Der Sprung


Noch etwas mehr als 12 Stunden dann beginnt unser Urlaub, diese letzten Wochen haben mir bis dahin mir so unglaublich viel abverlangt, körperlich, emotional und mental. 

In diesen ersten sieben Monaten des Jahres wurden mir nicht nur zwei ungeborene Babies genommen, ich verlor neben drei Zähnen, auch auch ganz viel von mir. 

Wenn der Winter sich dem Ende zuneigt und der Frühling sich langsam zeigt, fange ich meist an die Wochen zu zählen bis im Mai das Freibad aufmacht. Meine Seelenzeit-‚ meine für mich allein und die gute Zeit mit meinen Kindern. Dieses Schwimmen im blauen Becken ist für mich so unsagbar wichtig, weil es die einzige regelmässige Zeit ist, die ich bekomme für mich, das können 20 oder 40min sein, ein halber oder ganzer Kilometer Zeit um Loszulassen, die Gedanken und den Stress abzuschütteln, und mich ganz aufs Hier zu konzentrieren, was genau jetzt hier in diesem Becken, oder daneben und in den Bäumen passiert…  mein Ausgleich.

In diesem Jahr war das alles nicht so wirklich möglich, zwar begleitete ich alle immer ins Bad, war ganz dabei aber nicht mehr direkt im Wasser, die erste Zahngeschichte samt Entfernung machte dies unmöglich vor Pfingsten, und nach Pfingsten die zweite Zahn OP und die Fehlgeburt. Ich wollte hier wie da keine Infektion riskieren, das war alles schon so schwer genug. Die Male, die ich als Alternative spazieren war, kann ich auch leider auch an einer Hand abzählen. Wo blieb ich also? Die Antwort ist simpel: meist zu Hause.

Ich habe in den vergangenen mittlerweile sieben Wochen, zwei Zähne und erneut ein Baby ziehen lassen, Zeit zum Verabreiten und Heilen war nicht wirklich. Zu organisieren war dafür eine Menge: erst drei Geburtstage jetzt vor den Sommerferien, dafür Geschenke einkaufen, einwickeln, Essen planen, Ausflüge planen, Mitgebsel in die Schule. Ich musste für Lilous Geburtstag im September schon die Geschenke einkaufen, einwickeln und Zeldas für ihre Einschulung. Ich habe ihre Schultüte gefüllt, die Geschwistertüten und Essen geplant, denn wir kommen am Samstag zurück und am Dienstag findet die Einschulung statt, am Donnerstag dann Lilous Geburtstag. Ich habe einen Probequali intensiv für ein Fach von Tom über Tage begleitet. Ich war auf einem Abschlussball, auf einem Kindergartenabschied, hab aufgepasst, wenn Nils mit jeweils einem Sohn auf einem Sommerfest war oder bei verschiedensten Ärzten mit Lilou, Zoe oder Tom war oder bei zwei Us mit Henry und Lilou. Ich war mit vier Kindern an zwei verschiedenen Tagen beim Augenarzt, und an dreien beim Optiker eine Brille aussuchen, war noch nach Check mit vieren beim Impfauffrischen und zweien wieder EKG schreiben. Ich nahm ein Eltengespräch wahr, der Mann eine EB Sitzung. Ich plante einen Heimkinoabend für die Großen und habe bestimmt etliche Dinge in meiner Auflistung vergessen. Ich habe keine Ahnung wie das in sechs, sieben Wochen gepasst hat, im Kino war ich immerhin auch noch mit drei Kindern und einmal Essen mit Freundinnen und zuletzt in Erfurt mit der Großen, neben unzähligen Malen Freibad.

Ich habe ein Leben gewählt, in dem meine eigenen Bedürfnisse meist hinten anstehen, in dieser Woche hab ich es kaum geschafft abends ein Kapitel von irgendwas zu lesen, es blieb schlicht nicht mehr Zeit. Keine Zeit für mich allein. Und das nicht weil ich gern so viel arbeite. Wenn andere schon schlafen oder schon längst ihre Lieblingsserie schauen, stand ich noch bis (nach) Mitternacht in der Küche oder am Esstisch und habe erledigt wofür untertags keine Zeit gewesen war, denn es sind Ferien, die Kinder haben Bedürfnisse, alle. Dieses Packen und diese Abreise haben mir nach den vergangenen Wochen und Monaten den letzten Rest Energie abgesaugt, scheinbar ist noch was da. Über vieles, was passiert ist, kann und will ich hier nicht mal schreiben, aber diese Zeit hat jetzt Narben hinterlassen, da sind Dinge passiert, die kann man nicht mehr reparieren oder heil machen. 

Jetzt geht es morgen in den Urlaub, ich hab mir in Henrys Mittagspause nur die Zeit genommen diesen Text zu schreiben und war einfach trotz allem heute das erste und vielleicht letzte Mal im Freibad für lange Zeit. Ich bin mehr als einen halben Kilometer mit Zoe geschwommen. Anton hat sich derweil wieder selbst übertroffen und ist drei Mal zum Schluss, als es endlich auf war vom Fünfer gesprungen. Stolzer konnte keiner strahlen! Ein kleiner Befreiungsschlag für mich war also heute das Abtauchen ins Wasser, endlich wieder schwimmen, in meinem Freibad, aber ich weiss wie viel auch die Zeit im Urlaub mich beanspruchen wird, weiss wie schwierig es auch dort sein wird auf mich selbst zu achten, wenn zehn andere Menschen immerzu Bedürfnisse haben. Und ich weiss auch, in welch ein grosses Loch man fallen kann, wenn man endlich angekommen ist nach so einen grossen Absprung…  und ich weiss wieviel ich heute noch mitgerissen werden muss, damit wir losfahren können.

3 Kommentare

  • Anna

    Du Liebe,
    eigentlich bin ich nur stille Followerin bei Instagram und Leserin deines Blogs, aber heute habe ich das Bedürfnis dir unter diesem Text einfach mal ein ❤️ dazulassen.
    Ich wünsche dir Zeit für dich und einen Urlaub mit goldenen Momenten!
    Alles Liebe
    Anna

  • Stefanie

    Auch von mir die besten Wünsche für den Urlaub und hoffentlich ein paar Erholungsmomente! Leute ohne große Familie können sich oft gar nicht vorstellen wie anstrengend es ist, für so viele andere Menschen mitzudenken. All die Termine zu koordinieren, zu organisieren, vorausschauend Feste, Geburtstage etc. zu planen. Das ist tatsächlich auch körperlich anstrengend, auch wenn es gar keine körperliche sondern unsichtbare Arbeit ist.

    Viele Grüße
    Stefanie

  • Isabella

    Liebe Jeanine!

    Ich bin sprachlos und den Tränen nahe. Ich fühle so mit dir! Jede Zeile! Du hast mein vollstes Mitgefühl und mein größte Anerkennung. Wenn du dich geschändet fühlst, ist das absolut nachvollziehbar. Was du an Schmerz, Kummer, Einsamkeit, Verantwortung und Pflicht tragen musstest, ist einfach zu viel! Zu viel für eine einzige Frau und Mutter. Ich wünschte, du hättest zumindest Verständnis, Mitgefühl und Rücksicht in deinem unmittelbaren Umfeld. Ich sende dir eine wärmende und haltende Umarmung! Du bist so stark und doch so zart und ich hoffe, du kannst den Schmerz und das Schwachsein zulassen, musst es nicht herunterschlucken. :(( Es ist schwer, schier unmöglich mit vielen Kindern. Ich wünsche es dir trotzdem. Es tut mir alles so leid für dich und habe das dringende Bedürfnis, dir dieselbe Pflege und Fürsorge zu geben, die du allen anderen zukommen lässt. Du hast es so verdient! Gutes Essen, Auszeit, Ausschlafen, Langsamkeit und Zeit, ein offenes Herz und ein offenes Ohr. Schade, dass du so fern bist!!! :( Alles erdenklich Liebe und Gute für dich!

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