Von Wehmut

In der Nacht vor unserer Abreise ans Meer, konnte ich kaum schlafen… Zu viele Gedanken kamen und gingen und es blieb diese Wehmut. Wenn ich dieses Haus nach dem Aufwachen verlasse, würde ich das Wochenbett hier lassen, all die erste Zeit zurück lassen und wenn ich zwei Wochen später käme, in ein Haus, dass Kleidung beherben würde für ein Kind, das diese niemals mehr tragen würde, hätten wir Eltern nur zwei klitzekleine winzige Tage und dann wäre ein Alltag zurück, den ich kaum bis wenig vermisst habe, in ein Leben, dass mir fremd geworden ist.
Auch wenn das Wochenbett zu halten, alles andere als leicht gewesen war, wäre es nun vorüber, der Zauber der ersten Zeit vorbei. Ich fahre mit einem Kind, dass schon vier Wochen alt ist 1000 Kilometer weit weg, um in einer Zeitblase weitere vierzehn Tage zu verbringen, die uns dann nur noch in die Wirklichkeit zurück bringen wird…
Eine Wirklichkeit vor der ich wirklich zugegeben etwas Angst habe, einen Alltag zu bewältigen, der sich fremd anfühlt und mir nicht mehr so gut passt. Denn die Wahrheit ist, nie war ich entspannter und glücklicher, als in den vergangenen sechs oder sagen wir vier Monaten, bevor dem Mann in der Probezeit gekündigt wurde. Wir hatten uns bis dahin alles mehr geteilt als zuvor, ich fühlte mich nicht mehr überfordert oder zerrissen zwischen Terminen, ich musste nicht mehr immerzu mit sechs Kindern zu Terminen ausrücken oder mit einem Kleinkind beim Arzt sitzen, um mir Blut abnehmen zu lassen, wir hatten das Privileg Zeit schubsen und uns geeigneter formen zu können, so wie wir sie besser gebrauchen konnten. Ich hatte plötzlich Zeit für Dinge, die ich in den letzten Jahren nicht tun konnte, Banales wie allein mit der S-Bahn und zu Fuß mitten an einem Freitag laut Musik hörend in einen Ikea zu fahren. Es hatte natürlich seinen Preis, dafür war der Mann am Wochenende mal nicht da oder im Ausland für eine oder zwei Nächte und ich war schwanger allein gewesen. Aber wenn ich zum Wellness fuhr mit meiner Schwiegermama und meiner Schwägerin, fehlte mir meine Familie, weil ich gar nicht erschöpft genug war, ich hatte diese Pause gar nicht so dringend nötig wie die Jahre zuvor. Es ist im Alltag einfach nicht leicht, Nischen und Zeit für sich zu finden, für Selbstfürsorge oder Psychohygiene, nein es ist verdammt schwer. Verdammt einfach ist es, sich in diesem Hamsterrad zu verlieren. Und da man wohl die beste Mama ist, wenn es einem selber gut geht, mache ich mir eben meine Gedanken über die Zeit nach diesem Urlaub…
Ferien, die ich genießen werde, weil es völlig egal ist wie viele Gedanken ich mir mache, denn der Alltag bekommt mich wieder, allein oder zu zweit mit oder ohne genossenen Urlaub. Ich denke an all die Dinge, die in den vergangenem halben Jahr zu kurz gekommen sind, weil mein Fokus auf anderen Dingen lag, einen Fokus den ich versuche nun auszurichten auf all die Dinge, die mir gefehlt haben, Freundinnen treffen wäre das Erste, das mir in den Sinn kommt. Aber ich weiß auch dieser Spagat zwischen an sich denken und jemand Liebes zum Frühstück treffen und danach losrennen müssen, um Kinder einzusammeln, Mittag zu kochen, Hausaufgaben neben Geschwisterstreitigkeiten und Stillen möglich zu machen ist etwas kompliziert- ich war zwar in den vier Monaten auch auf mich gestellt damit, aber allein dieses Gefühl, dass da noch jemand wäre, falls etwas ist… Das war schön. Auch freue ich mich auf Ruhe und Zeit für mich und meine geliebten Selbstgespräche. Genau genommen bin ich also hin und hergerissen zwischen den mannigfaltigen Vor- und Nachteilen eines Lebens, das beinhalten wird, dass der Mann und Vater von sieben Kindern morgens mit den Kindergartenkindern das Haus verlässt, um im Anschluss in die Arbeit zu fahren und abends zwischen 19 und 20Uhr erst wieder Heim kommt. Das ist einfach verdammt wenig Zeit, für uns, für die Kinder, für uns alle als Familie, auch wenn es großartig ist, sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, wie man seine Rechnungen bezahlen soll. Dieser Mann an meiner Seite, von dem ich verdammt viel hatte in den letzten Monaten und Wochen, wird mir einfach unglaublich fehlen. ♥

Meer #Tag1

Ein von fraukassiopeia (@fraukassiopeia) gepostetes Foto am

Und weil da zwei Wochen mit ihm und den tollsten Kindern auf mich warten, zogen wir heute morgen im Dunkeln los mit dem magischem Schlüssel in der Hand, um das Zauberhaus zu besuchen…

2 Responses to “Von Wehmut”

  1. denise1 Says:

    Ich kann dich so gut verstehen. Ich habe das Privileg das sich mein Mann vor 5 Jahren Selbständig gemacht hat und die Stillgelegte Schreinerei wieder eröffnet hat die nur 1 Minute von unserem Haus entfernt steht. Und ja seit dem kämpfen wir Finanziell und leben sehr sparsam. Doch wir haben in dieser Zeit etwas für uns dazu gelernt, das es nichts wichtigeres gibt, als das wir uns haben. Für die Kinder ist der Papa rund um die Uhr ansprechbar und auch ich finde es toll mit ihm gemeinsam den Alltag zu bewältigen und nicht alles alleine schaffen zu müssen. Und auch wenn das Geld knapp ist, haben wir uns für noch ein Kind entschieden. Weil ich es den Rest meines Lebens bereut hätte wenn ich nicht auf mein Herz gehört hätte. Ich bin jetzt in der 23 Woche mit Kind Nr.4.
    Dieses Hamsterrad ein wenig zu verlassen ist schwer und erfordert Mut. Ich kenne deinen Mann und euch nicht Persönlich. Wäre es für euch eine Option, das er irgendwann nur noch Teilzeit arbeitet und ein Nebengewerbe anmeldet und zu Hause arbeiten kann?
    So nun hab ich ganz schön vielgeschrieben. Ich finde euch so toll und bewundere euch. Geniesst euren verdienten Urlaub :-)
    Alles Liebe
    Denise

  2. Andrea Says:

    Hallo !

    Ich kann dich da gerade sehr gut verstehen. Mein Mann ist mit einem Gips zuhause. Seit drei Wochen nun. Und das ist für mich eine unglaubliche Erleichterung – einerseits – denn er ist halt immer da. Wir können reden und er kann auf die Kinder achten. Ich kann schnell alleine dies und das erledigen. Ich kann mich nach einer Krankheit auch ein wenig erholen. Das tut mir unglaublich gut, auch wenn ich andersherum eingespannt bin, wie nie.

    Ich denke auch mit Wehmut daran, das es nun bald vorbei sein wird. Und natürlich bin ich so dankbar, das wir ein gutes Auskommen haben. Aber die Zeit mit meinem Mann, die ist einfach unersetzlich und kommt im Alltag so schnell zu kurz.

    Viele liebe Grüße
    Andrea