Wieder eine kleine Geburt
CN/TW: Missed Abort
Dies ist ein schonungsloser, eventuell detailreicher Bericht, aus meiner persönlichen Situation, wem das zu viel ist und damit nicht umgehen kann, möge es bitte nicht lesen! Vor allem jetzt keine Ratschlage da lassen, keine Tipps geben und keine Lebensberatung an dieser Stelle leisten. Danke!
Vorletzte Woche Donnerstag, nach einer Woche die drei Kleinsten daheim, war ich morgens beim Elterngespräch für Lilou, im Anschluss in der Apotheke, wegen nach wie vor fiebernder Zelda, in den Bus gehupft, aus dem Bus in den Discounter und mit Mittagessen zehn Minuten später in den nächsten Bus wieder reingehupft. Zu Hause gespätstückt, die Kinder versorgt bis Zelda mittags zum Vertretungs-Kinderarzt musste. In der Zeit hab ich versucht mit dem kaputten Ofen Mittagessen zuzubereiten, was mehr schlecht als recht funktionierte, die Schulkinder kamen, kurz frisch gemacht und zum Kieferchirurgen gelaufen. Dort gehört, dass das Stück Knochen, das da noch aus dem Zahnfleisch ragt, vermutlich diese unangenehmen Nervenschmerzen macht. Von da aus lief ich direkt zum Hausarzt für meine erste FSME Impfung. Danach sprintete ich zur Bushaltestelle, hupfte ich in den Bus, und nach zwei Stationen stiegen zwei Söhne ein. So fuhren wir zum Optiker die Brillen abholen und als wir damit fertig waren und ich gerade die Strasse mit den Jungs entlang ging, um Geld zu holen und sie mit Döner zu belohnen, merkte ich unverkennbar, dass etwas passiert war, Flüssigkeit in der Unterhose. Wie nach einer geplatzten Zyste. Nur hatte ich keine Zyste gehabt. Panisch lief ich zur nächsten öffentlichen Toilette, aus Sorge mir würde gleich wie in einem Horrorfilm das Blut die Beine runter laufen. In der Toilette schlug mir unverkennbar der Geruch nach Geburt entgegen. Es ist für mich der wunderschönste, hoffnungsvollste Duft: Fruchtwasser. Leben, Geburt und es verschlug mir den Atem. Da war Trauer, hier jetzt auf einer öffentlichen Toilette, nach diesem Tag, dieser Woche, dieser verfluchten Zeit zwischen Pfingst- und Sommerferien, in denen mir all das passierte. Ich tat das, was ich in den vergangenen Wochen schon getan hatte, ich verschloss mich und mein Innerstes um mich zusammen zu halten, ich musste ja mit meinen beiden Söhnen irgendwie Heim, keine Zeit für einen Nervenzusammenbruch. Sprach meinem Mann was auf und schrieb einer Freundin. Für mich fühlte sich das an, als sei die Fruchtblase gerissen. Konnte das denn sein? Ich holte Geld und kaufte die versprochenen Döner.
Zu Hause ass ich. Und dann ging ich hoch, schloss mich zitternd im Bad ein. Und wieder schlug mir dieser Geruch entgegen, es war kaum Blut, es war genau wie bei den Kindern bei denen sich die Geburt durch Blasensprung angekündigt hatte, nur dass ich kein Baby im Arm halten würde. Nicht dieses Mal. Ich bekam Krämpfe und war nur noch kaputt, ich erwartete völlig übermüdet und ausgelaugt alles, nahm sehr viel Schmerzmittel und es passierte dann nichts mehr. Kein Blut, nichts. Dafür war Lilou wieder nur an mir, schlief kurz, wachte weinend wieder auf, wie jede Nacht nur jetzt auch tagsüber. Henry wachte dann auch schnell wieder auf abends, nach der Tour im Kinderwagen mit Papa und wollte viel stillen, aber es ist auch so unfassbar warm hier heute.
Es fühlt sich alles bereit an. Aber wieder heisst es warten, ich hab Angst nachts in Blut aufzuwachen oder etwas zu übersehen, mich in Gefahr zu begeben, da ist also nicht nur Loslassen, sondern auch Scharfsinn und Beobachtung gefragt. Der Verlust wird so auf jeden Fall noch einmal viel realer, man kann Blut und Schmerzen nicht einfach ignorieren und Obst, Gemüse und Schnittchen fürs Abendessen herrichten. Dennoch hatte ich keine Zeit für mich, und harre weiter aus. Warte wieder. Manchmal frage ich mich ernsthaft, woher die Kraft für all das kommt. Dafür merke ich wie wenig ich noch empathisch für meine nahen Mitmenschen bin, ihr Jammern nicht aushalten kann. Da lauert dann die Ungeduld, das Unfassbare, der Zorn, die Wut. Ich möchte um mich schlagen und rufen: „Kannst du auch mal nicht nur an dich denken? Siehst du denn nicht, was hier mit mir schon so lange passiert?! Laber mich nicht voll mit deinem Mist!“ Das ist natürlich ungerecht und einfältig, aber ich funktioniere schon so lange, ich verliere grad mein Kind und alle Hoffnung. Texte über die kleine Geburt sind oft gefühlvoll, fast poetisch, aber diese brachiale Gewalt, mit dem frau diesem Sturm ausgeliefert ist und wie bei jeder anderen Geburt nicht weiss, was sie erwartet: Ohnmacht. Und Schmerz und Verlust. Und das ganz unromantisch. Zwischen Abendbrot und Brillenabholen. Ich weiss nicht woher, aber ich werde die Kraft wieder in mir finden (müssen), auch diesen Weg, auch diese Geburt kann mir keiner abnehmen. Und dann schau ich wie ich gut dadurch komme. Trotz „Alltag“, trotz kranken Kindern, trotz diesem absolut irren Wahnsinn gerade an Terminen, Verantwortung und Aufgaben.
Einen Tag später, am Morgen ist die Blutung da. Traurigkeit mischt sich mit Erleichterung, dass das Warten vorbei ist und der Angst, was wohl auf mich zukommt. Ich nehme Ibuprofen, lenke mich ab, wickel Geschenk um Geschenk ein, kann so etws atmen, weil meine Todo- Liste schrumpft, während der Mann mit drei Jungs auf dem Sommerfest unserer Schule ist.
16.07. Es ist Wochenende, ich blute jetzt sehr sehr stark, mit Material, Koagel, teilweise so stark, dass ich Angst bekomme. Die unerträglichen Schmerzen schiessen wie unter den letzten Geburten in den Po und die Oberschenkelrückseiten. Teilweise war die Blutung so stark und fliessend, legte ein Kühlpack auf den Unterbauch und danach kam ein grosses Gewebsstück zum Vorschein, Kleinkind handtellergross und danach versiegte die starke akute Blutung kurz, bis das ganze zwei Stunden später erneut passierte. Wieder gekühlt. Kann das Haus nicht verlassen, habe es in dieser Woche an dem Donnerstag mit den vielen Terminen genau einmal geschafft, das Haus zu verlassen, den Rest der Woche war ich zu Hause gefragt. Bin verzweifelt, liege im Bett und frage mich nicht zum ersten Mal, warum uns Frauen diese Dinge passieren und warum ich meinen geschwächten Körper, diesem Kraftakt abverlange, wie das gehen soll, warum ich nicht die Ausschabung gewählt habe, aber ich weiß, dass das keine wirklich freie Entscheidung war, dennoch bereue ich.
Sonntag. Nochmal Wehen, wie Nachwehen. Nicht wirklich lustig, wenn man nach dem Frühstück und dem Duschen wieder halb zusammen klappt und hofft, dass das Schmerzmittel bald hilft. Half es nicht wirklich, nach dem Absagen des Treffens heute mit meinen Freundinen und dem Versorgen von mir selbst und den Kids und Vorbereitungen fürs Kochen nach oben ins Bett geschlichen und auch prompt eingeschlafen nach wenigen Seiten lesen. Was fehlt: Kraft. Einfach Kraft, Mut, Zuversicht. Bin ausgelaugt rein körperlich schon.
Tag 4 der eigentlichen Fehlgeburt war heute auch nicht wirklich schön. Bin einfach noch zu sehr in meinen Schmerzen gefangen und fühlte mich nicht wohl genug nicht daheim zu sein, wo ich mich zurück ziehen kann. Kann ausserdem nicht lange Sitzen oder Stehen. Alles aushalten müssen.
18.07. Morgens aufwachen wieder mit Schmerzen, die wie Hexenschuss in unteren Rücken und Po und Oberschenkel schiessen. Ganz furchtbar. Nehme jeden Tag so mehr Ibuprofen als nach der letzten Zahn- OP. Es tut einfach nur furchtbar weh und macht aggressiv. Ich hab dann immer das Gefühl eine falsche Bewegung und es geht gar nichts mehr. Das sind so schlimme Schmerzen. Nils arbeitet.
Ich bin so furchtbar einsam- fühle meine Not, meine Schmerzen, mein Leid nicht gesehen. Verlasse weiterhin nicht das Haus, was das Gefühl natürlich nicht besser macht. Ich bin nur noch enttäuscht und wütend auf das Leben, immer muss es gehen, nach Zahn OPs, mit Corona allein im Urlaub, wenige Tage und Wochen nach Geburten in den Urlaub fahren, während einer Fehlgeburt…
19.07. Dienstag. Immernoch so viel Blut und Krämpfe. Wehen, so viel Blut, nochmal kühlen. Kurz sind die Schmerzen weg, aber sobald das Schmerzmittel aufhört zu wirken kommt alles zurück. Zeh angehauen, tat sauweh, hab geschrien wie ne Irre, die Nerven lieben blank nach Email der Lehrkraft und dem direkten Anruf am Nachmittag, weil wir nicht schnell genug geantwortet haben, dabei sind die Tage voll, allein heute drei Arzttermine, ich weiß gar nicht, was wir noch alles unter bringen sollen. All diese Termine muss Nils wahrnehmen, weil ich so stark blutend das Haus nicht verlassen kann, derweil hab ich natürlich immer die Verantwortung daheim und ausruhen ist unmöglich.
Henny fiebert.
Die Zeit des Wartens in den Wochen zuvor, hätte ich nicht besser nutzen können, Kindergeburtstag, Kinobesuch, einkaufen, einwickeln, ein Haufen Arzttermine… aber auch Abende mit den Kindern im Freibad, eintauchen in beinah unbeschwerte Sommerabende. Getankt wo es nur ging, mehr getan als möglich war.
Heute nicht geruht, rächt sich, blute und hab Schmerzen im Po und Unterleib.
Immer wenn ich denke, die Schmerzen sind weg, lassen die Schmerzmittel nach, so wie jetzt mitten in der Nacht und es tut so weh, dass ich nicht schlafen kann, warte auf Wirken des Schmerzmittels. Dann erwacht Henry weinend und fiebernd um 3.30Uhr. :/ Habe Fiebersaft geholt und eine Flasche, weil er nicht mehr stillen wollte und konnte ihn dann nach einem Moment überzeugen den Fiebersaft zu nehmen. Er schlief zwei Stunden später 💛 Ich war echt erleichtert, dass er den Fiebersaft genommen hat und nicht schrie, sollen ja alle weiter schlafen. Gestillt hat er nach einer Weile dann auch wieder, Gott sei Dank!
21.07. Kein Tag ohne Schmerzmittel, wieder frisches Blut und Koagel, es hört einfach nicht auf, ich hab echt einfach keine Kraft mehr das auszuhalten. Seit einer Woche geht das und ich bin echt verzweifelt.
Ich hab zwei Teile die meinen Körper verlassen haben aufgehoben, vorhin kam viel als Nils unterwegs und ich verzweifelt war, heller und fest, geformt wie die Fruchthöhle. Es ekelt mich auch nicht an, das zu sehen, ich bin ehrlich gerührt.
An diesem Donnerstag habe ich Angst, nicht am Abschlussball teilnehmen zu können, mittags war ich beim Kieferchirugen, also dieses Draussen und seitdem ging es mir deutlich schlechter, als hätte dieser kleine Ausflug meinem Körper wieder gereicht. Ich war kurz davor, in die Klinik zu gehen. Kurze ZEit später wusste ich, warum mein Körper so gearbeitet hatte. Und nach diesem letzten großen Stück Schwangerschaft breitete sich so etwas wie Ruhe in meinem Körper aus. Ich hatte weniger Schmerzen am Abend, das erste Mal seit einer Woche. Auch wenn ich noch blutete.
Einen Tag später war ich nicht ganz fit, aber konnte mich und Zoe für den Ball rechtzeitig fertig machen, mit Nils zusammen die Mitbringsel fertig machen und dann auf das Fest gehen. Es hatte wahnsinnige 35Grad. Ich habe neben aller Sentimentalität die ganze Zeit gehofft, dass es bald vorbei ist. Geschafft ist. Fast zwei Stunden saßen wir in der Aula der Schule. Zeit zu Schmelzen und die Gedanken treiben zu lassen, immerhin war ich mal wieder draussen.
Das zweite Wochenende. Ein anderes Warten nahm seinen Platz ein, aber es war kein Warten wie eine Pause von allem, ein Innehalten, nein, alles lief nur weiter, im wahrsten Sinne, ich wartete nur, dass es zu Ende sein würde. Nebenher kümmerte ich mich, schaute Filme mit den Kindern, las ihnen vor, machte Hausaufgaben, kochte Mittagessen, zauberte Eis, begleitete zur Toilette, räumte Bastelsachen ein und aus, war oft Stunden allein, weil hier ein Elternabend war, dort ein Fest. Ich tat, was ich sonst tue, nur verlor ich dabei ein Stück weit unser ungeborenes Kind. Zwischenwelt.
Mehr als ein Mal habe ich geweint, geflucht, gezweifelt, das war dieses Mal nicht mein Weg, kein guter Weg, 14 Tage vielleicht am Ende bluten, sich verlieren, während man gar kein Chance hat, sich wirklich zu verlieren, einsam unter Menschen sein, sich verloren fühlen, vergessen und zurück gelassen.
Ich hatte wirklich Angst den Punkt zu verpassen, an dem es kritisch wurde, meine Lippen, die sonst schon sehr hell sind, waren mittlerweile nur noch weiss, setzten sich sonst auch schon hell nicht mehr von meiner Gesichtshaut ab. Habe angefangen mehr auf meine Ernährung zu achten, nehme Floradix und am Strand wartet meine Packung Nahrungsergänzungsmittel auf mich.
Was mir hilft, sind die kurzen Pausen am Abend: lesen. Denn ich kann nicht wirklich raus, das tun was mir sonst gut tut, bin nicht fit genug für einen Spaziergang bisher gewesen, noch war da Zeit und schwimmen traute ich mich auch nicht, so lange schon nicht, erst wegen der Sorge, es könnte sich im Mund etwas infizieren, (was nicht mal ganz zugeheilt ist), jetzt weil ich abwarten möchte bis wirklich alles „zu“ und abgeheilt ist, bevor ich das Risiko von Keimen eingehe. Ich brauche nicht noch mehr Überraschungen.
Auf dem Schulhof sitzen, im Freibad ohne Badeanzug in Hosen herum laufen, immer ein Auge auf die Kinder, stehts mit einem Hosenbein im Wasser, niemand sieht mir an, was in mir vorgeht. Niemand sieht, was ich fühle, empfinde. Aber ich kümmere mich weiterhin, ein Leben, das mich mitzieht.
Dienstag ein wieder irrwitziger Gang zum Arzt. Ernüchternd diese Art der „Versorgung“, nach dem Ultraschall und der Frage im Rausgehen aus dem Behandlungszimmer, ob ich eine AU brauche, war dann gefühlt auch die Versorgung beendet, „der Rest“ in mir solle mit Tabletten raus, es zieht mir den Boden unter den Füßen weg, nachdem die Behandlung auf dem Flur endet, er mir dort die Tabletten an der Anmeldung übergibt, nachdem er die Helferin danach gefragt hatte, kann ich nur noch fragen, wie ich die Tabletten einnehmen soll, das sagt er mir von sich aus nämlich nicht und schon wäre es zu einem Missverständnis gekommen, kann ich nur noch vor allen anderen eine Frage meiner Fragen stellen und stolpere dann wie benommen aus der Praxis. Ich bin fast blutungsfrei, endlich und soll nun drei Tage lang Tabletten nehmen, die das ganze unterstützen, natürlich sagt mir niemand wie diese heissen, sie sind so abgeschnitten, dass ich einen Namen nicht lesen kann. Ich irre einkaufen für den Geburtstag. Fasse mir ein Herz, hole mir die Kontrolle auf mein Leben gefühlt zurück, was mich alle Kraft kostet, rufe in der Praxis an und lasse mit den Namen des Medikaments sagen.
Zwischen meinem Spätstück und den Vorbereitungen fürs Mittagessen, nehme ich die Tabletten. Sie wirken leider, und wie. Mir ist ganz komisch, ich bekomme Krämpfe und blute wieder stärker. Es ist so so schwer das auszuhalten. Ich frage mich, warum mein Körper es einfach dieses Mal nicht so gut schafft, sich so so schwer tut?!
Mittwoch, 27.07. Heute hätte meine Mama Geburtstag gehabt, viel Zeit zum Traurigsein bleibt mir nicht, morgen hat Anton Geburtstag und dafür muss allerhand vorbereitet werden, gestern Nacht buk ich dafür Cookies, die wir gut auf dem Ausflug mitnehmen können.
Heute die Tabletten sehr spät genommen, reagiere wie gestern darauf, Dunst um den Kopf, Krämpfe, Blut.
Bin so unfassbar ausgelaugt, fühl mich nicht auf der Höhe. Aber ich koche Mittag, Auszeit ist Toilettenbesuch. Und ich freu mich auf den Tag morgen für Anton!
14Tage hab ich jetzt geblutet und gelitten, zwei lange Wochen, ich weiss selbst, dass das nicht normal ist. Ich dachte erst, es sei eben wegen der Vielzahl an Schwangerschaften, und meinem Alter, aber eine liebe Freundin erinnerte mich an die Odysee dieser letzten Monate: eine Fehlgeburt, eine langwierige Zahngeschichte mit final gezogenem Zahn, eine etwas heftigere aber handelbare Coronainfektion im Urlaub, dann wieder Zahnziehen, dieses Mal zwei auf einmal samt erneuter Fehlgeburt, ich bin so müde, so ausgepowert, so leer und irgendwie geht alles weiter.
Schmerzen, das klingt immer nach etwas Kopfweh, aber ich kann die Wochen ohne Schmerzen in diesem Jahr an den Fingern abzählen, was das monatelang mit einem macht, immerzu Schmerzen zu haben, und ich habe ja eh meine Grunderkrankung, das muss man sich wirklich vorstellen können. Und diese rheumatische Arthritis, die merke ich, durch das nicht rausgehen, macht sich jeder längere Spaziergang bemerkbar, meine Füße tun mir dann schrecklich weh.
28.07. Anton hatte Geburtstag, es war ein so schöner und runder Tag, mit einem großen Ausflug. Leider hatte es Anton sehr schwer heute, drei Mal war er heute frustriert, ich kenne das noch von Ben damals, am Geburtstag tut mir das gleich doppelt leid, aber dafür haben wir den Abend sehr langsam ausklingen lassen und die Kinder schliefen erst um 22 Uhr. Danach setzte ich Brotteig an und nahm final die letzten zwei der Tabletten, die ich absichtlich nicht tagsüber genommen hatte, damit ich alle meine Energie heute für den Ausflug mit den Kleinen habe.
Abends meine Bestellung in den Händen gehalten. Für meine Ylvie. Meine Ylvie. Bestellt als ich begann zu bluten und nun heute nach Einnahme der letzten Tabletten halt ich es in den Händen das Paket, unfassbar. 14 Tage. Ich bin durch. Ich habs so gut wie geschafft. Und fühl mich fix und alle, perfekt zum Start der Sommerferien. Kaum geschrieben, zwingen die verfluchtenTabletten mich im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie. Ich hasse sie so sehr, und deren Wirkung auf mich. Keine halbe Stunde nach der Einnahme. Blut. Krämpfe in Gebärmutter, Magen und Darm. Kopf. Alles, ich verfluche alles. Zoe kommt um halb zwölf und weint, während ich auf der Toilette sitze. Sie hat sich vertan mit dem Treffen mit ihrem Partner, die Reise muss storniert und neu gebucht werden. Sie weint so sehr, ich möchte sie trösten, wirklich für sie dasein, deswegen hatte ich doch die Tabletten so spät genommen und ich bin jetzt doch gefangen in meinen Schmerzen, muss Nils dazu holen. Derweil Blut und Magenkrämpfe, Sodbrennen. Keine Kraft mehr weiter zu verlieren.
15 Tage nach Einsetzen der Blutung, ein halber Monat, und wenn ich die Nacht nicht dazu zähle, wird das wohl meiner erster blutungsfreier Tag. Ich bin um 6Uhr aufgestanden, um Emil das Brot fürs Frühstück zu backen, den Teig hatte ich gestern Abend angesetzt, gegen 22Uhr als wir zurück vom Wildpark und alle kleinen Kinder schliefen und im Bett waren.
Um acht war der Grossteil aus dem Haus, Hausarbeit fiel an, um kurz nach 11Uhr kamen die Schulkinder, Zelda musste im 12Uhr abgeholt werden, ich versuchte schnell ein Mittag zu zaubern, bevor Tom um 13Uhr einen Termin hatte, Lilou um 13.30Uhr und um 14Uhr der Rauswurf der Vorschulkinder anstand, Noah holte seinen Freund vom Bahnhof, Zoe kam abends um 17Uhr mit einem Schulfreund, weitere Freunde folgen, ein Abend im Wohnzimmer ist geplant. Es war mir wichtig, dass sie nochmal ein paar Freunde sieht, bevor wir so lange an die Ostsee fahren, so viel kam zu kurz in den letzten Monaten. Um kurz vor 16Uhr waren Anton, Lilou und ich zurück vom Rauswurf, wieder so emotional nachdem wir das letztes Jahr bei Anton nicht erlebt hatten.
Emil war noch bis halb sieben auf einem Kindergeburtstag. Die letzten Wochen waren jeden Tag so, ungelogen und ohne Übertreibung. Dazwischen stand Kinder und Jugendliche versorgen an, jetzt bin ich seit mehr als zwei Wochen das erste Mal wieder spazieren. Allein. Ich muss in diesem Moment gar nichts ausser diesen Text tippen, zuvor schweiften meine Gedanken umher.
Ich fühle mich wund, geschunden, wie ausgewrungen, als hätte man mir in den letzten Wochen alles Leben heraus gesaugt… ich habe so viel gegeben und fühl mich grad einfach nur leer.
Den Wind in die Nase und den Nieselregen halten, es mutet herbstlich an.
ich habs geschafft. wieder einmal. (zumindest fast. mein erster schwangerschaftstest in dieser schwangerschfast war noch immer positiv.)
Die Erleichterung wird nicht lange anhalten, die kommende Woche wird noch einmal herausfordernd. Und dann darf ich alles abschütteln. 5 Wochen lang, fast.



4 Kommentare
Anonym
Du Liebe, ich möchte deinen Text nicht unkommentiert lassen, nachdem du so viel Zeit und Liebe investiert hast, diese Zeilen zu schreiben.
Ich wünsche dir Ruhe, zum erholen und heilen, zum besinnen und kraft tanken.
Die wenigsten Menschen können nachempfinden was du gerade durchmachen musst.
Ich lese dich schon seit deinem ersten Blogpost und habe so ein klein wenig das Gefühl dich zu kennen.
Bitte, fühl dich umarmt, wenn du magst.
LG Nicole
Stephanie
???????? so viel Liebe für dich und das, was du durchlebt hast. Ich fühle dich so und drücke dich in Gedanken.
Maren
<3
Ich habe keine tröstenden Worte. Sie fehlen mir einfach.
Meine Wünsche für Dich werden stets die besten sein und ich habe selten jemandem so aufrichtig und dringend eine gute Erholung gewünscht wie Dir jetzt. ????
<3
Maren
Mir werden 4 Fragezeichen statt des Glücksklee-Emoticons angezeigt… Also vergiss die Fragezeichen – sie sind ein Kleeblatt.