Archive for Juni, 2016

Romantik in der Ehe

Donnerstag, Juni 16th, 2016

Er aufm Sprung die Kindergartenkinder wegzubringen, ruft ihr, ebenfalls mit Schulkindern aufm Sprung liebevoll zu: „Ich hab dir schon mal das Putzmittel hochgestellt, damit du dich mit Zelda nicht bücken musst!“ <3 #Vorbesuchsputzen

Unsere Telefonzelle

Freitag, Juni 10th, 2016

Ein Relikt aus beinahe vergessenen Zeiten: die Telefonzelle. Ein kleiner viereckiger Kasten, der ausgestattet mit einer Tür etwas Privatsphäre bot. Abgelöst durch unsere Mobiltelefone, findet man kaum mehr eine solche in freier Wildbahn. Ausser bei uns. Wir haben unsere eigene Telefonzelle.
Denn nicht nur, dass schon der Gedanke ans blosse Telefonieren reicht, um mich zu stressen, gerade bei Familienfremden, ich es vermeide wo immer es nur geht und durch WhatsApp und Email ersetzt habe, ich kann gar nicht einfach so frei sprechen, weil etwas seltsames passiert, sobald ich etwas aus Plastik an mein Ohr halte: Es wird laut! Ganz plötzlich! Ich habe das nun über ein Jahrzehnt ausgiebig getestet und es stimmt, es geht nicht mehr. Sobald das Läuten verstummt und ich gespannt in den Hörer lausche, egal wie still es zuvor war, auf einmal wird gestritten, geschlagen, gefühlt erzählen ein dutzend Kinder wie ihr Tag war, der Feueralarm geht los, ein Sturm zieht auf, es klingelt ein Nachbar oder der Paketbote. Oder alles gleichzeitig. Und weil man ab und zu trotz Phobien telefonieren muss oder gerade deshalb und ich immer noch keinen Mothers Room habe, ging ich dazu über mich ins Gästelklo einzusperren. Und weil das so genial ist, so revolutionär sich in die hauseigene Telefonzelle zurückzuziehen samt Toilette, die anscheinend früher da draussen immer fehlte, anders kann ich mir diesen Geruch nicht erklären, sieht man in diesem Haus auch Menschen unter 30 mit dem Plastik am Ohr darin verschwinden, da oh Wunder, diese Wesen genauso wenig telefonieren können, weil Sturm, Paketbote, Feueralarm und fliegende Äffchen, wie die Menschen über 30 ;)

Von Reisepässen

Dienstag, Juni 7th, 2016

Sieben Wochen ist Zelda nun alt und am Montag stand meine Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt an, sogar Blut nahm man mir noch mal ab. Seltsam war es, denn die Besuche waren in dieser zehnten Schwangerschaft spärlich ausgefallen. Schön war es hingegen mit Zelda da zu sein.
Im Vorfeld hatte ich mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht, weil es das erste große Event wieder allein ohne Mann war, mit zwei kleinen Kindern einen (intimen) Arzttermin bewältigen, nach all den Wochen mit ihm. Würde Anton aus seinem Wagen raus wollen? Würde Zelda sich ablegen lassen, damit der Arzt sich etwas ansehen könnte? Sollte ich noch extra den Maxi Cosi mitnehmen, um sie kurz ablegen zu können oder aber würde es dieses eine Behandlungszimmer sein und so unkompliziert ablaufen wie ich mir das dachte?
Als ich dann dran war, staunte der Arzt nicht schlecht, dass Zelda doch auch so schwer bei ihrer Geburt gewesen gewesen war wie ihr Bruder und schien sich zu freuen, dass die geplante Hausgeburt geklappt hatte, danach hüpfte ich auf den Stuhl mit Zelda im Sling und Anton begann beim Geräusch des hoch fahrenden Stuhls zu schreien. Ich hatte Verständnis für mein Kind, dass das vielleicht ein oder zweimal erlebt hatte und nun Angst bekam, säuselte beruhigende Worte und schaute weder auf den grauweißen, flackernden Monitor noch auf den Arzt, der mit mir sprach, sondern nur zu meinem Kind in seiner lila Kinderwagenschale, die ihn schützend umgab.
Diese kurze Untersuchung war auch schnell geschafft und ich setzte mich noch einmal auf die Liege. Als der Arzt das Ultraschallgerät auf meinen Busen ansetzte, war es bei Anton vorbei, das war ihm alles zu unheimlich. Zelda lag hingehen völlig ausgeglichen auf der Liege und schlief weiter. Zufrieden übergab mir mein Arzt den Mutterpass mit den Worten: „Hier! Ihr Reisepass!“ Wie passend, dachte ich… Eine lange Reise lag nun hinter uns und Pässe, hätte ich von anderen Reise schon einige…
Ich solle erneut kommen, wenn ich wieder schwanger wäre, sagte der Arzt lächelnd, wobei ich hingegen nur das Gesicht meines Mannes vor Augen hatte (und vielleicht auch den einen Reisepass, der oben in einer Kiste liegt, für die anderen viel zu kurzen Reisen gab es keine Pässe)… Also fragte ich, wann die nächste Vorsorge wieder anstehen würde, in einem halben Jahr, so schnell wollte wenn denn dann keine weitere Reise planen… Das Kleinkind hatte sich derweil beruhigt, das kleine Mädchen gleitete schlafend wieder in den Sling, ganz nah zu mir und während ich die Praxis verließ, war ich stolz und froh, dass ich diesen Start in den Montag, in diese Woche so gut bewältigt hatte und alles bis auf das Schreien des Kleinkindes gut gewesen war und eine Stück weit, endete ein weiterer Abschnitt meines Lebens…

Wachsende Effizienz…

Samstag, Juni 4th, 2016

Mit einen frischem Baby wird man ja etwas schneller im Wirken. Immer. Zumindest ist das bei mir so. Es heißt die Zeit optimal zu nutzen.
Hat jemand gerade das Baby auf dem Arm, es ist zufrieden und glücklich und ich habe zwei Arme frei, spiele ich im Kopf sofort durch, was ich am ehesten lieber ohne Baby im Tragetuch schaffen möchte und dabei bin ich schnell, nichts hier mit gemütlich mal eben durchs Wohnzimmer schledern, nein. So also hab ich heute morgen diese Minuten zwischen das Baby von mir zum Kind oder Vater genutzt und ein Buch geschrieben, ein 5 Gänge Menü gezaubert, schnell die Weltherrschaft an mich gerissen, den Tisch abgeräumt und abgewischt, die Spülmaschine eingeräumt und angestellt, die Spüle geputzt, die Küche aufgeräumt, die Stühle hoch gestellt, schnell um und unter dem Esstisch gewischt, Blumen in die Vase geworfen und alles wieder nett drapiert, (was man so macht nach dem Frühstück) nur um mir dann doch wieder Zelda zu greifen, einzubinden und das oberste Bad zu putzen und Staub zu wischen (wie jedes Wochenende), bevor wir zu Zweit mit Anton und Zelda spazieren waren. Das darf ein Ritual werden.
Ja, vielleicht denken Sie an dieser Stelle, warum putzt die denn soviel? Hat die nichts anderes zu tun? Ist der langweilig? Muss sie nach jedem Essen um den Tisch saugen und wischen?! Jein. Müsste/sollte/könnte ich und es ist für besonders ästhetisch wohnen wollende Menschen, doch eigentlich nötig, denn wir sind verdammt viele krümelnde Menschen (auch die Erwachsenen). Mache ich aber natürlich nicht immer, denn da ist ja noch was anderes zu erleben oder zu tun. Aber kennen Sie das große Putzen nach so einem heimischen Kindergeburtstag? Wenn alles voll gebröselt ist? Ich habe hier quasi täglich Kindergeburtstag. Vier mal, wenn es ein besonders krümeliger Tag ist. Es gibt natürlich auch Nahrungsmittel, die weniger Dreck machen als andere. Aber da ich gern täglich unsere Wäsche auf dem Esstisch zusammen lege, ist es doch ganz schlau, wenn der Boden nicht allzu dreckig ist, denn mir fällt ja auch mal was runter. Und wenn dann das saubere weiße Tshirt in die Reste der Blaubeermuffins fällt, ist das nicht allzu effizient. :)

Zeichen und Wunder…

Mittwoch, Juni 1st, 2016

Stehen bleiben und auf die Seele warten, die den Körper wieder einholen muss, manchmal fühlt es sich genau so an. Überwältigt vom Anblick unserer kleinen Tochter. Manchmal ehrfürchtig erstarrt, versuchend das Wunder zu begreifen…

In diesem Jahr grub ich meine Füsse das erste Mal in den Pfingstferien in den Sand, vor einem Jahr wanderte ich meinen Gedanken nachhängend schon Ostern hier am Strand auf und ab…
Meine Arthritisdiagnose war damals noch neu für mich, ich war mitten dabei abzustillen, früher als ich es mir gewünscht hatte. Tagsüber bekam Anton nach vielen, vielen Wochen des Anbietens jetzt immerhin schon die Flasche. Auf den Weg in den Urlaub war mein Rucksack auf einmal voll mit Glasflaschen und Milchpulver in Portionen. Es war viel zu früh dafür und gleichzeitig so weit weg. Die Stillkinder hatte ich so spät abgestillt, dass niemand mehr eine Flasche gebraucht hatte. Zuletzt rührte ich 2009 Flaschen für Tom an, mein drittes und bis dahin letztes Flaschenkind. Gewünscht hätte ich mir eine lange Stillzeit, so war das nicht mehr möglich. Ich hatte das rasche Stillende abgetrauert und dieses Loslassen hatte mir viel abverlangt, nun lag die Ungewissheit direkt vor mir. Würde ich die Medikamente vertragen? Oder doch nicht? Würden sie mir helfen oder bräuchte ich gar das andere, stärkere Medikament? Was passierte da eigentlich mit mir? Immer wieder drückten meine Knie, oft andere Gelenke, die Hände, die Hüfte… ich hatte bisher nur Spritzen bekommen, aber was lag da vor mir? Diese Unsicherheit war gross, das Fragezeichen mit dem ich meinen Körper betrachtete auch. Immer wieder lauschte ich in mich hinein, oft ängstlich. Schlimmer aber vielleicht als die Verantwortung trotz allem weiterhin eine liebevolle Mama zu sein, war für mich die quälende Frage, würde ich je wieder Kinder bekommen können oder wäre das das Ende unserer Familienplanung, so fremdbestimmt? Unter dem stärkeren Medikament wäre ein Baby nicht ohne weiteres möglich, gar nicht. Die Nebenwirkungen sind katastrophal. Ich hatte mich zusammen mit meiner Ärztin genau deswegen für die sanftere Methode entschieden, aber würde das ausreichen, mir helfen? Könnte ich mit der Antwort „nein“ auf diese Frage gut leben? Mein Herz wog schwer in diesen Tagen… Denn das Glück lag ja jeden Tag vor mir, meine Familie, mein Mann, meine Kinder in diesem Urlaub, ich hätte gern noch mehr von diesem Wunder, diesem Glück gehabt… Noch mehr Kinder.
In all diesen Gedanken- und Gefühlswirrwarr fand ich einen Stein beim Spazierengehen am Strand. Als ich in sah, dachte ich sofort an einen Embryo. Ich betrachtete ihn oft und fragte mich insgeheim, ob das ein Zeichen sein könnte. Ich nahm ihn mit nach Hause, diesen magischen Stein und legte ihn mir ins Bad, direkt neben meine Zahnbürste, dort sah ich ihn jeden Tag, mehrmals. Mit Faszination und Ehrfurcht betrachtete ich ihn.
Diese langen Tage, in denen ich auch nachts aufhörte zu Stillen, das Medikament zu nehmen begann, mir immerzu Blut abnehmen liess, um zu schauen, ob ich es vertrug und gleichzeitig hoffte, es möge mir helfen. Ich bekam einen Zyklus, weil ich nicht mehr stillen konnte, zaghaft noch… Der Körper war frei, ich hatte etwas abgenommen und minimalst Sport betrieben, um meinen Gelenken zu helfen, ich fühlte mich wohl in meiner Haut. Und dann plötzlich in dem schönsten Freibad- Sommer mit meinen Kindern hatte ich einen wie immer sehr schmerzhaften Eisprung und zählte… Oh ja, da könnte jetzt etwas Zauberhaftes passieren und das tat es. Ich fühlte es, ich ahnte es, ich wusste es schliesslich, erzählte dann dem Mann davon und fuhr vier Wochen mit meiner Familie in den Sommerferien erneut ans Meer, Anfang der sechsten Woche. Bepackt mit all den Zaubermitteln, die ich einnehmen wollte und musste- und meinem Stein. Hoffend, Zuversicht suchend. Und fuhr nach vier Wochen zwar angespannt, aber glücklich, noch immer schwanger wieder nach Hause. Und blieb schwanger und wurde runder und immer runder, bis wir Mitte der Schwangerschaft erfuhren, wir bekämen eine Tochter. Darüber hinaus hofften wir weiter, dass sie gesund sei, wegen der Tabletten, die ich eingenommen hatte, denn mir ging es bis auf zwei, drei Einbrüche dank der Hormone, die mein Rheuma positiv beeinflussten, wunderbar. Der Fokus lag immer beim Mädchen, das wuchs und wuchs, weitere 20 Wochen und kam schliesslich vor sechs Wochen auf diese Welt. Der Stein blieb und bleibt. Und kam auch dieses Mal mit an die Ostsee. Dort entstanden -etwas mehr als ein Jahr nach dem Entdecken des Steins- diese Bilder.