in labor (miscarriage)

Anfang letzter Woche, Montag und Dienstag kündigte sich im Nachhinein vielleicht schon alles an, kaum ganz ein Tropfen Blut am Tag und ich nahm das nicht weiter ernst, weil das ja auch mal nach einer Untersuchung beim Frauenarzt vorkommen kann. Doch die Tage vor der Abreise hatte ich schon hier und da stärkere Unterleibsschmerzen, was ich nicht so recht glauben wollte, ich konnte mich nämlich in der Vergangenheit wunderbar in so etwas hinein steigern, deswegen versuchte ich weiterhin alles auf mich zu kommen zu lassen. Und alle Interpretation hätte auch nichts genützt, es ging los als es los ging.
Am Tag vor der Abreise dann war ich sehr gefordert, den ganzen Tag räumte, wusch, faltete ich, lief ich Treppen rauf und runter, hin und her zum Koffer und trug Wäsche und alles zusammen, was neun Menschen benötigen… Ich war nur auf den Beinen. Und als ich abends dann auf dem Sofa saß, zog es sehr schmerzlich, ich musste richtig pusten, aber ich wollte, ich konnte das nicht als Wehen sehen, vermutlich war ich einfach nur zu sehr gefordert gewesen den Tag über, das mit den Wehen das schob ich weit weg. Ich nahm eine Schmerztablette und schlief später gegen Mitternacht ein. Als ich nachts zur Toilette wanderte, war da eine kleine Schmierblutung, die mich wacher werden ließ. Ich hatte wirklich Angst, dass ich in einer Lache aus Blut aufwachen würde, hatte mir eine Einlage in die Unterwäsche gelegt und war nun in hab Acht so lange bis der Schlaf mich doch überfraute. Als ich morgens dann aufwachte, war nichts mehr von dem Blut zu sehen. Ich hatte schon Sorge, ich hatte das alles geträumt…
Unser Frühstück war kurz, ich musste mit Zoe nochmal los, etwas besorgen und als wir das alles erledigt hatten, ich mit ihr noch im Buchladen war, um ein Buch für die Ferien zu kaufen und anzufragen, wann sie sich am Besten für den Praktikumsplatz melden könnte, was mir nicht so leicht fiel und ja auch ein hoch emotionales Thema ist, das erste Schulpraktikum zur Berufswahl (ahhh!)… Als wir dann da standen und über den Zebrastreifen zum Bus nach Hause gehen wollten in der Altstadt, etwas mehr als eine Stunde vor der Abfahrt, fühlte ich etwas… und ich war sooo nervös und hatte etwas Sorge, man könnte mir etwas ansehen, anmerken… ich wollte nur nach Hause und hielt die Beine zusammen… Zu Hause hoch ins Bad gestürmt, ein besorgter, einfühlsamer Blick vom Mann und ich hatte richtig gefühlt, da war Blut und mir purzelten im ersten Moment die Steine vom Herzen… vier Wochen warten… wie eine kleine Ewigkeit… Es war vorbei. Ich kaufte am Hauptbahnhof dann noch mehr Einlagen und wir fuhren trotzdem ins Familien- Hotel, keine drei Stunden später waren wir dort. Es hätte auch ganz anders laufen können…
Nun ist es so, dass der Kummer weiterhin tief sitzt… Herzschmerz. Aber ich bin auch stolz- all die Unsicherheit, ob ich das Richtige tue… Natürlich ist das Warten noch lange nicht vorbei, das wurde mir schnell klar, aber eine weitere Etappe ist geschafft. Ich muss nun weiter warten, ob mein Körper das wirklich allein schafft, ich muss natürlich noch mal zum Arzt, vielleicht muss ich dann einen weiteren Zyklus warten, weil nicht alles abgegangen ist, vielleicht brauche ich am Ende doch die Curettage. Aber ich habs geschafft. Das Aushalten, das Warten. Die ersten Tage waren eine Qual. Und doch fiel die Entscheidung leicht, weil ich noch so am Anfang der Schwangerschaft war, kein Fieber hatte, meine Entzündungswerte scheinbar in Ordnung. Ich weiß, bei unserem Sternenkind James ging das nicht oder ich hatte nicht genug Zeit den ersten Schock zu verkraften, aber die Vorstellung dieses tote große kleine Baby in mir zu haben, war die Hölle- das habe ich nicht vergessen. Aber es war auch die Hölle mich in fremde Hände zu begeben in diesem Zustand, dieser Gedanke des Auskratzens, die Hölle zu warten und zu hoffen, dass ich am Ende doch noch eine zweite Curettage brauchen könnte, die Hölle mein Kind nicht mehr gesehen zu haben, die Hölle es einfach nicht „begreifen“ zu können, die kurze Zeit in der so viel mit mir passiert war. Und viel später diesen Höllen-Schwangerschaft mit Emil mit Blutungen von Anfang bis Ende, nach der damals letzten und dritten Fehlgeburt.
Ich habe es jetzt geschafft, für mich einzustehen, für mich zu kämpfen, mir Zeit zu lassen… einfach Raum, Luft um anzukommen, zu verstehen, anzunehmen, niemand Fremdes wühlte in mir rum, ohne das ich das wollte. Ich würde vielleicht noch mal etwas anders machen, ich würde vielleicht nicht so oft zum Arzt gehen, weil das sehr aufwühlend war und jedes Mal Wunden aufgerissen hatte und selbst als die Arzttermine erträglich wurden, war die Terminvergabe bei der Arzthelferin eine Seelenqual, das würde ich mir niemals mehr selber zumuten, das dürfte der Mann dann machen, er war ja schließlich daran beteiligt, das kam mir aber vorher leider nicht in den Sinn… Aber ich habe es geschafft bis hierher und es klingt vielleicht komisch, aber ich bin sehr stolz auf mich, es hat mir Selbstvertrauen geschenkt, auch wenn ich nach wie vor unsicher bin, wenn ich eine Stunde wandern war und mein Unterleib mich danach umbringt, wenn die Blutung mal Stunden stagniert oder wie heute einfach zu viel und zu schmerzlich ist… aber ich versuche weiter Ruhe zu bewahren, mir weiter Zeit zu schenken… vier Wochen alles zu verarbeiten… vielleicht brauche ich trotzdem noch eine Curettage, aber ich bin nicht schon durch diese Mühle mit allem, ich muss nicht zusehen, dass ich drei Monate verhüte, damit da nichts passiert, ich habe vorerst nicht weiteres Narbengewebe im Uterus und ich habe Zeit in mich zu gehen, heraus zu finden, was ich wirklich will… und klar tut es weh, wenn die Kinder sagen, dass wir zurück aus dem Urlaub bestimmt schwanger sind, weil sie das alles viel schwerer verstehen diesmal, es ist zu lange her, dass wir es erzählt haben, dass erst jetzt das eigentliche „verlieren“ stattfindet ist zu komplex… es ist schade, dass ich nicht ins Wasser kann hier, aber ich bin hier, ich hab Ruhe, ich kann auch mal allein sein, mich zurück ziehen, ich muss nicht den Alltag weiter wuppen, während mein Unterleib gefühlt in Stücke gerissen wird, ich hab mehr Zeit. Ich weiß nicht, ob es noch mal mein Weg wäre, ob ich in einer Parallelwelt nicht auch froh wäre, jetzt schon einen ersten neuen Zyklus zu erleben, dass weniger Schmerzen schön wären, hab ich bestimmt auch mal gedacht die letzten Tage, aber alles gehört zusammen, es ist eine schwere Zeit, kein einzelner Tag, es war schlicht aber nicht einfach, jetzt mein Weg…

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