Archive for Mai, 2014

1 Kuchen, 3 Kinder…

Freitag, Mai 30th, 2014

Heute kam ich auf die Idee noch schnell einen Gugelhupf backen zu wollen, ich fand nur nicht DAS Rezept, das mich ansprang und ich hatte auch nicht alles an Hülle und Fülle da.
Ich gebe zu, wenn es dann noch schnell gehen muss, wiege ich oft erstmal alles ab, fette die Form ein, bevor ich auch nur eine Sekunde lang ein elektrisches Gerät einstelle, denn dann passiert folgendes:

ALLE (anwesenden) Kinder kommen angelaufen.

Die versuche ich dann abzuwehren, das klingt nicht nett, ich weiß, aber ich backe dafür wirklich zu oft und wie ich hoch und heilig da oben gelobte, natürlich tue ich das nicht immer, meist wenn es schnell gehen muss.

Weil heute Brückentag im Kindergarten war, kam also erst der Viertgeborene:

Der Ben: „Was machst du da?“
Die Mutter: „Kuchen backen.“
Der Ben: „Ich mag den Handmixer nehmen!“
Die Mutter: „Nein! Heute mach ich das mal nur für mich ganz allein, du darfst ihn nachher essen!“
Der Ben, drängelt, datscht was an: „Ich will aber!“
Die Mutter: „Nein, heute mal nicht!“
Der Ben: „Du bist DOOF!“

Der Drittgeborene kommt, als der andere geht:

Der Tom: „Was machst du da?“
Die Mutter: „Einen Kuchen backen!“
Der Tom: „AWWW! Das ist aber nett von dir!“
Die Mutter: „Ja, manchmal kann ich auch nett sein, wenn ich nicht gerade doof bin.“

Das Kind geht ab, das Kleinkind kommt.

Unsere Unterhaltung läuft eher non- verbal. Er murmelt was auf kleinkindisch, ich lasse ihn gewähren. Frage ob er seinen Stuhl holen mag, um zuzugucken. Das macht er, schiebt ihn aber zum Backofen, dreht an allen Knöpfen, so das der Backofen sich augenblicklich selbst reinigen möchte und 300 Grad heiß wird. Ich bin behilflich, wir sind nun beim Induktionsfeld angekommen, auch hier sind Emils Finger flinkt. Timer werden eingestellt, die Suppe aus. Nach einer kleinen Ewigkeit schiebe ich ihn noch weiter zu mir, wo er mir augenblicklich das Gerät aus der Hand nimmt und rührt. Ähm ja. Man kann sich auch nehmen, was man will… Ich gebe auf. Ich wollte doch nur einen Kuchen backen.

Am Ende sind alle glücklich, naja fast. Emil bekommt alles zum Abschlecken und leider bleibt das nicht unbemerkt. Mehr oder minder gern wird da geteilt, aber mit Lippen ablenken, kommen alle im Anschluss vom Händewaschen. Na bitte, geht doch oder so.

Vatertagserwachen

Donnerstag, Mai 29th, 2014

Unser Vatertag begann mit so etwas wie Ausschlafen, Geschirrklappern und einem Dauerstreit von Tom und Ben, die durchs Treppenhaus liefen und sich Kosenamen zuriefen. Unten angekommen verstummten beide Geräusche: „Zoe, du deckst ja den Tisch!? Das ist aber nett von dir!“, hörten wir Tom sagen. „Ja, heute ist doch Vatertag!“, erwiderte sie. Dann hörten wir Noah, der dazugekommen rief: „Was?! Heute schon?!“ Wir drei oben im Bett lächelten uns an, kuschelten noch ne Runde und unten wurde noch schnell gebastelt, nur ein paar Kleinigkeiten, aber die kamen von Herzen. :)

Wächst mit?

Dienstag, Mai 27th, 2014

Gestern Abend hat der liebste Mann eine Zecke in unserer weißen, eigentlich nur drinnen zu wohnenden Katze gefunden (, die öfter mal ausnutzt, dass wir die Terrassentür auflassen und ausbüxt.) Das dichte Fell machte es schwierig den Parasiten zu fassen zu bekommen, vor allem aber dachte ich dabei außer „Igitti!“ „Och ne! Jetzt musste auch noch abends die Kinder absuchen nach den Viechern.“ und besser aufpassen.
Mir kam dann nur ein Satz in den Sinn: „Da wächst man rein.“ Und da wächst man eben nicht rein. Nicht in alles. Wir sind halt ein paar mehr Menschen und wenn wir Zähne putzen, dauert das. Alles dauert irgendwie mittlerweile, Kleinigkeiten in der Hausarbeit, aber auch fiese Wochen, wenn wir alle Fieber oder Magen- Darm- Infekt haben, dann eben mal Sieben! Und da wächst man nienienienienie rein. Es summiert sich. Aus manchen Dingen wachsen die Kinder eben raus, aber aus anderen nicht. Und wir leider nicht gekonnt locker flockig rein.
Vieles machen die Kinder schon selbstständig, manches durchdacht von uns eben nicht. Es bleiben genügend Aufgaben, die an uns Eltern kleben bleiben- manchmal vielleicht sogar pädagogisch wertfreier es so zu halten, aber aus logistischer und ökologischer Sicht dann wieder gut, dass wir sie machen. :)

Blau

Donnerstag, Mai 22nd, 2014

Die Frau am Eingang sah mich an, als wäre ich geistig nicht ganz auf der Höhe: „Aber der Bademeister hat gerade durchgesagt, dass in 15 Minuten die Badezeit um ist.“ Aber nun war ich da, genau jetzt und ich hatte eine viertel Stunde Zeit! Ich trug bereits meinen Badeanzug und war so etwas wie frisch rasiert, ich hatte die Ansage selbst gehört, war nicht begeistert, aber ich würde nicht gehen, ehe mein Körper das kühle, blaue Nass berührt hatte. Mir war warm, ich hatte mich gefreut! Es ging um mein Seelenheil, ein Stück von mir, quasi um Leben und Tod. Und das für den lächerlichen Preis von einem Euro! Lasst mich durch!
Und so liess mich die Frau ins Freibad- kopfschüttelnd, denn sie hatte ja keine Ahnung wie viele Wochen und Monate ich am anderen Ufer der Amper entlang gegangen war, mit Blick zur anderen Seite und Erinnerung an das letzte Jahr, den letzten Sommer.
Auf wie viel hatte ich verzichtet in den Monaten zuvor, wie wenig hatte ich für mich getan und wie wenig Zeit blieb mir nun, bis mich wieder ein kleiner zauberhafter Mensch brauchen würde -rund und die Uhr- und sich wieder nicht an Schliesszeiten von öffentlichen Badeeinrichtungen halten würde…
Wasser ist einfach meines, es erdet mich, allein dieses Blau ist ein Traum, zusammen aber im Freibad mit dem Wind, dem freien Himmel über mir, umringt von alten, grünen Bäumen ist es noch einmal viel schöner und das eben stark begrenzt auf ein paar Tage und Wochen im Jahr- anhängig von Wetter, Öffnungszeiten, Mann und Kindern und mein Wochenbett schmeiss ich in diesem Jahr auch noch in den Topf. Es war eine Wohltat, ein Befreiungsschlag, ein Anknüpfen, ein sich Fallenlassen und Abschalten, ein Krafttanken, ein Trösten über Meeressehnsucht hinweg, ein Aufatmen und in einjährigen Erinnerungen abtauchen, während man dabei ist neue Erinnerungen zu erschaffen.
Wie sehr hatte ich davon geträumt im letzten Jahr, aber es nie für möglich gehalten in diesem Jahr eine der Frauen dort mit Kugelbauch zu sein, heute mein Bauchbaby mit unter Wasser zu nehmen und ein Stück von mir zu zeigen.
Es waren nur vier Bahnen, die ich langsam schwimmen und geniessen konnte bis der Bademeister, die Gäste aufforderte das nasse, kühle Blau zu verlassen, aber es waren meine vier Bahnen und die kann mir niemand mehr nehmen- ein erstes Mal und es war einfach schön.

Ein Mittwoch

Mittwoch, Mai 21st, 2014

Gestern Abend nach einem vollen Tag, an dem alles rund lief, fiel mir ein, dass ich heute morgen einen Termin zur Zahnreinigung hätte. Fühlte sich ein bißchen an wie „Zonk“. Da ich, wir alle mit den Zähnen so Probleme haben und vor allem ich in den nächsten Wochen und Monaten nicht dazu kommen würde den Termin nach zu holen, hütete der Mann die -Überraschung- kranken Kindergartenkinder und ich genoss den Fußweg in die Praxis kurz vor 8Uhr in der Früh.
In der ich sofort Kontakt aufnehmen durfte mit einer super lieben Zahnarzthelferin (zahnmedizinische Fachangestellte), die sich meiner annahm und wir fanden mit dem Bauchbaby und dem letzten Termin für die nächste Zeit, bis Anton bereit wäre auf mich zu verzichten auch gleich ins Gespräch. Man versucht ja trotz Geräten im Mund und fiesen Blutungen am Zahnfleisch immer miteinander zu quatschen und das schafften wir irgendwie auch, trotz polieren und Pasten.
„Ist das Ihr erstes Kind?!“- und ich antwortete wie gerade von den Kindern beim heimlich Schokoladenaschen in der Küche überrascht: „Äh… nein…“ Sie hatte da ganz feine Antennen und fragte nach zwei Minuten noch mal vorsichtig nach: „Wie viele Kinder haben Sie denn?!“ – „Ähm (den Mund wie immer noch mit Schokolade voll, in Wirklichkeit war es ein Sauger) fünf?!“ Das fand sie ganz klasse. Ich gestand, dass ich oft gar nicht sagen würde unterwegs, dass da noch Kinder fehlen… die andern Kinder einfach verschweigen würde, wenn jemand Nettes sagen würde: „Mei schee, drei Kinder hatte ich auch!“ oder „Ich hatte auch drei Geschwister!“ Ich glaub, sie hätte auch gern mehr gehabt, aber wir blieben beim Oberflächlichen, es müsste ja auch erst einmal klappen, ich glaube das reichte uns beiden und sie war so nett, das ganze Gespräch war so niedlich, das hat einfach Spaß gemacht. „Dann sind Sie vielleicht entspannter? Beim ersten Kind versucht man ja noch alles perfekt zu machen…“ und ich erzählte, dass wir vielleicht auch noch mehr ein Auge auf alles haben, weil wir hier und da so beäugt werden würden und wenn mal was schief liefe, dann läge es nur an der Anzahl der Kinder, es gäbe einfach so viele Vorurteile. (Ich erinnerte mich auch an schlimme Gespräche, während der Rückbildung mit Emil, aber das verschwieg ich.) Diese Frau war unheimlich lieb und einfühlsam. Es war echt ein schönes Gespräch.
Beschwingt und mit sauberem Mund ging ich danach zum Metzger und holte ein Huhn, denn ich wollte Suppe für die kranken Männer machen. „Ach Sie haben sich aber ein Wetter ausgesucht! Wenn das jetzt so warm wird, das wird bestimmt beschwerlich!“- Ich antwortete, dass es noch neun Wochen wären… „Ihr erstes Kind?“ Ich grinste und sagte wieder „Ähm nein…“ Als ich bezahlt hatte, fragte die liebe Frau mich: „Wie alt ist denn das Ältere?“ Und ich sagte nur frech: „Welches?!“- „Wieviele haben Sie denn?!“ – „Ähm- fünf?!“ :) Da wurde die andere Verkäuferin hellhörig, schaute auf und strahlte: „Frau Kassiopeia, (Frau vom Mann der hier jeden Samstag einkaufen kommt)?!“ – „JA! Die bin ich!“ Und alle freuten sich und wünschten mir einen schönen Tag. Herrlichst!
Ich lief also nach Hause, bei bester Laune und Traumwetter, kaufte unterwegs noch die tägliche Ration Erdbeeren. Der Mann fuhr in die Arbeit und würde später kommen. Die Jungs sahen ganz gut aus, ich mailte der Oma und telefonierte kurz mit ihr wegen der Tagesplanung. Aber sie wollte die Beiden trotzdem abholen. Und das tat sie auch, kurz nach 11Uhr. Und danach war es einfach traumhaft still, Emil schlief gegen 11.30Uhr im Kinderwagen ein und ich lief heim, machte mir eine Erdbeermilch und las ein bißchen im Internet, genoss die Ruhe, keine Rasenmäher heute, nur Sonne sonst nichts, nickte 20min ein und quälte mich dann aus dem Bett, denn ich hatte einen Plan (oder wollte ich nicht doch viel lieber „nichts“ tun? Nein, die Chance käme so schnell nicht wieder.) Also lief ich zum Krankenhaus mit noch immer schlafenden Emil im Kinderwagen, holte dort Bargeld, lief zur Bushaltestelle zurück um zu Warten. Und dort hatte ich noch einen netten Schwatz mit der Nachbarin, dann kam unser Schulbus und unsere großen Söhne stiegen aus, dann schloss der Bus die Türen und fuhr los. ÄH? ZOE? Mein Plan? Ist sie in der Schule geblieben? Hallo? Hallo? „DA! Da! Sie sitzt im Bus!“ rief meine Nachbarin und ich rannte dem Busfahrer mit dem Armen fuchtelnd und seinen Namen rufend hinterher (Total sinnvoll, hat er bestimmt gehört!). Und da er ein sehr aufmerksamer Fahrer ist, blieb er dann wirklich (GOTTSEIDANK) stehen und öffnete mitten am Wegesrand noch einmal seine Tür. Der Bus wäre weiter mit den anderen Schülern ins Niemandsland gefahren. Da wäre ich nie selber hingekommen. Nie. Zur Schule fährt wenigstens noch ein Bus. Sie hatte gequatscht. Und ups, den Ausstieg verpasst. Ja, Glück gehabt, denn ich wollte doch mit meinen heutigen drei Kindern das allererste Mal ins Freibad fahren.
Wir warfen Schultaschen zu Hause also hin, dafür Reste in meine große Tasche, lachten über alles und liefen zum Bus, der uns zu einem leeren und wunderbaren Freibad fuhr. Emil, Noah und Zoe aßen erst matschige Pommes, dann schwärmten sie aus und hatten sichtlich Spaß. Ich saß dann da auf meiner Bank, schaute immer wieder auf Emil im Kleinkindbereich, suchte regelmässig die Großen mit den Augen und war wirklich einfach nur glücklich in dem Moment. Der Wind fuhr durch die warme Luft, ich fühlte mich aktiv und lebendig, es war einfach und simpel wunderschön. Viel Zeit blieb nicht, zu Hause warteten ja Schultaschen mit Hausaufgaben und kranke Kinder wurden wieder gebracht. Ich rubbelte die Kinder immer wieder trocken, gab versteckt Küsse unter langsam klammen Handtüchter und packte final unsere Tasche wieder ein und lief ein letztes Mal mit Emil und Zoe zur Schaukel, dort legte ich mich hinein (und dachte ich käme nie wieder raus) und freute mich über die vielen, alten grünen Bäume über uns- Emil kuschelte sich an Anton und mich, Zoe legte sich auch dazu. Es war einfach nur schön, wie so über uns ein Lüftchen wehte. Das war mein Moment des Tages. Genuss pur.

Schaukel

Zu Hause kam dann eine liebe Oma kurz nach 16Uhr mit zwei weiteren Kindern und vervollständigte uns wieder. Ich packte aus, machte eine Maschine Wäsche an und fing an zu Kochen. Ein Brathühnchen mit Ofengemüse und leckerer Soße sollte es nun werden- und das Ganze bitte draußen auf der Terrasse.
Und so verzettelte ich mich müde in meinen mir selbst auferlegten „Verpflichtungen“, ebenfalls müden Kindern, die hier und da stritten, Hausaufgabenhilfe… Aber ich kriegte dank Hilfe von ein paar hilfsbereiten Kindern alles hin, umschiffte eine „Ih was ist dann denn? Ich hatte mich so drauf gefreut!“- Krise, putzte allen die Zähne, ganz akkurat mit Zahnseide, zwischendrin kochte ich angesabberte Zahnbürsten aus, weil Emil sie im Mund gehabt hatte und war fix und fertig als das TV- Programm beendet war. Entließ die Großen nach oben, hütete unten die drei Kleinen, während ich versuchte mein Kochmanöver wieder sauber zu machen, im Hinterkopf Nachrichten meiner Mama, aber telefonieren wollte ich so nicht, wenn die Kinder noch so stören. Emil störte aber mein Einräumen der Spülmaschine und ich wäre dem Liebsten am Liebsten um den Hals gefallen, (denn er entführte mir Emil nach dem Gute Nacht sagen der anderen Zwerge nach draußen im Kinderwagen und kam mit schlafendem Knirps zurück) als er gegen 20Uhr nach Hause kam, räumte den Rest noch auf, rief meine Ma an und schrieb dann noch eine Email, der Rest Emails wartet wie eh und je auf freie Zeit, haha :) Es geistert noch der schlechteste Schläfer durchs Haus, zu gesund anscheinend… nun kurz nach 22Uhr hat auch er in den Schlaf gefunden und ich hab meinen Text getippt und versucht Korrektur zu lesen und geh dann jetzt ins Bett:)

Das war mein Tag. Voll. Und unperfekt, aber rund und schön und unvergesslich.

Grinsende schwangere Yoga- Katze

Freitag, Mai 16th, 2014

Heute beim Yoga. Wir wiegen unser Bein, so verdreht im Sitzen, halten es Umschlungen. Ich hinterfrage nichts, ich will ja was lernen. Ich wiege mein Bein, soweit das geht, denn ich kann mich kaum halten so aufrecht. Dann sagt die Lehrerin vorn, wir könnten später unser Kind in dieses Bein legen und wiegen… Ja…, könnten wir, durchfährt es mich, aber warum sollten wir das tun, wenn wir es ihm Arm wiegen können (oder eine Nonomo uns den anderen das abnimmt)?
Und während ich so meinen Gedanken nachhänge, erzählt sie von ihren Kindern und dem Singen. Sie hätte schon immer gern und viel gesungen. Natürlich fiel ihr die positive Wirkung erst beim zweiten Kind auf, natürlich. Quasi hätten ihr zweites und drittes Kind ihre (Gesangs-) Stimme schon gekannt und wären dann bauchauswärts beim Erklingen der ersten Takte schon eingenickt. Zufrieden blickt sie in meine Richtung, ich könne das bestimmt bestätigen. Ich möchte mich umsehen, wen sie genau meint, aber sie schaut wirklich mich an. Ich grinse, denke an lange Abende, die mein Kind nicht einschläft (egal welches der drei Letzten). Denke an den gestrigen Abend und das Zufallen der Augen vom kleinen Kobold alias Emil bei „Schlaflos in Seattle“ um 22Uhr neben mir auf dem Sofa, das Patschen der Füsse zuvor um den Esstisch und die Stunde davor im Kinderwagen mit seinem Papa draussen und die Freude danach wieder zu Hause zu sein: „Hallo, Mama!“ und sage zum zufriedenen Lächeln vor mir: „Öhm, nein!“
Dann hätte ich wohl nicht gern gesungen, sagt sie mit ihrem Zen- Lächeln in meine Richtung zurück.
Das mag stimmen, denke ich. Aber… man darf ja nicht jammern. Das passiert denke ich oft, wenn man beim Dritten einknickt und aufhört zu Ferbern. (Da springen doch sofort alle Ferberatisten aus ihren Löchern!) Ja, Kollegen ich mochte euch gern! Es hatte alles seinen Sinn. Doch dann kam ein anderes Gefühl. Es ist zwar nicht leicht, aber es geht auch anders. Ich möchte mit Nichten sagen „besser“, um Gottes Willen, meine müden Äuglein würden mich auslachen. Da würden mir quasi Bein und Lächeln entgleiten. Ich möchte nur denken, wenn ich eines sagen darf, dann das jedes Kind anders ist. Und vielleicht eventuell unter Umständen hätte das vierte Kind unserer Sängerin beim Erklingen ihrer Stimme geweint, freudlos. Wer weiß?
Und weil wir immerzu andere kleine neue Menschen bekommen, verhalten wir Eltern uns auch immer anders. So bekommt das ganze noch einmal eine schöne runde Eigendynamik.

Und nun entschuldigt mich, ich geh jetzt meinem Kind im Bauch was vorsingen, ohne mein Bein zu wiegen, nehme ich an. Vielleicht klappt es ja diesmal mit dem raschen Einschlafen, man muss es nur gern machen dieses Singen oder so. :)

Diese Tage

Dienstag, Mai 13th, 2014

Am Morgen rollte ich mich heute etwas eher aus dem Bett, wir hingen mit unseren Plänen alle etwas in der Schwebe. Gestern hatte ich noch sehr viel gebacken, aber es war nicht klar, ob das Wetter mitspielen würde und die Kindergartengruppe des Vorschulkindes wirklich zu uns zu Besuch kommen könnte. Als Alternative hatte ich eingeplant sonst mit den Backwaren in den Kindergarten zu fahren. Was zwar kein Weltuntergang, aber nur eine Notlösung gewesen wäre, denn eigentlich war ja der Wunsch, dass alle ein letztes Mal hier her zu uns kommen. Und wir hatten es bereits einmal verschieben müssen, als Tom letzte Woche krank gewesen war und noch einmal würde ich das wohl nicht hinkriegen mit der Backerei, die Schwangerschaft schreitet mit zu großen Schritten voran.
Also wartete ich fix und fertig angezogen auf den Mann zurück von der Bushaltestelle und den Anruf, der das zu uns kommen bestätigte. Als der Mann dann zurück war, wusste ich, dass wir Besuch bekämen und freute mich darüber sehr, aber der Mann fluchte, weil der Schulbus beinahe ohne unsere Kinder los gefahren wäre mit anderem Fahrer, der zu früh dran gewesen war. Schon mal ganz unguter Tagesstart.
Ben durfte zu Hause bleiben, weil sein Bruder ja bald zurück käme und so würde ich mir das Abholen mittags sparen. Es war angenehm still und stressfrei. Ich machte schon einmal Teller mit Muffins und Cookies fertig und genoss diese Ruhe. Ich hätte genug Zeit zum Frühstücken, noch einmal durch die Zimmer zu streifen, durch die Bäder zu gehen, die Erdbeeren von Gegenüber zu holen und zu schneiden. Dann sah ich mitten beim Müsli in den Mund schaufeln in den Kalender und da stand es: „Noah Schwimmen“. Da ging dann ein beherztes „Fuck“ durch meinen Kopf. Wieder vergessen, wieder er. Ich machte mir sofort Vorwürfe. Niemand hatte daran gedacht, weder er selbst noch wir Eltern. Kann doch nicht wahr sein, dass passiert immer, wenn man was anderes im Kopf hat. Ich seufzte und rief den Mann an, aber der saß nach dem Kindergartenintermezzo, um Tom abzugeben schon in der SBahn. Wann sie losfahren würden wollte ich wissen, darum kümmerte sich Nils, von unterwegs rief er im Sekretariat an und machte wieder alle Telefonarbeit- in 30min würde es losgehen. Ich erreichte meine im Kopf flexibelste Freundin leider nicht, also flitzte ich in den Keller, holte Noahs Sporttasche, rannte hoch und warf alles rein, rief Ben zu er solle sich anziehen, wir müssten sofort los und waren auch schon weg. Ich hörte den Bus, der zu spät war um 9.07Uhr, nahm Ben an die Hand und wir sprinteten, der nette Busfahrer hatte Erbarmen, denn zu Fuß wäre es eng geworden- mindestens 20 min zu Fuß. Um 9.17Uhr lief ich mit den Kindern in die Schwimmhalle rein, wartete auf eine nette Frau mit Schwimmhallenoutfit und erklärte ihr die Lage. Die Frau war super nett, merkte sich Klasse und Namen und schon war ich wieder weg, weil wir den Bus 9:25Uhr bekommen wollten und mussten, denn gegen 9:45Uhr hatte sich die Kindergartengruppe angemeldet. Der Bus kam auch und wir fuhren zurück. Ich brauchte immer noch die Erdbeeren, aber mein Geld lag abgezählt zu Hause. Ich fasste mir ein Herz, ging zu dem kleinen RundumdieUhrStand zu der netten Verkäuferin und die sagte sofort „Ja!“, als ich fragte, ob ich später zahlen durfte. Sie kennt uns zwar, aber sie hätte das nicht tun müssen und es war einfach super lieb von ihr. Ich ging so happy nach Hause. Dort wusch ich die Beeren und schnitt sie, ging nur noch über eine Toilette und saugte noch, bevor es klingelte. Tom genoss den Trubel sehr, die Kinder spielten und aßen gemütlich und dann wars auch schon wieder vorbei und sie mussten zum Mittagessen zurück in den Kindergarten. Tom blieb natürlich, Ben war da und Emil müde. Ich wickelte den Kleinsten und steckte ihn in seinen Kinderwagen, in dem er beinahe sofort einschlief. Nicht mal eine Stunde später, kündigte sich der Schulbus an, Tom und ich gingen die Erdbeeren bezahlen, Noah stieg mit Schwimmtasche aus und ich war so dankbar, dass auch das geklappt hatte. Zur Feier des Tages durften die Kinder noch einen Moment DVD schauen und ich kochte ganz in Ruhe. Ich hatte immer noch Schmerzen von dem Sprint am Vormittag, jeder Schritt tat seitdem sauweh. Ich wollte nur etwas Ruhe reinbringen und das gelang auch ganz gut. Beim Essen erzählte das große Kind glücklich von der Schwimmtaschenübergabe, also war auch das ein voller Erfolg gewesen. Ich war erleichtert. Nach dem Essen war Hausaufgabenzeit und Tom und Ben fanden nicht ins Spiel, waren komisch drauf und Emil mittendrin. Auf einmal fing Emil an zu weinen, ich hatte nur nicht gesehen wieso eigentlich. Er hörte nur nicht auf, ich nahm ihn und kuschelte ihn. Versuchte aus Tom raus zu bekommen, ob er etwas gesehen hatte. Das dauerte etwas. Emil wimmerte derweil weiter und mir kam das sehr komisch vor, erst dachte ich an seinen Kopf, aber er hielt sich die Hand. Die schonte er. Ich dachte nur, er wird doch nicht… soviel Pech kann man doch nicht haben. Egal was ich machte, er bewegte den Arm nicht und hielt sich immer wieder die Hand. Unter seinem Klagen rief ich den Mann an und wie schon letztlich geschrieben, dass ist ja immer die letzte Option. Ich wäre allein mit den Kindern in die Klinik gefahren, aber beim Röntgen durfte ich ja vermutlich eh nicht dabei sein, Nils kam mir dann entgegen, meinte er, seine Mama hätte heute einfach keine Zeit. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil Nils ein Meeting verpassen würde. Tom hatte in den Zwischenzeit vom Unfallhergang erzählt, Emil wäre genau auf den Arm gefallen. Meine größte Sorge war, dass er sich das Schlüsselbein gebrochen haben könnte, denn das hatte ich als Kind mal geschafft und Brüche und Kinder ist immer so eine Sache, das merkt man nämlich leider immer nicht sofort. Ohne Auto und mit über einer Stunde, eher eineinhalb Stunden Fahrzeit, musste ich aber schnell überlegen und konnte nicht noch zu Hause abwarten, war mein Gefühl. Ich suchte alles Sachen zusammen mit Hilfe der großen Kinder, allen voran Zoe, delegierte Aufgaben, bat die Mäuse sich anzuziehen, zog mich an, setzte Emil vorsichtig in den Kinderwagen und fuhr mit den Kindern und dem Bus um kurz nach vier zum Bahnhof, kaufte eine Fahrkarte für die Innenstadt und stieg in die S-Bahn. Unterwegs stieg Nils zu und wir aus. Er übernahm dann Emil, meine Tasche und den Kinderwagen und ich fuhr mit den anderen vier Kindern im Feierabendverkehr zurück nach Hause. Zu Hause dann großes Vermissen von Emil -als ich nur vier Gläser aus dem Schrank holen musste, hätte ich fast geweint, zu groß war die Anspannung- und Sorgen machen, ob ich zu hysterisch gewesen war, ob es ihm gut ginge und andere Gedanken, war sehr seltsam nicht beim eigenen Kind zu sein, obwohl Emil seinen Papa abgöttisch liebt und bei ihm genau so in allerbesten Händen ist, wie bei mir! Dann die Erlösung, es wäre wohl nichts dramatisches, es wurde nicht mal geröntgt, sie kämen nun zurück. Ich dachte nur daran, dass dieser super wichtige Elternabend zum Klassenwechsel heute Abend noch wäre und bot an zum Bahnhof zu fahren, um da Emil in Empfang zu nehmen, damit Nils von da aus mit dem Rad zur Schule fahren könnte und rechtzeitig da wäre und das tat ich dann auch. Endgültig mit Abschliessen und meinem fünften Kind wieder zu Hause, schloss ich die Tür heute kurz nach halb acht hinter mir zu. Das war schön. Jetzt warte ich noch auf den Mann und dann braucht nur noch Emil eine Mütze Schlaf -mittlerweile schläft er- und der Tag ist rum. Hoffe ein wenig sehr, dass am Donnerstag bei der Vorsorge alles prima mit mir und Anton ist- bei dem Programm zur Zeit. Eigentlich waren wir nämlich erst gestern beim Kinderarzt etwas abklären und da sind wir ja sonst auch nicht so oft. Aber war auch schön alte bekannte, nette Gesichter zu sehen und zu hören, dass unser Kinderarzt wieder zur U2 zu uns nach Hause käme.

Hätt ich mal nix gesagt…

Freitag, Mai 9th, 2014

Ein bißchen gespannt war ich, ob nach vier kindergartenfreien Tagen die Jungs nun heute wirklich beide fit wären, um in den Kindergarten zu gehen und als sie gehen konnten, genoss ich den Alltag und den entspannten Vormittag mit Emil. Morgens noch hatte ich in Ruhe geduscht, oben im Schlafzimmer dekoriert, gefrühstückt und mich dann langsam auf den Weg gemacht, um die Jungs mittags einzusammeln. Unterwegs kaufte ich Erdbeeren am Stand, lief das Stück zurück auf meinen Weg und hopste noch kurz in den Biobäcker, um ein Brot zu kaufen. Emil schlief schon, ich genoss es meinen Gedanken nach zu hängen, sog gierig wie eine Ertrinkende die Frühlingsluft ein. Es duftete nach Flieder, nasser Erde, immer wieder ließ sich die Sonne blicken. Es war wirklich wunderschön und ich liebe diese halbe, dreiviertel Stunde zum Kindergarten sehr, die erdet mich. Besonders nach Tagen im Haus mit kranken Kindern, wenn man quasi nicht mal einen Schritt vor die Tür gemacht hatte.
Diesen Weg laufe ich (lieber als Bus fahren), seitdem ich schwanger bin. Ich erinnerte mich an die vielen kleinen Etappenziele und das langsame Vergehen der Wochen. Alles zog sich, ich fieberte hin auf liebe Besuche, Nikolaus, Weihnachten, Nils Geburtstag, die Taufe von Emil, Paris, Kindergeburtstage, Ostern und nun ist Mitte Mai, dachte ich heute. Ich war dankbar. An meinem Lieblingsstückweg an der Amper entlang zwischen den Bäumen konnte ich gar keine Stämme mehr sehen, nur Äste und Blätter. Alles so wunderschön anzusehen- grün oder blühend. Vor Wochen war da noch alles grau und braun gewesen, nur vereinzelt sah man sich das Grün durch die dunklen Farben kämpfen. Nun ist es perfekt. Ich war dankbar. Ganz schrecklich dankbar und versuchte mit der Zeit Schritt zu halten. Genau heute liegen noch 11 Wochen vor mir und ich hoffe, dass wir diese Zeit noch gut herum bekommen, damit ich unser Kind bald im Arm halten kann, es kennen lernen, noch mehr lieben, stillen und aufwachsen sehen kann.

Lieblingsweg

Ich wollte pünktlich sein, soweit wie es eben geht mit rundem Bauch. Traf noch eine andere Mama am Ende des Wegs, die ich sehr mag, wir liefen noch das letzte Stück zusammen und unterhielten uns. Der Tom strahlte mich drinnen an, ich sprach mit den Erzieherinnen wie der Tag gewesen war, nach den Tagen Pause und wollte gerade los mit den Kindern. Wir rollten raus. Emil drohte aufzuwachen, schimpfte ein bißchen, noch die Helme aus dem Anhänger holen: „Heute ohne Streiten, wer zuerst an der Haltestelle ist…“ sagte ich noch, weil wir spät dran wären. Sonst ist das großes Thema und sorgt jeden Mittag für Tränen. Und dann sah ich Ben, wie er gegen den Maibaum lief. Wir reden hier nicht von einem echten Baum, einer kleinen Birke angebunden als Liebesbeweis, sondern einem dicken Stück bemalten Holz, einem Stamm, eingekeilt zwischen Metal. Ben schrie. Ich ließ alles liegen und ging in die Knie, ich wollte es mir ansehen und dann sah ich schon wie kleine Rinnsäle an seinem Kopf herunter liefen. Ich nahm das Kind, den Kinderwagen, unseren Kram, Tom und sagte, wir müssten nun sofort wieder rein. Tom solle bitte die Leitung holen. Er ging jemand anderen holen und man brachte sofort Verbandszeug und legte Ben einen perfekten Druckverband an. Ich rief sofort Nils an und sagte nur irgendwas von er müsse sofort kommen. Denn da saß ich: ohne Auto, mit einem verletzten Kind, einem größerem und einem kleineren und dickem Bauch, zwei andere Kinder warteten auf uns. Ben müsste unbedingt ins Krankenhaus, vielleicht muss man es nähen oder kleben, vor allem muss da jemand drauf schauen. Ich dachte nur wie furchtbar das wäre, Ben nicht die ganze Zeit tragen zu können und mit dem Bus sogar einmal Umsteigen zu müssen um überhaupt zum Krankenhaus zu kommen. Ben jammerte ohne Unterbrechung: „Ich hasse das! Ich hasse das!“ Ich fühlte, dass er Angst hatte, das Blut machte ihm Angst. Dieses Rinnen am Kopf. Da half auch nicht, dass ich versuchte für ihn total ruhig zu bleiben. Denn eigentlich war mir unglaublich schlecht. An mir klebte das Blut meines Kindes, ich machte mir Sorgen. Wir kühlten, ich trug Ben in die Garderobe und setzte ihn auf meinen Schoß. Er war ganz still. Atmete schwer und ruhig. Und schlief fast ein. Das weckte etwas Panik in mir. Auch wenn ich das von einem anderem unserer Kinder kannte, aber gerade bei Verletzungen am Kopf ist Schlaf nicht so toll als erste Option. Ich wischte Ben das Blut ab, weil Noah kein Blut sehen kann und ich ja nun nicht genau wusste, wie wir weiter vorgehen. Keine fünf Minuten später fiel mir meine Schwiegermama ein, die hatte Nils aber schon längst angerufen, die hatte ein Auto und Zeit und war sofort auf dem Weg. In meinem Kopf kreiste nur ein wenig alles um den Alltag. Es war 20 Minuten nach 12. In 40 Minuten würden Zoe und Noah aus der Schule kommen, die müsste einer einsammeln, beide haben keinen Schlüssel.
Meine Freundin und Leitung des Kindergarten hob Emil auf meine Bitte aus dem Kinderwagen und der saß um uns herum, wir aßen Gummitiere und Ben wurde fitter, als wir wegen anderer Kinder die Garderobe lieber verließen. Schon kam meine Schwiegermama packte uns ein und fuhr uns zum Krankenhaus. Wo wir kompetent empfangen wurden, nicht lange warten mussten und von einem lieben Arzt versorgt wurden, der so toll auf Ben einging. Eine Narbe würde bleiben, erklärte er mir, während Ben ihm ein Ohr abkaute. Ich freute mich, weil er wieder richtig gut beieinander war. Beobachten sollen wir ihn natürlich, das kennen wir schon und ist nunmal bei Kopfverletzungen so, deswegen liegt das Häschen auch neben mir und schnorchelt. Wir entschieden gemeinsam die Wunde zu kleben mit Hautkleber und draußen saß dann schon der beste Mann und nahm uns ihn Empfang, transportiert wurde der kleine Patient nun im Fahrradhänger von seinem Papa (geschoben). Viertel nach zwei waren wir ungefähr zurück zu Hause, wo die Oma ihre Enkel versorgt hatte. Und ich war erschlagen. Und dankbar. Für unser Gesundheitssystem und die Ärzte und Krankenschwestern und Pfleger, die ihren Job gut machen und für einen da ist, wenn man verletzt ist, dankbar für die beste Schwiegermama, die immer sofort zur Stelle ist, wenn es brennt (und wir hatten Glück, letzten Monat war sie vier Wochen am Stück nicht da!) und die tollen Frauen im Kindergarten, die super Ersthelfer waren.
Ich kam etwas zur Ruhe, legte mich nur kurz hin und machte uns dann mit dem neuen Waffeleisen ein paar Seelenschmeichler. Besprach mit dem Liebsten den weiteren Tag, denn eigentlich standen noch ein paar Dinge an. Der Mann zog sich um, meine Freundin kam und er fuhr mit dem Rad zur Schule, wo man auf ihn zählte und wir leider auch noch Elternstunden leisten müssen. Ich versuchte die Kinder soweit bettfertig zu bekommen, Emil weinte beim Duschen und Umziehen, Noah kämpfte mit den Hausaufgaben, ich kämpfte mit Noah. Und dann schnappte die Tür hinter mir zu.

Und während ich so davon eilte, fragte ich mich noch, ob es das jetzt wirklich wert wäre, der ganze Stress um weg zu kommen, um eine Auszeit zu haben, aber es musste sein. Das erste Mal seit Monaten, seitdem ich schwanger wurde und länger, machte ich mal etwas anderes als Freundinnen treffen nur für mich. Ich glaube kaum Jemand hat eine Vorstellung davon, wie wichtig diese 60 Minuten für mich waren. Vorher hatte ich mich nicht getraut mich anzumelden, für andere Kurse auch nicht, Schwimmen war früher auch nicht gegangen… Und heute wollte ich also zum ersten Mal in dieser Schwangerschaft zum Yoga. Gerade rechtzeitig, heißt ein bißchen zu spät, kam ich dort an und wirkte bestimmt wie ein aufgedrehtes Huhn. Mein Atem ging schnell, ich schnatterte und war wie aufgezogen. Wir stellten uns einander vor, die Leitung zeigte sich etwas amüsiert darüber, dass mein Mann immer anriefe und nie ich und schon ging es los. Ich kenne die Yoga- Lehrerin schon lange, war in anderen Schwangerschaften schon ein paar Mal da und liebe ihre Stunde. Es war großartig. Ich war wirklich entspannt, obwohl ich immerzu leicht panisch auf mein Handy sah, ob es immerhin noch nichts anzeigte. In mir waren Stimmen vom Tag, die ich teilweise zuließ, teilweise wegstieß und währenddessen bewegte Anton sich… Drei Mal kann ich jetzt noch hin, dann pausiert sie, bis im Juli kurz vor meinem Entbindungstermin wieder ein Kurs losgeht. Kurz nach sieben verließ ich also die Praxisräume der Hebammen. Kugelte in Ruhe nach Hause, dachte an den Verlauf des Abends, las Twitter und hing meinen Gedanken nach. Zu Hause wartete meine liebe Freundin und hatte sogar schon die Zähne der Kinder geputzt. Gegen halbacht verließ sie uns und ich brauchte die Kinder ins Bett. Das war nun also mein Tag. Durch und durch durchwachsen. Voller Tief- und Höhepunkte und ganz viel Dankbarkeit.

Dieser Zug endet dort?!

Mittwoch, Mai 7th, 2014

Wenn ich eine Zeitzone ausmachen müsste für dieses Gefühl, dann würde ich wohl sagen es wurde so stark nach Emils Geburt. Diese Suche, dieses Flehen nach Alltag. Alltag ist für mich an dieser Stelle gleichzusetzen mit Ruhe und Ankommen, vielleicht sogar so etwas wie Monotonie. Aber natürlich… erst Recht seitdem Emil auf der Welt war und gerade in seinem ersten Lebensjahr, passierte so viel. Oft war er krank, ein halbes Jahr dieser Zeit musste ich dann meine Arbeit zusätzlich jonglieren, wenn irgendeines meiner Kinder krank wurde. Es stellte sich so ein Gefühl ein, dieses berühmte „Irgendwas ist immer“.
Jetzt aktuell ist es so, dass nach vier Wochen krank sein- und wir sind da echt flexibel und kreativ und vielseitig (Magendarm/ Bindehautentzündung/ fiebriger Infekt)- waren wir jetzt exakt eine Woche gesund. Und schon ist der Nächste wieder krank. Manchmal habe ich dann so Jahrmarktssprüche im Ohr „Wer hat noch nicht? Wer will noch mal?“ (Abgesehen von diesem „Aber das hast du dir ja so ausgesucht!“)
Was mich nun teilweise in eine tiefe Sinnkrise stürzt, weil ich wieder zu Hause hocke und zum „nichtstun“ verdammt bin. Als ich also gestern Abend dem Mann mein Leid klagte und wieder von „ich möchte mal nichts“ anfing, grinste er über beide Ohren und sagte nur etwas mitleidig: „Vergiss es!“

Therapeutisch total wertvoll. Aber das nehm ich mir mal vor, während ich quasi vom Wochenbett mit Anton träume und gleichzeitig nicht mal Angst, aber so eine leise Ahnung davon habe, dass (wieder) alles anders kommt, als gedacht. Der Mann nannte das wichtig(tuerisch) Entropie: Chaos, Unordnung durch zu viele Zufallsvariablen. Der Mann redete weiter von Würfeln und zu vielen Möglichkeiten und dass das mit Anton wohl zunehmen würde, dieses Irgendwasistimmer (dabei leuchteten seine Augen seltsam). Ich hab keine Ahnung was mir Wikipedia da zu erklären versucht, wenn ich das googlen möchte, aber es ergibt so irgendwie einen Sinn (was der Mann da gesagt hatte). Ich übe mich in meinem persönlichen „Find dich mit ab“… Oder aber im schlimmsten Fall wird das mein Thema bleiben, wie die Wäsche und mein Mount Washmore, nur will ich das gar nicht.

Ich versuche mal dieses Bild von dem Leben und dem Fluss zu verinnerlichen… Obwohl langer, ruhiger irgendwie ja mal überhaupt nicht stimmt, aber wir wollen mal nicht so anspruchsvoll sein… der Zug wird nicht enden, sondern einfach weiter fahren. (Wenn der endet ist schlecht, nehm ich an. Ja, heute bin ich witzig.)

Nackig

Freitag, Mai 2nd, 2014

Zu keiner anderen Zeit in meinem Leben fühle ich mich transparenter, ausgefragter aber auch verletzlicher, als in den Zeiten in denen ich, wir ein Kind erwarten. Momentan habe ich nur noch das Gefühl eine riesige, runde Zielscheibe zu sein und für jedermann mein Leben frei zur Diskussion zu stellen. Sicherlich tun da auch meine Hormone ihren Teil zu beitragen, aber es ist ein sehr kleiner Beitrag. Ich frage mich mit jeder weiteren Woche, wo ich nur noch mehr dickes Fell kaufen soll, obs das irgendwo gibt oder ob jemand meine Portion geklaut hat.

Am zermürbendsten ist, dass es immer die gleichen Fragen oder Vorurteile sind. Nicht nur von Fremden! Auch Familie und Freunde können die Vorfreude mindern und mich verletzen. Niemand mit zwei Kindern würde sich jemals so einen Fragenkatalog oder Urteile in der Hülle und Fülle anhören müssen. Es scheint ein mir unbekanntes Gesetz zu sein, wie das Bloggen im Netz, haste mehr als zwei Kinder, musste dir das eben anhören. Mich bedrückt das sehr. Ich hab gar keine Worte mehr dafür wie sehr sich das in mir anhäuft und mich bedrückt. Diese Grenzüberschreitungen gehen einfach zu weit im Moment. Zum Beispiel diverse Hinweise, es gäbe da auch Verhütungsmittel. Oder witzige Fragen an den Mann, ob ich so gern schwanger wäre… Oder aber Sätze oder Blicke wie „Warum kriegt man dann _so viele_ Kinder, wenn man…“ mal meckert, „Selber Schuld, du _wolltest_ ja noch unbedingt dieses Kind, dann beschwer dich mal nicht, dass dir der Rücken weh tut/du heute müde bist/ das andere Kind gerade xyz/oder die Kinder im Dauerlauf krank sind!“, denn „Das hast du dir ja so ausgesucht!“ -Klar, mit zwei Kreuzchen im Wahlschein. Zwei Schritt zuviel. Gefühlt.

Der Mann fragte mich gestern Abend, ob ich schon darüber geschrieben hätte, warum wir noch ein Kind bekommen und ich dachte nur „Höh, wozu?!“ und fragte mich zeitgleich ob er tatsächlich eine Antwort darauf hätte. Dann fiel mir ein Text ein, den ich vor Wochen angefangen hatte zu schreiben, aber nie veröffentlich hatte:

„Gestern Abend habe ich eine Kurz- Doku über eine Grossfamilie mit neun Kindern gesehen, die mir zum einen ein so warmes Gefühl hinterlassen hat und mich zum andern sehr aufgewühlte.
Das warme Gefühl ist ganz einfach zu erklären. Abgesehen (von dieser sympathischen Familie im Film) von dem Wunder in meinem Bauch empfinde ich unsere fünf Streuner nicht als viele Kinder, das war so und das wird erst mal so bleiben. (Wo Großfamilie bei mir anfängt kann ich gar nicht sagen, sicherlich aber bei den anderen, nicht bei mir. Vielleicht bei acht Kindern? Ich kanns nicht beantworten. Wir sind einfach nur wir mit unseren Kindern, ohne Stempel. Was nicht ausschließt, dass ich merke, dass wir auf andere Dritte eine ganz „besondere“ Wirkung haben) Deswegen setze ich es oft in Zeichen, dieses _so_ viel. Und wenn ich es mir zutrauen würde, wenn ich nur den Mut hätte in vielerlei Hinsicht (sicherlich nüchtern auch nervlich und finanziell), aber in erster Linie fürs Herz, könnte ich mir ein Leben neben Anton im Arm mit zwei weiteren Kindern durch aus vorstellen. Nichts wäre grossartiger und toller für mich. Wenn…
Aber noch sorge ich mich um Anton in mir, freue mich täglich über seinen Tanz, wie auf hoher See bewegt er sich in meinem Bauch und zähle die Tage bis ich ihn hoffentlich gesund und munter im Arm halten kann.
Statistisch gesehen war die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Fehlgeburt erhöht nach drei hintereinander folgenden Fehlgeburten, auch wenn Emil sich dann auf den Weg gemacht hatte. Es versetzt mir einen Stich im Herzen, im Krankenhaus im Notfall anzugeben, dass es bereits meine neunte Schwangerschaft ist. Und all das, obwohl wir das Glück hatten nicht auf künstliche Befruchtung oder andere Hilfe einer Kinderwunschpraxis „angewiesen“ zu sein. Alles Dinge, die wir im Kopf hatten nach den drei Verlusten, während der Zeit der genetischen Beratung.
Für mich nun, in meiner Situation sind sie pures Glück diese Kinder. Und ich bete wirklich, dass Anton auch gut den Weg zu uns findet. Ich liebe ihn so sehr, wir alle.
Und deswegen, wenn Dritte über uns reden, zwischen „nun ist aber Schluss“ und „Was tut ihr euch da nur an?!“ sind diese Sätze so surreal. Können nicht ernst gemeint sein. Anton ist kein dritter Fernseher, kein Ding, kein Etwas, kein Möbelstück, das bei nicht gefallen wieder beim Schweden zurück gegeben werden kann, er ist unser (Wunsch-) Kind. Und wird herbei gesehnt, geliebt. Ich krieg das im Kopf gar nicht zusammen. Und das hat nichts damit zu tun, ob das _viele_ Kinderhaben nicht jeder versteht oder auch toll finden muss…“

Es geht um diese meine persönliche Grenze. Privatsphäre. Es mir zugestehen zurechnungsfähig zu sein, dass ich ein Leben schön finden kann, das niemand anders mögen muss. Das Vertrauen meinen Kindern ein gutes Leben ermöglichen zu können, auch wenn ich ihnen nicht die Wohnung, zum Auto, zum Studium spendieren werde können.

Alles wird bewertet. Zu erst einmal das Geschlecht „Ihr könnt wohl nur noch Jungs.“ Dann wird das Tochterkind bedauert, das glaubhaft versucht zu versichern, wie egal ihr das eigentlich ist.

Stufe 2 ist dann schon oft die Frage – ich bin im dritten Trimester schwanger- ob dann jetzt Schluss sei oder wir (etwa) noch mehr Kinder wollen. Das kann zugegeben je nach Gesprächspartner eine sehr schöne oder eine sehr unangenehme Unterhaltung werden.
Und weil es Sie brennend interessiert: keine Ahnung. Ich würde erstmal sehr gern dieses Kind auf die Welt bringen. Und wenn ich nicht so eine Angst hätte eine weitere Fehlgeburt oder gar mehrere zu erleben, wäre ich bestimmt freudiger am Planen. Da wäre auch noch die Frage nach den Finanzen. Je nach Anspruch sicherlich, aber Kinder kosten Geld, Nerven und brauchen Platz.

Was uns direkt zur Stufe 3 führt: „Wo schläft dann das neue Baby?!“ oder auch „Zieht ihr jetzt um?!“
Wo wird so ein Neugeborenes schlafen? Bei uns. Da wo Emil auch schläft, nur das er es mittlerweile größtenteils (toitoitoi) in seinem Bett tut. Und wenn wir etwas Geld angespart haben sollten irgendwann mal demnächst, würde ich ein Bunk bed (eine Art Etagenbett) für vier Jungs in einem Zimmer bauen lassen. Was prompt oft zu Gesichtsentgleisungen führt.
Das Leben von armen Leuten: vier Kinder müssen in einem Zimmer schlafen- ungeheuerlich. Fakt ist die beiden Großen behalten ihre Einzelzimmer. Wir Eltern könnten hausintern in den Keller umziehen und ein Zimmer frei machen, aber all das hat Zeit. Und haben Sie schon mal fremden oder weniger fremden Menschen erklärt wo genau sie wie mit wem schlafen?- Nein? Ich darf das andauernd.

Was ich bräuchte, wirklich bräuchte -so langsam- ist mehr Stauraum in der Küche. Ich brauche mehr Töpfe, größere Töpfe, aber all das wächst. Ganz langsam. Man hat uns nicht einfach von heute auf morgen fünf Kinder vor die Türe gestellt. Wir wachsen da hinein.

Ich kann verstehen, dass das vielleicht spannend ist von Außen, weil es eben doch nicht die Norm ist. Und ich kann Ihnen allen da draußen versichern, dass ich keine hysterische Kuh bin. Nein, ich rede auffallend viel und gern (auch über meine Kinder)- aber ich mag nicht gern nur noch über meinen Kinderwunsch sprechen, von der Zukunft fantasieren und ob ich meinen Kindern auch genug bieten kann. Man mag mir an dieser Stelle zugestehen, dass ich noch durchaus in der Lage bin, so unterscheiden, wo ein Gespräch hin geht und wie ein Satz (zumal wenn ich die Person schon lange kenne) gemeint ist. Und selbstverständlich haben wir auch ganz tolle und liebevolle Menschen um uns herum, die sich aufrichtig mit uns freuen und aufgeregt sind.

Doch die wenigsten Menschen -wage ich zu behaupten- müssen sich wahrscheinlich nackig machen und anderen erklären wie und wann und womit sie ihre Kinder später unterstützen zu gedenken, immerzu erklären, dass man doch auch glücklich sein kann mit (mehreren) Kindern. Ob man ein lebenswertes Leben hat. Ob der Name wirklich sein muss. Wie man sich generell dieses oder jenes vorgestellt hat. Das fordert gerade zu viel Kraft. Und ganz unter uns, das ist eines der allerbesten Gründe eine Schwangerschaft zu verstecken bis das Kind da ist, weil diese ganzen negativ belastenden Gedanken können einfach nicht gut sein für ein ungeborenes Kind.

Hinzu kommen natürlich auch viele mich selbst aufwühlende eigene Gedanken, wenn Freunde zu Besuch sind zum Beispiel- „Sind die Kinder zu laut?!“, „Bin ich die Einzige, die immerzu ihre Kinder auf Etwas anspricht?“, „Und wieder springe ich auf, weil eines meiner Kinder…“ Viel davon ist simple Mathematik- mehr Kinder, mehr Möglichkeiten. Aber ich merke dann hin und wieder auch, dass es in ein Wertesystem abrutscht und manchmal wäre ich gern eine unsichtbare Mutter wie die breite Masse, dann fehlt mir dieses „normal“ sein und das sind dann Momente in denen ich mich nicht nach Großfamilie fühle, sondern nur „anders“ und „beobachtet“.

Diesen äußerst emotionalen Artikel mag ich schließen mit einer unglaublich schönen Anekdote aus dieser Woche.
Nachdem wir am Morgen an der Bushaltestelle von einem älteren Kind ausgefragt wurden, wo und wie und überhaupt „Alter, boah, krass, fünf Brüder hast du dann…“ plapperte die Tochter beim Mittag von weiteren Geschwisterkindern. Ich drehte mich um und sagte ganz liebevoll zu ihr: „Zoe, im ernst?! Du willst dann noch mehr Geschwister? Sogar und obwohl dich andere Kinder doof von der Seite anreden? Nervt dich das nicht?“ und sie sagte mit einer Liebe im Herzen und einer Selbstständigkeit auf der Zunge: „Wieso? Das ist doch etwas, auf das man stolz sein kann!“ – Wenn es nicht schon mein Kind wäre, ich hätte es sofort adoptieren wollen! <3