Auf der Suche nach der Langsamkeit

Letzte Woche schrieb ich von dem Hin- und Herflitzen in den Minuten, in denen ich mal zwei Hände frei hätte. Dazu zählen Dinge wie mal den Tisch abwischen, einen Wäschekorb aus dem Keller hoch tragen, den Geschirrspüler ausräumen, Krümel unterm Tisch aufsaugen, einmal kurz nass durch die kleine Küche wischen, am Backofen oder Herd was machen oder nur mal zur Toilette, Zähneputzen- keine großen Tätigkeiten, aber alles tägliche zu verrichtende Arbeiten, die ich lieber ohne 8kg Baby in der Trage oder im Tuch mache, dennoch manchmal mit ihm machen muss und auch mache.

Das Tempo nahm zu. Immer noch mehr in diese kurzen Momente packen, immer noch mehr mit Baby an mir machen, höher, schneller, weiter.
Das geht auch gut, wenn es zeitgleich begrenzt ist: ein Geburtstagsfest, das ins Haus steht oder nahender Urlaub. Aber es ist nichts, was ich gern über Wochen hinweg so haben möchte, vor allem schon gar nicht, wenn ich selbst angeschlagen, nicht ganz fit bin.
Als ich am Samstag versucht habe das Wegsein des Mannes weiter auszugleichen und das zu Putzen, was wir sonst zu Zweit machen, unten meine Schwiegermama mit den Kindern „Mensch ärgere dich nicht“ spielte, während ich klatschnass Saugen und Wischen in verschiedenen Räumen koordinierte, zeitgleich versuchte Abendessen vorzubereiten, drehte ich mich zu schnell.
Genau in diesem Augenblick wurde mehr als deutlich, was ich die Tage schon immer mal wieder gedacht hatte: Wenn ich so weiter mache, kann ich gleich eine Kur beantragen. So nicht! Da muss Anspannung raus.
Das fällt mir schwer, ein Gleichgewicht zu finden. Da ich einfach nicht nichts tun kann, dafür sind wir zu viele. Die Spülmaschine läuft an „schlimmen Tagen“ manchmal 4-5 Mal am Tag, da bleibt oft das Gefühl, dass man sie doch gerade eben erst angemacht hat.
Wenn ich Dinge bewusst mache und nur das was möglich ist, geht es mir besser. Erstaunlicher Weise schaffe ich genau dann immer noch soviel wie vorher, aber ohne zu empfinden in einem Hamsterrad fest zu sitzen.

Ich kann auch nicht dauerhaft bewerkstelligen, dass alle drei Toiletten immer wie frisch geputzt aussehen. Das geht nicht. Ich muss Abstriche machen. Das liegt nicht nur an den vielen in diesem Haushalt lebenden Personen, es ist auch das große Haus mit Keller, der Garten. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke und an schlechten Tagen versuche ich doch allen ernstes, das doch alles zu schaffen, was einfach unmöglich ist.
Ich habe nicht wie beinahe alle Nachbarn eine Putzfrau, die einmal in der Woche den Grund reinbringt, dass machen wir allein.
Es geht also darum eine Ausgewogenheit zwischen den eigenen Ansprüchen (ebenso denen die Dritte an mich heran tragen) und der tatsächlichen Arbeit zu finden.

Das ist meine (Lebens-) Aufgabe, weil ich mir interessanter Weise für meine Kinder ein Leben ausserhalb dieses Hamsterrades wünsche.

3 Responses to “Auf der Suche nach der Langsamkeit”

  1. frl_mieke Says:

    Das hast du soo schön geschrieben.
    Ich behaupte einfach mal, sowas kannst auch nur du SO schön schreiben.
    Du bist einfach die beste und meine persönliche Heldin!
    (Und zwar nicht im Putzen, sondern im immer wieder so wunderbarst bedacht zu hinterfragen und ganz differenziert komplexe Dinge auf das wesentliche runterzubrechen)
    Denke gaaanz fest an Dich!

  2. geologenkinder Says:

    Ich sitze fest im Hamsterrad und das frustriert mich. Immer mehr in den Zeitplan stopfen und da ist noch ne lücke von 5 Minuten da könnte man noch……das sollte es nicht sein, ich weiß das auch aber ich sitze fest darin.

  3. Sandra Says:

    Ich falle auch immer wieder mal ins Hamsterrad, aber – es wird. Ich habe aufgehört, immer alles gleichzeitig zu machen, wir Frauen sollten uns davon verabschieden, alles perfekt machen zu wollen. Wir sind uns gut genug – auch wenn Krümel von gestern unterm Tisch liegen – mittlerweile setze ich mich einfach hin und trinke einen kurzen Kaffee, bewußt und besonnen – im Grunde ist es doch meistens relativ sauber, alle haben etwas sauberes zum anziehen im Schrank. Ich mußte auch lernen, mehr den Mann einzuspannen, die Kinder, weil man halt alles immer nebenbei und hier und dort noch macht – und abends komnt dann das schlechte Gewissen, daß man eigentlich genau das nicht geschafft hat, was man unbedingt machen wollte – und man vergißt, was man so nebenbei alles gemacht, hat, nur weil man da kein Ergebnis schwarz auf weiß hat. Aber wenn man dann unseren Tag nochmal Revue passieren läßt, hat man doch viel geschafft, den Alltag halt, das wird nur leider immer viel zu wenig respektiert.
    Ich habe „nur“ zwei Kinder, Teilzeitjob, Haus und Garten und ÜL-Stunden, deshalb bin ich voller Respekt über deinen Alltag: Daumen hoch! Wichtig glaube ich sind einfach manchmal Innehalten und kurze Pausen zwischendurch wenn möglich, auch mal mehr an sich denken und egoistischer werden und : viel kuscheln mit den Kindern, alles andere ist nicht so wichtig … der Haushalt kann auch mal warten :-) ich weiß, es gibt solche und solche Tage, aber: alles wird gut …
    Viele Grüße aus Niederbayern … Sandra