Einleitung, eine alte

Heute vor 8 Jahren wurde die Geburt von Noah bei schon 37+0 eingeleitet. In den letzten Tagen hat mich das sehr beschäftigt, vielleicht ist und bleibt es sein Start ins Leben, vielleicht auch das gerade wieder schwanger sein, die mich in diesem Jahr nicht mehr loslassen.
Alles hatte in der 34. Schwangerschaftswoche begonnen, als ich nichts ahnend ins Zimmer meines Arztes ging und eigentlich direkt heim und von da aus, ins KH geschickt wurde. Ich hatte Wehen. Ich hatte sie noch gar nicht als solche empfunden und plötzlich lag ich da inmitten eines Dreibettzimmers mit Thrombosestrümpfen und Tokolyse. Zu Hause war meine kleine 16 Monate alte Tochter, das Krankenhaus wurde gerade umgebaut, es war also laut und einfach eine schlimme Zeit dort zu liegen und nicht zu wissen, wie lange, sich zu fragen, ob es dem Bauchbewohner gut geht, während man andere Babies schreien hört oder neben sich liegen hat. Es dauerte diese ganze Woche, also fünf Tage bis ich im Kreisssaal geschoben wurde. Man wollte mir Mittelchen geben, Nadeln setzen und ich weigerte mich. Seit fünf Tagen versuchten wir diese Wehen in den Griff zu kriegen und egal wie hoch die Tokolyse gestellt wurde, die viel Herzrasen und Übelkeit herauf beschwor, es half nicht, die Wehen blieben unverändert. Die Hebamme, die vor mir stand, werde ich nie vergessen, sie fragte mich, ob ich mein Kind raus schmeißen wolle, aber das wollte ich natürlich nicht. Ich wollte wissen, warum ich Wehen hatte, nicht sinnfrei weiter die Symptome stoppen und siehe da, endlich gab es eine Diagnose. Ich hatte zuviel Fruchtwasser. Eine seltene Geschichte in der Schwangerschaft, aber ich hatte genau das. Mein Umfang betrug über 130cm und ich hatte Fruchtwasser für zwei Kinder zeitweise. Diese Diagnose half uns wenig. Im Gegenteil nun hatte ich weiter Wehen und Angst um mein Kind, denn es stand im Raum, ob wir das zu viele Fruchtwasser nicht mit einer Nadel abführen wollen und das Wasser einschicken, um untersuchen zu lassen, ob unser Kind eventuell krank ist, Chromosen zuviel hätte und deswegen das Fruchtwasser so viel war. Außerdem durfte ich nicht mehr allein sein, hieß es. Wenn die Blase wegen des enormen Drucks springen sollte, müsste ich sofort liegend ins Krankenhaus gebracht werden, damit die Nabelschnur nicht vorfiele. Es waren furchtbare Tage, Wochen, Nächte. Für ein paar Tage kam sogar meine Mama, nur um irgendwie die Zeit gut rumzukriegen. Ich konnte kaum noch schlafen. Und dann sagte mein Arzt die Zauberworte: Unser Kind wäre nun soweit. Wir könnten zur Einleitung gehen, nun wäre Noah kein Frühchen mehr und könne auf die Welt.
Endlich! Endlich was tun. Ich ging also aufgeregt in den Kreisssaal heute vor 8 Jahren und ließ seine Geburt bei 37+0 einleiten, weil ich dachte, es wäre das Richtige.
Die Mittel schlugen an und trotz der Einleitung erlebte ich diese Geburt als traumhaft und selbstbestimmt. Zwischendurch liefen wir zwei Mal nach Hause, wo meine Schwägerin Zoe versorgte. Wir aßen erst zusammen Mittag, später ging ich in die Wanne. Nach 17Uhr zurück im Kreisssaal dann die Nachricht, die Blase wäre gerissen. Es gab also wirklich kein zurück mehr. Und als die Hälfte geschafft war, entschied ich mich für eine PDA, die ich auch bekam. Die zweite und letzte meines bisherigen Lebens. Es war traumhaft. Alles war wieder im Lot. (Ich hatte unter Vollnarkose eine Korrektur-OP vor der Schwangerschaft und Sorge, die Schmerzen würde schlimmer werden unter der Schwangerschaft, stattdessen aber wurde es viel besser. Als Zoe nicht einmal ein Jahr alt war, nicht laufen konnte und mir schrecklich schlecht war, als ich in ihrem Zimmer in der Kuschelecke lag, fragte ich mich schon, ob ich da nicht komplett zuviel gewollt hatte mit zwei Kindern unter Zwei, aber auch die Ängste waren fort.)
Während ich so überwältigt von der ersten Geburt war, hatte ich jetzt das Gefühl, mein Körper wisse genau, was er tun muss. Mir kam das alles so bekannt vor und ich hatte ein gutes Gefühl. Alles war so wie es sein sollte. Und dann schwamm Noah in zuviel Fruchtwasser auf diese Welt und nichts war mehr so schön, wie es grad gewesen war. Er schrie nicht und die Hebamme rubbelte nervös an ihm herum. Kurz gefasst, Noah war anscheinend nicht bereit für diese Welt, er wog zwar bei 37+1 fast 3920Gramm und war 56cm lang. Aber er hielt seine Temperatur nicht und sein Zucker war auch nicht gut. Also wurde er mir „weggenommen“ und versorgt. Nils schickte ich mit, aber es war furchtbar nicht bei ihm zu sein. Man probierte es wirklich, aber er schaffte es noch nicht allein. Wir blieben am Ende drei lange Tage, in denen wir nicht wussten, ob er gesund war, denn man hatte eine Blutkultur angelegt und wartete die Ergebnisse ab. Ich konnte kaum stehen nach der Geburt und niemand bot mir einen Stuhl neben seinem Wärmebettchen an. Ich wäre auch nicht auf die Idee gekommen zu fragen, ich bat darum ihn füttern zu dürfen und wurde dabei kritisch beäugt, denn ich gab ihm die Flasche, stillen wollte ich nicht, nachdem das bei Zoe alles so schief gegangen war. Als wir dann endlich zu Hause waren, war nicht alles wieder gut. Ich machte mir Vorwürfe, ich brauchte Zeit das alles zu verarbeiten, denn eigentlich wollte ich ambulant entbinden und zu Hause war ja unsere Tochter gewesen, zwar in besten Papa- Händen, aber zu weit weg von mir. Ich denke also noch heute daran, auf meine Fragen, werde ich nie die eine Antwort bekommen… und das ist so kurz gefasst es geht, was mir heute und die letzten Tage so im Kopf herum spukt…

One Response to “Einleitung, eine alte”

  1. Schwesterherz Says:

    Geburten sind wahnsinnige Ereignisse /Geschichten die so vielfältig sind. Ichbin teilweise froh über die Medizin, aber sie lässt dich manchmal nicht mehr du selbst sein. Eine Geburt muss auch selbst bestimmt von der Mutter sein . Sie sollte mehr auch auf sich hören. Trotzdem ist eine ärztliche Begleitung wünschenswert. Ihr habt schon alles richtig gemacht. Man entscheidet intuitiv. Jedenfalls happy birthday Noah ♡