Archive for Mai, 2016

Von Wehmut

Samstag, Mai 14th, 2016

In der Nacht vor unserer Abreise ans Meer, konnte ich kaum schlafen… Zu viele Gedanken kamen und gingen und es blieb diese Wehmut. Wenn ich dieses Haus nach dem Aufwachen verlasse, würde ich das Wochenbett hier lassen, all die erste Zeit zurück lassen und wenn ich zwei Wochen später käme, in ein Haus, dass Kleidung beherben würde für ein Kind, das diese niemals mehr tragen würde, hätten wir Eltern nur zwei klitzekleine winzige Tage und dann wäre ein Alltag zurück, den ich kaum bis wenig vermisst habe, in ein Leben, dass mir fremd geworden ist.
Auch wenn das Wochenbett zu halten, alles andere als leicht gewesen war, wäre es nun vorüber, der Zauber der ersten Zeit vorbei. Ich fahre mit einem Kind, dass schon vier Wochen alt ist 1000 Kilometer weit weg, um in einer Zeitblase weitere vierzehn Tage zu verbringen, die uns dann nur noch in die Wirklichkeit zurück bringen wird…
Eine Wirklichkeit vor der ich wirklich zugegeben etwas Angst habe, einen Alltag zu bewältigen, der sich fremd anfühlt und mir nicht mehr so gut passt. Denn die Wahrheit ist, nie war ich entspannter und glücklicher, als in den vergangenen sechs oder sagen wir vier Monaten, bevor dem Mann in der Probezeit gekündigt wurde. Wir hatten uns bis dahin alles mehr geteilt als zuvor, ich fühlte mich nicht mehr überfordert oder zerrissen zwischen Terminen, ich musste nicht mehr immerzu mit sechs Kindern zu Terminen ausrücken oder mit einem Kleinkind beim Arzt sitzen, um mir Blut abnehmen zu lassen, wir hatten das Privileg Zeit schubsen und uns geeigneter formen zu können, so wie wir sie besser gebrauchen konnten. Ich hatte plötzlich Zeit für Dinge, die ich in den letzten Jahren nicht tun konnte, Banales wie allein mit der S-Bahn und zu Fuß mitten an einem Freitag laut Musik hörend in einen Ikea zu fahren. Es hatte natürlich seinen Preis, dafür war der Mann am Wochenende mal nicht da oder im Ausland für eine oder zwei Nächte und ich war schwanger allein gewesen. Aber wenn ich zum Wellness fuhr mit meiner Schwiegermama und meiner Schwägerin, fehlte mir meine Familie, weil ich gar nicht erschöpft genug war, ich hatte diese Pause gar nicht so dringend nötig wie die Jahre zuvor. Es ist im Alltag einfach nicht leicht, Nischen und Zeit für sich zu finden, für Selbstfürsorge oder Psychohygiene, nein es ist verdammt schwer. Verdammt einfach ist es, sich in diesem Hamsterrad zu verlieren. Und da man wohl die beste Mama ist, wenn es einem selber gut geht, mache ich mir eben meine Gedanken über die Zeit nach diesem Urlaub…
Ferien, die ich genießen werde, weil es völlig egal ist wie viele Gedanken ich mir mache, denn der Alltag bekommt mich wieder, allein oder zu zweit mit oder ohne genossenen Urlaub. Ich denke an all die Dinge, die in den vergangenem halben Jahr zu kurz gekommen sind, weil mein Fokus auf anderen Dingen lag, einen Fokus den ich versuche nun auszurichten auf all die Dinge, die mir gefehlt haben, Freundinnen treffen wäre das Erste, das mir in den Sinn kommt. Aber ich weiß auch dieser Spagat zwischen an sich denken und jemand Liebes zum Frühstück treffen und danach losrennen müssen, um Kinder einzusammeln, Mittag zu kochen, Hausaufgaben neben Geschwisterstreitigkeiten und Stillen möglich zu machen ist etwas kompliziert- ich war zwar in den vier Monaten auch auf mich gestellt damit, aber allein dieses Gefühl, dass da noch jemand wäre, falls etwas ist… Das war schön. Auch freue ich mich auf Ruhe und Zeit für mich und meine geliebten Selbstgespräche. Genau genommen bin ich also hin und hergerissen zwischen den mannigfaltigen Vor- und Nachteilen eines Lebens, das beinhalten wird, dass der Mann und Vater von sieben Kindern morgens mit den Kindergartenkindern das Haus verlässt, um im Anschluss in die Arbeit zu fahren und abends zwischen 19 und 20Uhr erst wieder Heim kommt. Das ist einfach verdammt wenig Zeit, für uns, für die Kinder, für uns alle als Familie, auch wenn es großartig ist, sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, wie man seine Rechnungen bezahlen soll. Dieser Mann an meiner Seite, von dem ich verdammt viel hatte in den letzten Monaten und Wochen, wird mir einfach unglaublich fehlen. ♥

Meer #Tag1

Ein von fraukassiopeia (@fraukassiopeia) gepostetes Foto am

Und weil da zwei Wochen mit ihm und den tollsten Kindern auf mich warten, zogen wir heute morgen im Dunkeln los mit dem magischem Schlüssel in der Hand, um das Zauberhaus zu besuchen…

40 Wochen, mehr oder weniger

Sonntag, Mai 1st, 2016

Etwas überrascht war ich, als am Donnerstag meine Hebamme meinte, sie wäre dann heute das letzte Mal regulär bei mir, ich könnte zwar jederzeit anrufen und sie wäre weiterhin für mich da, aber weil alles so prima liefe, sieht sie keine Notwendigkeit mehr zu kommen, nachdem die Tage zwischen ihren Besuchen rasch immer mehr wurden und sie vielleicht vier Mal da war? Sie hatte Recht… Die Rückbildung lief prima, die Nachwehen waren überstanden, nach einem wie immer fiesen Milcheinschuss, war auch hier Ruhe eingekehrt, Zeldas nimmt zu, ihr geht es augenscheinlich nach super, Nabel sieht gut aus und überhaupt, traf sie mich an diesem Tag Pfannkuchen backend in der Küche an.
Sie würde gern mit uns allen ein Bild machen für die Zeitung, um ein bißchen Werbung für sich und Hausgeburten zu machen, damit man sieht, dass man das auch überleben kann, sagte sie noch, aber dennoch war ich doch irritiert wie schnell das jetzt ging, wie schnell unsere gemeinsame Zeit nun vorbei ist…
Monatelang wartet man auf dieses kleine Wesen, was man noch nie gesehen, aber über Wochen gespürt hat, was in einem heran wuchs… Früh hatte ich zu meiner Hebamme Kontakt aufgenommen, war ein paar Mal in ihrer Praxis in den letzten Monaten, in letzter Zeit sahen wir uns etwas öfter, besprachen die Einzelheiten der Hausgeburt, als sich zeigte, dass dieses möglich werden könnte und nun nicht mal zwei Wochen nach der Geburt unserer Tochter sollte Schluss sein, wir würden das nun ab jetzt ganz offiziell allein schaffen, das war seltsam. Aber fühlte sich auch gut an, es kam nur so überraschend.
Normalerweise endet eine Schwangerschaft für mich dann immer formell mit dem Nachsorge- Termin für den Frauenarzt, aber vielleicht weil diese Schwangerschaft für mich besonders war, was die Betreuung durch die Hebamme betrifft, fühlt es sich diesmal mit dem Abschied von ihr so an…

Somit endete meine 10. Schwangerschaft und ich nehme viele schöne Erinnerungen mit, vielleicht vermisse ich ab und an doch den kugelrunden Bauch, aber nehme liebend gern vorlieb mit dem zauberhaften kleinen Wesen, das ich nun in meinen Armen halten darf, das wir so herbei gesehnt haben, wie die Zauberwesen vor ihr.
Ich bin verblüfft wie rasch wieder die Zeit nach der Geburt vorbei geht, wo sie doch zuvor gefühlt nur so dahin tropfte bis die Wehen endlich einsetzten. Ich bin verliebt in das kleine starke Mädchen, das zu uns gefunden hat und tapfer und mutig die Welt entdeckt, die es davor nicht kannte, jetzt während es kälter ist, Hunger dazu kam und sie alles allein machen muss, wo vorher Wasser war und jedes Bedürfnis immerzu sofort befriedigt wurde… Klein sein muss sehr anstrengend sein, ich hoffe wir machen ihr den Start ins Leben so angenehm wie möglich… für unsere gemeinsame Reise…