lese moments
Spoiler „Mathilde & Marie“ von Torsten Woywod, mein 10. Buch in diesem Jahr, ausgeliehen in der Bücherei meines ältesten Kindes, ein gerade gefeierter Bestseller, ich weiß nur nicht so ganz warum. Ich möchte damit nicht ausdrücken, daß es ein schlechtes Buch wäre oder gar nicht lesenwert, so ist es ganz und gar nicht und ich bin bei Weitem keine Literaturkritikerin, aber mir fehlte etwas oder es war nur für mich nicht der richtige Moment es zu lesen.
Es ist ein Feel- Good- Buch mit Traumlandschaft, das mich mit Tempo & Stil hier und da an Benjamin Myers „Offene See“, „Das Lavendelzimmer“ von Nina George oder an Romane von Joanne Harris erinnerte wie „Chocolat“, aber mir fehlt die Tiefe. Die Zeit, die damit verbracht wird ausgiebig die Natur zu beschreiben, fehlt mir an Schliff an den Charakteren. Die junge Marie flüchtet übereilt und natürlich nicht grundlos aus Paris, trifft im Zug die Isländerin Jónína und fährt zusammen mit ihr und dem Bäcker Thomas ins internetabgeschiedene Naturtraumdorf Redu in den Ardennen. Dort also abgeschnitten vom Netz entdeckt Marie nicht nur die Langsamkeit und die Natur, sondern auch Mathilde.
Als die Isländerin, die sie natürlich aufgenommen hat, aus angedeuteten gesundheitllichen Problemen überstürzt abreisen muss, „entwickelt“ sich Marie- immer wieder lesen wir im Buch davon wie Marie alles zusammen hält und wie wichtig sie für die Gemeinde mit zahlreichen Buchhandlungen sei. Mir blieb das zu oberflächlich und wir lesen auch nur von zwei weiteren Dorfbewohnern mit denen sie in Kontakt tritt, dennoch bleibt dieses Narrativ bestehen. Marie löst ein Geheimnis und hilft so Mathilde aus der Einsamkeit. Und als die Isländerin auf den letzten Seiten zurück kehrt, Marie ihre Buchhandlung bis dahin ohne Vorkenntnisnisse durch zwei Literaturfeste geführt hat, nebst einigen gespickten Buchzitaten, blicken die Isländerin und Thomas zufrieden auf die nun analog lebende Marie und wie schön sie sich „entwickelt“ hat, Marie derweil empfindet das gleiche gegenüber Mathilde. Ich finde das eine unglückliche Formulierung, ich hätte wohl eher gesagt, sie wäre am Ende angekommen und hat ein neues Zuhause und Mathilde zurück ins Leben gefunden.



