Archive for Juni, 2014

36+3

Montag, Juni 30th, 2014

Weil die Woche schon so voll ist und meine Schwiegermama (meine Hebamme) am Wochenende in den Urlaub fährt, bin ich dann heute ohne Termin mal zum Frauenarzt gehüpft. Also extra früh aufgestanden, um den Betrieb nicht unnötig aufzuhalten und eine der Ersten zu sein.
Dann gleich am Empfang die Info bekommen, dass meine Ärztin gar nicht da ist, weil ihre Tochter krank geworden wäre, aber dafür sei ihr Mann da- kein Problem. Dann die zweite Info, heute nur Vorsorge, Schall kostet 20 Euro extra, falls ich einen möchte. Nein, danke.
Das letzte Mal war ich offiziell in der 28. Woche dort. Das Krankenhaus hat nicht eine Zeile ausgefüllt für die Zeit, die ich dort war. Und meine Schwiegermama und ich haben zwar in der Zwischenzeit CTGs geschrieben und einmal Vorsorge gemacht, aber leider auch nicht notiert. (Und ich hatte keine Lust bei einer möglichen Kontrolle im KH dafür vollgemeckert zu werden, alles schon erlebt.)
Also das Übliche: Urin, Blutdruck, Gewicht und Blutabnahme. Wobei ich eigentlich hauptsächlich wegen Letzterem da war. Denn das Blatt ist wichtig für die Entbindung, fehlt es, wird einem unter Wehen Blut abgenommen, mag ich nicht haben. Im Anschluss hatte ich mein erstes CTG in der Praxis. Was total nervte war der Knopf, der die Wehen aufzeichnete, weil er immer wieder abploppte. Als das von mir so angelegt war, dass es endlich hielt, hatte ich drei nette Wehen und wurde auch schon wieder abgestöpselt.
Dann saß ich nur kurz vorm Arztzimmer und durfte schon auf die Liege. Gebärmutterhals wäre noch da, was ein Witz ist, wenn man bedenkt wie viel Sorgen ich mir vor vier Wochen gemacht hatte. Als ich das erwähnte, guckte mich der Arzt fragend an: „Wo war ich wann wieso?“ Es wäre lustig, wenn es nicht irgendwie traurig wäre. Ein fingerbreit wäre der Muttermund nun durchlässig, aber das heißt ja nun mal absolut gar nichts. Bei Noah der zu früh kam, war es um diese Zeit genauso wie bei Tom, der 9 Tage zu spät kam. Und er fragt auch sofort, wann die anderen Kinder gekommen wären. Was bei mir ja ein bißchen interessant ist, einmal früh eingeleitet 37+0 mit Blasensprung, Wehen und allem drum und dran, zwei kamen zu spät, 41. und 42. SSW und zwei in der 40.SSW nahe am Termin. Suchen Sie sich was aus! Da gibt es kein Muster, nichts. Als er dann sagte, ich könnte in zwei Wochen kommen, spürte ich wie mein Herz eine Etage tiefer rutschte. Natürlich bin ich erleichtert, weil ich nicht nächste Woche schon wieder kommen muss, aber dafür dass wir so unter Anspannung waren, so unter Druck, sich niemand daran erinnern kann, weil es nirgends steht, aber auch schon gar kein Thema mehr ist, nimmt mich ein bißchen mit und ist so typisch. Hinzu kommen fiese Schmerzen beim Laufen, aber auch hier muss ich durch. Ich hab Sehnsucht und auch wenn drei Wochen nicht mehr nach so viel Zeit klingen mögen, irgendwie ist es das ja doch. Wochen voller Termine. Eigentlich ist mir mehr und mehr nach Rückzug und Einigeln, stattdessen gabs eine Mail, in der einen Klasse gäbe es Läuse, also nachher Kontrolle beim Kind und mal bitte Daumen drücken! Das wäre so ziemlich das Letzte was wir jetzt bräuchten und leider belasten mich solche Kleinigkeiten im Moment mehr, als sonst- eben weil halt.
Vor lauter Frust bin ich dann die halbe Strecke nach Hause gelaufen, etwas was mir ja auch verboten war vor Wochen. Und habe selbst in meinen Mutterpass geschrieben. Soweit der Stand der Dinge. Ich versuche eine gute Mama zu sein und nicht zuviel herum zu quengeln. Und den letzten Traum zu verdauen, Anton wäre zu früh gekommen und war so winzig, dass kann man sich nicht vorstellen…

Ein unperfekter Moment

Sonntag, Juni 29th, 2014

Gestern Abend im Freibad, als Emil vor Freude quietschend davon lief- vor seinem Papa, mit seinen Brüdern im Kleinkindbereich einen Riesenspaß hatte, obwohl es nieselte und irgendwann nur noch regnete, da war ich einfach nur glücklich. Einfach so. Der Moment war nicht perfekt. Aber alle Sorgen und Nöte, die uns im Moment in Atem halten, nicht zur Ruhe kommen lassen, waren in dem Moment einfach nicht wichtig, weil mein Blick auf meiner Familie vor mir ruhte und alle zeitgleich glücklich waren- in diesem einen Moment. Das was zählt. Konservieren. Festhalten.

Albträume

Samstag, Juni 28th, 2014

Neuerdings träume ich ganz schlecht. Der erste Traum ließ mich hochschrecken, nach einer Episode in einem OP- Saal: Überall hatten fremde Menschen um mich herum gestanden und mir nebenbei erklärt, dass ich sehr viele Tumore im Bauchraum hätte, die man beim Kaiserschnitt, der nun statt finden sollte, gleich mal probieren würde heraus zu holen, man bräuchte nur mein Einverständnis. Ich könnte dabei aber sterben, weil es echt ganz böse aussehen würde.
Ich könne aber niemanden mehr sehen, weil ich ja jetzt schon mal hier liegen würde, mein Mann könne nicht kommen, weil die OP zu groß werden würde… Der Anästhesist machte sich noch lustig über mich und nahm mir meine Worte vorweg: „Aber ich habe doch Kinder…“ Und alles an das ich denken konnte war nur, aber ich habe mich wirklich nicht verabschiedet, dass könne ich ihnen doch nicht antun… Aber ich lag nur da und war verzweifelt und fühlte mich unter Druck gesetzt und nicht verstanden. Ganz furchtbar.
Warum ich das geträumt habe ist mir klar. Abgesehen von dieser Ohnmacht, die bestimmt ein jeder schon einmal als Patient gefühlt hat, habe ich vermehrt Angst, mir könne etwas unter der Geburt passieren. Gerade jetzt nach den vorzeitigen Wehen und der nicht wirklich langfristigen Ruhe, blieb dieses Gefühl zu sehr gebraucht zu werden, dass alles einbricht, wenn ich nicht da bin. Das ist beängstigend. Weil man sich für die Menschen, die man liebt nichts mehr wünschen würde, als dass sie gut ohne einen zurecht kommen mögen, aber ein Erwachsener auf fünf oder sechs Kinder ist einer zu wenig.
Natürlich weiß ich, dass es dem Mann am Ende genauso geht. Wir in letzter Zeit oft darüber gesprochen haben, dass gerade jetzt, wo ich körperlich sehr eingeschränkt bin, wir zwei Erwachsene auf die Fünf zu wenig sind, hier und da. Manchmal klappt es daher im Moment nur noch, aber ob richtig gut? Obwohl ich erstaunlicher Weise finde, die Schäden sind noch sehr klein im Moment :)

Dann kam der zweite Traum. Ich träumte durch eine Art Dschungel mit den Kindern zu rennen, auf der Flucht, allein, vor uns ein großes Haus und hinter uns Patrick Stewart, der uns als Borg auflauert und alle umbringen will. (Ja, bitte lachen Sie nur! :)) Ich suchte durch dieses seltsame Haus voller Geheimnisse und Verstecke diesen Raum, in dem wir uns in Sicherheit wiegen können und bekomme am Ende die Türe nicht abgeschlossen. Es geht nicht und der Tod kommt näher. Viel, viel Raum für Analyse.
Ich sehe hier, wie immer und auch in jeder neuen Schwangerschaft, die selbe Not. Ich habe nur zwei Arme, ich habe noch sehr junge Kinder und ich könnte, würden wir ertrinken nicht alle retten. Diese Ohnmacht, dieses wenn wir mal laufen müssten, wie sollte ich das schaffen? Diese Gedanken und Sorgen und Ängste sind alt, nur grad wieder sehr aufgewärmt.
Keine sechs Arme zu haben und keine Kraft um sechs Kinder tragen zu können.

2. Geburtstag

Freitag, Juni 27th, 2014

Am Freitag war es soweit, Emil wurde 2. Vielleicht ist es selten, aber ich war eigentlich gar nicht in dem Sinne traurig darüber, dass wieder ein Jahr vorüber ist. Denn der kleine Mann ist halt einfach ein Jahr älter geworden und Zweisein steht ihm einfach irre gut.
Er ist nach wie vor niedlich, stürmisch, kuschelig, liebevoll, einfühlsam und abenteuerlustig- einfach alles zusammen.

Wir hatten morgens zusammen gefrühstückt und dann versucht, die Nicht- Geburtstagskinder aus dem Haus zu kriegen, die noch hätten Stunden um Emil herum wuseln hätten können und seine Spielsachen anschauen. Emil hatte dafür aber überhaupt keinen Sinn, es war zum ersten Mal alles seins.

Beim Runtergehen zum Esstisch- wir machen oben immer die Absperrung zu, wenn eines der Kinder Geburtstag hat und warten bis alles fertig ist- das Geburtstagskind voran, alle anderen hinterher, strahlte Emil schon übers ganze Gesicht, er fand das alles großartig und seine Freude beim Anblick der zwei Wunderkerzen in seinem Brötchen und dem Geburtstagskreis auf dem Tisch, hab ich sogar auf ein Foto gebannt bekommen.
Er saß dann am Tisch und bekam ein Geschenk nach dem anderen zum Auspacken meist von Tom gereicht, drehte eine erste Runde mit seinem neuen Helm und dem Laufrad, spielte später zusammen mit Noah (der mit Bindehautentzündung zu Hause bleiben musste) versunken mit seiner neuen Kasse von seinen Paten aus Berlin bis „seine Freundin“, die Tochter meiner Freundin und sie selbst zum zweiten Frühstück zu uns kamen. Auch das genoss Emil. Später kam noch seine liebe Oma mit den abgeholten Kindergartenkindern, zusammen aßen wir Mittag und warteten auf Papa, der wie immer den halben Tag Urlaub genommen hatte. Es war einfach rund und schön, nach Kuchen cancelten wir den Freibadbesuch für diesen Tag, weil Emil schon ziemlich müde wirkte, die Kinder spielten zusammen draußen mit dem neuen Wasserspielzeug von 1-2-3 Playmobil, nachdem zuerst das Wohnzimmer geflutet wurde und gingen nur auf den Spielplatz um die Ecke. Am frühen Abend sprang noch seine Patentante kurz rein und dann wars auch gut für den kleinen Kobold. Er war total müde. Schlief wie (beinahe) allabendlich im Kinderwagen ein und wurde kurz vor 20Uhr in sein Bett getragen, wo er ein paar Stunden selig schlief und später nochmal umzog und Party in unserem Bett machte… :)

„Das muss man sich auch leisten können…“

Freitag, Juni 27th, 2014

Sehr oft, wenn das Gespräch auf mehr als zwei Kinder kommt, taucht das liebe Thema Geld ebenfalls auf. Und wenn uns in diesem Jahr jemand „gefragt“ hat, wie wir das nur finanziell machen, hätte ich am liebsten hysterisch gelacht und nur erwidern können: „Keine Ahnung, irgendwie.“
Als ich 20 war oder auch 21, 22 dachte ich immer, man müsse sich halt eben anpassen und wir hatten uns bis dahin angepasst. Gelebt von der Hand im Mund, hauptsache glücklich, genossen wir zwei Beide, dass der Mann nur halbtags arbeiten ging und wir den Nachmittag zusammen mit zwei Kindern genießen konnten. Nicht lange, wohl gemerkt, der Ernst des Lebens hatte uns rasch Heim gesucht, als Noah drei Monate alt war.
Aber es ging. Immer. Irgendwie. Der Mann verdiente immer gut (genug). Aber er versorgte uns über Jahre komplett allein und wir wurden immer mehr. Wir hatten das Glück dieses Haus zu bekommen und zahlten dafür im wahrsten Sinne des Wortes monatlich einen hohen Preis. Dazu kam das Schulgeld und wir gehen nun mit dem dritten Kind an die Privatschule, dazu der Schulbus, der uns bei ein paar Kilometern Entfernung zur Schule ohne Auto eine enorme Erleichterung ist.
So etwas wie Luxus aus Überzeugung, weil es uns wichtig ist: Platz, Garten, Bildung. Wir lieben frisches Obst und Gemüse und geben auch hier für irrsinnig viel Geld aus, ebenso für bestimmte in meinen Augen qualitativ hochwertige Kleidung, gerade weil sie weiter gegeben wird oder notwenig ist, wie bei Schuhen oder Jacken. All das sind Sachen, für die nicht ein jeder Verständnis hat und es als heraus geworfenes Geld betrachtet. Uns sind sie aber wichtig.

Nun gibt es aber immer wieder mehr zu bezahlen. Schuldgeld wird erhöht, ebenso die Miete. Und plötzlich schrumpft der monatliche Satz, an dem was bleibt, um noch mehr als nur die Rechnungen zu bezahlen. Kinder fahren ins Schullandheim, brauchen Kleidung, haben Geburtstag und leider gibt es keinen Weihnachtsmann und Osterhasen, den mimen auch wir alle als Eltern. Und nicht immer wächst einmal jährlich das Einkommen. Simple Mathematik, mit jedem Kind steigen die Ausgaben. Wir Eltern versuchen wirklich auf alles zu verzichten, was unnötig ist.

Plötzlich kommt da der Punkt, an dem du nachts schlechter schläfst, wenn du an die Elternzeit denkst, die ein gigantisches Loch in die Kasse reißt, aber wie sollte das anders gehen? Müsste es, wenn es wirklich müsste? Wir haben kein Auto, fahren nicht teuer in den Urlaub. Zudem haben wir das Glück, eine Familie hier hinter uns zu haben, die immer für uns da ist. Wir machen große Abstriche. Gern. Weil die Kinder so kitschig es klingen mag, unser Glück sind.
Dieser Punkt, der plötzlich auftaucht, an dem keine Einsparungen mehr möglich sind, du überlegst, wie noch Geld in die Familie fließen könnte, damit „Geld“ kein so negativ belastetes Wort mehr ist. Dieser Punkt, an dem du nie für möglich gehalten hast mal zu stehen: Sich kein Kind weiteres mehr leisten zu können.

Es geht gar nicht darum, ob wir nicht eh schon gesegnet und beschenkt sind mit unseren Kindern, sondern eine berechnende Entscheidung treffen zu müssen. Und für die Familie, die existiert müsste nach jetzigem Stand ein Ende her. Nie hatte ich das für möglich gehalten oder mir so gewünscht- es sollte für mich immer aus dem Herzen heraus kommen. Die kann auch jetzt noch kommen, aber das ausgerechnet mich, das einmal so erwischen könnte, diese wirkliche Existenzangst, das hatte ich nicht erwartet.

Viele sagen, dass müsse man sich auch leisten können und fahren dann zwei Autos, zahlen ein Haus ab oder vier Mal im Jahr ins Ausland, um Urlaub zu machen. Das mag ich gar nicht verurteilen, jeder solldarfmuss so leben, wie es für ihn schön ist (das tun wir schließlich auch), nur sehe ich da aus meiner Perspektive oft mehr Einsparpotential. Will heißen, die Menschen, die am lautesten jammern, sie könnten sich ja kein zweites Kind leisten, leben für meinen Geschmack in diesem Luxus, noch tatsächlich sparen zu können. Für die wären wir arm, wüssten die wie viel Geld wir wirklich haben. (Für andere sind wir wirklich reich an allem.)

Groß gejammert haben wir nie. Wir fühlen uns beschenkt. Uns ginge es schließlich gut.
Wir fassen uns also derzeit an die eigene Nase und betrachten (immer wieder) Ausgaben und Einnahmen. Mit mulmigem Gefühl und so einem Staunen, wann diese erwachsenen Ängste uns eigentlich heim gesucht haben und diesem meinem persönlichen Riesenkloß im Hals… Denn ich spüre da ein Unwohlsein, weil ich nicht anders als durch Kinderbetreuung einen Beitrag leisten kann, keinen Cent verdiene und mich nicht in der Lage sehe, das in absehbarer Zeit zu ändern. (Vielleicht der erste und einzige Moment in dem ich verpassten (beruflichen) Chancen hinterher trauere.)
Auch ein Luxus: bei meinen Kindern zu sein. Einer den ich wieder mehr wahrnehmen muss bei all meinen Selbstfindungen zwischendrin.

35+2

Sonntag, Juni 22nd, 2014

Mit jeder Woche, die verstreicht verfliegt auch die Angst, er könne noch zu früh kommen, dafür kommen uns die Tage einfach zu sehr entgegen. Mittlerweile bewege ich mich wieder ganz normal. Die ganze Woche über bis auf die angenehme Ausnahme des Feiertags am Donnerstag war ich allein mit den Kindern zu Hause.
Der schönste Tag der vergangenen Woche war wohl der, als eine liebe Freundin, die vor ein paar Jahren in die Heimat zurück gezogen ist, uns mit ihren drei Kleinsten besuchen kam. Wir hätten vermutlich noch Stunden weiter reden können, es tat mir jedenfalls unheimlich gut und ich hatte Seelenfutter für die kommenden Tage.

Jetzt arbeite ich mich Emils Geburtstag am kommenden Freitag entgegen und bin schon etwas aufgeregt deswegen. Nebenher fliege ich gedanklich immer wieder zur Einschulung von Tom, die nachdem Anton erst einmal geboren ist, mit großen Schritten näher rücken wird.
So nahe wie Antons Geburt, wenn nur erst einmal Emil seinen zweiten Geburtstag feiern konnte. Ich glaube, dann entspanne ich endgültig, auch wenn wir dann noch eine gute Woche brauchen, um die Frühchengrenze zu überschreiten.

Bisher habe ich jede Woche wiederholt Sachen fürs Wochenbett eingekauft, die einfach immer furchtbar schnell aufgebraucht sind, außerdem habe ich mir Mühe gegeben ein Essen pro Woche vorzukochen. Es ist nicht viel, der Platz ist nun auch so etwas wie aufgebraucht, aber immerhin haben wir vier Tage abgedeckt, die ich mit frischen Zutaten gekocht habe und weiß, was drinnen ist. Dafür muss ich mich dann nicht mal in die Küche bewegen, was sicherlich eine gute Idee ist mit schmerzenden Milcheinschuss und den Nachwehen aus der Hölle, die mich heimsuchen werden. Das ist einfach so eine Mahlzeit, die meist ich übernehme, das ist absolut nicht Nils Baustelle, dafür kann er richtig gut backen. Da hat er sich ein paar tolle Skills angeeignet.

Immer wieder ist es unglaublich, alles wird zwar schwerer und deutlich eingeschränkter durch den Bauch, der sich mir immer wieder abends entgegen streckt, aber da ist wirklich echt ein kleines Baby drinnen. Das ist unglaublich!
Ich tippe aktuell auf 3kg, die er schon wiegen wird. Und warte auf die restlichen 1 1/2, die da so in etwa noch dazu kommen werden. Es sei denn, er macht sich wirklich merklich früher auf den Weg, als seine Geschwister. Es ist wirklich irre, über die Jahreszeiten, die Monate gezählt und nun ist er in greifbarer Nähe, dieser Juli, wenn wahrscheinlich unser Sohn geboren werden möchte.

Die Sehnsucht wächst, den kleinen Po, den ich jetzt schon oft in den Händen halte abends, werde ich wirklich tatsächlich bald auf meiner Brust in den Händen halten, damit er auf mir liegen kann?

34+2

Sonntag, Juni 15th, 2014

Als ich vor beinahe zwei Wochen im Krankenhaus ankam, schrieb ich genau den Zahlendreher: 32+4, das heißt seitdem sind fast schon wieder zwei Wochen vergangen. Für Anton ist das großartig, auf der anderen Seite sieht 34 auch noch verdammt klein aus, immer noch hieße es viel Unterstützung und getrennt von ihm sein- jeder Tag im Bauch ist ein guter Tag.
Morgen soll der Mann wieder arbeiten gehen. Die Kinder haben noch eine Woche Ferien und die beiden Kindergartenkinder bleiben einfach auch hier, so spare ich mir das Einsammeln mittags. Ich hoffe, dass wir das hier so gut hinbekommen. Die Hilfe, die wir uns suchen wollten gab es nicht, keine Kapazitäten hieß es. Das war wohl der Punkt, an dem wir beide eingeknickt sind und nicht weiter gesucht und telefoniert haben, weil auch das Zeit und Energie frisst und wir beide hoffen, dass es ohne fremde Menschen geht, wie immer. Aber ein bißchen nervös bin ich schon…

Auch wenn dieses Gefühl auf rohen Eiern zu laufen nach gelassen hat. In den ersten Tagen zu Hause war ich sehr unsicher und wusste nicht, was ich darf oder nicht darf. Alles wirkte unsicher, hölzern, ungeübt, teilweise unglücklich, weil die Angst blieb, dass alles doch noch sofort vorbei sein könnte. Wenn ich hilflos wurde und mich ärgerte wurde der Bauch eigentlich auch auf Kommando hart, was soweit ja in Ordnung ist in diesen Schwangerschaftswochen, nur nicht regelmässig, aber diese Unsicherheit half halt nicht wirklich beim Ankommen und Mitte finden.
Viele Hausarbeiten habe ich gemieden, Bäder putzen, schwer heben, wischen und saugen überließ ich dem Mann. Aber ich fand keine echte Balance, das Zurücknehmen fiel mir schwer und in meinem Gedankenkarussell begann mich zu fragen, wie ich dann nur ein schönes Wochenbett erleben soll, wenn ich das jetzt schon nicht schaffe einfach mal los zu lassen. Was realistisch wäre, fragte ich mich, welche Erwartungen ich von dieser Zeit hätte.
Als wir letzten Montag bei der Hitze am Abend einen Abstecher ins Freibad wagten, traf ich prompt „meine“ Krankenschwester, die mich sofort fragte, ob ich mich auch weiter schone und flüsterte: „Geht gar nicht oder?!“… Aber irgendwie ging es und weniger, als wenig kann man dann auch schon nicht mehr machen. Als der Mann dann zu sehen war, fragte sie ihn besorgt: „Ist sie brav?!“
Ich war sehr brav, saß auch an dem Abend nur auf meinem Po, was auf Dauer aber auch unangenehm war und so ganz langsam hier und da kann ich auf die vergangenen Tage auch zurück blicken, als eine schöne Zeit in Familie, auch wenn wir nicht im Urlaub waren oder gar so flexibel oder unternehmungslustig sein konnten.

Laufen kann ich nicht mehr gut, ich weiß nicht ob es an dem Mangel generell liegt in den letzten Tagen, aber es zieht dann so krampfartig unten im Bauch, als würde jemand an der Gebärmutter reißen oder ziehen, ganz fies. Aber Wehen gab es sehr wenige. Das ist auch das was ich mir mantramässig vorsage, egal wie sehr es nach unten schiebt oder drückt, ohne Wehen wird kein Kind geboren. Was ein bißchen lustig ist, wenn ich an Bens Geburt denke, von der ich den Kindern erst jetzt wieder erzählt habe.
Dankbar bin ich dafür, dass ich Emil beistehen konnte und das war auch bitter nötig, der kleine Mensch schlief so viel und brauchte wirklich einen Tag um die zweistündige Narkose und die Infusionen los zu werden.

Ich bin gespannt, zähle hier und da ein paar Tage und weiß trotzdem nicht genau, wann unser Sohn auf die Welt will. Heute habe ich mir den ersten Himbeerblättertee gekocht und fand ich scheußlich. Schmeckte der schon immer so?
Es beginnt jetzt die letzte Zeit der Vorbereitung auf die Geburt, mit der ich mich wie schon bei Emil nicht groß auseinander setze. Ich merke manchmal wie sehr ich es immer noch nicht fassen kann, dass da ein echter kleiner Mensch in mir wächst, in mir wohnt und wirklich, wirklich zu uns kommt?! Allein dieser Gedanke ist einfach nur unglaublich und wunderschön! Heute habe ich mich dann das erste Mal dabei erwischt, wie ich den Bauch streichelte und Ungeduld fühlte: „Wann kommst du endlich?“ Natürlich hat er noch Zeit, die er braucht, aber die Sehnsucht wächst, ganz natürlich am Ende der Schwangerschaft, ein Abschied vom Bauch. Ich freue mich unglaublich auf dieses Kind und bin so so gespannt, ob er noch sieben Wochen braucht oder nur noch wenige „Tage“…

(Dabei fehlt noch so „viel“. Er hat kein Bett, noch kein echtes Heimkomm-Outfit, keine Geburtsgirlande, die ich mal angefangen hatte, kein selbstgenähtes Kuscheltier, das mir im Kopf herum spukt und auch keine Wolldecke, die ich eigentlich selber machen wollte… Und seit Tagen suche ich intensiv nach einem bestimmten Tuch, in dem ich ihn gern tragen möchte. Das fühlt sich wirklich noch unrund an…)

Versagensgefühle einer Mutter

Freitag, Juni 13th, 2014

Alles begann letztes Jahr im Sommer, ich saß am Frühstückstisch an der Ostsee, Emil lächelte mich an und ich wunderte mich über die Verfärbung an seinen Zähnen. Wann hatte ich ihn das letzte Mal so angesehen? War ich verrückt geworden? Sagt das nicht schon alles? Ich sorgte mich und besuchte gleich nachdem wir zu Hause waren einen Kinderarzt fragte ihn nach seiner Meinung, aber er zuckte nur mit den Schultern, nuschelte was von „wisse nicht genau“ und schickte mich zum Zahnarzt. Da wir wegen Noah sowieso ständig beim Zahnarzt waren- es war grad die Zeit der angeschlagenen Frontzähne- setzte ich mein Kind völlig unvoreingenommen auf den Stuhl, oder probierte es eher, denn Emil war gerade mal ein Jahr alt und wollte das auf gar keinen Fall. Wie durch Nebel hörte ich nur die Worte „Karies“, „schnell“, „Vollnarkose“.
Den ganzen Weg nach Haus weinte ich. Rief Nils an und weinte. Und weinte. Und in meinem Kopf drehte sich alles. Das vorherrschende Gefühl war Angst. Emil war erst ein Jahr alt geworden und Vollnarkose bei uns in der Vorstadt? Ohne Kinderklinik? Es drehte sich mir der Magen um bei dem Gedanken. Also fing ich an zu recherchieren. Ich besuchte drei weitere Kinderzahnärzte und holte weitere Meinungen ein. Sie sagten in etwa alle das Gleiche. Karies. Muttermilch wäre Schuld, wir sollten aufhören zu stillen. Sofort. Weil Emil schon so groß war, weil er nun schon Karies hatte, weil es sich anbot und die erste Ärztin vorgeschlagen hatte, war der erste Schritt ein Abbrechen des Einschlafstillen. Er wurde nun im Kinderwagen geschuckelt und hatte die ersten Stunden im Schlaf eine saubere Mundflora, das funktionierte ganz gut. Durch die Schwangerschaft mit Anton und der Einnahme des Utrogests stillte ich während eines Magendarm- Infekts dann endgültig im Dezember ab und hatte es mit Emil immerhin auf beinahe eineinhalb Jahre Stillen geschafft.
Nach der Diagnose hatten wir begonnen inzwischen vier Mal am Tag zu Putzen, um zu verhindern, dass das Karies weiter ausbricht, quasi fast nach jeder Mahlzeit, was sich schwierig gestaltete, weil Emil wie Ben immerzu essen konnte.
Die Aussagen der Kinderzahnärzte unterschieden sich nur darin, dass mir alle drei letzten dazu rieten auf jeden Fall zu warten bis er zwei Jahre wäre. Es hätte Zwischenfälle in der Anästhesie gegeben in der Vergangenheit und nun sei man halt sehr vorsichtig geworden. Ich hatte letzten Endes eine Praxis in München Schwabing, nur etwas mehr als einen Kilometer entfernt vom Schwabinger Kinderklinikum gefunden. Ich wollte maximale Sicherheit für den Fall der Fälle, aber auch dort hieß es: Warten. Also schrubbten wir weiter und warteten. Denn in der Zahnklinik werden nur kranke und behinderte Kinder behandelt, alle anderen müssen sich in den privaten Praxen behandeln lassen.
Jetzt war es soweit, ich wollte gern noch ausnutzen, dass Anton nicht geboren ist und wir uns voll und ganz Emil widmen könnten. Die Zahnärztin hatte es schon erwähnt beim Vorgespräch, es könnte im allerschlimmsten Fall sein, dass die Zähne so entzündet seien, dass man sie ziehen müsste. Ich betete. Ich betete und wünschte und hoffte, mir würden weitere Zähne ausfallen, nur mein Kind bliebe verschont.
Gestern brachten wir also die großen Geschwister zu einer lieben Freundin und fuhren (Oma, Papa und Mama) in die Innenstadt. Um 8.30Uhr sollten wir nüchtern da sein. Eine Stunde später erst war es bei uns soweit, Emil bekam einen Saft und Salbe und Pflaster auf seine Venen, „damit sie schlafen“. Nils hielt Emil dann fest und davon ab sich zu verletzen, denn recht schnell wurde er müde und torkelig. Er brachte ihn dann auch auf die Liege, als es soweit war, man legte Emil die Maske auf und er wehrte sich noch einen Moment weinend, weil alles ihm zuviel war. Ich stand abseits und schluckte Tränen herunter. Als er schlief, wurde eine Röntgenaufnahme gemacht, die im wachen Zustand unmöglich gewesen wäre, dort sah man dann eine kleine Stelle zwischen den Backenzähnen und eine kleine Stelle unten an den vorderen Schneidezähnen, die Backenzähne wurden dann versiegelt und der andere vordere untere Schneidezahn hat einen angegriffenen Zahnschmelz, auf den müssten wir achten, da gab es noch nichts zu tun. Das Schlimmste kam zum Schluss, ich muss einmal tief einatmen bevor ich es aufschreibe, man musste ihm die zwei rechten oberen Schneidezähne ziehen.
Was bleibt dazu zu sagen? Ich sitze seitdem in einem Loch. Und fühle mich da sogar deplatziert, weil unser Kind, der Mensch ist, der all das erleben und ertragen muss. Ich fühle mich mehr als verantwortlich dafür. Ich gehe alles immer und immer wieder durch. In Gedanken. Wer mich kennt, weiß wie sehr mir noch immer dieses halbe Jahr arbeiten als Tagesmutter nachhängt. Genau die Zeit, in der er Karies entwickelt haben muss. Hatte ich mich also endgültig übernommen, mehr mein Haus geputzt, als die Zähne meines Kindes, mich mehr um zwei andere Kleinkinder gekümmert, als um die kleinen Zähnchen meines Babysohnes? Dieses Gefühl geht nicht weg. Die eine Zahnarzthelferin gestern liess keinen Zweifel daran, was man von Menschen wie uns hält, zwar sagte sie, so sei es eben, ihre Nichte hätte alle vier oberen Frontzähne gezogen bekommen, aber „da wäre ihre Schwägerin Schuld dran gewesen“. Keinen Saft sollen wir den Kind geben, sagte die Zahnärztin, dabei ist das mit der Ernährung und den Zähnen seit Jahren unsere Baustelle, will heißen wir achten sehr darauf, was die Kinder wann essen und trinken. Emil hat eine olle Wasserflasche für den Tag, mehr nicht, wir putzten oft und es reichte nicht, um noch mehr zu verhindern.
Ist er uns durch die Lappen gegangen? Er bekam mit fünf Monaten die ersten Zähne, innerhalb eines halben Jahres hat er Karies entwickelt- in seiner Farbe nicht schwarz wie man sich das vorstellt, sondern braunrötlich. Wir hätten ihn gleich mit einem Jahr behandeln können, aber er war zu jung hieß es, außerdem bestand die große Gefahr, dass er ein weiteres Mal in Narkose muss, weil nun schon einmal die Bakterien in seinen Mund gelangt waren, aber wären sie dann zu retten gewesen die beiden Zähnchen?
Es ist ein bißchen wie immer in meinem Leben, ich wusste immer, was Eltern und Kinder erwartet, Karies sollte vermieden werden, deswegen quälten wir Zoe von Anfang an so sehr, ob sie wollte oder nicht und hatten kein Verständnis für Eltern, die ihr Kind entscheiden ließen, nun sitzen wir genau da. „Putzen sie auch mal nach!“ sagt die Zahnärztin uns gegenüber, die die großen Kinder behandelt. Und ich sage, dass wir morgens und abends nach wie vor noch selbst Putzen. Mittlerweile regelmässig mit Zahnseide und Mundspülung. Aber es bleibt unsere Baustelle. Wir sind nur so streng, weil wir Eltern beide eine schlechte Zahnsubstanz haben. Mir wurden selbst früh schon zwei Zähne gezogen, ich habe zwei Brücken und diverse fiese andere Geschichten erlebt, aber ich war da immerhin schon über 20. Nicht nicht mal 2 Jahre.
Als ich gestern Abend das zweite Mal in Katzenkotze getreten war, Nils grad mit Emil draußen war, damit er einnickt, nachdem der arme kleine Kerl noch in eine Biene getreten war, alle anderen schliefen, weinte ich hemmungslos und ließ alles raus, all die Bilder, die nie mehr weggehen werden, all die Schuldgefühle, die herausbrachen, wegen all dem, was er jetzt hat durchmachen müssen. Und ich kann nichts tun, nichts mehr ändern, ich konnte ihn nicht beschützen, ich hätte mehr tun müssen! Immer wenn ich unseren Sohn ansehe, er lächelt, wird da dieses Gefühl sein. Das gleiche Gefühl wie wenn ich Bens Narbe im Gesicht sehe, unter der Nase, als ich damals abends hektisch rumwuselte und putzte und die Schreibtischplastikunterlage die Treppe runterrutschte, direkt in das Gesicht des Krabbelkindes, (die ich danach wegwarf) Gott sei Dank nicht in seine Auge, wie die Kinderärztin feststellte. Sachen, die man nie mehr gut machen kann.
Man erwartet diese Kinder so heißersehnt, beschützt sie Monate lang im Bauch und das Schlimmste, was dann passieren kann, wenn sie auf der Welt sind, ist das man sie verletzt…

Und manchmal…

Freitag, Juni 6th, 2014

wird nur ein Gefühl zur Realität…

Die ganze Schwangerschaft über mit Anton bisher, war es da- dieses Gefühl. Als würde da etwas warten, sich wiederholen können. Ich war nicht ernsthaft besorgt in den letzten Wochen, es war nur eine Ahnung. Ich fühlte mich oft wie in Noahs Schwangerschaft, _irgendetwas_ fühlte sich ähnlich an und ich könnte nicht einmal sagen was genau… Und ich hoffte, dass es einfach nur Zufall wäre.
Im letzten Trimester werden die Wochen anstrengend. Einen wunderbaren, fürsorglichen Mann habe ich an meiner Seite, der mir die Freiheit ließ zwischen Nestbau und totaler Erschöpfung. Ich schlief aus, immer länger als er, ich machte Pausen, er kam so schnell nach Hause wie es eben ging und brachte sich wie immer viel ein.
Natürlich gibt es auch mal Tage, da wächst einem alles über den Kopf, wie letzten Mittwoch, als ich keine große Wahl sah und das irgendwie schaffte mit dem Kieferorthopädentermin und dafür 4 Stunden ab Stück mit Bus unterwegs war, um alle Kinder einzusammeln. Ich war kaputt an dem Tag, da waren auch Wehen, aber sobald ich auf dem Sofa Platz genommen hatte mit meiner Wärmflasche, beruhigte sich mein Bauch und sie verschwanden. Alles gut soweit, ganz normal in den letzten Wochen der Schwangerschaft, der Körper darf üben und ich war ja in guten Händen.

Am Wochenende kamen dann Schmerzen, als würde Antons Kopf nach unten drücken. Das steigerte sich etwas, aber ich machte mir in der 33. Woche erst langsam Gedanken und fieberte ein bißchen dem Frauenarzttermin entgegen, dachte der würde mir wieder mehr Ruhe bringen, mich erleichtern. Und solange Anton sich bewegte, was sollte da schon sein? Das ich angespannt bin, war auch klar, Emils OP Termin rückte immer näher und das beschäftigt mich ja auch.

Alles gipfelte dann Dienstag, als ein stinknormaler Tag mich mehr als unruhig machte, weil mir schlecht war, die Schmerzen so unerträglich wurden, der Druck und ich nicht laufen konnte, die Kinder anmotzte und nicht wie sonst mittags im Bett von Ben zur Ruhe kam, sondern dort anfing zu weinen vor lauter Verzweiflung. Da verlor ich dann meine Ruhe, bat den Mann doch schnell zu kommen und ging ins Krankenhaus. Unruhig, aufgewühlt, ein bißchen ängstlich. Denn was war da los? Sollte er kommen? Ich war so unruhig an diesem Tag wie an Emils Tag der Geburt, nun stand Emil da und winkte mir hinterher, aber wieder hatte ich mich nicht von den Jungs verabschiedet, denn irgendwie, wollte ich wieder kommen- aber die Parallen waren unheimlich. Ich schniefte in das T-Shirt vom Mann: „Was wenn ich nicht mehr wieder komme?!“ Und er sagte nur liebevoll: „Dann bist du eben ein paar Tage nicht da, wir kommen zurecht!“ Ich wusste, dass unser KH keine Frühchen aufnimmt, erst ab der vollendeten 36. Woche, also würde man mich in die große Stadt schicken, weit weg von zu Hause- für wie lange? Oh mir kam da alles so ungut bekannt vor, da lagen so viele Erinnerungen von Noah in meinem Herzen… und soviel Unsicherheit direkt vor mir.

Ich ging dann über die Notaufnahme hoch in den Kreisssaal, wo sich die Ärztin von Februar sofort an mich wandte, was ich zum einen super toll fand, weil ich wirklich keine Sekunde warten musste und mich wie ein Notfall fühlte, man war auf der Stelle für mich da.
Nur wie?- Die Ärztin war zwar super nett, aber so aufgeregt, fragte mich warum ich erst jetzt käme und suchte hektisch nach einem Untersuchungszimmer. Man könne mich ja nicht vor Ort behalten im schlimmsten Fall, müsste mich verlegen. Alles war sehr unruhig und für meine eigene Anspannung, Unsicherheit und innere Unruhe, alles andere als gut.
Und dann war da leider bei der Untersuchung auch noch alles sehr weich, der Gebärmutterhals auf 2,5cm verkürzt. Dafür war der Muttermund noch zu, immerhin. Aber Anton drückte mit 2,5kg nach unten. Sie meinte: „Es könnte sein, dass sie jetzt starten!“ und ich musste schlucken. Ich bin halt ein Spezialfall, alle haben Angst und natürlich könnte das passieren, dass das Kind super schnell kommt. Alles was noch zu tun blieb, war ein CTG zu schreiben. Also ging es zurück in den Kreisssaal, wo die Hebamme, die mich seit Jahren kennt, anlächelte und etwas versuchte wie „Ja, Sie kommen ja immer an Ende der Schwangerschaften, um schon mal Kreisssaalluft zu schnuppern.“ Jein, dramatisch mag ich es nun nicht. Auch wenn es nett ist, ein paar Gesichter vorher zu sehen, aber dafür gibt es Kreisssaalführungen und Geburtsvorbereitungskurse, dafür brauch ich keine Ausflüge dieser Art. Das CTG ließ die Hebamme, dann auch ernst schauen. Es sah nicht wirklich schön aus, reichlich Wehen, aber vor allem viel Unruhe, kaum Pausen und Anton hatte einen Herzschlag nie unter 140, der war total aufgeregt, galoppierte gern über 180. Dann meinte sie schon, dass es nicht schlecht wäre, in der 33. Woche noch eine Lungenreife zu machen für den Ernstfall, falls er doch am Ausgang steht.
Es hatte von Anfang an fest gestanden, es gäbe generell nur zu Hause streng ruhen, Behandlung im KH vor Ort oder München, aber auf jeden Fall musste was passieren. Ich versuchte bei diesem Befund Bereitschaft zu zeigen gern hier im Krankenhaus zu bleiben, lieber als weg zu fahren, noch weiter weg zu sein von meinen Lieben, wo der Ernstfall gefühlt noch näher war. Der Ernstfall: Ein Kind sieben Wochen zu früh auf der Welt. Mir war das alles recht, ich wollte Anton helfen, in mir halten. Erstmal wenigstens die Lunge reif bekommen. Also nahm man mir Blut ab und ich bekam einen Zugang noch im Kreisssaal gelegt, Adalat, Bryophyllum, Cortison gespritzt für die Lungenreifung und später noch eine Antibiose, dann alle 8 Stunden und die regelmässige Anti- Thrombosespritze.
Anders als 2006 bei Noah, als die Tokolyse- die Wehenhemmer- noch Bluthochdruck (bei mir) machten, Kopfschmerzen und weitere Tabletten -dagegen- brachten, hat Adalat generell den Vorteil, dass es ein Blutdrucksenker ist. In meinem Fall aber nicht unproblematisch, weil mein Blutdruck eh immer im Keller ist, deswegen bekam ich noch intravenös Flüssigkeit, um den Blutdruck stabil zu halten und auch nur wenig von dem Medikament.
Zu Hause saß Nils nun allein mit fünf Kindern, brachte mir nur abends schnell noch eine Tasche mit Sachen, als alle Kinder schon schliefen. Als ich ihn Dienstag Abend fragte, wie es ihm ginge, sagte er nur, dass müsse ankommen und so ging es mir auch. Es war alles so schnell gegangen und wir waren beide total überrumpelt, dann war er auch schon weg. Und ich blieb durch einander zurück im Krankenhaus.

Die Nacht war unruhig, die total nette Nachtschwester kam alle 2 Stunden Blutdruckmessen und legte die erste und später die zweite Antibiose in ihrer Schicht. Ich hatte Kopfschmerzen und fühlte mich matschig und aufgedunsen. Da ich nicht gleich nach 12 Stunden die nächste Cortisonspritze bekommen hatte, ließ mich glauben, das wäre ein gutes Zeichen, denn auf meine Nachfrage hatte die Hebamme am Abend noch erklärt, entweder gleich nach 12 oder nach 24 Stunden, je nachdem wie viel Zeit bliebe. Obendrein gab es ein ruhiges neues CTG gleich morgens, ein EKG und Visite.
Es war so verdammt still im Krankenhaus, trotz der Geräusche. Es war keine Zerstreuung möglich, ich hatte kein Netz, manchmal gerade wenn die Infusion gerade durch lief, starrte ich minutenlang ins Nichts. Ich konnte nichts recherchieren über Möglichkeiten und Chancen, musste aber auch niemanden etwas erklären oder erzählen, denn es ging erst gar nicht. Im Nachhinein vielleicht nicht das Schlechteste.
Dennoch saß eine Freundin schon an meinem Bett, die dort arbeitet und Nils getroffen hatte. Sie erzählte mir von der Caritas und versuchte mir das alles schmackhaft zu machen, aber mir waren die Hände gebunden, alles blieb an Nils kleben. Ich konnte nichts tun und sie tat das einzig richtige und setzte sich mit Nils in Verbindung und bot Hilfe auch ihrerseits an.
Ich begann zu hoffen Freitag Heim zu dürfen, immerhin wäre eine schönes langes Wochenende doch das Richtige um zu Hause anzukommen. An mehr konnte ich erstmal nicht viel denken. Legte die Hand auf den Bauch und hoffte, alles bliebe nur so ruhig wie jetzt.
Ganz viel Kraft gab mir ein Kurzbesuch von Nils und den Kindern, Zoe war gerade frisch aus dem Schullandheim gekommen, sie aßen nur ein paar Kekse, brachten mir Bilder, fragten verschiedene Sachen- alles war irgendwie komisch für sie. Nicht greifbar. „Was hast du da, Mama?!/ Für was ist das?!/ Warum?“ Aber Emil war morgens auch schon einmal so kurz da gewesen und guckte mich nicht mehr so erschrocken an, das war schön.
Nachdem die liebe Krebspatientin aus dem Zimmer war, hatte ich etwas Sorge, wer da jetzt kommen würde. Denn morgens war eine Frau panisch aus dem Zimmer gerannt, als sie sah, dass man mir das CTG anlegen wollte. Das müsse sie nicht mit ansehen, hatte sie gesagt und war getürmt. Eine Myompatientin. Die Schwester, die mir morgens von ihren Schicksalen erzählt hatte, eine Fehl- eine Tod- und eine Lebendgeburt, ging hinter ihr her, denn Kinderwunsch wäre ja da oft Thema und sie wollte ein anderes Zimmer anbieten. Die Frau sah ich nie wieder, aber als eine andere Myompatientin ins Zimmer gefahren wurde, hatte ich total Sorge, weil meine Kinder mich nachmittags besuchen wollten. Das ungute Gefühl war einfach geblieben. Immer eine Akt der Jonglage auf der Frauenstation.
Ich dachte viel an die Zeit mit Noah und wie ich damals damit umgegangen war, eine Woche weiter als jetzt, welche Zeit danach kam und welche Unsicherheiten sie brachten bis zu seiner Geburt kurze Zeit später. Vielleicht wäre ich stärker als damals, dachte ich. Und versuchte tapfer zu sein. Aber die Sorge der Ärzte, sorgte mich. Ich hätte gern Nils angerufen, wusste aber er wäre gerade so mitten im Stress und wollte da nicht auch noch weiter und mehr aufbürden. Er hatte die Großen, ich kümmerte mich um Anton. Aber ich vermisste ihn und die Kinder so sehr.
Noch vier Wochen hatte die Schwester gesagt, genau genommen noch 30 Tage. Das erinnerte mich doch sehr an Paris und die Blutungen in der 19. Woche, als ich die Tage zählte bis zu einer echten Überlebenschance. 30 Tage, der Rest ist Bonus dachte ich.
Natürlich fragte ich mich, ob ich Schuld wäre. Ob es an meinem Gewicht liegt (in beiden Schwangerschaften startete ich schon schwer) oder doch heute wie damals Schicksal (dieser zweier Kinder)? Wie verkraften das die anderen (eh schon aufgewühlten) Kinder zu Hause alles? Was hatte ich falsch gemacht? Hätte etwas anders machen können? Ich ging immer und immer wieder alles durch, die Tage, versuchte die Situation einzuschätzen, was mir aber natürlich nicht gelang, weil wir schwerelos hangen und einfach nur abwarten konnten. Mehr nicht. Eigentlich nach wie vor genau das tun.
Am meisten umtrieben mich die immer gleichen Sätze, in ihrem Sinn zumindest, die mich nicht aus dieser Schuldspirale holten, sondern hinein warfen: „Was machst DU denn?!“ / „DU musst mehr auf dich aufpassen!“/ „DU musst dir Hilfe suchen!“ / „DU hast dich übernommen!“ DU. DU. DU. Alles landete bei mir. Und ich drehte alles immer wieder. Ja, ich war viel gelaufen. Aber keinen Marathon. Ich mag kein Busfahren und wollte fit sein, also lief ich langsam und in Ruhe zum Kindergarten, natürlich fiel mir das schwerer, aber auch weil ich schwanger bin. Ich kann doch nicht gar nichts mehr tun. Ich wollte Kraft für die letzten Wochen und wenigstens „laufen“ sollte mir gut tun. Auf gar keinen Fall wollte ich meinem Kind schaden! Ich schlief und ruhte mehr, als manch einer sich vielleicht denken mag…
Es schnürte mir einfach die Luft zu und es wurde nicht besser.

Erwachen am Donnerstag. Die Nacht war ein Traum. Nach der allerersten unruhigen Nacht, konnte ich schlafen trotz der Antibiose, die Nachtschwester freute sich für mich mit. 22 Tage waren es noch bis zu einer möglichen Entbindung hier im Haus. 29 bis er kein Frühchen mehr wäre.
Einer der Ärzte aus meiner Praxis kam morgens erneut und sah nach mir, wie schon am Abend, ein Blitzbesuch. Im Gehen dann die Frage: „Und der Mann passt zu Hause auf die Bagage auf?! Extra frei genommen?“ (Nein, die sind im Heim.) – „Ja.“ – „Das ist ja toll, Hut ab!“ Ich lächelte. Dachte mir aber wieder einmal wie komisch unsere Gesellschaft ist, mein Mann ist ein Held (das ist er ja für mich grad wirklich!), weil er zu Hause ist, aber ihn (oder mich) fragt man immer öfter im Moment was ich (noch) beruflich mache?! LKW Fahren natürlich! ;)
Der Mann kam total überraschend kurz nach 8Uhr und ich freute mich noch kurz, weil er erst nur sagte, sie hätten den Bus zum Kindergarten verpasst, dann aber erzählte er von seinem Hexenschuss und ich dachte nur, ich muss mich verhört haben. Ich spürte die Hilflosigkeit in mir hoch kriechen, mir waren die Hände gebunden, aber ehe ich all das begreifen konnte, waren sie ja schon wieder weg, um den nächsten Bus zu bekommen. Emil rief noch „Tschüss, Mama! Viel Spaß!“ erst lachte ich, dann hörte ich ihn weiter und weiter weg noch „Mama“ rufen und mir tat das Herz so weh. Dann waren da noch Nils Schmerzen. Ich konnte nichts tun. Ich lag dort und es machte mich verrückt.
Mittlerweile hatte ich Verspannungen vom Liegen, Rücken- und Kopfschmerzen. Auch ein paar Krämpfe. Aber bei der Visite war der Oberarzt total lieb und meinte, selbst wenn etwas wäre, natürlich hätte Anton erstmal Schwierigkeiten, aber er wäre in guten Händen und käme durch, er wäre kein frühes Frühchen mehr. Außerdem wären Krämpfe eben nicht gleich Wehen. Wenn es ruhig bliebe, könnte ich vielleicht schon morgen nach Hause gehen. Ein schönes Gespräch so an sich.
Doch das CTG zeigte kleine Hügelchen an, die ich auch spürte, während meine Freundin mich überraschend auch kurz zwischen den Prüfungen besuchte und versuchte mich aufzumuntern. Diese Wehen machten mir Angst. Lösten unterschiedliche Gefühle aus, für die ich mich dann wieder schämte. Ich sah mein nach Hause kommen schwinden und dachte nur, egal, es muss dir egal sein, hauptsache er bleibt drinnen. Aber die Unsicherheit blieb. Mit der Hebamme hatte ich ausgemacht, dass ich dem weiter nach spüre und mich melden würde, wenn es schlimmer werden würde, andernfalls würde ein CTG erst wieder abends geschrieben werden.
Ich fasste mir ein Herz und eine ruhige Minuten im Krankenhaus und rief meine Mama an. Erzählte ihr alles in Ruhe. Ein schönes Gespräch. Dann hatte ich den Mann am Apperat und ich hörte sein Verzweiflung, wie wir das nur schaffen sollen grad. Er sorgte sich, um alles. Und das Letzte, was er brauchte waren dann diese Schmerzen. Ich versuchte für ihn da zu sein, aber spürte meine Machtlosigkeit gerade jetzt so sehr.
Im Laufe des Tages hatte ich eine ungute Vorahnung. Tom wurde als drittes Kind am 03.03. geboren und morgen wäre der 06.06. bei witzigen 33+0. Gefühlt waren die Wehen länger, minimal kräftiger aber vor allem noch da geblieben, also meldete ich mal kurz vorsichtig Bedarf nach einer Hebamme. Die auch kam, genau als Nils von seinem Arzt Termin kam und mir nur erzählen wollte, wie es gelaufen war. Ich wurde dann wieder dank eingeschränkter Bettruhe mit dem Rollstuhl in den Kreisssaal gefahren und auf dem Weg dahin, fing sie schon an zu schimpfen. Wie oft die Wehen kämen? Und ich sagte nur alle paar Minuten. Und ob ich denn nicht wüsste, dass mein Kind hier nicht bleiben könne, ich verlegt werden müsste oder mein Kind. Ja, natürlich wusste ich das, denn ich wollte eine Geburt gerne verhindern, daher meine Bitte um Kontrolle! Ich wollte Hilfe, Halt und Entwarnung. Auf keinen Fall wäre es möglich Anton hier zu bekommen, schimpfte sie. DAS weiss ich. Und wie ich das weiss. Deswegen lag ich dort zittrig. Und voller Angst. Nichts war grad selbstverständlich. Ich lag in den Tag hinein. Brav, ohne Jammern, ohne Meckern, dabei war das alles nicht ohne. Und nachdem sie mir das CTG angelegt hatte, holte sie final aus und sagte leider ernst: Ich würde das alles nicht ernst genug nehmen! Ich schwöre, ich schwöre, ich wäre umgekippt, hätte ich nicht schon gelegen, so geschockt war ich. Ich stotterte nur herum, dass ich etwas anderes ausgemacht hätte mit der Hebamme morgens, aber sie ging Kopf schüttelnd hinaus. Ich sah zum Mann und der sagte dann noch irgendwas Doofes, wie „siehste mal…“ oder ähnliches und da brach alles aus mir raus. Ich fing bitterlich zu weinen an und all die Anspannung purzelte so mit den Tränen aus mir heraus. Das war wirklich so unheimlich genau wie bei Noah, als die Hebamme damals fragte: „Wollen Sie ihr Kind etwa rauswerfen?!“ Das sind Sätze, die ich nie vergessen werde. Wie viele Mütter gibt es wirklich, die ihr Kind freiwillig in Gefahr bringen? Dieser Satz saß wie ein Splitter in meinem Herzen und bohrte, schmerzte und tat weh! Ich war fix und fertig. Aber rang nach Fassung. Ich liebe Anton so sehr! Ich versuche alles ihm den besten Start zu ermöglichen! Ich war verantwortungsbewusst! Bin es noch.
Gott sei Dank zeigte das CTG keine großen Wehen an und die beiden Ärzte, die mich im Anschluss untersuchten machten mir auch Mut, alles schien vorerst stabilisiert, der Muttermund weiterhin zu. Man könnte eventuell einen Trichter sehen, aber… Mein Lieblingsarzt vom Morgen, der sich schon öfter um mich gekümmert hat, nannte mich immer so nett „meine Liebe“ ich fand das schön und fuhr mich sogar höchst persönlich ins Zimmer zurück.
Der Abend verlief recht ereignislos. Nach dem Adalat fühlte ich nichts mehr. Und das Allerbeste überhaupt, Anton war in den letzten Tagen immer ruhiger geworden. Sein Herzschlag nur noch bei 120-140 und nicht mehr pausenlos so hoch. Ich bekam ein besseres Gefühl und so etwas wie Hoffnung.

Und plötzlich ging alles ganz schnell und ich saß um 13Uhr zu Hause beim Mittagessen. Unglaublich! Morgens kam erneut einer meiner Frauenärzte und fragte mich, ob ich heim wolle. Ja, unbedingt, wenn es geht. Alles hing am morgendlichen CTG und auf das musste ich ungewöhnlich lange warten. Bis dahin hatte ich mich davon gestohlen und endlich geduscht, mir die Haare gewaschen. Sauber fühlte ich mich, aber heißes Wasser auf den verspannten Körper und die Haare schön, das fehlte mir. So sehr. Aber auch das ging nicht ohne Geschimpfe der lieben Krankenschwester, die all das selber erlebt hatte: „Ich würde das nicht machen! Wieso sollte es Ihnen besser gehen als mir damals?!“
Als die heutige Hebamme kam, fühlte ich meine eigene Aufregung und auch ihre Vorurteile. Das machte mir kein schönes Gefühl. Sie gab sich Mühe freundlich zu sein, aber auch sie ermahnte mich. Als wäre ich unmündig und würde zu Hause gleich erstmal alle vier Etagen saugen und wischen wollen, dabei will ich nur eines: Mein Kind schützen! Aber sie erkannte mich von Februar, als ich mit Blutungen da gewesen war. Damals hatte sie mir dahin gehend gut getan, als sie liebevoll meinte, ich wäre schon so weit gekommen. Aber auch sie hatte mir damals schon Hilfe ans Herz gelegt, dabei glaube ich fest, bis auf Kleinigkeiten machen wir das gut.
Das CTG war gut, wurde dann noch einmal abgesegnet, ich packte in Ruhe und ließ mir den Zugang ziehen und dann schwebte ich nach draußen ans echte Leben, denn bis zum Morgen hatte ich die Tage nur in diesem Zimmer, im Bett verbracht.
Meine Schwiegermama holte mich ab und sie hat mir als Hebamme wirklich gefehlt- sie kam gerade wieder zurück aus dem Kurzurlaub. Sie erdete mich so schnell, machte mir Mut, gab mir Kraft und wir hatten ein schönes Gespräch allein. Und sie warf mal einen ganz anderen Blick aufs Geschehen. Vielleicht hatte ich wirklich eine Infektion und Anton hatte die Reißleine gezogen? Deswegen war er vielleicht so aufgeregt. Mir gab das soviel. Mal nicht, dieses „Du bist Schuld und hättest besser aufpassen sollen.“ zu hören. Man kann sich drüber streiten, wie sinnvoll so kurz vor knapp noch die (teilweise umstrittene) Lungenreife war, ob wirklich akute Gefahr bestand, aber ich denke wirklich feste, dass es das Richtige war. Irgendwas war ganz und gar nicht in Ordnung. Und so hänge ich auch noch jetzt nach Stunden und Tagen, zwischen verantwortungslos und hysterisch- irgendwo in der Mitte.

Am Dienstag startete hier alles um diese Zeit und nun bin ich wieder hier. Es ist so schön zu Hause zu sein. Nur habe ich Angst auf mein Gefühl zu hören, horche in mich- wartend.
Ungewohnt ist noch alles. Unwirklich. Und eben wunderschön. Ich habe erstmal nur die Kinder bestaunt und betrachtet, die nach und nach am Nachmittag und frühen Abend nach Hause kamen. Als hätte ich sie ewig nicht gesehen. Nun haben wir Ferien. Endlich!

Jetzt wo es still wird, arbeitet alles noch nach. Ich sehe auf die Uhr und zähle wie zu Beginn der Schwangerschaft die letzten Stunden des Tages. Jeder Tag ein Gewinn. Jeder Tag im Bauch zu Hause ist ein Tag ohne Zerrissenheit zwischen den Kindern mit weniger Sorge um Anton. Was würde auf uns warten? Pendeln in die Stadt, um unser Kind zu sehen und zu Hause die anderen fünf Kinder. Immer nie wirklich irgendwo, zwischen den Welten und in ständiger Angst. Ich mag hoffen, dass wir schön weit kommen.
In der nächsten Woche hatte Nils wegen Emils OP schon einen Tag Urlaub genommen, ein Tag ist Feiertag und falls das mit dem Rücken besser wird, nimmt er eben noch drei Tage Urlaub um die erste Ferienwoche hier abzudecken. Stück für Stück alles erobern, erplanen, immer mit dem Wissen, alles kann gleich wieder neu gewürfelt werden. Aber so war das und so wird das auch immer bleiben. Ich hüte das Bett, das Sofa und oder ruhe und brüte. Aber kann meine Kinder anfassen, mittendrin sein. Auch wenn der gerade kommende Sommer, nicht so gefeiert werden kann, weil ich für Unternehmungen gerade nicht zur Verfügung stehe, versuchen tapfer sein, denn es könnte doch schlimmer sein.

Von Herzen Danke an alle, die an uns gedacht haben und oder für uns da waren!