerte lange bis ich mich von all dem erholen konnte.
Beim dritten Kind hatte ich Wehen ab der 17. Woche und es hieße ich solle mich schonen und man könne eben nichts machen. Wir bangten um das Kind, das wir so liebten. Auch hier gegen Ende war etwas am Magen auffällig, wir wurden in die Spezialpraxis geschickt und dort hieß es, wir müssten eben die Geburt abwarten und dann sehen, ob er gesund sei oder nicht. Und ich übertrug dieses Kind mit Hilfe meiner Schwiegermama noch 9 ganze Tage.
Beim vierten Kind hatte ich eine kleine Blutung zu Beginn der Schwangerschaft und generell hatte ich schon recht schnell keine Lust mehr, es war anstrengend. Am Ende der Schwangerachft, turnte Ben zuviel herum, er drehte sich immerzu, meine Gebärmutter war ausgeleiert, hieß es- so ganz ungefährlich war das nicht, aber eine Einleitung ließ ihn kalt, wir gingen Stunden später Heim, nur um zu Hause fast die Geburt zu verpassen und gerade rechtzeitig zum Pressen in der Klinik zu sein. Ich bekam ein gesundes viertes Kind!
Warum ich all das erzähle und Hebammen darin nicht so oft vorkommen? Weil ich es nicht für nötig hielt, ich hatte ja meine tolle Schwiegermama für Fragen und letztendlich habe ich mir das leider an anderer Stelle vergönnt, mir mehr dieser Stütze zu holen und zuviel mit mir selbst ausgemacht.

Dann hatte ich diese drei Fehlgeburten und ich kann nicht anders als sagen, sie haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen, mich verändert. Vor allem die zweite, die späte und Unfall bedingte, die hat mich verändert. Mein Vertrauen ins Leben hat sie mir genommen, die Leichtigkeit.
Als dann auch noch Emils Schwangerschaft so kompliziert war, ich immer wieder blutete, Hämatome bildete, vorzeitig regelmässig wehte, war ich dankbar und froh um jede Art von emotionaler Stütze. Ich war kaputt, ich hatte solche Angst. Die Unterstützung kam von Hebammen. Entweder durch meine Schwiegermama, die mir soviel Vertrauen in mich zurück gab oder im Krankenhaus.
Auch diesen Sohn bekam ich im Krankenhaus um die Ecke und verließ dieses nur drei Stunden nach der Geburt mehr als glücklich.
Auch in dieser Schwangerschaft mit Anton ist es so, dass ich sehr verunsichert bin. Mehr Fürsorge brauche, mehr Vertrauen. Für mich macht es emotional schon einen sehr großen Unterschied, ob eine fremde Ärztin im Notfall vor mir steht und sagt: „Da kann man jetzt eh nichts machen!“ oder eine Hebamme sagt: „Schauen Sie wie weit sie schon gekommen sind!“ Es war gespenstisch, wie schnell ich mich in den Räumen des Kreisssaals, mit ein paar lieben Worten der Hebamme beruhigt habe und wie viel Kraft und Vertrauen ich aus den wenigen Minuten dort schöpfen konnte!
Die Psyche spielt eine so große Rolle für einen positiven Schwangerschaftsverlauf (hier ein Text über vorzeitige Wehen, der mir damals sehr geholfen hat), man kann es nicht oft genug sagen und es wird so unterschätzt! Natürlich gibt es auch weniger einfühlsame Hebammen, aber meist sucht man sich doch genau die aus, die einem gut tut.
Ich kann nur flehen und hoffen und protestieren, dass weiterhin alle Frauen, Männer und Familien den Anspruch auf eine solche Betreuung haben, wenn sie es denn möchten, ob in oder nach der Schwangerschaft oder unter der Geburt, egal wo diese stattfindet.

Wir sind angewiesen auf dieses Handwerk, was so alt ist wie wir selbst! Wir brauchen Hebammen!

„Aber du musst doch…“

Dienstag, März 4th, 2014

Gestern ist es mir mal wieder anhand eines konkreten Beispiels aufgefallen und ich hatte gehofft, zu schaffen mal wieder ein paar Worte zur Tastatur zu bringen.
Als wir gestern während des Geburtstags mit allen Kindern auf dem Spielplatz zum Bolzen und Energien entladen waren, ist es passiert. Tom wurde alles zuviel, ihm reichte das, er hatte keine Lust mehr und Sorge Noah würde zu Hause sein Lego ohne ihn aufbauen, also wollte er nach Hause. Allein darf er den Weg noch nicht gehen, aber wir waren ja drei Erwachsene auf aktuell neun Kinder dort. Ich kenne mein Kind, ich wog sofort ab. Ich fühlte, was in ihm vorging, aber wissen Sie was? Da war genau der Satz sofort in meinem Hirn, der augenblicklich synchron über die Münder von seiner Oma und seinem Papa kam: „Aber du musst doch hier bleiben, bei deinen Geburtstagsgästen! Du kannst doch nicht einfach gehen und die allein lassen.“
Kennen Sie das?
Mal völlig ab davon, dass es niemanden die Bohne interessiert hat, ob Tom da noch irgendwo auf dem Spielplatz war, aber es ist auch sein Wesen, er braucht Zeit sich zurück zu ziehen, zum Luft holen und Kraft tanken für weitere Abenteuer. Das muss man sehen können, also das Kind, welches genau das in dem Moment braucht, sowie auch diese Muster im Kopf, die nun mal ohne weg zu reden einfach da sind.
Am Ende muss natürlich jeder selbst entscheiden, was er seinem Kind angedeihen lassen möchte und auch weiter geben will, aber es lässt sich beliebig weiter spinnen. „Aber du musst doch „Hallo“ sagen zu deinen Gästen!“, „Aber du musst dich doch bedanken!“ Natürlich sage ich das auch, aber es klappt nicht immer, dann ist mein Kind schüchtern und mag nicht „Hallo“ sagen, sondern sich lieber hinter mir verstecken und manchmal bedankt es sich auch nicht, aber das mache ich dann stellvertretend. (Achtung Kindheitstrauma, „Ruf doch mal die Tante X an und bedank dich für das äh tolle Geschenk!“)
Ich gebe zu ein ganz großes Problem mit diesem Müssen zu haben, was nicht selbstredend heißt, dass meine Kinder kleine Monsterchen sind. Da ist eine ganz feine Linie, zwischen „Mach bitte Platz damit die anderen erst aussteigen können.“ oder „Wenn wir hier so laut sind, das nervt vielleicht andere Leute, die jetzt müde von der Arbeit kommen.“ und „Aber du musst doch jetzt hier bleiben und in dieser Situation ausharren, auch wenn es dir Unbehagen bereitet.“, „Aber du musst doch jetzt über deinen „Schatten“ springen.“- Gegenseitige Rücksichtnahme vs. eigene Psychohygiene. Oft hat das für meinen Geschmack noch ganz viel von diesem „Was sollen die Leute sonst denken?!“ zu tun, was da wie ein Automatismus im ersten Moment hervorkriecht.

Um abschließend bei Gestern zu bleiben, mir hat es total gut getan, da auf meinen Bauch und mein Kind zu hören und ich genoss selber den Moment Ruhe zu Hause. Gemerkt hat es tatsächlich niemand, wir waren halt einfach schon zu Hause, Kinder sind manchmal noch so herrlich unkompliziert.

Toms 6. Geburtstag

Montag, März 3rd, 2014

Keine Ahnung woran genau es heute lag, aber ich erinnerte mich sehr detailreich an die Geburt von Tom, die sich ähnlich wie -dann Jahre später- Emils Geburt den ganzen Tag über ankündigte. Ob es an der nahenden Schule liegt oder an der momentanen Lage der Hebammen? Aber wie könnte ich je diesen Tag vergessen, als sich unser Sohn auf den Weg zu uns machte, als ich ihm das Leben schenkte? Dieser Tag hat sich eingebrannt in mein Herz. Es war ein wunderschöner und unvergesslicher Tag, man bekommt ja nun nicht immerzu ein Kind, gerne erinnere ich mich mit einem Kribbeln an seine Ankunft. Und nun endlich ist er sechs, wie er gestern Abend feststellte.

Wir sind sehr stolz auf unseren Sohn. Und sehr glücklich und dankbar für diesen wunderschönen Tag mit Sonne, Familie und Freunden.

10. Hochzeitstag

Samstag, März 1st, 2014

Wir hatten in diesen Jahr wieder das unheimliche Glück, dass meine Schwiegermama erneut auf die Kinder aufpasste, diesmal sogar auf den Kleinsten und wir uns für zwei Nächte/drei Tage wegstehlen dürften, um allein und zweisam unseren 10. Hochzeitstag zu feiern! Zweistellig!

Es kippelte bis zum Schluss, ob wir fahren könnten oder nicht. Emil hatte ein paar Tage vor der Abreise einen fiesen Pseudokruppanfall, was mich zusätzlich nun nicht voller Leichtigkeit fahren ließ, hängt er doch eh so an mir, wird immernoch nachts ab und an wach und mag dann nur auf oder neben mir liegen. Aber ich hatte Vertrauen, wusste alle sind in sehr guten Händen, sie ist und bleibt ein Profi- obwohl mich das mit dem fehlenden großen Auto echt nervös gemacht hat, was Quatsch ist, denn ich bin manchmal auch allein mit allen und hätte auch kein Auto :)

Wir hatten wirklich schöne, aber auch total anstrengende Tage und freuten uns am Ende mehr auf zu Hause, als auf noch neuere Abenteuer- so muss das sein, wenn man dann gern nach Hause kommt. :)

So und nun bin ich wieder daheim und ein Drittel meines Lebens verheiratet, klingt ein bißchen irre. Aber es macht mich sehr stolz und glücklich! <3 Nach wie vor ein toller Mann an meiner Seite! :)