…aus der Bahn geworfen…
Hier war es deutlich stiller in den letzten drei Wochen, ich hab euch weniger in den Story im Alltag mit genommen und das hatte einen Grund, nein ich bin nicht schwanger. Abgesehen davon, dass es nochmal drei wirklich krasse Wochen waren und der Juli einfach unfassbar vollgepackt war.
Ich habe Beschwerden seit November letzten Jahres und fühlte mich von „meiner neuen Hausärztin“ wie in einem anderen Post erwähnt nicht gut betreut, nach zwei, drei Anläufen bekam ich endlich einen Überweiser zur Magenspiegelung. Nur die, sie sähe keine Veranlassung für eine Darmspiegelung. Nur durch Tipps und Tricks meiner Freundinnen, habe ich überhaupt eine Ultraschalluntersuchung der Leber und Galle bekommen und diesen Überweisungsschein.
Die Magenspieglung lief total gut, es kam nichts dabei herum, meine Sorge, Zölliakie zur Psoriasis Arthritis haben, löste sich in Luft auf. Ich habe nur einen Zwerchfellbruch. Aber man nahm mich dort und meine Beschwerden ernst. Mein Eisenspeicher war zeitweise bei 6. Fand kein Arzt erstmal besorgniserregend, aber die dort. In Kombination mit meinen anderen Symptomen empfahl man mir eine Darmspiegelung. Regulär hatten sie einen Termin im November, aber jemand hatte abgesagt und man gab mir diesen Termin genau eine Woche später. Mitten in in all das Chaos, aber ich dachte, ich krieg das hin. Ich will nicht länger warten, ich bin mutig, ich kann das. Und ich hab vor mehr als 16Jahren schon mal einen Termin abgesagt, weil mir der Kreislauf total entglitten ist bei der Vorbereitung. Und als jemand, der durch den Grossfamilienalltag echt Angst vor Durchfall und Erbrechen hat, hab ich das ganz gut gemeistert. Aber das ist nochmal anders, man ist anders geschwächt. Und das Ergebnis davon hat mir Angst gemacht. Es waren zwei Narkosen in einer Woche. Mir gings nach der zweiten Untersuchung körperlich deutlich schlechter.
Man hatte zwei flache, aber grosse Polypen entfernt und geclipt. Klammern, die ich spürte, bildete ich mir ein. Ich fühlte mich einfach wund und kraftlos und durfte ja nur Schonkost, keinen Sport, den ich mir grad erst antrainiert hatte, keinen hohen Blutdruck, keine Belastung, nicht schwer heben. Und von da an, war auch Kopfkino angesagt. Ich wollte nicht hysterisch sein. Ich hatte ja keine Gewissheit. Und genau diese Ungewissheit belastete mich. Ich schonte mich soweit wie möglich, Nils brachte die Tage Henry zum KiGa und holte ihn, bis er letzten Freitag Fieber bekam, ich durfte ja nicht schwer heben und auf dem Weg zum Kindergarten trage ich June die meiste Zeit über, überhaupt trage ich June draussen, also war ich nicht mehr mit ihr unterwegs, was mich wiederum auch traurig machte, weil es so die letzten Tage unseres alten Alltag verlor. Morgen setzen wir die Kinder das allerletzte Mal in den Schulbus, danach wird er nie mehr fahren. Also fahren Henry, June und ich nicht mehr den Weg über die Altstadt zum Kindergarten, alles wird sich ändern im September und ich hätte das gern nochmal bewusst los gelassen und zelebriert. Das ging jetzt nicht mehr.
Ich versuchte positiv zu bleiben, auch wenn mir allein schon die Vorstellung reichte, dass ich mich nächstes Jahr wieder vorstellen darf, sollte bei der Untersuchung nichts herauskommen, was wir alle hofften. Ich war unfassbar dankbar, für zwei, drei Freundinnen, die für mich da waren und meine Familie. Es war nicht so, dass ich in Schockstarre war, ich habe gelebt, geliebt und war mir bewusst, dass ich trotz aller Sorge auch gleich sofort an einem Schlaganfall sterben kann oder von einem Auto erfasst werden, der Fokus ist ja in dem Moment auf einer einzigen Sache, von zig Möglichkeiten zu Sterben, aber diese Fragilität, diese Verantwortung und Liebe meiner Kinder gegenüber… das war einfach gerade so viel. Und als Tochter einer Frau, die mit Anfang 50 Brustkrebs bekam und mit 55, an vielen Metastasen unfassbar schnell starb, bin ich ein Stück traumatisiert. Und klar auch, genetisch vorbelastet. Ich hatte immer die Hoffnung, dass mir grad 42jährig noch zehn gute Jahre bleiben, bitte danke. Wenigstens. Und dann kam als Quereinschläger diese Diagnose, die mir auf Grund der Größe und Art der Polypen eben mindestens eine Folgeunguntersuchung in etwas mehr als einem Jahr bescherrt. Weil flache Polypen bei so „jungen Leuten“ gern mal Krebs werden.
Neben Abschlussball Ben, Antons Geburtstag, Wills Zeugnisausgabe, dem Packen und noch Klassenfesten war da über eine Woche eine große Angst, was bei dem Befund heraus kommen würde. Die ganze Woche habe ich auf mein Handy gelinst, es war laut gestellt. Ich habe gewartet auf einen Anruf, das war total absurd. Ich fühlte mich dem so ausgeliefert, wusste nicht, was ich erfahren würde und in welcher Situation, ich wusste ja nicht, wann man mich anrufen würde, bitte nicht an Antons Geburtstag beim Bowlen, aber auch nicht bei der Zeugnisverleihung von Will, und danach einfach weiter machen? Ganz anders als bei einem Befundgespräch beim Hausarzt oder dergleichen, für den man sich bewusst Zeit nimmt, warten auf einen Anruf, den ich normalerweise gar nicht bekommen hätte, denn es werden nur Leute angerufen, deren Befund auffàllig ist. Vorhin kam dann der erlösende Anruf. Alles entfernt und gutartig. Ja, ich bin jetzt vorbelastet, ja ich muss regelmässig zur Vorsorge, aber es war ein absoluter glücklicher Zufall, dass das entdeckt wurde. Zur regulären Vorsorge hätte das vielleicht schon ganz anders ausgesehen. Ich bin total erleichtert, hatte vorhin das Gefühl zu schweben, kann diesen Sommer an der Ostsee mit einem Teil meiner Familie geniessen. Wir sind nicht unsterblich. Aber ich wäre es gern noch etwas länger.



3 Kommentare
Anja preuster
Gott sei dank, du arme was für ein horror. Und dieses nicht ernst genommen werden ist einfach nur schlimm genau wie das Warten. Ich hoffe ihr habt wunderschöne Ferien und du erholt dich gut.
Nicole
Puh, diese Gedanken und Ängste zermürben. So froh zu lesen, dass alles gut ist.
Mein Mann ist durch seine Eltern vorbelastet. Wegen Problemen hatte er mit 36 Jahren seine erste Magen- und Darmspiegelung. Magen top, aber im Darm wurde ein relativ großer Polyp und paar kleinere gefunden. Dieser große füllte ein Filmdöschen, so ein Behältnis, wo früher die Fotofilme drin enthalten waren. Niemand hatte damit gerechnet, dass es bei dieser Größe noch gutartig ist. Jetzt wird regelmäßig kontrolliert, bisher alles immer gut.
Erhole dich gut von dieser anstrengenden Zeit und genieße die Ostsee ❤️
frausiebensachen
Oh Janine, was für ein Schreck und wie gut daß alles gut ist! <3
Ich war dieses Jahr auch zum ersten Mal bei der Darmspiegelung nachdem mein Bruder trotz massiver Beschwerden viel zu spät beim Arzt war und nur noch wenige Monate lebte. Es ist so gut daß wir die Vorsorgeuntersuchungen machen können. Alles Liebe!