Aus der Stille

Wenn man mal ins Stocken gerät beim Erzählen, kommt man gar nicht mehr richtig hinterher damit den Faden wieder aufzunehmen und in der Zwischzeit hat sich auch wieder soviel angesammelt, was man eigentlich noch festhalten will, plötzlich wirkt der Berg unüberwindbar, das banale Geschehen nicht mehr nacherzählbar.

Mittlerweile liegen sechs Wochen Schule nach dem Ende der Sommerferien hinter uns. Unfassbar viele Termine haben wir in diesen Wochen bewältigt. So stellte sich ein richtiger Alltag nicht ein, dafür passierte einfach zu viel. 

Nach Lilous Geburtstag, ihrer Einschulung und Bens Geburtstag, fuhren wir an meinem Geburtstag über das verlängerte Wochenende nach Garmisch, nur um mit Corona wieder nach Hause zu kommen und so verging die vorletzte Woche mit Fieber, Testungen und so zog sich das über ganze drei Wochen.

Da Anton im Urlaub einen Infekt bekam und ich gleichzeitig ein Antibiotika nahm, aber ebenfalls krank wurde, wusste ich, dass das ein Virus sein muss, nachdem Fieber dazu kam und es mir zunehmend schlechter ging, machten wir einen Test. Und waren in der Woche dann so richtig schachmatt. Auch der Mann. Aber hilft ja nichts mit Kindern. Schleppst dich runter, machst Wäsche an und danach Pause auf dem Sofa, schleppst dich in die Küche, machst was zu essen, danach wieder Sofa. Ich hab mich schon lange nicht mehr so mies gefühlt, Corona wie die Grippe, nicht grippaler Infekt, ein mieser Verräter. Es gab Menschen in diesem Haus, die haben richtig gelitten, Noah zum Beispiel.

Weil das ganze nicht schon unschön genug war, hatte June neben Corona Pseudokrupp, zwei Nächte wachte ich selbst krank über sie und wie sehr hasse ich diese Atembeschwerden. Und sie hing so durch, hatte so Fieber, wie bei den Windpocken Anfang des Jahres, in beiden Fällen nicht mehr geschafft zu Impfen. 

Und weil das auch nicht reichte, war unsere Haus- Katze Amy weg, nach 24Stunden ohne sie hab ich schon angefangen mir richtig Sorgen zu machen, aber nach zwei Tagen tauchte sie abends wieder auf, als wäre es das Normalste auf der Welt, spazierte sie zur Tür wieder rein: „Nur ein kleiner Ausflug, was regt ihr euch so auf?!“

Seitdem unser Lastenrad defekt ist, bemerke ich noch mehr Last im Alltag, welch Wortspiel. Vieles bleibt an mir kleben, weil der Mann halt nicht den ganzen Tag einkaufen fahren kann. Unschön auch, als er mit meinem Fahrrad und Anhänger trotz Covid- Infektion, die ebenfalls kranke kleine June mit Corona zum Kinderarzt fahren musste, vorm Öffnen der Praxis, weil sie die Medikamente gegen das Pseudokrupp brauchte, die Karte nicht eingelesen war und ich auch froh war, dass sie jemand abhörte. Man macht sich ja keine Vorstellung, es war niemand verfügbar, Oma im Urlaub und ich hätte mich auch nicht krank neben andere in den Bus gesetzt oder ins Auto. Blieb nur Fussmarsch oder Radtour, danach war der Mann fix und fertig. 

Ein defektes Lastenrad reichte nicht, in der Zwischenzeit ging des Mannes Handy kaputt und in dieser Woche stirbt langsam aber ausdauernd unsere Waschmaschine. Sie wurde nur drei Jahre alt. „Wie machen Sie das nur?“, fragte bei der Kontrolle mein Gynäkologe diese Woche. „Wie oft laufen Wasch- und Spülmaschine?! Wo kommt das Essen her?“ 

Bei meiner Rheumatologin bin ich auch gewesen und schon zwei Mal bei der Ostepathin, immer noch die Hüfte, der Kiefer, die Skoliosen. „Sie sollten wirklich mal Sport machen, Sie sind ja ganz krumm!“ sprach eine Ärztin, ja danke, sehr einfühlsam, das nennt sich zweifache Skoliose. Nachts dann kann ich Sport machen, wenn die kleine Flitzpiepe June mal schläft und sich nicht mit Haarwachs einschmiert, während ich mich kurz umdrehe, um die Spülmaschine anzumachen, sehr süsses Alter, aber unsere Nerven. 😅 Ich bin froh, wenn ich jeden Tag spazieren kann, gehe jeden Tag zwischen 15 und 20.000 Schritte auf dem Handy, das sowieso immerzu irgendwo liegt. Ich arbeite mich weiter ran, an die idealste Version meiner selbst, aber zaubern kann ich auch nicht, im Gegenteil, ich bin so erschöpft wie sonst kurz vorm Sommerurlaub oder Weihnachten. Ich könnte mich von Kurzurlaub zu Kurzurlaub hangeln, wenn es denn ginge. 

Ein bisschen Glück hatten wir auch, unser großes Kind stolpert aus dem Haus, mit Anlauf, von jetzt auf gleich. Ich bin alles. Stolz, froh, dankbar, aufgeregt, traurig, gespannt, vor- und mitfreudig. 
Einen schönen Ausflug in den Wildpark haben wir auch erlebt, mit Oma und Tante. Waren natürlich nur die Hälfte der Kinder dabei und mit mehr Erwachsenen und Autos ist so ein Ausflug ein echtes Träumchen. Heute waren wir schwimmen, auch mit zwei Erwachsenen ein schöner Ausflug mit nur fünf Kindern.

Auf dem Friedhof fehlte lange Zeit immer noch die Herbst Deko, weder hatte ich die Kraft, noch Zeit oder Geld mich um neue Pflanzen zu kümmern, dafür zündete ich eine weitere Kerze auf dem Friedhof an, ein weiterer kleiner Funken.

Und seit Mitte der Woche mache ich mir neben meinen Kindern, Sorgen um ein nahes Familienmitglied. Noch wissen wir nichts Genaues und bis dahin weigere ich mich, zu verzweifeln und traurig zu sein. Ich bin einfach nur da. Und halte mit aus. Das Warten, das Hoffen. 

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