Zwischen den Jahren, ins neue Jahr, durch die Rauhnächte…

Jedes Jahr mit etwas Verspätung lese ich dann von den Rauhnächten, die Nächte zwischen „Heilig Abend“ und „Heilige Drei Könige“, zwölf an der Zahl… von Träumen auf die man achten soll und den Blick, den man in die Zukunft richten darf, wie man in sich spüren kann…
Zwischen den Jahren, das sind Worte, in denen ich mich finden kann, diese Unruhe kurz vor Jahresende und dem was nun kommt, als würde etwas Neues, Reines, Ungeschriebenes von einem liegen, vor mir liegen. Und beinahe jedes Jahr verfasste ich ein paar Zeilen über genau dieses Gefühl am Neujahrsmorgen… in diesem Jahr war das anders… in diesem Jahr am Neujahrsmorgen waren meine Gedanken ganz woanders, als bei der Reinheit dieser ersten Stunden des Jahres…

Ich habe diese Ferien geliebt, sie waren so anders als die Ferien im letzten Jahr oder die davor, es war Zeit zum Spielen, Schwimmen, Lesen, lange Aufbleiben und spät Aufstehen, es war etwas Zeit um Freunde und Familie zu sehen… es fühlt sich gut an im Rückblick, rund… genau richtig und ich freue mich morgen auf diesen letzten Ferientag, bevor der Alltag uns wieder ein Stück weit verschlucken wird…

Ein paar Gedanken habe ich mir gemacht, Dinge, die mich bewegt haben in den letzten Wochen oder Monaten oder schon immer, die ich mir aufgeschrieben habe, Wünsche in die Rauhnächte, nicht zwölf, aber dennoch ein paar, immer wenn mir etwas einfiel, schrieb ich es auf…

*Ich möchte aufhören, ständig und immerzu ein schlechtes Gewissen zu haben, mich nicht gut genug zu fühlen, weil ich vielleicht nicht früh genug wach war, um pünktlich in der Halle zu sein und danach so ein Druck entsteht, ich das Gefühl habe nicht mehr alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe… Beliebig auf andere Dinge anwendbar. Wie mich als Mama. Ich wünsche mir mehr Gelassenheit mir mir und meinen Ansprüchen an mich selbst.

*Ich möchte weniger von Neid zerfressen sein, mich mehr für Andere freuen, als meinen eigenen Nachteil zu sehen, den Fokus anders legen.

*Ich möchte gastfreundlicher sein und nicht immer nur an die Arbeit denken, die mich erwartet, wenn sich jemand oder uns zu sich einläd, sondern an das was ich selbst vielleicht auch verpassen würde- wenn ich mich nur drauf einlassen könnte.

*Ich möchte meine Pläne auch mal loslassen können und nicht stur an ihnen festhalten… beinahe manisch. Und das Gelingen und Gutsein eines Tages, eines Ereignisses oder oder damit zu verknüpfen, dass sie in einer bestimmten Ab- oder Reihenfolge passieren (hätten) sollen. Im Herzen- nicht im Kopf flexibler sein.

*Ich möchte nicht mehr denken, ich wäre nie genug, das Gefühl einer Version von mir hinterher zu hechten, die ich gern wäre. Denn der Tag hat nie genug Stunden, Ruhe oder perfekte Momente, in denen ich die bin, die ich gern wäre. Ich möchte lernen die zu sein und zu achten, die ich heute oder gerade in diesem Moment bin.

*Ich möchte ruhiger werden. Manchmal zittere ich vor Aufregung, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und meinen Gefühlen Ausdruck verleihen möchte, es schaffe aus dem Kokon heraus zu treten und für mich das Wort zu ergreifen. Und dann sind es womöglich die Falschen, wie es scheint? Wäre ich sonst ruhiger? (Mir meiner) Selbst sicherer?
Es gibt Menschen, die tun mir nicht gut. Ich lasse sie aus. Blende sie aus. Manchmal reicht das leider nicht, sie dringen ein in meinen Kreis und nach all den Jahren ist mein Rezept noch immer oft: weg laufen oder angeblich überreagieren. Weil ich den Ton nicht finde, meinen Ton, meine Stimme. Ich möchte lernen, zu sagen was ich denke, mit Humor und dem richtigen Maß an Sprache. Damit ich nicht ans Kehrtmachen denken muss.
Zwischen jemanden überlesen und für sich einstehen, fehlt mir oft eine Nuance. Es gibt für mich meist nur schwarz oder weiß. Und dann werde ich gebeten runter zu kommen. Es geht nicht darum, ob mein Gegenüber recht hat, denn die Sätze sind ja genau so bei mir angekommen und oft genug auch genau so gemeint, es geht darum meinen Ton zu finden, um für mich vertretbar und annehmbar auf Kackscheiße zu reagieren. Dass ich am Ende das Gefühl habe, nicht alles geschluckt zu haben, zu überlesen, sondern mir mein Gesicht, meine Gefühle wahren konnte. Und sagen: „Ja! Verflucht! Ich habe Recht! Du bist ein Idiot!“- Nur mir Humor. Subtiler, feiner und entwaffnend. Denn es gibt zwei Gegenteile von Zurückhaltend sein, Selbstbewusstsein und Aggression. Ich verheddere mich dann gern als Gegensatz zu Weglaufen in Letzterem, weil ich das Andere noch nicht gut genug geübt habe.

*Ich möchte die Momente bewusster wahrnehmen. Tom sagte auf dem Weg von der Schwimmhalle nach Hause: „Mama, ich finde doof, dass die schönen Momente immer so schnell vorbei gehen.“ Ich dachte an den Urlaub im Herbst mit Oma im Familienhotel.
Und ich erwiderte: „Und meistens weiss man leider gar nicht, dass dieser eine Moment gerade besonders schön und kostbar ist, das weiss oder fühlt man oft erst im Nachhinein, viel später.“ Und ich dachte daran wie oft ich meinen eigenen Vorstellungen nachjage… wie ich kein Buch, keinen Film richtig geniessen kann, wann ich noch mehr schaffen, fühlen, erleben will- von dem was ich mir alles so gewünscht oder vorgestellt habe.
Am Besten alles gleichzeitig machen, dabei nichts ganz begreife und erlebe oder am Ende des Tages unzufrieden bin, weil dies und das „fehlte“… oft merke ich erst Tage oder Wochen später, dass diese Ferientage zum Beispiel perfekt waren und ich zufrieden, während mein Kopf mittendrin noch denkt: „Aber wird hätten noch..!“ Und „Ich hätte immer früher aufstehen sollen, damit noch mehr…“
Und es liegt nicht nur am Schaffen und Erreichen, sondern weil Momente Beziehung schaffen. Es ist das was unsere Erinnerungen werden, diese Ausschläge vom Alltag, deswegen fahr ich hier und da mit den Kindern einfach weg. Diese Fluchten bleiben einem im Gedächtnis und kreieren die Beziehung zu den Kindern, zum Partner, zu uns selbst…

Vieles wiederholt sich in mir oder ist so eng miteinader verwoben, dass es schwer ist es auseinander zu ziehen und wie eines aussieht… das oben Geschriebene möchte ich mir in diesem Jahr immer wieder bewusst machen und in meinem Kopf wiederholen und durch die Übung wird das vielleicht auch noch mal was mit der Veränderung… :)

3 Responses to “Zwischen den Jahren, ins neue Jahr, durch die Rauhnächte…”

  1. Andrea Says:

    Also das hätte jetzt von mir kommen können und darüber staune ich gerade . Ich hab in diesen Ferien viel lernen müssen und dann genau die Dinge genossen, die du so beschreibst. Aber das schlechte Gewissen, das umtreibt mich halt auch immer wieder . Und auch an die Reaktionen meinem gegenüber muss ich noch arbeiten .

    Ich nehme deinen Text mal mit und denke ihn für mich weiter !

    Viele liebe Grüße
    Andrea

  2. kassiopeia Says:

    @andrea: <3 Ganz liebe Grüße zurück!

  3. Isabella Says:

    Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man zu dir frech, gemein, ungerecht sein kann. Du bist so toll. In allem.

    Und selbst wenn du den Ton verfehlst. Dann hat man dich scheinbar getroffen. Warum muss man das in diesem Moment verstecken?

    Aber ich weiß schon, was du meinst..

    Du bist so ehrlich. Zu anderen. Zu dir.

    Sehr stark!

    Alles Liebe dir! Mögest du die nötige Kraft haben, um Energoefresser in die Schranken zu weisen. Und genug Nachsicht mit dir selber. Du bist doch auch nur ein Mensch!!! 💜

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