35+4

Jeden Tag warte ich darauf, daß ich mich gut &  attraktiv fühle, um noch ein paar schöne Fotos als Erinnerung zu machen und jeden Tag kommt mir irgendetwas dazwischen. Meist fühle ich mich nicht mehr so wirklich fit, leide unter Übelkeit, habe Schmerzen oder knabbere an meinen Ängsten. Dabei denke ich, es wäre sicher schön, später etwas mehr zum Erinnern zu haben. Sicherlich werde ich irgendwann einiges in der Erinnerung verklären, mich nach so Manchem zurück sehnen, vielleicht sogar bereuen, dass ich das Eine oder Andere nicht gemacht (Yoga, Babyshower), mehr genossen oder zelebriert habe. Die Wahrheit ist aber, ich hasse das alles grad. Jeder Tag ist nach wie vor ein Kampf mit mir selbst, mit der Sorge, ein Leben mit der Angst. Letzte Woche habe ich ihren Herzschlag nicht gleich gefunden, einfach nicht gefunden, wie man sich in der 35.SSW so unglücklich anstellen kann? Ich weiß es nicht. Ich bin in ein Loch gefallen, hab so geweint. Ich hatte einfach solche Angst. Das ist meine Realität und ich werde diese nicht vermissen. Ich möchte diesen Ängsten und da warten sicher genug andere in meinem Leben, keinen Platz mehr lassen. Hazels Tod hat mich so sehr verändert, ich bin unfassbar dankbar für June und mag sie nur noch sicher da raus haben und dann nie mehr Schwangersein. Das Leben wird noch genug Herausforderungen bieten, aber diese Ängste um ein kleines Menschenkind sind unvergleichlich.

Jetzt die Medikamente auszuschleichen, die unsere Tochter bis hierher am Leben gehalten haben oder zumindest aber dabei helfen sollten, fiel mir so schwer. Es fühlte sich absolut falsch an, aber ich kann den Blutverdünner schlecht bis zu Geburt nehmen ohne mich selbst in Lebensgefahr zu bringen. Darauf vertrauen, daß wir es auch ohne all das schaffen ist eine Herausforderung. Ich hätte ja gedacht oder gehofft, die Ängste werden weniger am Ende der Schwangerschaft, wenn das Ziel so nahe scheint, aber nein. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich merke eine Unruhe in mir und ich habe wiederkehrende Albträume, die mich am Liebsten ins nächste Krankenhaus laufen lassen würden und mich da auf einen der OP Tische werfen. Aber ich weiß, sie ist noch nicht fertig, ich weiß, ich würde es mir nie verzeihen, mir für immer schreckliche Vorwürfe machen, sie (sobald es ginge) eher zu holen, als nötig. So flüchte ich mich viel durch die Tage, ich hab ja im Alltag genug zu tun und noch mehr Kinder. Ich weiß nicht wo genau der Antrieb für den Nestbau herkommt, aber ich muss in Bewegung bleiben, räume auf und lenke mich ab so gut es geht, bereite alles für die vielleicht weitere kommende Hausgeburt vor und dazwischen zeigt mir June wie stark sie ist und renoviert regelmässig, so fühlt es sich jedenfalls an, ich kenne das schon. Die Gebärmutter war schon für viele Kinder ein gutes Zuhause und dort ist viel Platz und es ist heimelig. Beim Frauenarzt war ich zuletzt im Dezember, meine Hebamme übernahm jetzt die Vorsorge. Mein Blutdruck ist auch wieder okay, diese Woche lag June mal in Schädellage, aber sie liegt meiner Meinung nach noch oft quer, so fühlt es sich an und verändert beinahe tägliche ihre Lage. Sie ist nach wie vor keine Riesin, auch das verunsichert mich. Ich hoffe, so sehr, dass es ihr gut geht, sie weiterhin gut versorgt bleibt, bis sie hoffentlich soweit ist. Ich zähle die Tage. Zusammen mit den jüngeren Kindern. Und versuche mir vorzustellen, wie das alles sein wird, wirklich echt dieses kleine Wesen auf dem Arm zu halten, sie zu sehen, sie ohne Bauchdecke dazwischen zu fühlen, ihre Haut auf meiner und ihrem Atem und Herzschlag zu lauschen. Wenn ich mir das vorstelle, kommen oft schon die Tränen. 

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