Alles neu macht der Mai

Ich wollte schon lange geschrieben haben, von diesen Tagen, diesem Struggle, den Sorgen, den Kraftakten und so vielem mehr und dann fehlte die Kraft für mehr. 

Seit April ist der Mann offiziell arbeitslos. Heute kam eine Nachticht bezüglich der alten Arbeitsstelle, die nur bestätigt hat, was wir uns Ende des Jahres gedacht haben, warum es sechs Tage vor Weihnachten zu dieser Kündigung aus heiterem Himmel kam. Was uns das Weihnachtsfest ein Stück weit genauso verhagelt hat, wie der unbeschwerte Blick ins neue Jahr. Dazu kam meine weitere Fehlgeburt gleich Anfang Januar. Es war nicht der optimalste Start in 2026. Es war eine unfassbar belastende Situation bis der Mann dann seinen neuen Arbeitsvertrag endlich final in den Händen hielt. Seitdem versuch(t)en wir die Zeit gut zu nutzen, das ging aber erst mit der neuen Stelle. Davor war der Mann an- und eingespannt. Und auch angeschlagen. Da geht es als Paar ohne Reserven ans Eingemachte. In den letzten Wochen waren wir dann im Wildpark, beim Schwimmen, über Ostern im Familienhotel. Das tat einfach nochmal gut, bevor es anfing zu Hause rund zu gehen. 

Denn Morgen ziehen Noah und Samu aus, so bleiben von elf Kindern, die hier wohnten, nur noch Acht übrig. Das wird so seltsam. Und auch wenn man sich mit den beiden freut, ist da eine Schwermut, weil etwas unwiderbringlich vorüber ist. Einfach so. 

Am Samstag kommen dann neue Möbel, für die ich sehr dankbar bin und dann wird die Lebensqualität hier nochmal eine andere. Gerade das Vierer- Kinderzimmer, das schon renoviert ist und nur noch auf letzte Möbel und den Feinschliff wartet, war eine Müllhalde, absolute Katastrophe. So schlimm, aber es fehlte an Geld und Ideen, wie man das lösen kann. Umso dankbarer bin ich jetzt, ohne Hilfe wäre es nicht gegangen.

Eingezogen sind alle vier Kinder 2020 In dieses Zimmer, im Lockdown, kurz nachdem meine Mama verstorben war. Damals war das älteste Kind in diesem Zimmer gerade einmal 7. So alt wie Lilou jetzt, die gerade noch die Jüngste im Zimmer ist, mit der Zeit wich also die Kuschel- und Krabbelecke und vieles mehr, die Bedürfnisse der Kinder haben sich logischer Weise verändert. Sechs Jahre lang türmte sich alles nur weiter auf, Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke, Dinge wurden unvollständig, gingen kaputt oder wuchsen nicht mit den Kindern, die ganz eindeutig vielem entwuchsen. Jetzt ziehen Emil und Anton dort aus und machen Platz für Henry und bald June. Henry, der in diesem Jahr sechs Jahre alt wird und noch nie ein Zimmer hatte, in dem _sein_ Bett stand, Platz für _seins_ gewesen wäre. Anton bekommt einen großen Wunsch erfüllt und so bin ich optimistisch, dass es richtig schön wird, aber genauso sicher bin ich mir auch, dass es richtig furchtbar anstrengend wird. Und das war es ja schon. Die Renovierung des Kinderzimmers dauerte nicht nur ein Wochenende nach Ostern, sondern an.

Seit mein Eisenspeicher im Januar so schlecht war, nämlich bei 6, nehme ich Sidal AL Forte. Das hat mir der Frauenarzt bei der Abschlussuntersuchung empfohlen, immerhin habe ich es in drei Monaten so geschafft auf einen Wert von 16 zu klettern. Mir macht das Sorge, aber damit bin ich sehr allein. Ich hatte mich mal kurzzeitig um eine Kur bemüht, aber das wurde abgeschmettert mit dem bahnbrechenden Hinweis, „Kinder seien ein Geschenk“, ja klar, deswegen wollte ich ja Sechs davon mit zur Kur nehmen. Mit einem Eisenspeicher von 6. Ich bin es müde zu kämpfen, mich zu behaupten, weder ernst genommen, noch gesehen zu werden, als Frau und Mutter. Dennoch oder gerade deshalb habe ich und musste ich es schaffen, mich da rauszuarbeiten, trotz Sehnenansatzentzündung in Hüfte und Ellenbogen und vermutlich Knie, die mir zum Teil nachts durch Schmerzen den Schlaf rauben, habe ich mich um mich gekümmert. 

Letztes Jahr im Sommer habe ich im Sale bei Hessnatur die ersten Hosen ohne Schwangerschaftseinsatz seit fast 20 Jahren gekauft. In den letzten Jahren trug ich ausschliesslich Umstandshosen, auch wenn ich nicht schwanger war. Auf dem Abschlussball von Tom und Ben wollte ich mich nicht schämen, ich hatte ein paar Kilo verloren, (aber nicht genug und zum Teil wieder drauf) und wollte mich wohlfühlen. Seitdem habe ich meine Garderobe Stück für Stück zusammen gestellt. 

Seit Anfang diesen Jahres gehe ich wieder zu meiner Friseurin. Regelmässig, denn meine Haare sind viel kürzer. Ich trage sie jeden Tag offen. 

Ich versuche zu Lesen soviel ich kann, ich habe bisher 19 Bücher geschafft in diesem Jahr. Gehe raus spazieren, beinahe jeden Tag. Alles für die Seele und habe dennoch Panikattacken. 

Meine Blutwerte sind weiterhin nicht ganz optimal und ich habe andere Beschwerden und meine Rheumatologin wurde nicht müde, mir zu sagen, ich müsse dringend was gegen meine schlechte Haltung machen, ich konnte es nicht mehr hören. Und ich konnte keine Fotos mehr von mir ansehen, zweifache Skoliose und Rundrücken. Also begann ich wieder zu schwimmen. Seit zwei Monaten gehe ich einmal pro Woche schwimmen. Ich wollte am Liebsten alles umwerfen, gleich dreimal gehen, aber ich wollte keine guten Vorsätze, ich wollte langsame und stetige Veränderung. Also ging ich immer samstags, und hoffe auf mehr Zeit im Sommer, wenn dad Freibad wieder auf hat. Dann vor sechs oder sieben Wochen war ich zur Probestunde in einem Yogastudio. Es hatte mir Spaß gemacht, aber als ich fast schon kopfschüttelnd die Einzelstunde im Anschluss gewonnen hatte, mit Vorstellung und Problembenennung wie besagter Rücken und Beckenboden, fühlte ich mich wie ein hoffnungsloser Fall. Seitdem war ich in keiner Woche nicht da, ich hab viel ausprobiert in dem Studio: Yoga, Pilates, Pilates Rücken Fit und zuletzt Geräte Pilates. Da war ich das erste Mal letzte Woche zur Geräte Einführung. Fast hätte ich diese Stunde abgesagt, mich nicht getraut, nicht gedacht, dass das was für mich ist. Und dann war ich gestern dort und fand es richtig toll, gut meine Muskelkaterverspannungskopfschmerzen heute find ich zwar gar nicht toll, aber ich hab mich schon lange nicht mehr so stark gefühlt. Mühsam habe ich Schritt für Schritt also seit Ende letzten Jahres nicht nur meine Ernährung umgestellt, sondern bin mittlerweile dreimal die Woche sporteln, wenn man den samstäglichen Kilometer Brustschwimmen dazu rechnet. Ich bin selber so stolz auf mich, dass ich dieses Zeitfenster gut für mich und meine Gesundheit genutzt habe. 

Und gleichzeitig habe ich so große Angst, dass alles was ich mir aufgebaut habe zerbröselt, wenn der Mann wieder arbeitet, die Zeit fehlt oder mir die Kraft neben dem Alltag mit den Kindern. 

Dabei tut mir das neben weiteren Sorgen um meine Gesundheit gut, dass es mal um mich geht, ich nach all den Jahren, in denen ich mich immer hinter angestellt habe, meinen Körper etwas zurück gebe. 

Und ich brauche das mehr denn je. Ich erfinde mich neu. Ich baue eine neue Version von mir auf, eine Frau, die ich sein will und kann, wenn der weitere Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ein Leben ohne Baby, ein Leben ohne Kleinkind. Und ein Leben mit zwei nicht mehr zu Hause wohnenden eigenen großen Kindern. 

Ein Kommentar

  • Jutta

    Du machst das so toll mit dem ganzen Sport! Ich wünsche dir ganz doll, dass du deine Routinen beibehalten kannst! ❤️
    Und dieses „Große-Kinder-Loslassen“, wer hat sich das bitte ausgedacht??? Ist einfach ein riesiges Ding ????‍????❤️???? Ich drücke dich!!!