Die erste Woche ohne…


Ich bin ein Mensch, der viel mit sich selbst ausmacht, schweigt, sich zurück zieht und in Kopf und Herz bewegt… eine Woche sind wir erst daheim und es fühlt sich an, als hätte sich die Zeit auf ein Maximum ausgedehnt. Wir haben Schulferien und die ersten Tage daheim haben sich für mich angefühlt wie unter einer Glasglocke. Ich hab geatmet und gegessen, mich zusammen mit dem Mann um den Haushalf gekümmert, Zeit mit den Kindern verbracht aber irgendwie wie unter einer Glocke. Erst am Donnerstag, eine Woche nach dem Tod meiner Mama nahm ich mein neues Puzzle zur Hand und machte etwas, dass mir mal Spass gemacht hat: Puzzlen. Mit unserer neuen Matte, die ich ewig nicht kaufen wollte und nun doch extra gekauft hatte. Ich las mein Buch Stück für Stück abends zu Ende und ich ging am Freitag nach Monaten Pause endlich wieder Schwimmen. Weil es mir mal so gut getan und ein Teil von mir gewesen war. Dabei war meine Mama überall. Weil sie sich darüber so gefreut hätte. Ich bin hier mit ihr geschwommen. Zoe war hier mit ihr im November im Wasser. Alles sah aus wie immer, nur sie würde hier nie mehr ihre Bahnen ziehen, die Bademeister, die Räume, Spinde, Fliesen- alles war immer noch gleich und da, nur meine Mama nicht mehr. Heute ging ich mit meinen beiden Großen ins Wasser und es hat gut getan wieder Zeit mit ihnen zu verbringen. Zu schwimmen, mich nicht mehr so steif und versteinert zu fühlen wie in all den Tagen zuvor. Wie eine Statue, ich hatte erst später in dieser Woche gelesen, man trauert auch körperlich. Das tut man.

Es holt mich immer wieder ein und ich erstarre, manchmal ganz banal beim Wischen des Bodens im Flur, während ich die Türe öffne, damit es schneller trocknet und mich die frühlingshafte Abendluft erwischt. Ich ihr davon gern schreiben würde, vllt hätte sie heute beim Laufen ein paar besonders schöne Bilder gemacht… oder beim Aufräumen ein 16 Jahre altes Bild von ihr und mir auftaucht…

Immerlg m m noch kann ich nicht verstehen, wie man mit 55Jahren einfach so schnell sterben kann. Nicht so. 

Und ich hab (für mich) schon so oft den Tod gesehen, dass es mich fröstelt. Die erste Oma, die an Krebs erkrankt und verstirbt als ich 13 war, der Opa, der am Herzinfarkt stirbt als ich 17 war, die zweite Oma stirbt an Krebs als ich 27 bin, nachdem ich drei Fehlgeburten erlebt hatte und ich gerade wieder ein Kind erwartete. Und nun meine Mama am elenden Krebs, der sich so leise angeschlichen hat, dass wir keine Chance, nicht mal Zeit für Abschied hatten, da es dann schon zu spät war. Es zerreisst mich oft in Stücke, ich fühle mich der Zeit mit ihr beraubt und davon hatten wir in den letzten zwei Jahren immer viel zu wenig, sechs Tage sind in zwei Jahren nicht genug und ich muss schauen, dass ich mich so zerstückelt beisammen halte… und nicht auseinander falle, weil alles sich so falsch anfühlt und dennoch genau wie mein altes Leben…

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