Alles hat seine Zeit

Als ich hier her kam erwartete ich wohl Entspannung auf Knopfdruck, als würde der Anblick des Wassers sämtliche Spannung aus mir heraus spülen.
Ich hätte es besser wissen müssen, hatte ich es doch letztes Jahr erst ähnlich erlebt.
Zweimal hatten wir 2013 das Glück hier sein zu können, einmal im Frühling und ein zweites Mal im Sommer. Beide Aufenthalte war ich emotional sehr durch den Wind. Beim ersten Besuch hatte ich erst am Vortag meinen Müttern gekündigt und damit einen wichtigen Schritt Richtung Luft holen gemacht, beim zweiten Mal lag mein letzter Arbeitstag gerade mal einen Tag zurück und ich beschäftigte mich so viel damit wie es weiter gehen würde. Obwohl der Entschluss wichtig und richtig für mich gewesen war, fiel ich gerade zurück zu Hause im Alltag erstmal in ein grosses Loch.
Mir hatte das Ende meiner Tagesmutterschaft so viel genommen, Selbstbewusstsein in erster Linie, obwohl mir jeder der es gut mit uns meinte, sagte wie mutig der Entschluss gewesen war.
Heute ein Jahr später und mit mehr Abstand bin ich milder zu mir und frage mich oft nur noch, wie ich das jemals schaffen konnte- all das ein halbes Jahr, bin zwar auch ein bisschen stolz, aber letzten Endes sprach es der Mann aus: „Du warst am Ende, es hat dir soviel abverlangt.“ Und dann weiss auch ich wieder, wie frustrierend es war, nicht so mit dem Mädchen arbeiten zu können, wie ich es gern getan hätte.

Wenn mich der Mann nun dreieinhalb Wochen nach der Geburt von Anton fragt, wo wir wohl in zehn Jahren stehen werden, weiss ich keine Antwort. Natürlich umtreibt mich auch ein Stück weit, was alles, welcher Weg noch vor mir liegt.
Eine Herzenssache gäbe es, aber ich frage mich ernsthaft wofür ich dafür die Zeit nehmen sollte. All dieser Alltags- und Haushaltskram, all das Organisieren, die kleinen täglichen Rädchen sind Zeitfresserchen. Wie viel Minuten ich jeden Tag Spül- und Waschmaschine einräume, sauge, den Tisch eindecke, wenn ich allein bin. Dazu nun Anton, der noch nicht gross warten kann und mich oft rasch braucht, was für mich bedeutet, vieles liegen lassen zu müssen, was ich gerade begonnen habe.

In wenigen Wochen also bin ich vormittags nach drei Jahren wieder allein mit zwei Kindern am Vormittag. Davon hab ich geträumt in den ersten Wochen der Schwangerschaft, das erleben zu dürfen. Erneut. Dorthin geträumt, genau hier her. Jetzt liegt es vor mir. Drei Stunden werden wir nun haben, bis ich nach fünf Jahren wieder nur ein Kind vom Kindergarten abholen werde und in diesem September erstmalig auf drei Kinder warten, die aus der Schule kommen.

Mittlerweile sind weitere Wochen vergangen und ich habe immer noch keine Antwort auf diese Frage des Mannes, vielleicht wird sie nie da sein, vielleicht kommt sie plötzlich und unerwartet von allein. Noch lasse ich mich treiben. / 11 Wochen später.

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