Grinsende schwangere Yoga- Katze

Heute beim Yoga. Wir wiegen unser Bein, so verdreht im Sitzen, halten es Umschlungen. Ich hinterfrage nichts, ich will ja was lernen. Ich wiege mein Bein, soweit das geht, denn ich kann mich kaum halten so aufrecht. Dann sagt die Lehrerin vorn, wir könnten später unser Kind in dieses Bein legen und wiegen… Ja…, könnten wir, durchfährt es mich, aber warum sollten wir das tun, wenn wir es ihm Arm wiegen können (oder eine Nonomo uns den anderen das abnimmt)?
Und während ich so meinen Gedanken nachhänge, erzählt sie von ihren Kindern und dem Singen. Sie hätte schon immer gern und viel gesungen. Natürlich fiel ihr die positive Wirkung erst beim zweiten Kind auf, natürlich. Quasi hätten ihr zweites und drittes Kind ihre (Gesangs-) Stimme schon gekannt und wären dann bauchauswärts beim Erklingen der ersten Takte schon eingenickt. Zufrieden blickt sie in meine Richtung, ich könne das bestimmt bestätigen. Ich möchte mich umsehen, wen sie genau meint, aber sie schaut wirklich mich an. Ich grinse, denke an lange Abende, die mein Kind nicht einschläft (egal welches der drei Letzten). Denke an den gestrigen Abend und das Zufallen der Augen vom kleinen Kobold alias Emil bei „Schlaflos in Seattle“ um 22Uhr neben mir auf dem Sofa, das Patschen der Füsse zuvor um den Esstisch und die Stunde davor im Kinderwagen mit seinem Papa draussen und die Freude danach wieder zu Hause zu sein: „Hallo, Mama!“ und sage zum zufriedenen Lächeln vor mir: „Öhm, nein!“
Dann hätte ich wohl nicht gern gesungen, sagt sie mit ihrem Zen- Lächeln in meine Richtung zurück.
Das mag stimmen, denke ich. Aber… man darf ja nicht jammern. Das passiert denke ich oft, wenn man beim Dritten einknickt und aufhört zu Ferbern. (Da springen doch sofort alle Ferberatisten aus ihren Löchern!) Ja, Kollegen ich mochte euch gern! Es hatte alles seinen Sinn. Doch dann kam ein anderes Gefühl. Es ist zwar nicht leicht, aber es geht auch anders. Ich möchte mit Nichten sagen „besser“, um Gottes Willen, meine müden Äuglein würden mich auslachen. Da würden mir quasi Bein und Lächeln entgleiten. Ich möchte nur denken, wenn ich eines sagen darf, dann das jedes Kind anders ist. Und vielleicht eventuell unter Umständen hätte das vierte Kind unserer Sängerin beim Erklingen ihrer Stimme geweint, freudlos. Wer weiß?
Und weil wir immerzu andere kleine neue Menschen bekommen, verhalten wir Eltern uns auch immer anders. So bekommt das ganze noch einmal eine schöne runde Eigendynamik.

Und nun entschuldigt mich, ich geh jetzt meinem Kind im Bauch was vorsingen, ohne mein Bein zu wiegen, nehme ich an. Vielleicht klappt es ja diesmal mit dem raschen Einschlafen, man muss es nur gern machen dieses Singen oder so. :)

6 Responses to “Grinsende schwangere Yoga- Katze”

  1. Melanie Says:

    Ein Kind, das bei den ersten Takten meines Gesangs schon einschläft wünsche ich mir auch. Klappt aber bei uns auch nicht, weder bei Nr. 1 noch bei Nr. 2. Und ich (bzw. mittlerweile auch der Mann) singe wirklich gerne ;)
    Dafür legt der Mann beim Essen die Baby immer auf sein wippendes Bein. So ist sie dabei und zufrieden und wir müssen kein Geld für eine Wippe, Federwiege oder sonstwas ausgeben.
    Aber mal ehrlich, die Frau hat (mindestens) drei Kinder und denkt immer noch, was bei einem (oder ihren) funktioniert, müsse bei anderen auch funktionieren?

    LG,
    Melanie

  2. Theresa Says:

    Haha, toll:) Vielen, vielen Dank für deinen Emil-Abend-Einblick. Piet war heute Nacht eine ganze Stunde wach, um dann heute früh um sechs putzmunter in mein Gesicht zu patschen und ich sinnierte (in welcher der unmöglichen Zeiten habe ich vergessen) über die gestrigen Berichte einer Bekannten, deren Söhne (genauso alt wie meine) beide um7 schlafen, und noch dazu fast drei Stunden Mittagsschlaf machen (hat mein Großer schon vor einem Jahr abgeschafft…). Ach so: Ich singe sehr, sehr gern;)
    Ganz liebe Grüße!
    Theresa

  3. frl_mieke Says:

    An mein Herz! Du BIST die BESTE!
    (Und ich liebe Deinen Humor!)

    Ach, ja, endlich weiss ich, warum ich vier Jahre meines Lebens nur max. zwei Stunden am Stück schlief – ich hab einfach nicht gern gesungen.
    Muss ich doch noch eins kriegen, um zu prüfen, obs tatsächlich daran lag.GRINS.

  4. stadtfrau Says:

    musste grade sehr schmunzeln! :) toll beschrieben!

  5. blumenpost Says:

    *prust*
    Ich geh jetzt auch mal ne Runde meinen Bauch besingen…

  6. kassiopeia Says:

    @Melanie: Ja, das denkt sie. Und ich könnte mir vorstellen, dass man mit der Zeit und den Jahren noch viel eher denkt, dass man weiß wie _es_ geht :)

    @Theresa: Guten Morgen auch dann oder wie?! :)))

    @Frl_Mieke: Du bist die BESTE! :)

    @stadtfrau: Danke dir! Und immer schön dich zu lesen!

    @blumenpost: Mach das. Oft und regelmässig, aber vor allem mit echter Freude! :)