Und noch einmal…


Gestern hat der Mann sich zum Mittagessen mit seiner Mama getroffen, um in Ruhe und ohne Unterbrechungen zu erzählen. Dem Mann wurde gekündigt, ein paar Tage vor Ende der Probezeit. Ohne Vorwarnung. Und ich kann keine leeren Durchhalteparolen mehr hören, kein „ganz sicher“ und „ganz schnell“. Es ist einfach das zweite Mal in diesem Jahr, in _diesem_ Jahr, indem wir genug getragen haben. Es ist kurz vor Weihnachten. Wir hatten so viel vor! Und vorallem hatten wir alles so gut durchgeplant, ich hatte extra dem Mann so früh von der Schwangerschaft erzählt als er noch auf Kur war, damit er da mit offenen Karten spielen konnte im Bewerbungsprozess und er hat extra schon im Sommerurlaub an der Ostsee, unserem bisher einzigem echten Urlaub in diesem Jahr, angefangen zu arbeiten, damit wir länger nach Ende der Probezeit entspannt in die allerletzte Elternzeit gehen können und unser letztes so sehr herbei gesehntes Babymädchen geniessen und willkommen heissen können- nach über drei Jahren Kinderwunschzeit und all den Verlusten, Rückschlägen und der Trauer um Hazel. Wir hatten so gut Pläne geschmiedet, waren endlich auf dem Weg und nun alles wieder auf Anfang! 

Dabei habe ich mir diese letzte ruhige Babyzeit mehr als verdient, so sehr, nach all den Jahren, Babies bekommen, Kinder grossziehen, Babies verlieren, Eltern verlieren, immer weiter machen, jetzt dann mal langsamer zu machen, nach der letzten Geburt. In Ruhe zu Kräften zu kommen, mit einer weiteren Riesenwunde im Inneren, wenn der Alltag dennoch irgendwie sowieso immer weiter rollt(e egal was war) und ein weiteres Menschlein versorgt werden will.

Und nun Sorgen, Existenzängste, Scham, Bitten, Rechnen, Grübeleien und Selbstvorwürfe und das ausgerechnet jetzt. Ich finde das grandiosen Mist und ich hab absolut keinen Nerv für schlaue Dritte, leere Worthülsen und Beschwichtigungen, ich sage es, wie es ist.

Ich will nicht darum Betteln müssen, ICH möchte gesehen werden, mit allem, was ich in diesem Jahr geleistet und getragen habe, mit allem was ich jetzt brauche und verdient habe als Mensch und wünsche mir und meinen Liebsten die Unterstützung und wenn nur gedanklich, keinen unverhohlenen Voyeurismus. 

Diese letzte Schwangerschaft, ich hätte sie gern mehr genossen, unbeschwerter erlebt und das wird jetzt zusätzlich noch einmal erschwert. Und dennoch, trotz des Triggers, dass das Jahr genauso begann, erst die Arbeit verloren ging und wir dann unser Babymädchen Hazel verloren haben, und in mir diese Angst ist, dass noch etwas dazu kommt zur erneuten Jobsuche, etwas das Schwerer wiegt, etwas das einen zerbricht, das muss ich jetzt auch aushalten, trage ich Dankbarkeit in mir- wir sind alle im weitesten Sinne gesund und ich sage mir jeden Tag, dass das am Ende das absolut Wichtigste ist. 

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