41. Schwangerschaftswoche

Ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll… ich bin definitiv nicht gern schwanger und ich mag jeden ganz doll verhauen, der mir erzählen möchte, dass ich den Bauch bald noch vermissen werde. Das mag ja sein, denn so ein schöner runder Bauch schreit nach Leben, nach Zauber, nach Wunder… aber ich bin ja nach vier verlorenen und sieben geborenen Kindern durchaus in der Lage mich zu erinnern… ich kann seit Januar nicht normal essen, es geht mir schlecht, ich hielt mich auf Trab, um fit zu bleiben, weil ich so gut wie alles allein machen muss, nicht weil ich will, nicht weil ich Hilfe ablehne, sondern weil da kein magisches Zauberpony in der Ecke wartet… dazu kommen all die Verantwortung, die ich trage seitdem ich denke, ich bin schwanger… all die Unsicherheit, die ja bitte immer hoffnungsvoll bleiben soll… meine Blutwerte werden gerade schlechter, das schiebt meine Rheumatologin auf die Schwangerschaft, in meinem Gesicht tut mir alles weh, weil da noch so ein Rest Erkältung sitzt, die ich einfach nicht richtig auskurieren kann, ich wuppe die Abende, an denen der Mann zur Physiotherapie muss und eigentlich ja nur etwas später kommt… ich könnte ewig so weiter machen… mein Körper schreit danach endlich verlassen zu werden, kein Gefäß mehr zu sein, auch wenn ich weiß wie viel Geburtsarbeit noch vor mir liegt (und mich erschaudern lässt, ich gebe es immer wieder zu) und dann die läppischen vier Wochen sowas wie Wochenbett, in denen ich mich von Schwangerschaft, Geburt und den Verletzungen erholen und heilen darf.

Schwanger sein ist für mich einfach der einzige legale Weg an ein Kind zu kommen… und es gab unendlich viele Momente in dieser Schwangerschaft, in denen ich dachte, ich mag das einfach nie mehr wieder erleben, wenn dieses eine Kind noch geboren wurde… ich bin einfach keine 21 mehr, Gott sei Dank und leider in einem.

Ich bin stolz, auf alles was ich in den letzten Wochen erreicht und geschafft habe, aber auch weil ich eben keine Wahl hatte, ich hielt mich wie oben beschrieben fit und hielt mein Aktivitätslevel hoch. „Überanstreng dich nicht“ las ich so oder ähnlich in den letzten Wochen der Ferien, aber jetzt mit der Schulzeit ist es gefühlt schlimmer, ob es nun an der noch einmal fortgeschrittenen Schwangerschaft mehr liegt, an meinen Immunsystem, dem Stress, der abfiel aber auch der Stress, der jetzt erstrecht präsent ist… Elternzeit schön und gut, aber was ist mit den besonders kraftraubenden Tagen vor der Geburt? Wie soll man entspannt in eine Geburt gehen? Ich bin emotional auch so müde, ich glaube, ein Stück weit verdaue ich noch, dass all mein Gefühl von „sie käme eher“, nicht eintraf, damit hab ich tatsächlich so überhaupt nicht gerechnet, nein schlimmer noch… Tag um Tag vergeht…

In der Maschinerie gefangen… in den letzten Monaten dachte ich oft an eine Alleingeburt, meine Geburt mit Anton war sehr traumatisch. Und die Geburt von Zelda zu Hause dagegen so schön und heilsam, der Rest nicht unbedingt. Der Weg hierher auch nicht. Oft habe ich mich allem entzogen, war Wochen nicht beim Arzt. Und nun?

Gestern war nach der Einschulung der erste richtige Tag im Alltag. Die Oma hatte kurz den Anton um 12Uhr vom Kindergarten geholt, aber fuhr dann gleich wieder weg, nach einem Schnack, während ich Mittag machte für die fünf Schulkinder, die um 13Uhr kamen… mir war etwas komisch gestern. Ich versuchte mich zu pflegen, bewusst langsamer zu machen, kümmerte mich um meine Füße (was für eine verfluchte Verrenkerei), Frühstückte in Ruhe, inhalierte, machte eine kleine Runde Sport für den Rücken… nach dem Mittagessen als die Spülmaschine lief, musste ich mal wieder den ganzen Tag zur Toilette. Im Anschluss wollte ich mich hinlegen und ausruhen, nur kurz, etwa 30min reichen ja, aber Zelda schlief ein und so war ich auf Habacht sie auch wirklich zu wecken im Anschluss, denn auch ohne Mittagsschlaf war sie letzte Woche mal bis 22Uhr wach und mit kann es dann mal Mitternacht werden, wenn man dann gern mal abends Luft holen möchte, ist das eher ungut, wenn ich eh bis nach 21Uhr zwei Kids in den Schlaf begleite, von denen einer die Nacht neben mir schläft… die Kinder stritten hier und da laut und ich verpustete etwas Schmerzen, zog mich ganz bewusst eine Stunde zurück trotz der Geräuschkulisse auch mit schlechtem Gewissen, weil ich es eben nicht zum Spielplatz oder ins Freibad geschafft hatte), ging später dann nochmal durch die Haare des Lausbuben, sicher ist sicher, machte Abendbrot und dann kam der Mann… jeden Abend begleite ich die Jungs… aber gestern wollte ich es aufteilen, Anton macht der Alltag wieder zu schaffen und ich wollte, dass er die Chance hat schnell einzuschlafen, das gelang dann dennoch erst gegen 20.30Uhr. In der Zwischenzeit hatte sich meine Hebamme schon gemeldet, ob ich dann jetzt wie verabredet zum Kreisssaal käme wegen der Vorsorge… also natürlich nochmal Toilette und loshupfen genau dahin, Stress Stress Stress… aber umso eher ich da wäre, käme ich wieder nach Hause…

So legte ich mich aufs Bett mit meinem engen Gurt, sie untersuchte mich, wie ich das hasse, aber die Hoffnung ist ja da, dass sich doch was getan hat und während ich da lag, plante sie schon die nächsten Tage. Ich war erst Montag bei der Vorsorge wegen der 40+3 Regelung, es waren gerade mal zwei Tage vergangen und ich soll am Freitag schon wieder zum Frauenarzt, in meinem Kopf schrillte es und schrillte noch lauter, als sie meinte, sonst massiere sie, wenn ich mag natürlich am Samstag mal den Muttermund, das kannte ich noch von Zelda und hatte tatsächlich geholfen vor zwei Jahren, aber ich war nur überfordert, ich ging gedanklich in Abwehrhaltung, ich war so müde… ich wollte das alles gar nicht hören, ich will doch nur hören, dass bald dieses Kind kommt… das CTG schrieb und sie meinte noch beim Hinausgehen, so vorbildlich würde unser Baby das machen, ich sehe so müde aus, da könnte ich schnell heim gehen… keine 5min später schlug das Gerät heftig Alarm, ich drückte auf den Herztonknopf und wartete, ob das Gepiepe aufhören würde, denn ich dachte sie war weg geflutscht… passiert ja… aber ich bekam schlimme Schmerzen, das kenne ich leider auch und Gott sei Dank weiß ich das einzuordnen, teilweise wachte ich nachts mit richtig starken Schmerzen auf, entweder liegt sie dann doof oder die Bauchmuskeln krampfen richtig, so dass ich kaum aufstehen kann… also lag ich da und wand mich und dann kam sie zurück und lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Herztöne… von entspannten 120Schlägen, hämmerte es nun bei über 185 und deswegen schlug das Gerät Alarm. Oh. Gar nicht schön und es hörte nicht auf… sie wand sich… wie schon Montag beim Arzt, aber da hatte ich im Sitzen schreiben dürfen und war so stolz auf mich gewesen, dass ich das erfragt hatte, da war sie aber auch nach fünf Minuten gleich ruhiger geworden, also genau anders herum… ihre Bewegungen waren aber gestern Abend so schmerzhaft, das kannte ich so nur von Ben. Ben war das eigentlich vorher Schädellagen- Kind, dass sich in der 40. Woche im Kreisssaal vor der Hebamme von Quer- in Beckenendlage gedreht hatte, um am nächsten Morgen wieder in Schädellage zu liegen, der unter der Geburt keine Anstalten machte, das Becken zu Kontakten und dann in einem Rutsch kam, aber vorher einmal mit den Schultern stecken geblieben war, dieses Verhalten zog sich ja nach der Geburt weiter… :) Bei Lilou ist das aber anders, sie sitzt seit Wochen ganz lieb und geduldig tief im Becken mit dem Kopf, nur ihren Körper dreht sie hin und her… oder sollte ich sagen wuchtet… nun empfahl meine Hebamme das Kind festzuhalten… damit sie sich beruhigt, aber das ist sie gar nicht gewöhnt, auch enge Kleidung behagt wieder ihr noch mir… sie ist da eher die Freischwimmerin. :) Ich machte mir dann echt Gedanken, meine Hebamme meinte, das wäre eigentlich nicht pathologisch, aber theoretisch müsste man jetzt länger CTG schreiben, mein Fluchtinstinkt war geweckt… noch länger? Ich schnaufte und stöhnte und Lilou flippte weiter aus… ich dachte, man darf gar nicht dran denken, was unter der Geburt in einem Krankenhaus passieren würde, wäre eine andere Hebamme hier neben mir… ich gab mir Mühe Lilou zu beruhigen, aber es gelang nicht wirklich. ich setzte mich dann auf, aber da war meine Hebamme schon wieder, hielt den Bauch und meinte fast schon anerkennend, aber eben so, dass ich mich verstanden fühlte, dass Lilou wirklich unglaublich viel Kraft hat und dass sie sehen würde, wie weh sie mir gerade täte… sie nahm das CTG ab… das half leider nicht weiter. Lilou beruhigte sich erst nachts, Stunden später… natürlich macht man sich als Schwangere Gedanken, ich fühlte ja, wie aufgewühlt sie war… und das war ich ebenso. Ich will diese Kaskade an Untersuchungen und Kontrollen nicht, aber ich mag auch weiterhin eine Hausgeburt. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll… ich wusste, dass sich so erschöpft wie ich war, kein Kind bekommen würde können. Irgendwann schlief ich ein und nur ein paar Stunden später war ich wieder wach und wurde gebraucht…

Ich bin so dankbar für diesen Mann, der seit Jahren saufrüh aufsteht und den Frühstücksdienst übernimmt, den Kindern Brote macht und seien sie noch so un- Bento, damit ich liegen bleiben kann, weil schwanger oder Stillnächte… Das tut so gut, aber der Rest klebt an mir… heute ist er sogar im Homeoffice, was nicht bedeutet, dass er mich betüddeln kann und mir alles abnehmen, aber das eine oder andere eben schon…

Ich mag am Liebsten flüchten… mich verstecken… vor den Sorgen, den Kontrollen, dem Warten… dem immer weiter Warten… ich kann gar nicht mehr aufzählen wie oft ich schon Küchenrolle oder Klopapier für die Zeit nach der Geburt nachgekauft habe, wie oft ich das Bad schon sauber geputzt habe, damit ich da ein paar Wehen in Ruhe veratmen kann und mich Pflegen nach der Geburt, wie oft ich Staub im Schlafzimmer gewischt habe, dass mein gut duftendes Gebärzimmer sein soll… ich fühl mich so emotional ausgelutscht und müde… und mir steckt der Abend noch in den Knochen, während ich überlegen muss, ob und wann und wie ich morgen erneut zur Kontrolle watscheln darf…  erwähnte ich schon wie emotional ausgelutscht ich mich fühle?

3 Responses to “41. Schwangerschaftswoche”

  1. Lil Says:

    Ach, was schreiben….? Wie toll und stark du bist? Auch jetzt? Die Nerven sind einfach dünn gegen Ende, wie die Bauchwand. Es ist gut, das anzuerkennen und zuzulassen. Nicht mehr lang, das ist so ein Familien-Trost-Spruch bei uns, nicht mehr lang. Halt durch! Schicke Dir viel Kraft in Gedanken und alles Liebe für die Ankunft dieses Wunders (lang im Werden :-))

  2. Barfuss auf Lego Says:

    Morgen kommt sie, morgen ist ein guter Tag (da feiere ich seit 37 Jahren meinen Geburtstag, ich kenn mich aus). Alles Gute für dich!

  3. kassiopeia Says:

    Du hattest sowas von recht :) <3 Alles Liebe noch nachträglich!