Überall

Es gibt Tage, Stunden oder Minuten in denen ich mich verliere. Mich selbst nicht finde. Das sind Augenblicke in denen ich mich verzweifelt frage: „Wo bleibe ich? Wo bin ich?“
Und dann während ich das kleine Menschenkind durch die Gegend schaukle, nach einem langem Tag voller Mama- und Daheimgebliebene sein, sage ich mir: Ich bin doch hier. Überall. In jeder Ecke des Hauses steckt ein Teil von mir. Ich bin in dem Film, den ich mir heute Abend ausgesucht habe. Ich bin in den Büchern, die ich lese. Ich bin in dem Kind, das ich in meinen Armen halte, auf das ich so lange gehofft hatte. All das wollte ich. All das bin ich. Ich bin genau hier. Ich bin in den Entscheidungen, die ich getroffen habe, dem Leben, das ich gewählt habe.

Trotzdem bleibt da die sehnsuchtsvolle Stimme, die da flüstert: Ich will aber mehr!
Und ich weiss nicht, ob mehr Zeit für mich oder wirklich eine weitere, eine andere Aufgabe, obwohl ich mich vor 10 Jahren für genau diese entschieden habe.

Ich bin hier. Ich bin auch da. Manchmal überdeckt von 24Stunden Dasein. Aber auch hier. Und ich will mehr. Ich brauche mehr. Es reicht (gerade) nicht (mehr).

4 Responses to “Überall”

  1. Elisabeth Says:

    ja, genau. Du hast es auf den Punkt gebracht. ganz ehrlich, ich dachte ja, dass ich mit diesem Gefühl ganz alleine bin, verrückt… alleine zu zehnt….
    aber an manchen Tagen glaube ich fest daran, dass es eine Zeit „danach“ gibt. Eine Zeit in der wir ernten dürfen aus unseren Entscheidungen und aus unserem verloren sein im hier und jetzt…wenn man das nur festhalten könnte..
    einen lieben Sonntagsgruß,
    Elisabeth

  2. frl_mieke Says:

    Wie bekannt mir das vorkommt … und doch habe ich es noch nie so wunderschön beschrieben gelesen oder sehen können.
    Da sein, in jedem Winkel, in jeder Entscheidung, in allem.
    Eure Familie, Euer Haus, die Art, wie Ihr lebt und liebt, wie ihr miteinander umgeht, alles, was Dir wichtig ist, was du weitergibst … all das wäre nicht, wenn Du nicht da wärst, so wie Du es bist.
    Du bist wirklich einzigartig.Die Art, wie Du die Welt wahrnimmst und das alles auch noch in solch wunderbare Worte fassen kannst … das gibts auch nur einmal.
    Aber ich verstehe auch Deine Sehnsucht … ich wünsche Dir so sehr, dass Du eine Antwort und irgendwann auch eine Lösung findest, die sich umsetzen lässt.
    Und dass Du bis dahin doch genug Kraft schöpfen kannst daraus, einfach da zu sein. In jeder kleinen Ecke Eures bunten Lebens …

  3. Levistica Says:

    Egal welche Entscheidungen man trifft, dieses Gefühl beschleicht einen irgendwann. Auch wenn man sich für den Weg der selbstbestimmten Karriere im Job entscheidet und man an den Punkt kommt, an dem man eigentlich genau das erreicht hat was man sich vorgestellt hat, zufrieden ist… und den eigentlich ja viel egozentrischeren Weg eingeschlagen hat fragt man sich „Finde ich mich in meinem Leben so wieder? Ist es das was mich glücklich macht?“.

    Ich weiß nicht ob man die Frage jeweils sicher mit ja beantworten kann, vielleicht ist es auch gut dass es niemals so sein wird, weil man immer etwas braucht nach dem man streben kann. Aber ich weiß, dass mich die Mutterschaft diesem „Ja“ näher gebracht hat, dass mich aber auch das gelegentliche Arbeiten in meiner Agentur dem „Ja“ näher bringt und dass ich definitiv noch weitere Kinder haben möchte auch wenn das mein Leben wahrscheinlich so fordernd machen wird dass ich gar keine Zeit mehr für solche philosophischen Fragen habe ;) Aber vielleicht ist das auch des Rätsels Lösung: Leben, passieren lassen und die Reise genießen. Sich zuviel Gedanken über verpasste Möglichkeiten und Gelegenheiten zu machen verleidet einem das Erlebnis schließlich auch.

  4. kassiopeia Says:

    @Elisabeth. In Gedanken antworte ich dir seit Tagen auf deine liebe Mail und danke hier für deine Zeilen, das ist ein schöner Gedanke :)

    @frl_mieke: Ich liebeliebeliebe deine Worte an mich! Ich sauge sie auf! Danke dafür, du Liebe!

    @Levistica: Danke für deinen Gedankenanstoß!!!