Archive for Oktober, 2017

„I have died every day waiting for you“…

Sonntag, Oktober 15th, 2017

Ich glaube, die ersten Tage waren die wackeligsten, durchzogen von Unsicherheit und dem meisten in mich horchen, ob es nicht nun los ginge… Zudem hatte ich auch beträchtliche Schmerzen und die Müdigkeit war so bleiern, ich lag so oft unbrauchbar auf dem Sofa, kaputt, ausgelaugt, emotional und körperlich. Die Unsicherheit war groß, ob ich nun wirklich das Richtige tun würde, es verging kein Tag, an dem ich nicht nachspürte…
Das Wetter war zu gut und so plante ich zaghaft schon zu Beginn der Woche einen Ausflug zum Wildpark, sollten alle gesund sein, an dem Tag, an dem alle zeitlich Schule aus hätten. In der Nacht schlief ich nochmal schlecht, ich ging alles in Gedanken durch, wollte nichts vergessen, so wenig Stress wie möglich für mich und maximal Zeit dort. Es war natürlich eine kraftraubende Geschichte, alles rechtzeitig fertig zu haben, morgens hatte ich die zwei Jungs in den Kindergarten gebracht und war nach Hause gelaufen von dort über den Biobäcker, um noch Obst, Gummibärchen und 16 Brötchen zu kaufen, zu Hause packte ich meine Wickeltasche und Wechselsachen für die drei Jüngsten, machte den Fahrradanhänger startklar für zwei Kinder, legte in jedes Brötchen drei Rostbratwürstchen, faltete noch etwas Wäsche und huschte wieder zu Fuß zu Kindergarten, sammelte da die zwei Jungs um 12Uhr wieder ein und lief weiter zum Bahnhof, wo ich mich mit den vier Großen ohne Schulranzen treffen wollte… all das klappte, bis auf das Aussteigen an unserer Endhaltestelle und da war ich dann richtig fahrig, vor Ort dann war ich einfach nur verzaubert und so froh, dass mein Gefühl richtig war, einfach nur schöne Zeit mit meinen Kindern verbringen zu wollen, dem Stress unter der Woche so einen Ausflug anzugehen überwog… Nach Hause ging es mit Nils, der uns auf halber Strecke entgegen kam…
Freitag hatte der Liebste dann Homeoffice und ich meinen Kontrolltermin zu dem ich nach Kindergarten und Speed- Einkaufen ohne Zelda fahren konnte, ohne den Mann bei der Arbeit stören zu müssen, weil sie schon eingeschlafen war… ich versuchte mir davor ein dickes Fell überzuziehen, tags zuvor war ich immer und immer wieder in Gedanken durch gegangen, ob das immer noch mein Weg war, legte mir Argumente zurecht und klopfte noch mal alles in mir ab. Ich kenne die Alternative, das Ausgeliefertsein im Krankenhaus ist noch mal viel schlimmer als in der Praxis. Ich fühle mich wie schon bei den drei anderen Fehlgeburten, verwundbar und nackt, als hätte ich mein Innerstes nach Außen zu tragen, die Vorstellung jemand könne meine zarte Hülle einfach einreißen und kaputt machen, all das Körperliche, was nach der ersten und bisher einzigen Ausschabung so großen Raum eingenommen hatte und auch kein großer Vorteil für mich an Sicherheit- ich ging alles in Gedanken durch. So unerträglich das Warten war, es blieb die bessere Alternative.
Ich hatte noch mal einen ganz wunderbaren Text von Halitha und ihrer kleinen Geburt gelesen. Ein Text, der mich bestärkt und mir noch einmal Mut gemacht hat, zudem haben mich in den letzten Tagen viele liebe Zeilen mir eigentlich fremder Frauen erreicht.
Ich hatte mich dagegen entschieden in der Praxis anzurufen und nach dem Beta- HCG Wert zu fragen, was im Nachhinein gut war, denn ich hätte erfahren, dass er von Donnerstag auf Freitag noch mal gestiegen war, von rund 8.000 auf 11.000. Das hätte mich verunsichert und mich unnötig besorgt. Aber nun war ich da, in der Praxis, schon unheimlich getroffen nach der Anmeldung, war müde von diesem Umgang mit mir und nicht mehr voll geschützt, nach diesem einem kurzen Dialog und auch wütend. Traurig und besorgt, ob ich ohne großen Schaden aus der Praxis käme. Schon letzte Woche war mir aufgefallen, dass man mich zurück in den Wartebereich, der nicht Schwangeren geordnet hatte, ob aus Wohlwollen und knallharten Faktentum. Meine Grübeleien fanden ein jähes Ende, als ich schneller als erhofft vom Arzt aufgerufen wurde. Da wollten wir doch mal gucken… Die Zyste, die mich gequält hatte, war von 5cm auf 3,5cm geschrumpft und die Eihülle war bereits entrundet, wie es so schön heißt, weiterhin umgeben von mehreren Einblutungen in der Gebärmutter. Es war verrückt, aber ich war tatsächlich beschwingt, erleichtert. Mein Körper tut das Richtige und ich erspare mir vorerst noch das Krankenhaus, dachte ich.
Das Warten ist nun ein Teil von meinem Alltag geworden. Für mich ist das alles neu, die zwei frühen Fehlgeburten begannen mit einer Blutung, ich musste nie darauf warten, ich war eher überrumpelt davon… Ich habe mich in dieser Woche gepflegt mit ungesundem Soulfood, mir Tee gegen Zyste und für Gebärmutter einverleibt, mich einmal passiert mit Rosenöl wie nach der Geburt von Zelda, mir Bienenwachsauflagen, die meine Schwiegermama mir besorgt hatte aufgelegt und mich mich Twilight beseelt, gelesen, Zeit mit den Kindern verbracht, denn ich war Freitag nicht nur in der Praxis, sondern später auch noch 40 Bahnen schwimmen, mit dabei Tom und Ben, später noch auf dem Spielplatz mit Sechsen, war Samstag auf der Babymesse um den Kindsknopfstand zu besuchen, mit der Großen danach erfolglos aber gemeinsam Shoppen und abends dann noch mit Nils auf der Langen Nacht der München Museen, wo ich bewegt von der DenkStätte Weiße Rose, gegenüber in der Kirche war und für unsere Ostseeperle ein Kerze entzündet habe, wobei mir dann die Tränen geflossen sind, weil es solche Kleinigkeiten sind, die das alles so real machen… heute war ich noch einmal schwimmen, spazieren mit dem Mann und Zelda, konnte mein Buch beenden und mein Gulasch kochen. Ich habe getankt, wo es ging.
Ich habe getan, was ich konnte, um mich stark zu machen für die kommenden zwei Tage, denn der Mann fährt beruflich weg, ein beschissenerer Zeitpunkt konnte es nicht sein, aber er übernachtet einmal aushäusig und ich muss zwei Abende die Kinder vermutlich allein ins Bett bekommen und den Alltag bewältigen ohne gelähmt zu sein von dem Gedanken, wie ich das nur schaffen soll, wenn es nun los geht. Und ich allein bin. Und dieser Gedanke quält mich. Dieses Alleinsein damit, die ganze Zeit, denn ich konnte mich nicht frei machen von Hoffen und Wünschen und Verlieben in dieses einmalige kleine Wesen, ich muss meine Entscheidungen allein für mich treffen und ich war schon einmal zu einer Ausschabung allein im Krankenhaus, was mir bis heute schmerzhaft nachhängt, auch zwischen uns steht. Dieses verfluchte Alleinsein in so einer Extremsituation. Ich wünsche mir nun statt wie in den letzten Tagen, es möge soweit sein, dass ich noch Zeit habe bis mindestens Mittwoch, ich darf auch kein Fieber bekommen oder sonst welche Probleme… ich habe zwar einen Notfallplan, aber ich möchte den gar nicht nutzen müssen. Ich möchte Unterstützung durch meinen Partner, der maßgeblich beteiligt an meinem (Er-) Leben ist.
Aber ich habe auch Angst vor dem, was mich genau erwartet. Werden es große Schmerzen sein? Wird es mitten in der Nacht sein? Wird es lange dauern? Wie sehr werde ich nochmal trauern? Wird es dann geschafft sein?
Vorhin fragte mich eine liebe Freundin, ob ich ihre Tochter am Dienstag mitnehmen kann vom Kindergarten und ich sagte natürlich ja, denn ihr Papa liegt im Sterben und sie schrieb, es ginge ihm so schlecht, dass sie ihre Tochter so nicht mehr mitnehmen möchte, wenn sie sich mit ihrer Mama aufmacht, den langen Weg zu ihm… Diese Grausamkeit des Lebens, diese Naturgewalt des Todes, diese allgegenwärtige Präsenz des Unausweichlichen, es hilft mir das Leben als Ganzes zu betrachten, mit alle seiner Willkür schlägt es überall zu… Schönes wie Schreckliches und ich hoffe ich habe genug Schönes im Gepäck, um die kommenden zwei Tage gut zu bestehen… und vielleicht kann ich Dienstag auch noch etwas Gutes tun! <3

… so tell me when you hear my heart stop… (trigger: miscarriage)

Freitag, Oktober 6th, 2017

Ich möchte mich daran erinnern, an diese kuschelige Decke aus Herzenswärme und Liebe, die mich da gestern an meinem Geburtstag umhüllt hat, die mich gewärmt hat, an dem Tag der Gewissheit, ich möchte sie zurück zaubern, mich daran einwickeln und daraus Kraft schöpfen, Kraft die ich hatte, bevor ich gerade zur Kontrolle musste… Ich bin froh, dass ich es morgens noch in mir ruhend mit Kraft und Stärke den Kindern gesagt habe, bevor mich mein Wundsein und meine Verletzlichkeit gerade beim Arzt so eingeholt haben… dabei war ich so gut…

Am Ende war ich dankbar nicht schwanger in den Urlaub zu fahren, ich hätte mir bestimmt auch wenn es ein wundervoller Urlaub war, Sorgen gemacht oder zumindest Gedanken- so war ich frei und unbeschwert und hatte nach diesem Traum von Urlaub schon vor der Abreise so ein Gefühl, aber ich packte es liebevoll ein, für später, ich wollte die Ostsee so unbeschwert verlassen, wie ich sie drei Wochen lang erleben durfte…
Ich schaffte es zu warten…, schon da dieses Gefühl…, der Glücksrausch, der fehlte. Ich hatte eigentlich nur Angst positiv zu testen und dann wenige Tage später zu bluten, dennoch hätte ich es dann gewusst, das war mir klar, aber ich rang immer noch mit mir, ob ich die Kraft dafür hätte, denn ich wusste nach diesem Stäbchen wäre einfach alles anders. Ein Test, der nichts bedeutet, nichts entscheidet und doch alles, es gäbe kein eventuell mehr, nur noch Gewissheit! Ich entschied mich aber für die Liebe, fürs Auskosten, fürs Dasein und Genießen soweit es ging und so machte ich zwei Wochen nach meinem erfühlten Eisprung einen Test, aber als der Test dann positiv war, eigentlich schon davor, fehlte mir etwas und an diesem Test fehlte mir die Intensität für den Zeitpunkt, die Farbe… Und nach zwei Tagen sah der Nächste fast unverändert aus… ich erinnerte mich an meine erste Fehlgeburt im November 2010, die erste von dreien in 9 Monaten… da war es ganz ähnlich, also schwebte ich in Ungewissheit durch die Tage, widerstand dem Drang noch einen dritten Test zu machen, nahm die Reste Progesteron und Bryophyllum und Folsäure (weiterhin) und dachte, ich mache einfach alles was in meiner Macht steht um diese Seele bei uns zu halten, das war mir wichtig…
Aber ich war so einsam. Unsere Freundin Anne lag im Sterben und ich bestand nur aus Traurigkeit, das Leben tat einfach, was es tat- mit bloßer Willenskraft schien nichts auszurichten zu sein. Dieser Gedanke war tröstlich, in gewisser Hinsicht… egal was ich tue, es passiert, was passiert. Aber diese Seele war da! Mein Beschützerinstinkt war geweckt, da war so unendlich viel Liebe, ich wollte behüten und bewahren. Und dennoch das Schicksal annehmen… Ich schrieb in mein Tagebuch: „Mich entspannen. Es annehmen. Das Schicksal, deine bloße Existenz ist ein Wunder. Und ich darf dich vielleicht nicht behalten. Wie soll ich das Überleben? Und dennoch sterben täglich zu viele Menschen, werden schwer krank, wieso sollte ich bekommen, was ich mir wünsche? Mit welchem Recht? Ich liebe dich, oh ich liebe dich so sehr! Ich halte dich, versuche dich zu beschützen, aber lasse dich frei, wenn du gehen musst, ich mache Fotos und streichle meinen Bauch, ich wage es nicht zu träumen. Ich atme.“ Und dennoch träumte ich.
Dann während der Eingewöhnung bekam ich richtig schlimme Krämpfe, auch die hatte ich zwei Mal zu vor erlebt. Ich bin fast umgekippt im Kindergarten und schaffte es gerade noch mich irgendwo hinzulegen und die Beine hochzulagern… als ich wieder stabil war, ging ich runter… und war sprachlos, wieviel so ein Körper leisten kann, mein Körper, hier saß ich nun auf einem kleinen Stuhl und es tat so unendlich gut unter Menschen zu sein! Das Leben zu spüren.
Ich befürchtete, dass ich unser Kind verloren hätte, im schönsten Kreis. Der Schmerz blieb dumpf im Unterleib und abends dachte ich dann, vielleicht sitzen wir das letzte Mal alle so zusammen… alle meine Kinder.
Die Blutung kam nicht. Die Tagen waren auch schön und die kleine Seele war in Gedanken natürlich immer dabei, daraus schöpfte ich Kraft. Meine Hand am Bauch und die Hoffnung neben der großen Angst, dass alles schon vorbei sein könnte… und ich nur warten würde. Und ich wartete und die Tage vergingen…

Und dann war ich beim Arzt, weil ich dachte, ich hätte eine Blasenentzündung oder dergleichen. Und da höre ich die Worte, ich sehe es im Gesicht der Ärztin, du bist nicht zeitgerecht entwickelt, überhaupt nicht. Aber da ist eine Schwangerschaft. Eine kleine runde Perle in mir. Da sind außerdem Einblutungen und eine riesige fünf Zentimeter große Zyste. Kein Herzschlag und so soll ich eine Woche warten und dann zur Kontrolle kommen… Ich nehme ihre Worte sehr ernst. Aber ich kann nicht loslassen, noch nicht über Abschied nachdenken, mein Kopf tut sein Wissen mit dem im Herzen zusammen und trotz allem, trotz den Fakten ist und bleibt da Hoffnung, ein kleines Feuer, winzig aber da… man nennt es wohl Liebe. Ich bin unendlich niedergeschlagen und fühl mich verwundet, ich weiß nicht wie ich das aushalten soll ohne daran zu verzweifeln. Meine kleine Kastanie. Noch ist ein Teil von dir da…

Da ist auch Wut. Ich möchte weinen und schreien, dass ich das auch will, wenn ich Babies sehe. Habe ich kein Anrecht mehr darauf oder weniger? Weil wir schon so oft Glück hatten? Müssen wir uns hinten anstellen und warten bis alles gerecht verteilt ist? Ich verzweifle. Und immernoch ist da Hoffnung, die schmerzt, weil ich nicht weiß, wie ich wieder Luft bekommen soll, wenn mein Baby nicht mehr da ist. Wie soll ich atmen? Wie durch den Schmerz gehen? Das Warten zermürbt mich an manchen Tagen mehr als an anderen. Und dennoch ist es besser als so manch grausame Gewissheit, zwischen schwarz und weiß sind wir in der grauen Zone dazwischen, zwischen alles nur ein böser Traum und der schlimmsten Ahnung. Es ist furchtbar belastend, ich bin einsam, ich fühl mich oft allein. Tage vergehen. Unruhe, Angst. Immernoch ist da Hoffnung. Woher kommt sie? Aber da ist auch fröstelnde Gewissheit. Ich frage mich: „Hast du gut zugehört? Der positive Test und das Ergebnis des Ultraschalls passten nicht zusammen!“ Woran klammerte ich mich also noch? Und wie tief werde ich fallen? Ich habe Angst vor meiner gewachsenen Hoffnung… Ich buk… meinem Geburtstag entgegnen.

Und dann war eine Woche vorbei. Am Morgen schöpfte ich soviel Kraft wie ich konnte aus meiner Familie, lieben Freunden, Glückwünschen, Umarmungen… Ich war soweit. Und ich hörte, was mein Kopf schon wusste. die Fruchthöhle ist leer. Die Zyste, die Hämatome noch da. Ich höre sowas wie Ausschabung und Blut abnehmen und morgen nochmal kommen. Ich mache, was ich soll. Sehe lauter schwangere Frauen und bin bei mir, ich sehe nicht, was ich nicht haben werde, sondern was ich schon sieben Mal hatte, das tut so gut. Ich treffe auf meinem Weg noch mal eine liebe Freundin, sie umarmt mich, wir sehen uns später. Ich habe meine Kopfhörer dabei, ich gehe durch den Park, bin allein, suche mir ein Stelle und lasse die Tränen laufen… Gewissheit. Es ist schrecklich, sie tut gut. Nach all dem Warten. Auch wenn ich noch immer Warte, auf meinen Körper. Auf das Blut. Und ein Teil von mir fehlt, ich bin zersprungen, wieder einmal in so viele Teile und setze mich zusammen, gehe Baguette kaufen, weine noch mal zu Hause, habe Zeit, sammle mich und dann klingeln die ersten Gäste und ich lasse mich mitreißen und einhüllen in Liebe und Freundschaft, guten Gesprächen und Lachen und gutem Essen, ich tanke auf… es bringt mich durch den Tag. Ich schaffe das.

Und dann ist schon wieder heute und ich muss wieder zum Arzt. Ich bin stark, denke ich und dann sagt der andere Arzt: „Oh! SIE! Wirklich! Und sie sind schwanger!“- „Nein!“, muss ich sagen „Nicht so wie es sein sollte!“- „Warum sind sie heute hier?“ WARUM weiß er das nicht? Ich werde untersucht, erneut, wieso? Er spricht Klartext, das tut gut: „Nein! Mit dieser Schwangerschaft ist nichts in Ordnung! Sie bluten“- „Nein, noch nicht!“- „Innerlich und bald.“- „Nein nichts in Ordnung!“ Nach dem vierten Mal ist es kein Klartext mehr, die Worte haben meinen Schutzwall, meine Decke die mich wärmt durchdrungen. Zurück im Sprechzimmer sage ich, dass ich auf keinen Fall eine Ausschabung will, wenn es sich vermeiden lässt, wieso auch sollte das schon jetzt wirklich nötig sein? Dann in einer Woche noch mal wieder kommen. Erneut. Eine Woche Pause. Ich muss es fragen, ob die Blutung, das Wachsen verhindert hat… Er kann mich dahingehend beruhigen, immerhin- „Diese Schwangerschaft war von Anfang an nicht in Ordnung und deswegen, weil das passierte, ist da diese Einblutung.“ Ich atme verwundet. Ich will nur noch weg. Aber ich muss noch einmal Blutabnehmen, den Hormon- Wert vergleichen, ob sie schon zurück gehen, ob mein Körper tut was er soll, ob er verstanden hat. Ich kann nicht verstehen, warum mit Frauen in so einer Situation so umgegangen wird, warum Dinge geraten werden, für die noch Zeit ist… Warum ein Arzt nicht weiß, wen er vor sich hat, dass vielleicht Fingerspitzengefühl gefragt ist, und es ein oder zwei Mal reicht es laut und deutlich zu sagen und alle Hoffnungen zu zerschlagen, was wichtig ist, aber doch nicht so oft, warum es dafür keine Art Protokoll gibt, warum ich in diesem Zustand so lange warten muss, bis ich wieder gehen darf. All das lässt mich mich hilflos fühlen. Alles was mit gerade hilft, ist dass ich das alles schon erlebt habe. Und auch wenn noch nie genau so, weiß ich, was mit mir passiert. Ich halte mich an mich selbst, mein altes- Ich und mein jetzt- Ich stützen sich. Ich weiß wie ich mich fühle…
Ich laufe den Weg nach Hause, ein älterer Herr unterwegs ist nett und lächelt, das tut gut, ich versuche mich zusammen zu setzen. An der Tür hängt ein Zettel von meinem Mann, ein Herz und ein „Liebe euch“- ein Stück meiner Decke. Drinnen ist es warm. Teile meiner Feier gestern, weitere Aufmerksamkeiten, an denen ich mich festhalte, mich wärmen, mir zeigen, dass ich nicht allein bin, sondern geliebt und geschätzt werde… Ich schaffe das. Und warte… ich hab das geübt.