Zeldas Geburt

Wir hatten immer wieder Witze gemacht, es war schon eine Art Sport geworden zu sagen, „Sie kommt erst, wenn…“ oder „Sie wartet noch auf…“ Und so lief an dem Tag der Regen über den Pavillon nur so herunter, auf den wir zuvor gewartet hatten und wir scherzten noch, sie warte auf den Arbeitsvertrag, vorher könne sie nicht. Davor waren es mal Kleidung, Geputztes, Gebackenes, gepflegte Nägel, eine Decke, ein Geburtstag oder was auch immer gewesen, wir hatten noch nicht das Richtige gefunden, was sie heraus lockte… :) Man kann übrigens auch ohne fertige selbstgestrickte Babydecke ein Baby bekommen, ich habe das für euch getestet… Und am Morgen danach einen Arbeitsvertrag aus dem Briefkasten fischen :)

Ich hatte hier zuletzt nach meiner Vorsorge geschrieben, die ja im Grunde nicht viel Neues gezeigt hatte außer dem gleichen Stand zwei Tage zuvor. Von „geburtsbereit“ war die Rede gewesen bei 40+3 wie schon bei 40+1, aber wofür ich wirklich dankbar war, war eben diese Unkompliziertheit meines Frauenarztes „Auf dem CTG sind ein paar Wehen drauf, aber das spüren Sie besser als ich…“, was hatte ich mir schon ausgemalt, was sein könnte, was gemacht werden würde, aber es ging alles zügig in der Praxis (ein Termin, zu dem man rechtlich eigentlich gezwungen ist, zumindest wenn man in Erwägung zieht zu Hause zu gebären) und ich war nach dem simplen CTG schnell zurück zu Hause bei meinen Lieben, wo die Kinder so friedlich spielten wie schon ewig nicht mehr.

Eine Hausgeburt, das war nie etwas auf das ich mich versteifen wollte, mit meinem Rheuma und den Medikamenten, meinem Vielgebären war ich irgendwie auch darauf vorbereitet es nicht tun zu können, zudem gibt es gute Gründe und Situationen -unter, vor oder nach der Geburt- in denen es doch sinnvoll ist ein Krankenhaus aufzusuchen, das in unserem Fall nicht mal 1km mit dem Auto entfernt ist. Als das Gespräch mit unserer Hebamme zur Rufbereitschaft hinter uns lag, war ein erster Meilenstein erreicht, jetzt mit dem absolvierten Termin beim Facharzt dank „Übertragung“ ein weiterer… Ich bin kein Verfechter von „man muss“, daher war immer klar, es wäre kein Drama sollte es nicht gehen, vielleicht war ich auch eine ganze Weile blockiert, weil ich das noch nie gemacht hatte und unsicher war, aber der Gedanke gefiel mir schon Jahre und nach dem Geburtstrauma hatte ich den Mut dazu, ich fasste mir in der Frühschwangerschaft ein Herz und kontaktierte eine Hebamme, sollte das Kind nicht zu uns kommen können, müsste ich das aushalten, aber ich musste in dem Moment Sorge für eine mögliche Geburt für mich tragen und das Kind, ich musste stark sein und mich für mich selbst und mein Kind einsetzen, also mailte ich im Sommerurlaub Elke…
Ich war zwiegespalten, ob ich mich groß äußern sollte über meinen Hausgeburtswunsch, weder wollte ich ein Aushängeschild für die Vorteile außerklinischer Geburt werden, noch Kontakt haben zu den Dramatikern, die mir vorwerfen würden, mein Leben und das meines Kindes zu gefährden. Ich wollte einfach nicht diskutieren, ich fühlte mich bei unserer Hebamme sehr gut aufgehoben und sicher, ich vertraute ihr die ganze Zeit über, dass sie genug Erfahrung haben würde einzuschätzen, ob wir zu Hause bleiben können oder lieber ins Krankenhaus gehen sollten, in das sich mich begleitet hätte!
Dazu kam rein pragmatisch, dass wir niemanden fanden, der über 5 Wochen hinweg 24 Stunden am Tag Zeit gehabt hätte unsere Kinder zu hüten, damit wir ins Krankenhaus könnten, wir hatten zwar alles soweit für einen Plan B besprochen, aber da war nie etwas sicher oder geplant, weil eine Geburt das vielleicht letzte unplanbare Ereignis unserer Zeit ist, wir hatten eine große Tochter daheim und eine Telefonliste mit potentiellen Betreuungskandidaten.

Der Mittwoch tags zuvor war anstrengend gewesen, der Tag an dem ich das zweite Mal zum Schwangerschaftsende dachte, es ginge los und alles sich so aufbaute, nur um wie nach einem Sturm wieder zu verwehen, nachdem ich das via Instagram zugeben konnte ohne mich schuldig zu fühlen, weil ich es doch wirklich so luxuriös mit Nils zu Hause hatte, ein fertiges Baby erwartete, fiel mir das Warten am Donnerstag um einiges leichter, der Tag kam mir so schön rund und unkompliziert vor. Ich war los gelöster, wir verbrachten diesen Vormittag relativ entspannt, wie die Tage zuvor auch, schauten „Homeland“ am hellichten Tag, aßen mit den Kindern simple Fertigpizza, nach dem Kontrolltermin durften die Kinder am Nachmittag eine DVD anschauen und dazu die Brote vorm TV essen, danach ging es ins Bett mit Emil zum Kuscheln.

Doch in der Nacht zum Freitag hatte sich wieder etwas verändert. Die Tage zuvor hatte ich trotz der Vorfreude immer auch Angst vor den Geburtsschmerzen und der Arbeit, die ich leisten würde müssen. Nicht nur die Ungewissheit, die vor mir lag wie der vage Ort, die nicht gelöste Betreuungsfrage, sondern auch wie viele Stunden werde ich geburtsarbeiten müssen? Werde ich genug Kraft haben? Wann geht es wirklich los? Wird es bis dahin ein guter Tag gewesen sein? Wusste Zelda was auf sie zukam, ließ sie sich daher noch etwas Zeit?
Ich wurde nachts wach von ganz seltsamen Bewegungen im Bauch oder hatte ich das nur geträumt und hatte sofort eine kleine Panikattacke, was wenn sich die Nabelschnur im sie verwickelt hatte und sie da drinnen um ihr Leben kämpfte? Ich stupste sie leicht, suchte Kontakt zu unserer Bauchtochter und natürlich war sie träge so mitten in der Nacht… Es war eine Kopfsache. Aber das war der Punkt, an dem die Angst vor dem Schmerz der Geburt total in den Hintergrund trat, ich wollte sie nur noch aus mir heraus haben, dann könnte ich auf sie achten, ihr beim Atmen zu sehen, sie spüren und nur mit einem Blick sehen können, ob es ihr soweit gut ginge oder nicht. Alles konnte nur besser sein, als diese Angst, die sich da befremdlich von hinten anschlich: „Geht es dir noch gut da drinnen?“ Ich nahm ganz bewusst wahr, dass sich ein Gefühl in mir verändert hatte…

Dennoch war ich an diesem Freitag so entspannt wie schon lange nicht mehr, vielleicht weil zwar eine neue Sorge dazu gekommen, aber eine andere dafür gewichen war, die Angst vor der Geburt an sich? Es regnete Bindfäden an diesem Vormittag und Anton, unser 21 Monate altes Kleinkind wich an diesem Tag nicht von meiner Seite, ich verstand sein Nähesuchen, empfand es aber als äußerst anstrengend, immerzu saß er auf oder ganz nah neben mir, folgte mir überall hin und da tauchte wieder diese Frage auf: Spürt er etwas? Und auch hier konnte ich loslassen, dann muss er im Fall der Fälle eben in Betreuung, er wird es überstehen. Zuvor hatte ich mir auch wegen ihm immer wieder Gedanken gemacht…
Wieder gab es etwas simples zum Mittag und dennoch strengte mich das Zubereiten heute an, Zelda fühlte sich groß an und jede Bewegung von ihr drückte schmerzhaft gegen die Bauchwände, die sich teilweise skurril verschoben oder mir schoss ein Schmerz in den Po, weil sie ungünstig lag, so kam es mir vor. Auch wenn nach dem Traum nachts die Sorgen wuchsen, war ich relativ entspannt was den Start der Geburt anging, vor uns lag ja ein Wochenende. Ich maß meinen Bauchumfang, der sich nicht weiter verändert hatte und bei 125cm geblieben war. Ich kontaktierte noch mal drei meiner Freundinnen und war nun etwas schlauer als vorher. Die Kinder machten am Nachmittag ihre Hausaufgaben, es gab aber Unruhe und etwas Streit, wir waren alle etwas dünnhäutig. Noah und Tom fuhren ins Schwimmbad und wir Eltern putzten das Erdgeschoss mal eben nebenbei und ich merkte wieder wie anstrengend es eben doch ist, immer das Gefühl zu haben, etwas „fertig haben zu müssen“ für diesen Moment der Geburt, ob nun solide Sauberkeit, (ich meine damit nicht klinisch rein, das wäre eh unmöglich,) genug Vorräte oder ausreichend saubere Unterwäsche in den Schränken und so arbeitete man täglich immer irgendetwas in diese Richtung „ab“.

In der Zwischenzeit hatte meine Hebamme versucht anzurufen, aber neben den motzenden Schulkindern und einem weinenden Kleinkind war das total unter gegangen, ich schrieb ihr kurz eine SMS, machte Anton eine SOS- Kuschel- Milchflasche, als sie es nochmal bei uns probierte. Sie wollte mich gern sehen, mich mal anschauen, sie hätte spontan Zeit, wenn ich wollen würde… Ich machte für mich noch schnell ein paar Bilder vom Bauch, wie die letzten Tage öfter, ich wusste ja nie, wann es das letzte Mal sein könnte, aber entschied mich gegen das Hochladen…
Wenige Minuten später saßen wir im Bett oben im Schlafzimmer, unsere Hebamme fand den Befund auch „geburtsbereit“, der Muttermund war weich und nach wie vor zwischen 2-3cm geöffnet, der Kopf lag schön tief, aber würde im Falle eines Blasensprungs nicht abdichten, das Wasser würde dann am Kopf vorbei rinnen erklärte sie mir und sagte, sie hätte das Gefühl, es würde nur so ein Stupser fehlen, vielleicht müsse, sagte sie am Ende die Fruchtblase platzen, damit dieser Punkt überschritten wird und es los gehen könne. Wie recht sie damit hatte, wussten wir in dem Moment beide nicht. Sie fragte auch, ob sie den Muttermund sanft dehnen dürfe, was gar kein Problem darstellte, weil alles eh weich und bereit war, ich spürte davon tatsächlich so gut wie nichts… vielleicht würde das ja etwas bringen, aber da ich vermutete, dass der Frauenarzt am Dienstag das Gleiche ergebnislos versucht hatte ohne zu fragen, war ich da entspannt, ich dachte, wenn die Bauchmaus nicht will, kommt sie eh nicht. Aber mulmig war mir trotzdem, sie akupunktierte dann noch, dagegen hatte ich nun überhaupt nichts, (aber das spürte ich dann schon, sehr fies diese kleinen Zehen,) außerdem schrieb sie mir ein Rezept für einen Rizinuscocktail auf (den ich Samstag Nacht einnehmen sollte und bei dem Tipp ich gemischte Gefühle hatte ) und wir verabredeten uns für ein CTG am Sonntag, zudem sie mich aber auf jeden Fall begleiten würde, weil sie Angst hätte, dass ich jemanden in die Hände fiele, der mich verunsichern könnte und dazu reichen schon ein paar Worte. Sie sagte, ich würde mir schon genug Gedanken machen, auch das ich sonst einen entspannten Eindruck machte, ich fand das total schön von ihr zu hören… Wir tranken noch einen Kaffee zusammen, ich veratmete wenig beeindruckt noch ein paar Kontraktionen in ihrer Anwesenheit und dann fuhr sie, zurück blieb das Gefühl, dass sie jemand Gedanken um mich, um uns machte und das fühlte sich schön an…

Mein Mann war verwirrt, warum ich dieser „Manipulation“ zugestimmt hatte, sah er doch keinen Grund dafür. Bei mir war es nur ein Gefühl, ich kann es nicht beschreiben, ich war zwiegespalten weil ich nach Noahs Geburt einfach kein gutes Gefühl für Einleitungen habe, auch keinen sanften Versuchen gegenüber, aber irgendwas war heute anders, ich war mir sicher dem Bauchmädchen keine Gewalt anzutun und es einfach aussitzen zu können, falls es eben doch durch die Manipulation nur falschen Alarm geben sollte… Als sie ging, hatte ich ein paar Schmerzen und mir war so…
Ich spielte zwei Runden „Das verrückte Labyrinth“ einmal mit Ben und einmal mit Emil, wie ich es beiden noch versprochen hatte, als wir Besuch bekamen und dann gingen beide duschen, die Abendroutine startete. Ohne groß drüber nachzudenken, zündete ich tiefenentspannt die Kerze an, die ich extra für Zeldas Geburt gekauft hatte, nur so ein Gefühl, sollte nichts weiter sein, kann man sie immer wieder neu anzünden, alles gehört ja am Ende doch zusammen, dachte ich auf einmal seelenruhig. Und ich war ja auch überhaupt nicht aufregt wie sonst bei Geburtsbeginn. Ich deckte den Abendbrotstisch und sagte noch sowas wie mal gucken, ob es dann jetzt wirklich losgehen würde, brachte Emil ins Bett, vielleicht für eine Weile das letzte Mal?

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Aber es lag überhaupt keine (An)Spannung in der Luft, wie ich das sonst kannte, ich hatte nichts vor, ein „Homeland“- Abend klang auch verlockend und so saßen wir wenig später auf dem Sofa und schauten ein, zwei Folgen, da es so spannend war, schauten wir trotz der Uhrzeit noch eine dritte Folge an „Der große Tag“.
Ab und zu musste ich zur Toilette und ich pustete wieder Wehen, aber das war so neu nun nicht und ich war überhaupt nicht auf eine Geburt versteift, sie hatte noch empfohlen eine Position zu suchen ab und an, damit ihr Rücken sich Richtung Bauch drehen konnte, das hatte ich bis dahin einmal geschafft, weil es so zog, entledigte ich mich meiner Hose, könnte ja sein, dass man die nochmal brauchen könnte und die sollte nicht dreckig werden (auf der Sessellehne liegt die Hose immer noch, die würde nur jetzt nicht mehr passen und an mir herunter rutschen) und unter mir lag auch irgendwo so vorsichtshalber eine Unterlage, aber da die Blase bisher nur ein einziges Mal, nämlich bei Antons Geburt geplatzt war, dachte ich nicht im Traum dran, dass das sinnvoll sein könnte, aber sicher ist sicher und bei dem prallen Bauch unter den Kontraktionen heute und dann so rund um halbzwölf, längst hätte ich im Bett gelegen und da wollte ich auch eigentlich hin etwas schlafen… Immerhin war der Tag bis hierher recht entspannt gewesen, auf einmal jedoch machte es „plopp plopp“, zwei Mal hintereinander und das brachte mich dazu, dass ich hektisch vom Sofa aufsprang, was bestimmt lustig aussah mit einem „Ohoh“ und da stand ich vorm Sofa und wartete (Das gute Sofa sollte doch trocken bleiben, falls…) Erst passierte nichts, der Mann zückte sogar noch entspannt die Wickelunterlage vom Sofa, die unter mir gelegen hatte auf den Boden zwischen meine Beine und dann lief es etwas… Aber nicht viel. Das Polster vorm kindlichen Kopf, vom dem unsere Hebamme gesprochen hatte oder? Also lief ich aufgeregt zur Toilette, soviel Urin wird man ja nicht auf einmal los oder doch? Und da roch ich das Fruchtwasser, ein einzigartiger schöner Geruch, der ein Kind ankündigt und da war ich auf einmal ganz aufgeregt. Die Farbe war aber komisch, ich bat den Mann unsere Hebamme anzurufen, was ich mir hätte sparen können, denn sie wollte, dass ich sie nochmal selbst anriefe, also legte ich mich trocken soweit das ging unter Zittern vor Aufregung, denn nun war es ernst, uns trennten nur noch Stunden von unserer Tochter…
Ich setzte mich kurz, während wir telefonierten kam auch noch eine Wehe und Elke sagte, sie würde dann losfahren, sie schaut sich das mal an… Ich machte mir wirklich etwas Sorgen, konnte ich nicht sicher sagen, ob das nur klares Fruchtwasser und auch Fruchtblase gewesen war oder gar grünes Wasser, was würde das bedeuten? Ich machte mir selber Mut und Notizen, ich wußte nichts sicher, aber das Schlimmste würde wohl sein, jetzt doch los zu müssen und das Zelda Medikamente bräuchte, aber erstmal auf Elke warten! Erstmal ruhig bleiben…
Wir wollten beide noch die fünf Minuten der letzten Folge zu Ende gucken, aber ich war dann doch zu unruhig, ging hoch, völlig egal war mir zu diesem Zeitpunkt der Reinheitsgrad unseres Hauses, ich wollte mich frischmachen bevor unsere Hebamme eintreffen würde, zog mich um, denn mir war nun warm und ich veratmete Wehen, die nun doch rascher kamen und stärker wurden… Außerdem ließ ich das Rollo runter, damit mich niemand sehen und ich mich frei fühlen könnte, machte letzte Fotos vom Kugelbauch, man macht doch immer zu wenige Bilder unter so einer Geburt.. Und entschied mich gegen das Twittern, niemanden wollte ich aufregen, auch wenn der Mann mir zuvor gekommen war und ich wollte irgendwie dann doch nicht das Schicksal heraus fordern, da war er wieder- mein Aberglaube…

Unten wartete der Mann, weil doch Anton schlafend im Kinderwagen lag, der im Flur stand, auf unsere Hebamme und ich pustete oben allein für mich, kreiste und versuchte es Zelda so leicht wie möglich zu machen. Hier oben fühlte ich mich gut aufgehoben, die Vorstellung unten zu gebären war mir immer schwer gefallen, es hallt durchs ganze Haus und ich wollte weder Anton noch jemand anderen aufwecken, oben war eben auch mein Reich und als ich es mir damals bei Einzug so schön mit Nils gemacht hatte, war immer irgendwo mein Traum gewesen, wie schön es sein müsste, hier ein Kind zu bekommen, in diesem rosa Zimmer, in meinem Bett, meinem Zuhause und nun stand ich genau da, Wehen veratmend, das war überwältigend! Dachte ich doch immer man müsse aus Sicherheitsgründen im Erdgeschoss bleiben…
Eine halbe Stunde etwa nach Blasensprung (gegen Mitternacht) kam Elke, beruhigte mich wegen dem Fruchtwasser, erklärte in Ruhe was es bedeutet hätte und untersuchte mich, ich weiß nicht mehr ob 5-6 oder 6-7cm aber ich wusste, es hatte sich schon gut was getan und trotz der Intervalle hatte ich dieses Mal keine Angst, sondern dachte nur, das wird heute dann hoffentlich schneller gehen… Heute! Wir hatten ein Datum! (Ein Samstag wie schon bei der großen Schwester und sie würden sich zu dem Wochentag noch die Zahlen auch etwas teilen, fiel uns später am Tag auf.) Elke hörte die Herztöne mit dem Dopton ab: vor, während und nach der Wehe und Zelda ging es gut. Nils begutachtete den geschrumpften Bauch ohne das viele Fruchtwasser, obwohl noch genug davon da war… Ich zog eine dieser Damenwindeln an, die Elke empfohlen hatte und kniete, nachdem ich zuvor auch mal vor den Kommoden geweht hatte, wieder vor dem Bett, was mir so gar nicht mehr behagte, denn mit jeder Wehe kam immer auch Fruchtwasser und das lief mir die Beine entlang, nicht wie vorher in meine gebastelte Einlage. Als ich zur Toilette wollte, ging es nicht, ich konnte mich nicht setzen, weil ich so fiese Krämpfe in der Pobacke hatte, dafür lief munter Fruchtwasser in die Schüssel und so brachten mich dann beide zusammen zurück zum Bett, wo Elke gegen den Krampf half, aber was war das fies so mitten unter der Geburt…

Aber so wehend am Bett, ganz bei mir und wahrnehmend, dass ich nicht groß viel mehr als eine Minute Pause zwischen den einzelnen Wehen haben könnte, bekräftigt vom Mann, der da zwischen sagte „Schon wieder?!“, bekam ich in meinem Dschum schon auch noch mit wie der Mann und unsere Hebamme Hand in Hand zusammen arbeitend alles vorbereiteten, große Koffer einschleppten, das Bett mit Malerfolie bezogen und wieder ein dunkles Laken drüber zogen, bei dem ich kurz sogar mit anfasste, Nils brachte mir etwas Wasser zu trinken, stellte Zoes Wecker auf die Kommode, so das Elke eine Uhr im Blick hatte, reichte mir immer wieder seine großen warmen Hände, wenn wieder eine Wehe über mich rollte, unter denen ich mir zu Beginn immer vorgestellt hatte, ich wäre im Meer und eine Riesenwelle käme und die müsse ich irgendwie nur durchschwimmen, wäre sie über mich gerollt, hätte ich kurz Zeit zum Verschnaufen, die müsste ich nutzen um Kraft zu tanken und zu Entspannen, damit es gut voran ginge… Dazu drückte ich die Nase in meine eigene Bettwäsche!
Im Gegensatz zur letzten Geburt hatte ich aber keine Angst, dass es Stunden so gehen würde, ich dachte nur, dass muss gut sein, dass muss ein gutes Zeichen sein, ich muss Vertrauen haben und ich fühlte mich pudelwohl, lauschte auf Elkes „Uh…“ Ich war wie ich mir niemals hätte Träumen lassen in meinem Schlafzimmer! Hielt mich am Kopfende fest, wie praktisch. Ich wurde lauter und lag kurz zwischen zwei Wehen auf dem Bett, da veränderte sich schon der Schmerz, es zog im Bauch vorn unten und Elke meinte dann wirklich, wenn mir langsam danach wäre zu drücken, dann bitte. Nils dachte in dem Moment, wie er später sagte, sie würde das nur für mich sagen. Aber ich wusste, dass es stimmte, war mir sicher, ich fühlte es doch! Und es war so schön jemanden da zuhaben, der mir zuhörte! Ich hätte also gern mitgeschoben jetzt, aber da war wieder der Krampf im Po, war das gemein mit benötigten angezogenen Beinen, dann war mir auch noch etwas flau, aber Elke fragte nur kurz, ob ich je gespuckt hätte und weil ich das nie hatte, brachte der Mann mir nur eines meiner Rennie, ich hatte gar keine Zeit mich da typisch für mich in irgendetwas reinzusteigern…

Dann wurde es auch schon ungemütlich, aber eine gescheite Position in den Presswehen zu finden, wenn man krampft ist nicht so schön, aber ich hörte alles was Elke sagte klar und deutlich, ich hatte nur Angst, ich wecke gleich alle auf, allen voran Anton, ich wollte wirklich leise sein, aber es ging nicht. Ich sollte pressen und musste wirklich nachdenken, wie man jetzt noch mal gleich presst… Eine erste Presswehe war vorbei und Elke sagte, noch eine, dann hätten wir es auch schon und der Mann nahm mich fest und sagte „Komm, wir machen das jetzt!“ und das sagt er so ähnlich immer und da spüre ich dann das Ziel vor Augen in seinen Worten und so schrie und drückte ich… Und gebar unsere Tochter, das Gefühl kannte ich doch, wie etwas so wunderbar Warmes aus mir heraus gleitet, ein ganz schönes Gefühl. Mir wurde ein kleines Wesen auf den Bauch gelegt, etwa eineinhalb Stunden nachdem die Fruchtblase geplatzt war und zeitgleich kam Zoe ins Zimmer, ich musste weinen vor Glück, nahm nebenbei Elkes Konzentration genau war, sie rubbelte an Zelda, damit sie atmete, ich sagte irgendwas von ich könnte nicht glauben, dass ich hier gerade in meinem Bett unser Kind geboren hätte und schaute dem wunderschönen Bündel, obwohl es aussah wie Zoe nach der Geburt, zwischen die Beine und sagte meiner großen Tochter unter Tränen, das wäre nun wirklich ihre Schwester. Zoe sah aber gar nicht so gesund aus, sagte sie möchte die Nabelschnur lieber doch nicht durchtrennen und ich kann nur ahnen, was sie da alles auf dem Bett gesehen hatte, ich war nur so froh, dass ich ihr eine Schwester geschenkt hatte, etwas für uns beide verbindend wirklich wichtiges, wir hatten immer gescherzt, sollte es doch ein Junge sein, muss er Edward heißen! :) Als Erinnerung an die letzten Monate und das teilen vieler Erinnerungen… Aber ich war überwältigt, da war ich umringt von zwei Töchtern… Ein Geschenk. Es war nie so, dass mir unendlich viel gefehlt hätte, ich hatte bereits eine wundervolle Tochter und fünf fabelhafte, großartige, unterschiedliche Söhne, gerade bei den beiden Letzten war mir das Geschlecht herzlich egal gewesen, hauptsache da, hauptsache am Leben, aber als der Arzt sehr spät prophezeite, es handele sich beim Bauchwesen um ein Mädchen war das etwas noch mal Besonderes, nicht besser, nicht schlechter als mit meinen Söhnen, aber anders… Ich genoss diese Vorfreude sehr, auch wenn ich nicht müde wurde zu betonen, ich könne es erst glauben, wenn unser Bauchkind wirklich geschlüpft wäre… Und da war es: unser Bauchmädchen, das Kind, das wir Zelda nennen wollten. Frisch geschlupft, neben mir meine große Tochter…
Wir schauten dann dem Papa beim Durchtrennen der Nabelschnur zu, Elke hatte mir wie gewünscht erst in Ruhe gezeigt, dass sie auspulsiert war, dann küsste Zoe Zelda und ich Zoe und sie ging wieder in ihr Zimmer, wo es ihr wohl überwältigt wie sie war, schwer fiel in den Schlaf zurück zu finden…
Elke war das Kind zu groß, sie sagte überhaupt nicht hektisch, aber hoch konzentriert und aufgeweckt, sie würde mir jetzt doch lieber Oxytocin spritzen und die Plazenta heraus holen, damit ich da drinnen nicht blute und das ging dann auch schnell und unkompliziert, ab da war dann alles nur noch entspannt… Ich vertraute ihr und war ja vorher aufgeklärt worden, all das wusste ich schon vorher, es überrannte mich niemand…

Nils und Elke zogen das Bett ab und opferten unser Laken der Geburt, in dem es gleich in den Müll wanderte. (Ich brauche also ein Neues :) ) Ich wollte mich frisch machen und entschied mich, motiviert von unserer Hebamme dazu, einfach gleich zu duschen und weil ich mich soweit fit fühlte, wusch ich mir Haare und Körper, Nils half mir beim Abtrocknen, ich schlupfte in frische Kleidung und legte mich wieder zu meiner Tochter, die Elke in der Zwischenzeit angezogen hatte, denn sie war ganz schön kalt geworden… Ich hatte mein Kind wirklich allein gelassen, kam mir dann in den Sinn, nur kurz denn ansonsten, musste ich sie immerzu anlegen, ohne ging gar nicht, Zelda war sehr hungrig, bei einem Geburtsgewicht von 4790g jetzt auch kein Wunder. Wir lagen dann noch eine ganze Weile zusammen, Elke schrieb ihren Bericht, wir unterhielten uns und ich war überwältigt wie alles so gewesen war, dass nicht alle wach geworden waren, wie schnell es gegangen war und wie unkompliziert und schön und nicht weniger sicher… Wir stießen an, ich knusperte einen Müsliriegel und trank einen Stillsaft, bis Nils und Elke anfingen alles wieder einzupacken und zusammen zu räumen… Elke ging gegen halb drei oder etwas später und ich lag in meinem Bett, neben dem neuen Menschlein, direkt daneben der bald schlafende Mann, der noch verzückt gefragt hatte wie unsere Tochter so in meinen Bauch gepasst hätte, und war sowas wie hellwach, ab und an fielen mir die Augen zu, aber ich musste doch nach ihr sehen… Das Licht blieb an, bis der Morgen anbrach und ich begann mich auf die anderen Kinder zu freuen, die ihre Schwester noch begrüßen würden, das kleinste Kind, das keine Ahnung hatte, Emil der so vorfreudig gewesen war, der neugierige Ben und den analytischen Tom und Noah, der wohl auch wach geworden war, aber verzichtet hatte, gleich nach uns zu sehen…

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Als die Vögel zwitscherten und es dämmerte, knipste ich die Lampe neben dem Bett aus und betrachtete verliebt meine kleine Tochter, für die und mit der alles so neu war…

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17 Responses to “Zeldas Geburt”

  1. Ulli Says:

    Von ganzem Herzen sende ich die herzlichsten Glückwünsche und Gottes Segen für Euch alle! Wie schön! Ich freue mich mit Dir und bedanke mich für’s Teilhabenlassen! Viel Kraft und Freude für die kommende Zeit!

  2. Frl. Null.Zwo Says:

    Jetzt sitze ich atemlos und mitgefiebert und Tränchenkniepernd im Zug ❤
    Alles Gute für die kommenden Tage und Wochen!

  3. dickbauchmarie Says:

    <3 <3 <3 so schön. so wunderwunderwunderbar. so bezaubernd. so einzigartig. so geborgen. so richtig. <3 <3 <3

  4. Gabriela Says:

    <3 Danke! Oh…

  5. Frische Brise Says:

    Herrlich! Einfach herrlich!

    Danke fürs Teilen!

  6. Margrit Says:

    Alles Glück dieser Welt euch!

  7. Little B. Says:

    Das liest sich sehr schön und entspannt und nach „genauso sollte es sein“.

  8. Elisabeth Says:

    So ein wunderbarer Geburtsbericht. So vertraut und doch so einzigartig Eure Geschichte mit diesem Kind. Genießt jede Minute und ich wünsche Euch eine entspannte erste Zeit miteinander (so so etwas zu neunt möglich ist) und Gesundheit und Glück für das Leben als große Großfamilie.

  9. Rita Says:

    wie schön du das geschrieben hast, ich bin sehr gerührt gewesen… <3 alles erdenklich gute für euch, ein gutes ankommen und viel genuss! diesmal versuchst du's mal mit dem babyduft abfüllen, ja? :))

  10. Sigrid Says:

    Ein wunderschöner Bericht und eine wunderbare „Werbung“ für die Hausgeburt.
    Das Kind wird in die Familie geboren, wenn es sich die Frau zutraut.
    Ich wünsche Dir ein wunderbares Wochenbett!

  11. Steffi Says:

    Der Bericht liest sich so, wie es sein sollte. Mit einer vertrauten Hebamme und dem besten aller Männer an der Seite in entspannter Atmosphäre ist der Ort meiner Erfahrung nach beinahe egal. Dass du die Nacht knicken konntest, kenne ich 2x aus eigener Erfahrung (01.13 und 01.00 Uhr geschlüpft). Mist, wenn man gar nicht weiß, wohin mit seiner Freude, weil alle anderen schlafen. ;-)
    Alles Gute für euch!

  12. Katrin Says:

    Ich musste gerade so weinen, heimlich hinterm Bildschirm im Büro ;)
    Ich bewundere dich so sehr. Ich habe Zwillinge und habe aus Feigheit einen geplanten Kaiserschnitt gemacht. Ja, ich war einfach nur feige. Und nun werde ich nie eine natürliche Geburt mehr erleben dürfen/können. Deshalb die Tränen… Ich wünsche dir das Allerbeste und eine schöne Zeit mit deiner tollen Familie!

  13. Antje Says:

    Ach. Jetzt lese ich diesen wunderbaren Bericht und freue mich so, dass es zuhause geklappt hat. Ich würde es genauso machen wollen, wenn… Ich wünsche Euch ein wunderschönes Kennenlernen❤️.

  14. Nat Says:

    Jetzt sitz ich hier und weine!
    Wie schön!
    Glückwunsch zum Töchterchen!
    ❤️
    Alles Gute

  15. kassiopeia Says:

    DANKE! <3 Einfach nur DANKE!

  16. Meeresrauschen Says:

    Hach, so schön! Als ich das Bild von den Kindern gesehen habe, kamen mir tatsächlich die Tränen. Eine Geburt ist etwas so besonderes!
    Und was für ein stattliches Gewicht sie hatte!
    Alles Liebe!
    Kathrin

  17. kassiopeia Says:

    Danke! ♥ Und es stimmt, ich erinnere mich selbst so gern an die Geburt und den ersten gemeinsamen Morgen!