Der Sommer mit Lilou…

Ich finde ja schon länger, das klingt wie ein wunderschöner Film- oder Buchtitel, der mir seit unserem letzten Ostseeurlaub im Kopf herum geistert.

Wenn ich also dazu käme, zu schreiben über diese Wochen mit dir in meinem Bauch, dann unter diesem Titel, dachte ich…

Morgen vollenden wir beide die 29. Schwangerschaftswoche und es kommt mir vor, als wäre ich schon eine Ewigkeit mit dir schwanger, als würde sich die Zeit gegen uns verschworen haben und absichtlich nur so träge und langsam Tag für Tag dahin kleckern. Tatsächlich ist es natürlich wirklich so, dass ich von dir weiß, mit einer gewissen Sicherheit seit dem allerersten Tag dieses neuen Jahres, also seit dem 1. Januar. Das ist natürlich schon länger her.

Ich bin mit dir durch fast kniehohen Schnee gestapft, durch den Wald kreuz und quer, habe mir so etwas Zeit gestohlen und versucht meinen Gedanken zu entgehen und meinen Sorgen so etwas entgegen setzen zu können und der Hoffnung entgegen zu laufen, die ich umso mehr spürte, als nach diesem eiskalten Winter endlich, endlich der Frühling kam. Den wir in Venedig, in den paar Tagen, etwas vorfühlen durften und dann umso wundervoller innerhalb von zwei Wochen zu Hause hereinbrach, mit unglaublich warmen Wetter, von gefühlt jetzt auf gleich und wunderschönen Farben, endlich wieder Farbe, die jeder eingesogen hat. Wir haben gemeinsam dem Heuschnupfen getrotzt und nun gab es schon Tage, die sehr heiß und freibadlastig waren… wir beide im kühlen Nass, ob erst im Meer oder hier zu Hause im blauen Wasser… Jede Sekunde davon genossen, aber so kommt es mir vor, als hätten wir schon drei Jahreszeiten hinter uns… aber wir haben im Gegenteil noch fast den ganzen Sommer vor uns, noch ist Juni, es fühlt sich eben nur so für mich an. Trost bringt ein wenig, es anders zu betrachten… 78 Tage klingen weitaus netter, als noch elf endlose Wochen :)

Ich teile mir alles ein, oder es wird eingeteilt. Vor uns liegen eigentlich nur noch fünf Schulwochen. In dieser Woche feiert Emil seinen sechsten Geburtstag, darauf freuen wir uns alle sehr, das Vorschulkind am meisten. Und dann am Ende dieser fünf letzten Wochen, voll mit Abschieden, Geschenken und Ausflügen, liegt der Rauswurf von Emil und einen Tag später Antons vierter Geburtstag. Wir haben dann im Anschluss zwei Wochen zu Hause für Sommer pur und machen uns dann so alles gut ist, ich dann sehr hoch schwanger, nochmal auf den Weg zur Ostsee ans Meer. Zwar leider nur für zwei statt drei Wochen, aber so bleiben uns noch ein paar Tage mehr zu Hause, nämlich noch mal zwei Wochen bis zur Einschulung von Emil und dem Beginn des September- Wahnsinns mit zig Elternabenden… in diesen letzten zwei Wochen, wäre es wundervoll, wenn du Lust hättest dich auf den Weg zu machen, damit du bei seiner Einschulung dabei wärst. Aber wie ich mich kenne, die letzten zwei Kinder habe ich übertragen, die zwei davor machten sich nur wenige Tage vor dem erratenen Termin auf den Weg in unsere Arme, werde „ich“ warten bis nach der Einschulung zum Gebären, weil ich sicher erst dann abschalten kann und du das spüren wirst. Aber es wäre wundervoll, du kämst eher zu uns, nicht nur weil Zoe sich gleich Ende der ersten Schulwoche auf den Weg nach Frankreich macht für fünf lange Tage, die ich ihr von Herzen gönne, aber ich hätte gern, wenn auch vorerst nur für einige wenige Tage alle meine acht Kinder im Haus, unter meinem Dach und meinen Fittichen. Und während ich diese Zahl denke und ausschreibe „ACHT“ bekomme ich Gänsehaut und mir steigen Tränen in die Augen…

Da ist so unendlich viel Vorfreude, so viel Aufregung, so viel Unruhe und nicht mehr aushalten können vor sich sehnen nach dir…

Nachdem ich ein paar Wochen glaubte, du wärst ein Junge und ich konnte mich noch erinnern, während dieses Satzes der Ärztin gedacht zu haben „Ist das nicht die Nabelschnur?“, aber weder hatte ich nochmal gefragt, noch konnte ich mir sicher deswegen sein, gab es vier Wochen eine leidige Namenssuche und irgendwie wollte nichts so recht passen. Das fand ich so komisch. Daran kann ich mich auch lebhaft erinnern. Wieso gefiel mir vor der Schwangerschaft der Name „Johann“ so gut und wollte dann überhaupt nicht passen? Als Mama hat man da ja so ein Bauchgefühl, zumindest ich spüre dem potenziellen Namen des Ungeborenen nach, versuche ihn in Verbindung zu bringen mit dem Zauberwesen in meinem Bauch, aber da war nichts… stattdessen gefiel mir ein französischer Name unheimlich gut, für den ich, solltest du deinen Penis doch gut versteckt haben, das alleinige Sorgerecht beantragen müsste… :) Nun kam es aber zum großen Organschall ganz anders, unser Lieblingsarzt sagte nur „Also das ist KEIN Junge“… und alles ergab auf einmal einen Sinn…

Nur kurze Zeit später, suchte ich an einem Wochenende gleich nach dem Frühstück auf dem Sofa eingemümmelt nach französischen Vornamen und verliebte mich sofort in einen Namen: Lilou. Das klang so schön, ja einfach perfekt. Aber da gab es noch unsere Familie, die härtesten Kritiker überhaupt und die fanden ihn auch richtig gut, allen voran der Papa, der augenblicklich in Lachen ausbrach und sowas meinte wie „Na, der passt zu Zelda.“ #Multipass

Die Jungs dieser Familie haben sich sehr, sehr gefreut, dass es nochmal ein Mädchen gibt und ich musste erstmal loslassen von diesem Bild, des kleinen Jungen, annehmen, dass Anton unser letzter und kleinster Sohn bleiben würde, so wie es aussieht und mich drauf freuen, dass ich das allererste Mal in meinem fast vierzehn Jahren als Mama, zwei Töchter haben werde, die nacheinander geboren wurden… zwei kleine Mädchen. Damit habe ich im Leben nicht mehr gerechnet. Und es klingt traumhaft. Ich freue mich so wahnsinnig auf dich!

In dieser Woche habe ich (neben den Dingen für einen Sohn zu Beginn der Schwangerschaft und Tragetücher), die ersten Sachen für dich gekauft, einen kleinen Kuschelanzug und eine Neugeborenenmütze. Eine Decke hätte ich noch gern, ein paar Schühchen sind noch gut, denke ich und ich brauche noch unbedingt Strickwesten und Kuschelhosen. Ich glaube, meine Vorlieben für die ersten Wochen sind da recht vorhersehbar, langer Body, falls es schon kälter sein sollte, Strickweste und Kuschelhose, darin verbrachte Zelda gemütlich ihre ersten Wochen und Monate bis es heiß wurde, da werden die Mädchen aber in komplett unterschiedlichen Wetterfronten geboren sein und daher muss ich da etwas umsortieren und mich noch mal in meinen Baby- Klamottenvorräten umsehen.

Zelda spricht schon so viel, wie wird es sein, wieder ein kleines Zauberwesen im Haus zu haben, dass sich nur durch Geräusche und kleine Gesten bemerkbar machen kann? Wie werden diese letzten Wochen? Auch so entspannt wie in der Schwangerschaft mit Zelda oder lauert irgendwo noch ein Krankenhausaufenthalt? Wie wird die Geburt? Schaffen wir nochmal so eine traumhafte Hausgeburt? Wird das Wochenbett entspannter als das Letzte? Haben wir dann noch viel Zeit zum Genießen oder überrollt uns dann schon der Alltag?

Vor uns liegt noch soviel Sommer und ich hoffe, wir schaffen uns diese letzten Wochen zu versüßen mit Vorfreude, Kraft tanken und Mitte finden.

 

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