endlich in echt
Ich sage einfach mal, ich öffne mich nicht einfach so und nicht jedem. Wenn mir jemand Liebes im Netz schreibt, fällt es mir wahnsinnig schwer an Geschriebenes anzuknüpfen und in Kontakt zu bleiben, nicht nur weil mich als sehr introvertiert erlebe, sondern auch weil Zeit ein wesentlicher fehlender Faktor ist. Oft habe ich schon mal mit jemanden Kontakt gehabt und auf einmal schnackselt es und es entsteht ein regelmässiger Austausch, obwohl mir eben vor vielen Jahren schonmal dieselbe Person geschrieben hatte.
Ich kenne die Großfamilienmama schon eine lange Zeit, ich weiss nicht wieviele Tage wir in Summe mit Sprachnachrichten gefüllt haben, da werden podcastähnliche, epische Nachrichten aneinander versendet, wobei ich sicher immer die größere Labertasche bin. Denn egal wie bemüht ich bin zu schreiben (oder mich kurz zu fassen), ich bekomme es in meinem Alltag eher unter Sachen aufzusprechen, mittendrin, mit Wellenrauschen, Kochgeräuschen, schwerem Atem, abgehetzt oder mal eingesperrt in der Toilette oder Schlafzimmer oder einfach bei Wind und Wetter, nur erzählen und sie hört zu. Und ich höre ihr zu.
Ich zweifle seit langer Zeit an der Menschheit, am Internet so wie es nun ist. Das Netz, das waren damals Blogger*innen. Man lachte, lebte, stritt und trauerte zusammen. Und auf einmal konnte irgendwie jeder ins Netz und alles was man sich irgendwo gemeinsam erarbeitet hatte, wie eine Nettiquette war nichts mehr wert. Da posten Menschen mit Klarnamen die schlimmsten Sachen. Und rechtfertigen dies oft damit, dass man ja selbst Schuld sei, wenn man das in der Öffentlichkeit teilen würde. Da beisst man sich die Zähne aus, wenn man versucht zu erklären, dass das totaler Quatsch ist und niemand ein Arschloch sein muss.
Und dann gibt es eben noch jene Menschen, die einem ans Herz wachsen. Ich glaube, viele Leute verstehen das nicht, wie man sich so öffnen kann, das sind für sie doch nur Fremde oder gar Gefahr. Aber das müssen sie ja nicht bleiben. Man findet im Netz echte Menschen, die Freunde und Freundinnen werden. Echte Wegbegleiter und richtige Herzensmenschen und ich freu mich immer wieder, wenn ich dann mal jemanden in Echt treffen und in den Arm nehmen darf. Das ging mir letztes Jahr so mit meiner auch wirklich engen Freundin Simone, mit der ich Stunden weiter hätte quatschen können, so bleiben uns auch hier nur beinahe tägliche Nachrichten via whatsapp, das ging mir mal so mit einer anderen tollen Simone, die ich erst einmal vor vielen Jahren bei mir zu Hause traf und sogar bei mir schlief, ich traf Tina Pappnase am Meer und eine Tragemama im letzten Jahr.
Und nach – ich weiss ich wie vielen Anläufen und bei 24-25 Menschen, die krank werden und Pläne zerkreuzen können, hats geklappt und ich konnte Andrea und ihren Mann samt fünf von mittlerweile zehn Kindern plus Pflegekind hier am Meer treffen, gleich Sonntag. Und es war so toll.
Auch sie schrieb mir 2017 und davor schon, Mails und Kommentare, aber regelmässiger Austausch entstand erst ab 2021. Also seit mehr als 5 Jahren Kontakt und jetzt erst getroffen!
Wenn du fast jeden Tag mit jemanden schreibst und so viel echte, manchmal wirre Gedanken, Wut, Enttäuschung, Freude, Trauer, Verzweiflung und Hoffnung teilst, nicht nur in eine Richtung, dann ist das real. Ganz sicher nicht perfekt, das bin ich nicht. Und das macht es so wertvoll, dass es echt und unverfälscht ist, obwohl wir uns noch niemals nicht in Echt gesehen hatten. Für Menschen wie Andrea und den Austausch mit Ihnen bin ich besonders dankbar in meinem Leben und oft genauso traurig, daß man so weit von einander Weg wohnt.



4 Kommentare
Sigrid
So schön!
Das ist genau das, warum ich vor vielen Jahren bei den Blogs hängen geblieben bin und was ich zwischendurch sehr vermisst habe. Auch wenn mein eigener Blog aus Zeitmangel sehr schnell wieder eingeschlafen ist.
Schön, dass es ein oasr noch gibt.
Alex Schnapper
Wunderschön das zu lesen. Bei Instagram gesehen und dann Blog geöffnet. Auch wenn ich nicht viel zum Thema beitragen kann, so vermisse ich auch die früheren Blogzeiten mit Netiquette und Respekt und Wertschätzung. Umso schöner, dass dann so Treffen passieren, habe ich letztes Jahr gehabt. Ein Treffen von früheren Gundschulfreund*innen – DAS war sehr emotional… Kann also ein wenig relaten was du hier im Beitrag beschreibst.
Weiter so und sonnige Grüße aus Mittelfranken.
Alex :-)
Ulli
Wie schön ist das denn?! Das freut mich sehr! Und dann an diesem Herzensort!
Allerliebste Grüße voller Sehnsucht!????
Tina
<❤️
Wie wunderbar. ❤️
Du hast, wie immer, wundervolle Worte gefunden. Ich freue mich, dass ihr euch endlich treffen konntet und hoffe für mich, dass es bei uns auch irgendwann mal wieder passt. ❤️