lese moments
„Im Leben nebenan“ von Anne Sauer (Amazon Link) habe ich als mein elftes Buch im Sommerurlaub begonnen und hier beendet, mein 37. Buch in diesem Jahr. Ich liebe es sehr!
Worum geht es? Es ist ein „Stell dir vor du wachst morgens auf und…“- Buch… und so lernen wir Toni kennen, die bis vor ein paar Jahren in ihrem Leben glücklich war. Nachdem sich der Kinderwunsch meldete, der gar nicht so einfach zu erfüllen ist und im Zuge von Schmerz, Verlust und Entfremdung distanziert sie sich von diesem Kinderwunsch, sowie ein Stück von ihrem Partner, an dem sie während und nach der Behandlung mehr und mehr Seiten entdeckt, die sie verletzen und einsam zurück lassen. Sie ist entrückt, von sich selbst und ihrem Körper, der nicht tut, was erwartet wird. Sie muss sich neu finden.
Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, das es keine typische „Oh, die arme leidende, ungewollt Kinderlose“- Geschichte ist, denn als Toni als Antonia erwacht, liegt auf einmal in einem parallelen Leben ein Kind auf ihrer Brust.
Wir begleiten im Wechsel beim Lesen, die kinderlose Toni und die ratlose Antonia, die sich mitnichten auf einmal in ihrem neuen glücklichen Leben mit Baby einrichtet. Sie kämpft mit ganz vielen Themen, mit einem fremden Körper samt Kaiserschnittnarbe, einer übergriffigen Schwiegermutter, einem hilflosen Mann, der nicht ihr Partner ist, der seine (falsche Frau) nicht mehr wieder erkennt, aber am
Wichtigsten, weil es nicht ihr Leben ist, sie will zurück in ihre Realität, richtet sich aber doch ganz langsam in diesem neuen Leben mit Kind mit diesem Mann ein, erlebt aber immer wieder Entfremdungsgefühle in dieser Parallelwelt.
Reproduktion ist politisch. Biologisch ist unser aller Lebensziel klar defininiert: wir sollen uns fortpflanzen und vermehren, um unsere Art zu erhalten. Aber was wäre das für eine Gesellschaft, in der sich die Frage gar nicht stellen würde, ob und wann Frauen Kinder bekommen? Was wäre, wenn man nicht von jedem (natürlich nur) Hetero Paar erwarten würde, ein bis zwei Kinder in die Welt zu setzen? Einfach automatisch. Wenn Kinder eben nicht „dazu“ gehören würden?
Ich möchte kein Deutschland mit noch weniger Kindern, ich finde Kinder sind hier stark unterrepräsentiert, aber diese Selbstverständlichkeit mit der man Anderen gegenübertritt und fragt; „Sag mal, wann ist es denn bei euch so weit?“, sollte keine sein.
Ich spüre einen Ruck in den Frauen, Bewegung, da passiert etwas und dann gibt es junge Autorinnen, die schaffen das: vielen Frauen eine Stimme zu geben. So das man beim Lesen denkt: „Ja, das! Warum eigentlich?!“ Frau möchte Dinge ändern, das passiert seit Jahren, im Privaten wie ich ôffentlichen Raum, aber da ist noch so viel Luft nach oben. Dieses Buch trägt seinen Teil dazu bei.


