bin ich zu viel?

Ein paar Worte, die mir wichtig sind nach dem „Vorfall“ letze Woche. 

Ich glaube, solche Kommentare machen auch etwas mit mir, weil es uralte Unsicherheiten nährt, sind meine Gefühle zuviel oder bin ich gar zuviel, um mich anderen zuzumuten, damit andere mich mögen? 

Gefallen und niemanden verlieren wollen. Es triggert Ängste, wenn man nicht angepasst genug ist. Mache ich zu viel Drama, bin ich zu undankbar? Sollte ich mich mehr zusammen reißen?

Den meisten Frauen wird gesagt, wie sie zu sein haben, am Einfachsten auszuhalten sind, auf keinen Fall dürfen Gefühle aus ihnen heraus tropfen, jedenfalls nicht zu viele, sonst sind sie schnell hysterisch.

Doch da ist sie oft, die gute alte Gleichzeitigkeit. Ich kann unfassbar dankbar sein, im Sommer sechs Wochen am Meer zu sein und dennoch doof finden, dass ich hier jeden Tag kochen, Wäsche machen, Putzen und Aufräumen muss, als wäre ich daheim, dass wir nicht aushäusig Essen gehen können jeden Tag, nicht mal jeden Tag Brötchen kaufen können, der Zimmerservice nicht hinter uns her putzt und Ausflüge mit den Kids ausfallen, weil sie zu teuer sind, all das kann ich dennoch doof finden, kann mir einfach fehlen, würde ich mich _noch mehr_ drüber freuen. 

Ich kann dankbar sein, dass der Mann einen neuen Job hat, mir dennoch wünschen, er hätte mehr als zwei Wochen Urlaub hier oben gehabt und mich parallel sorgen, ob er nach der Probezeit übernommen wird und da bleiben darf. 

Ich kann jeden Tag am Meer mit den Kindern geniessen, die Zeit anhalten wollen, auskosten, dass wir keine Termine, keine Hausaufgaben haben und gleichzeitig nach mehr als sechs Wochen alle auf einem Haufen auch eine kleine Kinder- oder Familienüberdosis haben, anstrengend finden, immer da sein und ansprechbar zu sein. 

Ich kann diesen Trubel lieben, die Abwechslung, die fehlende Eintönigkeit meines Alltags und parallel manchmal genervt und überfordert sein, wenn sich immerzu etwas verändert, nichts dauerhaft bestand hat. 

Ob weil ich im Spektrum bin oder what ever, kann ich nur schwer Abschiede und Veränderungen. Und muss dennoch mit Kindern dennoch dadurch. 

Und wenn ihr durch den Tod meiner Mama, meiner Babies und Grosseltern eines gelernt habe, dann das das Leben nie ganz planbar ist. Auch wenn einige das gern glauben wollen.

Ich habe fundierte Entscheidungen, nach besten Gewissen und Infos mit dem Mann für uns und unsere Familie getroffen und dennoch funkt das Leben dazwischen; wird voller, teurer, bunter.

Unser Leben war nie so bunt wie heute. Wir sind nicht nur eine queere Familie mit neurodivergenten Menschen. Noch nie hatten wir so viele verschiedene Bedürfnisse unter einem Hut zu bekommen, uns selbst, erwachsene Kinder, Schulkinder, Kindergarten- und Kleinkind. Plus deren Partner*in. Wo wir mittlerweile viel Übung mit kleinen und Schulkindern haben, fehlt mir jede Erfahrung mit erwachsenen Kindern. Und da ich selbst mit 17 ausgezogen bin, habe ich wirklich nichts auf das ich zurück greifen könnte. 

Ich kann  mir also zum Beispiel vorab tausend Gedanken machen, wie der Urlaub insbesondere mit dem großen Kind und Partnerin wird und muss dennoch durch Erfahrung erleben, was taugt und was man vielleicht anders machen würde. Kann gar nicht alle Konflikte untereinander mit den Kids vorhersehen. Auch dieses Zusammensein kann ich geniessen und gleichzeitig straucheln, wenn es Konflikte gibt.

Hinzu kommt, dass ich selbst in einer neuen Lebensphase ankomme. Ich laufe auf die Peri Menopause zu, während ich immer noch in der Post Natalen Phase bin, ich stille June noch, bin nachts wach. Wenn June -wonach es sehr aussieht- nach viel Fehlgeburten letztes Jahr, das letzte Kind bleibt, ist nach Perimenopause noch Menopause angesagt. Und damit kommt nochmal ganz viel Neues denke ich, ich habe also absolut keine Lust mich zu rechtfertigen und tue es dennoch. 

Ich kann den Alltag anstrengend finden, darunter leiden, dass unser Leben alle drei Jahre mehrere Hundert Euro teurer wird, der Mann weniger verdient und dennoch gut, der vor 15Jahren eingeplante Schulbus ausfällt, nicht absehbar war, wieviele Kinder neurodivergent sind und wieviel mehr das bedeutet auch an Terminen, an Zeit. Ich konnte nicht alles planen und das wird so bleiben und ich weigere mich dem Narrativ der immer lächelenden, ausgeglichen, optimistischen Mutter zu entspechen, die in völliger Selbstaufgabe selig alles gibt und niemals auch nur zweifelt, erschöpft ist oder einfach keine Lust mehr hat. 

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