Tag 8

oder Kindergarten- und Schuljahresendwahnsinn

Vor mir liegt eine gefüllte Woche, drei Abschiedsfeiern, heißt drei Kuchen, drei Mal zwei Geschenke für Lehrer, zwei Arzttermine, ein Besuch der Kirche eventuell mit dem Kindergarten und überhaupt sind denn alle vor dem Beginn der Ferien total verrückt geworden?
Ich wollte es entspannt angehen und lud mir eine ganz liebe Freundin zum Frühstück ein, was ich so genossen habe. Dann musste ich aber schon kurz nach 11Uhr los um das Kindergartenkind einzusammeln, aber der kleine Kobold wollte lieber anfangen zu weinen und zu schreien und sich auf den Boden zu werfen, weil er eigentlich mit dem Auto meiner Freundin fahren wollte. Also gab ich mein Bestes um ihn wieder aufzumuntern und so kamen wir doch noch gerade so rechtzeitig an der Bushaltestelle an und fuhren in die Altstadt zum Einkaufen und im Anschluss liefen wir gemütlich stehspazierend zum Kindergarten, sammelten das Kind und seinen Kram heim und warteten wieder an der Haltestelle, wo unser Bus kam. Als wir an der Kirche vorbei fuhren schimpfte der kleine Kobold erneut und ich beruhigte ihn und sprach ruhig mit ihm, dass wir gleich unten aussteigen würden, weil es dort schattiger wäre und das machten wir dann doch nicht, denn vor lauter Gequatschte mit dem Kind, fuhren wir an der Haltestelle vorbei, weil ich vergessen hatte zu drücken. Also war die nächste Haltestelle unsere Ausstiegsmöglichkeit der Wahl und wir tigerten zurück. Und während wir so zügig liefen, sahen wir unseren Anschlussbus vorbei fahren. Womit mir klar war, dass meine armen Kinder den ganzen Weg aus der Altstadt nach Hause laufen müssten, was sie auch ganz lieb taten. Ich schmiss mich zu Hause ins Zeug anzufangen zu kochen, parallel die Einkäufe zu verräumen und musste dann auch schon los, um die Schulkinder abzuholen. „Was gibt es heute?!“ ist eine Fangfrage und kann niemals nicht befriedigend für alle beantwortet werden, egal wie gut man es meint!
Die Tochter kam heute Mittag nicht nach Hause, die war mit einem Freund mitgefahren- die erste unbeaufsichtigte S-Bahnfahrt, schon wieder musste ich loslassen und eigentlich ist das auch total schön sie wachsen zu sehen. Die Kinder freuten sich auch eigentlich über das Essen, halfen bei den letzten Vorbereitungen. Ich entschuldige mich noch, weil es mir eigentlich lieber wäre, ich wäre so gut in der Zeit, dass sich unsere Mäuse nach der Schule sofort an den gedeckten Tisch setzen konnten, aber das fiel heute mal wieder leider aus. Wir saßen in Ruhe zusammen, aber ich spürte schon den Druck auf meinen Schultern und kann mich dann schlecht davon frei machen. Ich wollte noch die Wäsche endlich zusammen legen, einen Kuchen backen, wusste da wird eventuell noch Hausaufgabenhilfe von mir erwartet, der Große musste sein Abschiedsgeschenk fertig machen, unter Aufsicht mit Lackfarbe und irgendwie hatte ich ja die leise Hoffnung, dass ich heute noch Zeit mit den Kindern verbringen könnte. Die Tochter rief an, sie sei gut gelandet und ich hauchte leise ins Telefon, sie solle mal lieber anrufen nachher bevor sie herfahren würden, vielleicht würden wir ja eventuell und unter Umständen noch ins Freibad gehen. Aber jedes Mal wenn ich sowas wie Pläne schmiede, kommt der Alltag dazwischen. Kaum hatte ich das also geflüstert, kam alles anders. Ich gab gerade wirklich alles, wollte abräumen, die Spülmaschine anschalten, nach der Wäsche gucken und dann mit dem Sohn das Geschenk endlich fertig machen, als Anton weinte und als ich ihn hoch nahm, sah ich das Dilemma, der ganze Kinderwagen war voller Pups. Ich duschte das Kind, zog es um, setzte es oben ab und wollte dann schnell mal eben den Bezug abschrauben, ihn in die Waschmaschine werfen, draußen aufhängen, dann wieder anschrauben, zwischendrin die Handtücher fürs Freibad waschen und überhaupt. Ich kam dann bis zum Waschmaschine anschalten, mit Unterbrechungen um das Bebbie von der Treppe zu pflücken, war gerade fertig geworden alle Stühle hochzustellen, denn neuerdings wische ich mindestens einmal am Tag unterm Esstisch, als es an der Tür klingelte. Eine Freundin kam und brachte ihre Geburtsanzeige vorbei, ich bat sie herein, bot ihr etwas zu trinken an, aber da sie nichts wollte, konnte ich nicht ohnehin unauffällig weiter zu wurschteln. Der Größte kam und fragte: „Kann ich jetzt lackieren?!“, der Zweitgrößte: „Kann ich jetzt Antolin machen?“ und es sah einfach nur aus wie Hulle, der spuckende Mount Washmore lag uns zu Füßen. Ich drapierte die Wäsche also wieder zu einen Turm oder Berg zurück und verabschiedete unsere Freundin mit Minibaby und machte mich wieder an die Arbeit. Nur schnell wischen und dann wäre ja Platz auf dem Tisch. Während die Jungs unten herum lungerten und sich unendlich langweilten war mir so gar nicht langweilig, es klingelte zudem an der Tür, die Ökokiste stand vor der Türe und wollte bittedanke ausgeräumt werden. Das Tochterkind rief an und führe dann jetzt los, mein Herz war schwer als ich sagte, wir wären zu Hause: „Warum das denn?!“- „Ach alles doof, erzähl ich dir gleich.“ Ich wollte nur schnell einen Kuchen in den Ofen schieben, aber der kleine Kobold wollte unbedingt mithelfen, der große Sohn bekam seine Anleitung und irgendwie kurz vor es kotzt mich alles so dermaßen an, wanderten die Sachen in die Kühlung, als es wieder klingelte und die Tochter lieber Weise gebracht wurde, also kurzer Schnack mit der Mama und wieder in die Küche. Wo die Tochter fragte, warum wir denn nun hier geblieben wären, ja eben weil, guck dich doch mal um, nachher müssten sie noch Backen und überhaupt. Ich wollte nur kurz die Erdbeeren schnippeln und ärgerte mich darüber, dass ich eigentlich viel zu viel eingekauft hatte an frischen Sachen. Die Erdbeeren waren grauslig, also fanden sie ihr Ende in Zucker und Milch. Meine Laune wurde immer unterirdischer, als ich gerade die Erdbeermilch auf den Tisch gestellt hatte, kippte das Kindergartenkind sein Wasserbecher aus, mit mehr Humor und Luft hätte ich wohl an dieser Stelle gesagt, dass er das Wasser nicht hätte ausschütten brauchen, nur weil er lieber Erdbeermilch mag. So war ich einfach nur genervt. Dann stiess ich zweimal aus Versehen(!) dem Bebbie im Tragetuch, denn der Kinderwagen war ja nicht verfügbar, den Kopf an den Küchenschränken an, was dazu führte dass ich raus auf die Straße lief, tief einatmete und dachte ich habe die Nase sowas von voll, dieses Aufreiben und immer noch mehr machen. Ich ging rein, sah in betretende Gesichter, ein ganz furchtbares Gefühl und sagte, dass es nun genug wäre und fragte wer Lust hätte ins Freibad zu fahren. ALLE! Das war wohl das Beste, was ich machen konnte, auch wenn ich das nicht dachte, als beim Loskommen der müde Kobold wieder anfing sich fallen zu lassen und zu schreien und zu toben, weil wir sein Telefon hatten liegen lassen. Alles half nichts, für eine Sekunde dachte ich daran umzukehren, aber die Kinder hatten so lieb und dankbar voller Eifer alles zusammen gesucht, wir mussten jetzt dahin, auch wenn das bedeuten würde, dass wir nur noch später alles fertig hätten. Ich wollte Zeit MIT den Kindern verbringen und raus aus dem Irrsinn. Der Kobold schrie weiter im Bus, beim Aussteigen und bis wir im Freibad ankamen, da merkte er dann, dass das vielleicht doch nicht so übel wäre und kam wieder langsam runter. Und ich auch. Die Tochter war dabei so eine große Hilfe, so lieb und geduldig. Die vier Großen zogen sich um und waren weg und ich kümmerte mich um die zwei Kleinen. Irgendwann zog ich mich dann auch um und ging mit ihnen ins Wasser, in das uns der Mann dann irgendwann folgte. Zu Hause dann schubsten wir die Kleinen ins Bett, die Großen machten sich ans Backen, etwas anderes war mir auf die Schnelle nicht eingefallen. Ich konnte nichts mehr einkaufen heute Mittag und Süßkram wäre wohl morgen und übermorgen bei 35Grad geschmolzen. So hatten die Zwei auch etwas Spaß und wir Eltern tobten uns dann noch mit dem Zusammenbauen des Kinderwagens aus. Zwei Schrauben blieben über, Emil hat wohl Bauchweh und wachte jetzt immer wieder auf, der Mann kümmerte sich lieb um ihn und ich durfte neben Anton diesen Text zu Ende tippen…

Wenn meine Nägel morgen also nicht so schön sind, wie ich das gewollt hatte, könnte es an diesem Tag liegen :)

3 Responses to “Tag 8”

  1. Frl.Null.Zwo Says:

    Ich kann Dir alles so sehr nachfühlen, wenn auch eine Nummer kleiner, doch dafür mit dementsprechend höheren Ansprüchen wobei die eigentlich auch schon recht runtergeschraubt sind.
    Ich hoffe, es bleibt bei einem vollgemachren Kinderwagen und ist kein Virus ♡

  2. frl_mieke Says:

    Ach meine Liebe, bei uns beiden läuft vieles parallel.Ich bin auch grade gefangen in zuviel „Allen alles recht machen wollen“, zuviel „Ich hab mir da zuviele Ehrenämter ans Bein gebunden“, einem zunehmend vermüllenden Haus, blankliegenden Nerven und zu wenig Zeit und Achtsamkeit für die, um die es eigentlich geht.
    Ich nehme mir Dich als Beispiel und versuche morgen auch auszubrechen, bevor ich durchdrehe.
    in diesem Sinn … nicht untergehen!

  3. kassiopeia Says:

    @Frl_Mieke: Du Liebe! An mein Herz! Es ist ja nicht mal so, dass ich das wirklich immer schaffe, das war nur ein erhellender Moment :) Es nervt mich wirklich nur noch von A) nach B) zu hüpfen und dabei die ganze Familie mitzunehmen, inklusive fehlender Nerven, vom Haus ganz zu Schweigen! Ich drück dich! Und denke viel an dich!