Archive for August, 2017

Umspült…

Samstag, August 26th, 2017

Manchmal ist da diese Enge, zugeschnürt sein, gepackt und eingezwängt zwischen Müssen und Sollen. Dann bekomme ich keine Luft mehr und fühle dank der Hilflosigkeit und dem sich ausgeliefert fühlen nur noch Wut aufsteigen… Ich fühle mich dann wie umher geworfen zwischen den Wellen, als hätte ich keinen Einfluss mehr darauf, was mit mir geschieht, nur passiv teilnehmend… Was natürlich nicht stimmt. Passiert doch ein Großteil der Dinge mit mir, weil ich sie genauso und nicht anders haben möchte…
Wird es mit zunehmenden Alter so, dass ich mehr Zeit und Raum für mich brauche oder durch die Anzahl der Kinder? Dabei bilde ich mir ein soviel Zeit zu haben, wie noch nie, die ich mir nehme, was natürlich auch nur bedingt stimmt, denn die Zeit, die ich mir nehme ist auch nur ein Bruchteil von allem, heraus gerissen aus dem Alltag zwischen nassen Haaren an der Bushaltestelle, ein paar wenigen Bahnen im Wasser, nur um schnell zurück zu sein und ein kleines Mädchen in den Schlaf zu stillen, das mich braucht. Oder anders formuliert, die Nähe, die ich hier geben möchte… nachdem ich so gebangt hatte um unsere Stillbeziehung und sie von sich aus schon so eingeschrumpft ist, möchte ich sie uns noch bewahren so lange es geht… so lange ich nicht total verrückt werde nachts immerzu geweckt zu werden, an manchen wenigen Nächten gar nicht und in anderen viel zu oft. Aber immerzu ist alles nur heraus gerissen aus dem Alltag, nur kurz hier und dorthin… ein kleiner Augenblick, ehe es mich nach Hause zieht, wo ich hingehöre… Es gab Monate in denen es mich nicht störte, in denen ich abends unsere kleine Tochter mitnahm oder im Eilschritt nach Hause raste um wieder dazusein, bevor Zelda mit ihrem Greinen ihren nächstälteren Bruder zuverlässig aufwecken würde… und wenn man seine Kinder liebt und sich in den geliebten Ehemann hinein versetzt, gibt man alles um nur schnell genug zu sein… dann ist da dieser Neid, auf einen Mann, der zwar immer Rücksicht nimmt, aber frei ist, viel freier scheint, als man es selbst ist… ein Mann der wirklich viel mit anpackt und einem dennoch mit vielem allein lässt oder lassen muss, ein Mann um den mich viele beneiden und der wenn man von ihm erzählt immer empor gehoben und beklatscht wird, weil er tut, was er ja nicht muss… weil er macht, obwohl… ja was eigentlich? Obwohl er nicht muss?!… aber muss ich? Wieso gibt es für Mütter kein beklatschtes „obwohl“? Ich bin forsch und laut und frech, würde man wohl sagen, wenn man mich hören würde wie vehement ich meine Bedürfnisse diesem Mann gegenüber äußere, ich sehe mich zumindest meinem Ehemann gegenüber emanzipiert… gleichberechtigt, zumindest zu großen Teilen, vielleicht nicht ums Stillen, auch wenn ich unterwegs vielleicht eher eine zurückhaltende Person bin, die leise daher nuschelt, was sie möchte oder eben nicht… oder schon mitten in der Aggression ist, wenn das nicht wahrgenommen werden droht…
Ich erinnere mich an ein Gespräch vor Kurzem an der Bushaltestelle, es war etwas skurril, aber es ging dann in eine Richtung, die mir immer wieder trotz all der Jahre Unbehagen bereitet… „Was machen Sie denn beruflich?“ war die Frage… ich wich aus und erwiderte natürlich nichts, schließlich hätte ich genug zu tun, aber mein Gegenüber hatte nicht locker gelassen und gemeint, aber früher irgendwann muss ich doch etwas gelernt haben und da log ich, weil ich es so müde bin, ich log dieser mir völlig Wildfremden gegenüber und sagte etwas nahe liegendes auf Grund der ausbildenden Jahre und meiner reichlichen Praktika, ich wäre Erzieherin. „Na, sehen Sie!“ war die erleichterte Antwort gewesen, „Nun tun sie zu Hause, was sie gelernt haben!“ Ja… Wäre ich ein besserer Mensch, würde ich zwanzig Stunden in der Woche irgendeiner mit Familie vereinbarenden Arbeit nachgehen, wenn ich rennen und hechten würde zwischen meiner Familie und meinem Beruf? Welcher Beruf wäre es? Etwas Tolles? Ehrbares? Oder doch nur ein kleiner Nebenverdienst? Würde mich das in dieser Gesellschaft immer noch zu einem wichtigerem Menschen machen? Ich bin es müde. Und dennoch… tue ich wertvolle Arbeit genug? Reicht MIR das, was ich tue? Was fehlt mir? Frage ich mich, wenn ich meinen Gedanken nachhängend am Strand entlang spaziere und mir der Wind um das Gesicht weht…
Meine beste Zeit hatte mein Blog vor den Fehlgeburten, ich war offen, ab und an witzig, spontan, sehr dabei und das alles endete dort und zwar abrupt, nicht weil ich nach etwas Zeit all das nicht mehr war… Dennoch bin ich hier ab und zu- und doch zu wenig, verpasse Jahrestage wie unseren fünfzehnten Jahrestag, die Geburtstage meiner Kinder, die ich früher liebevoll und eifrig beschrieb… (Natürlich gibt es da heute auch ganz andere zu nutzende Medien und ich gehe mit der Zeit und was mir gut tut, dennoch bleibt da dieses Gefühl, nicht genug zu tun, zu schaffen, kreieren oder zu erreichen,, nicht genug…) Höhen und Tiefen und Lustiges und Tiefsinniges festhielt… weil da auch Zeit war und Ruhe… und die fehlt, so sehr… das es mir heute genau in diesem Moment, die Brust zusammen zieht… weil sich soviel verändert und doch wieder nicht… weil wir nicht älter mit unseren Kindern werden, wie in anderen Familien, wo man gemeinsam immer länger schläft und gemeinsam später ins Bett geht, hier läuft alles in Extreme immer weiter und zwar zu beiden Enden… gut okay, die Kinder stehen nicht wirklich früher auf als damals, aber sie bleiben länger auf… wir nehmen uns Zeit und doch bleibt nicht genug, wenn die Kleinen schlafen, noch eine kleine Runde und noch hier ein Kuss und da ein Gute Nacht Wunsch und dort ein Mückenstich und hier ein Albtraum oder eine Bitte, eine Erinnerung, ein kleines Problem für das tagsüber keine Zeit blieb und schon ist es 22Uhr… und man sieht sie dahin rinnen die Zeit zwischen den Fingern… nutzt die davor so oft sinnvoll mit Lesen im Bett, während man Kinderhände hält, wartet bis das tiefen Schlafseufzen beginnt… damit ein Moment zum Luft holen greifbarer wird… wenn es still wird, sieben kleine Stimmen verebben, die zu mir wehen, die des Mannes dazu und das eigene Bedürfnisserufen etwas leiser wird, bis neun Seelen unter einem Dach stiller werden so lange… bis man wieder aus den Gedanken, der Serie, der Seite, dem Gespräch, der Wäsche geholt wird, weil ein kleiner oder großer Mensch aufgewacht ist…
Heute Abend ist mir das Herz schwer… ich habe im Urlaub Zeit für das Schöne und Wundervolle, zum Staunen, zum Wahrnehmen und Nachspüren, Zeit zum Lesen, Zeit zum Luft holen, raus gehen, schwimmen mit etwas weniger Zeitdruck, trotzdem gerahmt von Pflichten… etwas Zeit um den Gedanken zu lauschen und Gefühlen auf den Grund zu gehen… Gefühle die immer zu da sind, die aber oft nur in Gedanken geschrieben werden oder geflüstert in den Wind und von dort fortgetragen…

Ein Spaziergang mit mir…

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