Facebook- Pause, ein Experiment

Januar 21st, 2018

Vor einem Monat etwa stand ich abends total frustriert in der Küche, nach einem eigentlich reichen und schönen Tag, schlich sich Enttäuschung in mein Herz, nicht mal nur weil ich ein Tuch, das ich schon lange suchte nicht bekam, sondern weil mir alles zu nahe ging, mehr als gut für mich war. Ich nahm mir alles zu Herzen und so hatte ich schon über eine Woche überlegt, ob es nicht gut wäre bei Facebook zu pausieren.
Wie damals nach der zweiten von drei Fehlgeburten, als das Blog bewusst schwieg, bis ich wieder Lachen konnte, bis ich wieder bei mir war, bis ich mit allem umgehen konnte, was von Außen online auf mich einprasselte. Und ich konnte an diesem Abend im Dezember nicht fassen, was da mit mir passierte, ich war schwimmen mit den Jungs, ich hatte Popcorn selber gemacht, eine zu salzige Crème de caramel au beurre salé, das Krokant war auch nicht so toll, aber es war schön, denn ich hatte Zeit mal Neues auszuprobieren, tütete Kekse für Lehrkräfte ein und der Sohn wollte ins Schulkino und dann sank meine Laune durch meine Enttäuschung rapide, sicherlich nur ein Auslöser, aber da war sofort das Gefühl „jetzt oder nie“- raus da… ohne dramatischen Abschiedspost- und gucken was passiert.
Die ersten Stunden waren sehr lustig, weil ich mit den Fingern immer wieder auf dem Massenger landete. Die ganze Zeit tippten meine Hände, die selben routinierten Buchstaben und Symbole. Und dann suchte ich Ausweichmöglichkeiten, ich war wieder mehr bei Twitter. Auch da merkte ich ebenso schnell, dass mir da auch nicht alles unbedingt gut tut. Ich vertrieb mir meine Zeit also insgesamt woanders, die ich ja eigentlich dachte „einzusparen“. Da blieb vielleicht die Hoffnung, ich würde mehr lesen, auf der Strecke. Oder meine Zeit sinnvoller nutzen, aber anscheinend brauche ich auch die Zeit einfach nur mal so zum Verbummeln und sich treiben lassen ohne einen messbaren Erfolg mitzunehmen.
Ich suchte in den Ferien andere Tuchfirmen, sah mir Muster und Farben an, denn neben dem Tragen ist und bleibt das Weben der Tücher, das ganze drum herum genauso mein Hobby und das fehlte mir. Also suchte ich Ersatzdrogen… ich verlor mich darin im positiven Sinne, es ist einfach schön, sich schöne Dinge anzusehen und Tragetücher sind einfach meine Leidenschaft. Kunst, in die man eben auch Kinder tragen kann, besser als jede andere Textilie. Und ich habe in den Jahren so viel gelernt. Sauge Infos zur Pflege auf und bin da sehr aktiv, bis heute finde ich immer noch etwas Neues, das mich fesselt und für das sich das Sein in den Tuchgruppen lohnt.
Außerdem habe ich da viele liebe Menschen kennengelernt, mit denen ich zum Teil auch in der Pause Kontakt haben konnte, Frauen die einfach einen festen Platz in meinem Leben haben. Das ist auch ein schönes Gefühl.
Gestehen muss ich auch, dass ich in den letzten zwei Wochen über den Account des Mannes, ab und an geguckt habe, ob ich als Groupie was verpasse. Aber das war meist nur ein schneller Blick.
Jetzt wäre es mal Zeit zurück zu kommen und ich warte so auf den Moment, den Ruck, dieses „Ja, jetzt!“ und das kam noch nicht… soviel zu meiner kleinen Pause auf einem anderen Kanal.
Final kann ich sagen, es tat gut, so auf Abstand zu gehen, was oder wer man ist, kann man nicht abstreifen, aber sich etwas sammeln und auf das Wesentliche konzentrieren. :)

Alles über mich, eure Mutter… I

Januar 16th, 2018

Alles was bleibt, ist das Wort und Erinnerungen daran…

…während ich wie gelähmt auf unserem Sofa sitze, nicht fassen kann dass meine Ma bald wieder operiert werden muss und alles was drum herum dazu gehört, dass ein kleines Mädchen bald Geburtstag feiern muss ohne ihre Mama, weil sie gestorben ist… all das wirbelt in mir herum, dass ein Wollen und Wünschen manchmal nicht reicht und was dann bleibt…
Diesen Gedanken hatte ich schon, als ich in den letzten Tagen vermehrt Antworten zu Fragen las, die Frauen und Mütter im Netz beantworten und ich tue es hier… nur etwas anders.
Meine liebe Freundin Simone schenkte mir vor ein paar Jahren ein Buch und bisher schrieb ich nicht eine Seite darin, mahnend steht das Buch im Schrank, denn ein ähnliches zog ich im Haus meiner Oma aus den Regalen nach ihren Tod, leer. Ohne all das, was ich gern gewusst hätte.

So sitze ich hier, statt zu schlafen und probiere es auch in Etappen und wenn ich wenigstens nur anfange, dann ist das besser als nichts oder?

Meine Fragen kommen aus dem Buch „Alles über meine Mutter“ von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis.

1. Kapitel „Alle Mütter sind Töchter“
01. Was ist deine früheste Erinnerung?
Ich weiß es nicht mehr. Früher wusste ich das, da habe ich öfter dran gedacht. In den ersten drei Jahren meines Lebens bin ich im Haus meiner Großeltern mit aufgewachsen. Da waren also meine Großeltern, meine Eltern und mein Onkel. Solange bis mein Papa in die Armee eintreten musste und soweit ich das richtig abgespeichert habe, zwei Jahre nicht da war. Also nur zum Urlaub nach Hause kam. In der DDR war Wohnraum Mangelware und meine Eltern waren zwar verheiratet, aber hatten keine eigene gemeinsame Bleibe- meine Ma war 18, als sie heiraten, mein Papa 20 und ich war dann auch schon unterwegs und mit 19 hatte sie mich dann geboren. Ich kann mich in Bruchstücken an dieses Zimmer bei meinen Großeltern erinnern oder es sind Fragmente von späteren Jahren, weil sich der Raum ja kaum verändert hatte. Ich kann mich an das Treppenhaus erinnern, etwas an den Garten. Ich glaube für meine Ma war das nicht einfach. So allein in diesem Haus mit mir zu sein, sie arbeite Vollzeit, ich war ein Jahr alt und musste in die Krippe, weder wollte ich das, noch war ich immer gesund. Aber sie hatte keine Wahl, stand unglaublich früh auf, weckte mich und fuhr mit mir aus Brandenburg am Rande Berlins mit den Öffentlichen rein in die Stadt, gab mich ab in der Krippe und fuhr weiter zur Arbeit… Also ich denke bei frühesten Erinnerungen an dieses Haus.

02. Hattest du einen Kosenamen in der Familie?
Ja, meine Eltern und Großeltern nannten mich „Jeani“- wie „Jenni“ oder „Jenny“, die Art wie meine Ma oder meine Familie es sagt, kann ich gut leiden. Bei Freunden heute kann ich das gar nicht ab. Da klingt das nach „DSCHENNI“. :) Außerdem bekam ich auf Grund eines riesigen Frosches in unserer Wohnung den zauberhaften Spitznamen „Frosch“. Warum auch immer, vielleicht weil ich so ein Körperklaus bin :)

03. Womit hast du am Liebsten gespielt?
Es gab wohl eine Puppe. Ich kann mich beim besten Wissen und Gewissen nicht daran erinnern. Es wird schon stimmen. Irgendwann mit Barbies. Ich glaube, ich hatte unendlich viele Barbiepuppen dank meinem großzügigen Nennonkel. Und zog sie an und aus. Ich hatte echt viel Zeug. Ich habe aber auch Tapete geknibbelt und Fäden von den Gardinen abgezupft. Daran kann ich mich auch erinnern.

04. Wie wurden deine Geburtstage gefeiert?
Ich habe keinen blassen Schimmer mehr. Ich weiß, dass ich wie jedes Kind wohl Stunden damit zubringen konnte auszurechnen wie viele hundert Tage es noch bis dahin dauern würde, aber Rituale weiß ich keine mehr.

05. Hattest du ein eigenes Zimmer?
Nach dem Umzug aus dem Haus meiner Großeltern in unsere eigene Wohnung, muss ich ein eigenes Zimmer gehabt haben. Und auch nach der Geburt meiner Schwester drei Jahre später hatte ich eines, denn meine Eltern dachten es wäre auf Grund des Altersunterschieds total wichtig, dass jeder seinen Raum hatte, also bekam ich als Älteste das Riesenzimmer für mich ganz allein, meine Schwester das schmale Schlauchzimmer nebenan und meine Eltern schliefen mir gegenüber im Wohnzimmer dank einer Anbauwand mit Bett innen.

06. Warst du im Kindergarten?
Ja, schon immer und ich denke mit Grausen daran zurück. Auch wenn ich von da aus, auf unser Wohnhaus gucken konnte.

07. Wer hat dich abends ins Bett gebracht?
Keine Ahnung. Und als ich mich erinnern kann, ging ich allein ins Bett.

08. Warst du eher Papas oder Mamas Liebling?
Puh. Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass meine Ma immer fand, ich sähe meinem Papa viel ähnlicher als ihr, das hat sich vermutlich auch gesagt, weil sie ihn tausend Mal attraktiver fand als sich selbst? Was ja nun nicht stimmte, aber auf den ersten Blick gab es viele kleine Dinge, die sie wohl mehr an meinen Vater erinnert haben, als an sich selbst. Und das hat sie dann oft gesagt. Heute sehe ich sehr viel von ihr in mir. Von beiden. Und viele Wesenszüge. Dinge, die man auch einfach mitnimmt. Ob man will oder nicht :) Und ich glaube, dass meine beiden Eltern mich sehr lieb hatten und meine Ma eine besonders enge Bindung zu mir hatte, weil sie eben so lange mit mir allein sein musste.

09. Wurde bei euch daheim gebetet?
Definitiv nein. Meine Eltern sind Atheisten. Mein Vater hat mit meiner Oma gebetet, als mein Opa verstorben war, meine Oma war evangelisch. Sie ging auch in die Kirche und ich glaube, sie hat in ihrem Glauben doch viel gefunden. Ich war eher Diejenige, die dann in unserer Familie Glauben gesucht hat, Halt… um alles zu verstehen, was um mich herum geschah, aber das änderte sich später nochmals radikal…

10. Kannst du dich daran erinnern, wie deine Schultüte aussah?
Nein, gar nicht. Aber ich weiß, dass ich nur einen schwarzen Lackschuh tragen konnte, weil ich mir den Mittelfuß nachmittags im Kindergarten gebrochen hatte und Gibs trug, mein Kleid und meine Schuhe waren dahin, ich trug glaube ich einen Mickey Maus Pullover. Aber ich weiß, dass meine Schwester Donald Duck in ihrer kleinen Schultüte an dem Tag hatte…

11. Womit hast du deine Geschwister geärgert?
Mit vielen Dingen. Ich war nicht immer nett. Und meine Schwester hat mich oft genervt, z.B. weil sie mir alles nachgemacht hat, heute wenn Zelda die Kapuze von ihrem Strickjäckchen hochholt, weil ihre Geschwister das machen, muss ich immer an diese eine Szene im alten Urlaubvideo denken, man war ich sauer, weil sie immer alles nachgeäfft hat, dabei fand sie mich vielleicht nur toll und wollte alles machen, was ich mache… Aber ich hab meiner Schwester mal Riesenangst gemacht, mit einer Freundin während spirituelle Musik lief, ich sei aus Versehen vom Balkon gefallen- wir wohnten im elften Stock- dummer Weise sah das unten echt auch so aus in der Hecke, als wäre jemand rein gefallen… das war sooo fies von mir.

12. Was war das Schlimmste, was du als Kind angestellt hast?
Zählt auch Pubertät? Also abgesehen davon, dass ich mit 17 in ein Auto gestiegen bin und quasi für immer weg gefuhr, zumindest auszog- aus Gründen und das war auch notwenig und für mich richtig schlimm, dass ich in dieser Zeit so um die 16 mich nachts aus dem Haus geschlichen habe, wenn meine Eltern schliefen und mit dem letzten Bus/SBahn zu meinem Freund in seine Wohnung fuhr. Und dann meinen Eltern erzählte, ich wäre saufrüh los gefahren. Damals muss man dazu sagen, waren wir frisch zurück nach Brandenburg gezogen und ich hatte einen Schulweg von beinah zwei Stunden. Und was hatte ich immer Angst, so jung, nachts allein unterwegs, total bescheuert.

13. Wie hieß dein erster Klassenlehrer?
Ich hatte nur Gute, liebe und sehr engagierte. Den Namen der Ersten weiß ich leider nicht mehr, wir Schüler wurden damals wegen der Wende umgesiedelt, die Lehrerin an die ich mich erinnere hieß „Denise“, eine tolle Frau. Und später am Gynmasium Frau Vogel, streng, aber lieb und sie hat echt versucht auf mich aufzupassen, hat Gespräche mit meiner Ma gesucht.

14. Wie hieß deine beste Freundin in der Grundschule?
Christiane. Sie durfte nicht rein, wir saßen oft stundenlang nach der Schule an der Türschwelle und quatschen. Sie war echt ne Tolle. Leider nicht so beliebt wie ich auch und ich suchte immer Kontakt zu Virginia, meiner Freundin aus dem Nachbarhaus, die auch im elften Stock wohnte. Und der ich zuwinken konnte, wenn wir aus dem Fenster guckten. (Ich würde meine Kinder ja umbringen.) Ihre Eltern kamen aus dem Zirkus, meine ich. Leider suchte sie oft die Freundschaft zu einem beliebteren Mädchen, das mich nicht ausstehen konnte. Und ich tats ihr gleich. Lies sie mich fallen, ging ich zu Christiane zurück und anders herum. Ganz schön blöd. Dann gab es noch einen besten Freund, der hieß Marcus. Das war ein lieber Kerl. Mit dem konnte ich gut reden, der war so herrlich normal und wir konnten gut zusammen zocken. :)

15. An welches von allen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken erinnerst du dich besonders?
An kein Bestimmtes, es gab aber ein Weihnachten, da wurden meine Schwester und ich überschüttet mit Geschenken und mein Vater las uns dann vor am Tisch, ich glaube beim Frühstück, daran kann ich mich noch erinnern. An dieses Vorlesen. Vermutlich wertvoller als alle Geschenke. Obwohl das Jahr bekam ich auch so einen Lerncomputer: „Hallo! Wähle eine Aktivität!“ Heute noch der Running Gag in unserer Familie, glaub ich.

Zwischen den Jahren, ins neue Jahr, durch die Rauhnächte…

Januar 6th, 2018

Jedes Jahr mit etwas Verspätung lese ich dann von den Rauhnächten, die Nächte zwischen „Heilig Abend“ und „Heilige Drei Könige“, zwölf an der Zahl… von Träumen auf die man achten soll und den Blick, den man in die Zukunft richten darf, wie man in sich spüren kann…
Zwischen den Jahren, das sind Worte, in denen ich mich finden kann, diese Unruhe kurz vor Jahresende und dem was nun kommt, als würde etwas Neues, Reines, Ungeschriebenes von einem liegen, vor mir liegen. Und beinahe jedes Jahr verfasste ich ein paar Zeilen über genau dieses Gefühl am Neujahrsmorgen… in diesem Jahr war das anders… in diesem Jahr am Neujahrsmorgen waren meine Gedanken ganz woanders, als bei der Reinheit dieser ersten Stunden des Jahres…

Ich habe diese Ferien geliebt, sie waren so anders als die Ferien im letzten Jahr oder die davor, es war Zeit zum Spielen, Schwimmen, Lesen, lange Aufbleiben und spät Aufstehen, es war etwas Zeit um Freunde und Familie zu sehen… es fühlt sich gut an im Rückblick, rund… genau richtig und ich freue mich morgen auf diesen letzten Ferientag, bevor der Alltag uns wieder ein Stück weit verschlucken wird…

Ein paar Gedanken habe ich mir gemacht, Dinge, die mich bewegt haben in den letzten Wochen oder Monaten oder schon immer, die ich mir aufgeschrieben habe, Wünsche in die Rauhnächte, nicht zwölf, aber dennoch ein paar, immer wenn mir etwas einfiel, schrieb ich es auf…

*Ich möchte aufhören, ständig und immerzu ein schlechtes Gewissen zu haben, mich nicht gut genug zu fühlen, weil ich vielleicht nicht früh genug wach war, um pünktlich in der Halle zu sein und danach so ein Druck entsteht, ich das Gefühl habe nicht mehr alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe… Beliebig auf andere Dinge anwendbar. Wie mich als Mama. Ich wünsche mir mehr Gelassenheit mir mir und meinen Ansprüchen an mich selbst.

*Ich möchte weniger von Neid zerfressen sein, mich mehr für Andere freuen, als meinen eigenen Nachteil zu sehen, den Fokus anders legen.

*Ich möchte gastfreundlicher sein und nicht immer nur an die Arbeit denken, die mich erwartet, wenn sich jemand oder uns zu sich einläd, sondern an das was ich selbst vielleicht auch verpassen würde- wenn ich mich nur drauf einlassen könnte.

*Ich möchte meine Pläne auch mal loslassen können und nicht stur an ihnen festhalten… beinahe manisch. Und das Gelingen und Gutsein eines Tages, eines Ereignisses oder oder damit zu verknüpfen, dass sie in einer bestimmten Ab- oder Reihenfolge passieren (hätten) sollen. Im Herzen- nicht im Kopf flexibler sein.

*Ich möchte nicht mehr denken, ich wäre nie genug, das Gefühl einer Version von mir hinterher zu hechten, die ich gern wäre. Denn der Tag hat nie genug Stunden, Ruhe oder perfekte Momente, in denen ich die bin, die ich gern wäre. Ich möchte lernen die zu sein und zu achten, die ich heute oder gerade in diesem Moment bin.

*Ich möchte ruhiger werden. Manchmal zittere ich vor Aufregung, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und meinen Gefühlen Ausdruck verleihen möchte, es schaffe aus dem Kokon heraus zu treten und für mich das Wort zu ergreifen. Und dann sind es womöglich die Falschen, wie es scheint? Wäre ich sonst ruhiger? (Mir meiner) Selbst sicherer?
Es gibt Menschen, die tun mir nicht gut. Ich lasse sie aus. Blende sie aus. Manchmal reicht das leider nicht, sie dringen ein in meinen Kreis und nach all den Jahren ist mein Rezept noch immer oft: weg laufen oder angeblich überreagieren. Weil ich den Ton nicht finde, meinen Ton, meine Stimme. Ich möchte lernen, zu sagen was ich denke, mit Humor und dem richtigen Maß an Sprache. Damit ich nicht ans Kehrtmachen denken muss.
Zwischen jemanden überlesen und für sich einstehen, fehlt mir oft eine Nuance. Es gibt für mich meist nur schwarz oder weiß. Und dann werde ich gebeten runter zu kommen. Es geht nicht darum, ob mein Gegenüber recht hat, denn die Sätze sind ja genau so bei mir angekommen und oft genug auch genau so gemeint, es geht darum meinen Ton zu finden, um für mich vertretbar und annehmbar auf Kackscheiße zu reagieren. Dass ich am Ende das Gefühl habe, nicht alles geschluckt zu haben, zu überlesen, sondern mir mein Gesicht, meine Gefühle wahren konnte. Und sagen: „Ja! Verflucht! Ich habe Recht! Du bist ein Idiot!“- Nur mir Humor. Subtiler, feiner und entwaffnend. Denn es gibt zwei Gegenteile von Zurückhaltend sein, Selbstbewusstsein und Aggression. Ich verheddere mich dann gern als Gegensatz zu Weglaufen in Letzterem, weil ich das Andere noch nicht gut genug geübt habe.

*Ich möchte die Momente bewusster wahrnehmen. Tom sagte auf dem Weg von der Schwimmhalle nach Hause: „Mama, ich finde doof, dass die schönen Momente immer so schnell vorbei gehen.“ Ich dachte an den Urlaub im Herbst mit Oma im Familienhotel.
Und ich erwiderte: „Und meistens weiss man leider gar nicht, dass dieser eine Moment gerade besonders schön und kostbar ist, das weiss oder fühlt man oft erst im Nachhinein, viel später.“ Und ich dachte daran wie oft ich meinen eigenen Vorstellungen nachjage… wie ich kein Buch, keinen Film richtig geniessen kann, wann ich noch mehr schaffen, fühlen, erleben will- von dem was ich mir alles so gewünscht oder vorgestellt habe.
Am Besten alles gleichzeitig machen, dabei nichts ganz begreife und erlebe oder am Ende des Tages unzufrieden bin, weil dies und das „fehlte“… oft merke ich erst Tage oder Wochen später, dass diese Ferientage zum Beispiel perfekt waren und ich zufrieden, während mein Kopf mittendrin noch denkt: „Aber wird hätten noch..!“ Und „Ich hätte immer früher aufstehen sollen, damit noch mehr…“
Und es liegt nicht nur am Schaffen und Erreichen, sondern weil Momente Beziehung schaffen. Es ist das was unsere Erinnerungen werden, diese Ausschläge vom Alltag, deswegen fahr ich hier und da mit den Kindern einfach weg. Diese Fluchten bleiben einem im Gedächtnis und kreieren die Beziehung zu den Kindern, zum Partner, zu uns selbst…

Vieles wiederholt sich in mir oder ist so eng miteinader verwoben, dass es schwer ist es auseinander zu ziehen und wie eines aussieht… das oben Geschriebene möchte ich mir in diesem Jahr immer wieder bewusst machen und in meinem Kopf wiederholen und durch die Übung wird das vielleicht auch noch mal was mit der Veränderung… :)

Lesen 2017

Januar 1st, 2018

Seit zwei, drei Jahren, vielleicht länger, notiere ich mir die Bücher, die ich im jeweiligen Jahr gelesen habe. Ich bin sehr zufrieden mit dem vergangenen Jahr, auch wenn ich mich gleich zu Jahresanfang mit dem sich zu Beginn recht vielversprechend lesenden „Hydrografen“ echt schwer getan habe… das Lesen dieses Buches schleppte sich über Wochen von 2016 in 2017… So begann das Jahr, aber ich nahm dann ganz langsam Lesefahrt auf. Ich hab von vielen lieben Online- Menschen, fühlt euch einfach angesprochen, tolle Inspiration erhalten und in meinen zwei Lieblingsbuchläden hier in der Vorstadt bei uns und dem Stand an der Ostsee viele Bücher entdeckt. Nach wie vor ist und bleibt es eine Kunst, für mich in genau diesem einen Moment, das für mich passende Buch zu finden…
Ich glaube allein während der Ostseeurlaube, hab ich bis zwölf Bücher gelesen… Twilight natürlich als ReReReRead… mein Anker, mein Halt, meine Stütze durch die Dunkelheit, mittlerweile habe ich die Biss- Reihe in deutsch als Ebook und die Taschenbücher und in Englisch die Taschenbücher und den ersten Teil als Ebook, vom ganzen Rest ganz zu schweigen, der Bücher zu den Filmen, CDs und seit Weihnachten einen POP!Edward vom Manne zu meinen Buttons, alles ausbaufähig :)… wenn ich jetzt überlege welche Bücher mich sehr mitgerissen haben, dann waren das auf jeden Fall „Das Haus der schönen Dinge“, dieses unheilvolle, schleichende Voranschreiten des Nazi- Regimes und wie mitten in meiner Wahlheimat beschrieben jüdische Familien eingekesselt, vertrieben und ermordert werden hat mich sehr berührt, im Anschluss las ich „Alma“- weniger verschnörkelt aber brutal eingängig… „Töchter einer neuen Zeit“ war ebenso genau meins, „Das Mädchen im Strom“ reiht sich da auch ein… und jetzt gegen Ende des Jahres „Die Nachtigall“- besetztes Frankreich, Mittäterschaft und Résistance- viele geschichtliche Details, die ich parallel nachgelesen habe, wie die „Operation Frühlingswind“ und viele wundervolle Zitate, die ich mir notiert habe. „Die niedrigen Himmel“ und die „Schönheitskönigin von Jerusalem“ haben meinen Horizont erweitert und mich auch parallel viele geschichtliche Fakten nachlesen lassen.
Zum Lachen gebracht hat mich am Ende Marc- Uwe Kling, den unser Großer mir seit Monaten rezitiert oder vorspielt, ob ich wollte oder nicht… nun hab ich mich an die Bücher gewagt… ein schöner. leichter Jahresabschluss.
ich bin froh, dass unsere Bücherei so gut ausgestattet ist, somit konnte ich einen Teil ausleihen, ob Papier oder Elektronisch, viele Ebooks hab ich mir gekauft oder als Buch in den Händen halten wollen, wobei das nur etwas mehr als 10 gewesen sein können, es ist einfach ein Luxus, dass ich genau an der Stelle weiterlesen kann auf meinem Handy, an der ich gerade gar, den ich verlege Bücher immerzu, deswegen lese ich meist zwei zur Zeit, weil ich ja auch immerzu unterbrochen werde oder jemand verblättert die Seiten… meine Lesenzeiten sind unsere Urlaube und die Abende, wenn ich Stunden damit verbringen das kleine Mädchen ins Bett zu bringen :) Leider hab ich auch wie immer ein paar Bücher angefangen, aber nicht zu Ende gelesen ;)

01 „Der Hydrograf“, Allard Schröder
02 „Mein sanfter Zwilling“, Nino Haratischwili
03 „Das Lied meiner Schwester“, Gina Mayer
04 „Die Rückkehr“, Rebecca West
05 „An Paris hat niemand gedacht“, Veronika Peters
06 „Das Mädchen Wadjda“, Hayfa Al Mansour
07 „Das Nest“, Cynthia D’Aprix Sweeney
08 „Das Haus der schönen Dinge“, Heidi Rehn
09 „Alma“, Dagmar Fohl
10 „Töchter einer neuen Zeit“, Carmen Korn
11 „Zeiten des Aufbruchs“, Carmen Korn
12 „Trümmerkind“, Mechtild Borrmann
13 „Die Stunde unserer Mütter“, Katja Maybach
14 „Ein ganzes Leben“, Robert Seethaler
15 „Wer das Schweigen bricht“, Mechtild Borrmann
16 „Edward- Auf den ersten Blick“- Stepehnie Meyer
17 „Biss zum Morgengrauen, Stephenie Meyer
18 „Biss zur Mittagsstunde“, Stephenie Meyer
19 „Biss zum Abendrot“, Stephenie Meyer
20 „Biss zum Ende der Nacht“, Stephenie Meyer
21 „Das Mädchen im Strom“, Sabine Bode
22 „Alles Licht, das wir nicht sehen“, Anthony Doerr
23 „Midnight Sun“, Orginal Stephenie Meyer
24 „Midnight Sun,“ deutsche Übersetzung eines Fans, Original Stephenie Meyer
25 „Die niedrigen Himmel“, Anthony Marra
26 „Die Schönheitskönigin von Jerusalem“, Sarit Yishai- Levi
27 „Die Nachtigall“, Kristin Hannah
28 „Das Haus der vergessenen Bücher, Christopher Morley
29 „Paula“, Sandra Hoffmann
30 „Die Känguru- Chroniken“, Marc- Uwe Kling

„Over and over and over and over again now“… (miscarriage)

Dezember 11th, 2017

In den letzten Tagen wuchs meine Unruhe, was wenn mein Gefühl mich doch im Stich liess und ich es nicht geschafft hatte? Momentan ist einfach alles ein wenig zu viel und ich wurde etwas dünnhäutiger, als ich es ohnehin schon war. Wie geplant letzten Donnerstag konnte ich noch nicht gehen, weil meine Blutung da noch nicht ganz vorbei war und ich sollte ja erst kommen, wenn meine erste Periode wirklich, wirklich vorbei sei. Und das war nun am Wochenende, worüber ich mich unendlich gefreut habe, weil ich zwei Mal schwimmen gehen konnte. Das hat so gut getan! Und nun hieß es heute morgen Augen zu und durch, anziehen hinfahren und gucken, ob mein Arzt da wäre und Zeit hätte, dauert nur fünf Minuten hatte er gesagt, denn ich konnte natürlich vorab keinen Termin ausmachen, ich wußte ja nun überhaupt nicht, was mich in den nächsten Wochen erwarten würde. Zelda war unheimlich lieb im Wartezimmer und ich wurde schnell aufgerufen. Somit hatte ich nicht allzu viel Zeit mit Kopfkino und ich wurde belohnt: alles ist so, wie es sein sollte! Ich habs wirklich geschafft, ganz allein. Ich hätte schon auf dem Stuhl vor Freude und Erleichterung anfangen können zu weinen, und auch jetzt bin ich noch überwältigt, wenn ich das schreibe. Es ist wirklich wirklich vorbei. Ich habs geschafft! Ich kann wieder atmen! Das Seil um meinen Brustkorb, das mir alles abschnürte, ist wieder lockerer… es ist ein befreiendes Gefühl, auch wenn der Grund ein furchtbar trauriger ist. Nach allem was war, beginne ich wieder bei Null und ich versuche mich irgendwo wieder etwas mehr zu finden, das muss mir noch gelingen und mehr ausblenden, was von mir erwartet und verlangt wird und schauen, was mir gut tut, damit ich wieder die Frau, die Ehefrau, die Freundin und Mutter sein kann, die ich sein will! <3

„Waking to these sounds again
I wonder how I’ll sleep
Passing out is taking off into the stubborn deep
I’d like to meet a human who makes it all seem clear
To work out all these cycles and why I’m standing here
I’m falling
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now
Running through my life right now
I don’t regret a thing
The things I do just make me laugh and make me want to drink
I’d like to meet a mad man who makes it all seem sane
To work out all these troubles and what there is to gain
I’m falling
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now
Projecting what I want is always hard to know
But when it comes between my sights I’ll let the damage show
I’d like to meet a space man, who’s got it going on
Sailing through the stars at night ‚til our world is gone
I’m falling
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now“

Morcheeba, Over And Over

Zurück in die Normalität, ein Versuch… (miscarriage, menarche)

Dezember 3rd, 2017

Es fühlt sich oft sehr einfach und natürlich ein, wie wir hier backen, Heimlichkeiten planen… ich meine Freundinnen einlade für ein kleines Adventskaffeekränzchen und ich total darin aufgehe, auch ein bißchen zurück denke, an die Zeit als wir alle nur Kindergartenkinder hatten und alles noch anders war, vielleicht freier und mich frage, ob sich viel davon in unseren Köpfen abspielt, all diese Unflexibiltät, der wir damals entgegen strotzten, wenn wir uns am Nachmittag gegenseitig zu irgendwem einluden und da herum schlumperten und unsere Mütter- Selbsthilfegruppetreffen abhielten :) Als ich Freitag nach dem anstrengenden, aber auch erfüllenden Tag im Adventsmodus ins Bett sank und von Zelda nicht los kam, war ich total dankbar und glücklich, auch wenn wie immer viel zu wenig Zeit zum Quatschen gewesen war. Aber da war auch so eine Müdigkeit, nicht nur dass ich schon seit über einer Woche gleichbleibend krank bin, meine Lymphknoten am Kopf (vermutlich durch die Autoimmunerkrankung) immer mehr anschwellen, nur leider nichts wirklich schlimmer wird, damit es dann auch mal besser werden kann, es aber auch so nicht wirklich besser wird, da ist auch so ein Kummer, ab und an, nicht mehr oft, erwischt es mich eiskalt, wenn ich lese, dass eine werdende Mutter ihr Kind im Bauch spürt, schießt da sofort Schmerz durch mich hindurch, weil es etwas ist, dass ich dieses Mal nicht erleben werde, ich gönne es jeder werdenden Mutter von Herzen, da ist nie Missgunst, sondern nur Traurigkeit darüber, dass ich das nicht haben werde können, nicht dieses Mal… das wird sich wohl in den nächsten Monaten so weiter ziehen… Generell geht es mir viel besser, dadurch dass ich das alles so raus gelassen und intensiv erlebt habe, ist da nicht viel auf meiner Seele lasten geblieben, obwohl es genug um mich herum gibt, das mir Kraft raubt und mich aufzehrt und mich hindert einfach alles endgültig zu verarbeiten, ich hab nur begrenzt Energie und die ist irgendwann verbraucht… Zumal unsere kleinen Küken auch krank sind und Zelda so mies schläft im Moment.
Jetzt war die Schwimmhalle einen Monat lang geschlossen, als wir aus dem Familienhotel zurück kamen, war der letzte geöffnete Tag und da blutete ich noch und ich wollte nicht riskieren mir eine Infektion einzufangen. Ganze drei lange Wochen hab ich quasi unser Kind verloren und die Schwangerschaft losgelassen, nachdem ich vier Wochen genau darauf gewartet hatte. Nun war gestern der erste Tag, an dem die Halle wieder aufmachen sollte und am Freitag bekam ich natürlich, wie sollte es anders sein, meine erste Periode nach der Fehlgeburt, heißt für mich ich muss nun erneut zur Kontrolle und hoffen, dass es jetzt einfach tatsächlich final überstanden ist. Ich ging dann heute dank Hygieneartikel trotzdem in die Halle und sinnierte dort darüber nach, wie unfassbar das Leben manchmal sein kann, denn unsere große Tochter ist seit gestern nun auch eine Frau. Es sollte ein Freudentag und ein Fest sein, dass sie nun schon ein so wundervolles, großes Mädchen ist, aber sie war tatsächlich total geknickt, weil sie eigentlich heute auch mit ihrer Tante schwimmen gehen wollte. So viele verschiedene Gefühle, soviel Widersprüchlichkeit, mein Herz hinkt allem etwas hinterher… da schließen sich zu viele Kreisläufe, so vieles das ich in dem Moment hinterfrage, so vieles das zufällig gleichzeitig passiert und als ich heute ins Wasser eintauchte und die erste Bahn geschwommen war, fühlte ich mich steif und schwer und ungelenk im Wasser, als wäre ich eingerostet über die vielen Wochen, ich fühlte jede Bewegung in meinen Armen und Beinen, sie fühlten sich so schwer und bleiern an, als wäre ich ein Backstein, den man zufällig ins Wasser geworfen hätte… aber nur im Wasser fließen die Gedanken, ich kann mich sortieren, hier ist wichtig andern aus dem Weg zu schwimmen, einzuschätzen wie man wo am Besten durch kommt, ganz im Moment zu sein und das andere alles einen kurzen Augenblick, nur wenige Minuten hinter sich zu lassen…

13!

November 20th, 2017

Jetzt ist es schon zwei Wochen her, dass meine große Tochter tatsächlich 13 geworden ist. So ganz hab ich an dem Tag die Aufregung anderer nicht verstanden, über dieses neue „teen“. Für mich ist sie schon länger ein Teenager und wirklich in diesem Sinne ergriffen war ich erst eine Woche später, als dieses wundervolle, große Mädchen ihr erstes Schülerpraktikum an Land zog. Da war innere Aufruhe in mir und die Sentimentalität am Überschäumen.
Und dann auch noch in einer Buchhandlung. Ja, ich gebe es zu, es hat mir unheimlich viel gegeben sie eben nicht in diese klassische „Mädchen“- Schiene des Kindergartens zu sehen, so wie ich es vor ihr tat und viele andere Mädchen auch, dort sehe ich eher einen meiner Söhne, als meine Tochter. Ja auch all das hab ich hinterfragt, was da meine Motive waren, die Ursprünge für meine Gefühle, aber ich hab getan was ich konnte, um sie nicht zu beeinflussen, aber ihr die breite Palette an Möglichkeiten aufzuzeigen. Bei Papa möchte sie auch mal in die Branche reinchnuppern und egal, wo sie mal ihren Platz findet, ich hoffe sehr, es entspricht ihrem Können, ihrer Auffassungsgabe, ihrem Scharfsinn… Diese Genialität sollte irgendwo hin, wo sie genutzt werden kann ;) Nein, Quatsch. Ich hoffe, sie ist nicht überfordert von den Möglichkeiten, so wie ich es auch war und findet etwas irgendwann in den nächsten Jahren, dass sie nicht nur ernährt, sondern sie auch glücklich macht, ihr Spaß macht oder für sie einen Sinn hat. Ich glaube, was sich insgeheim alle Eltern für ihre Kinder wünschen…

Vor jedem Geburtstag fragen wir das Geburtstagskind so weit im Voraus wie es nur geht, wie es seinen Tag verbringen möchte und auch was es essen möchte. Es war seit Monaten abgesehen von Antons Geburtstag, ein Fest an dem wir zu Hause waren. Bei den Geburtstagen der drei ältesten Jungs waren wir im Heldenverlies, quasi ein Live- Rollenspiel und Emil war im Playmobil- Funpark. Jetzt stand kurz das Airhop im Raum, aber da Zoe an dem Tag lange Schule hatte, war ihr das nicht so die perfekte Lösung, also landeten wir bei „zu Hause bei uns feiern mit Freundinnen und Backen“. Sie wünschte sich Cookies mit Smarties und Plätzchen backen mit unserem Lieblingsteig und Einhorn- Ausstechern, denn es sollte ein reiner Einhorn- Geburtstag werden…
Wir feierten nach dem Familienhotel quasi rein mit der neuen Katze, einem Versuchskuchen und machten für die Schule einige Cake- Pops, wie sie es sich gewünscht hatte. Ich setzte das Topping auf die Cupcakes und buk mit den Kids keine Kacki- Kekse, sondern Einhorn Pupse. Nach dem Testkuchen war klar, dass das nichts für den Geburtstag sein würde und so stiegen wir um auf Plan B und ich begann kurzerhand unser Familien- Zitronenkuchenrezept erstmals in sechs Farben einzufärben und das Beste zu hoffen, ich mixte aus den letzten weißen Tafeln Schokolade ein erstes Topping und schmierte die Creme zwischen die Schichten und versteckte meinen Überraschungskuchen im Kühlschrank. Problem war ganz klar, dass ich nochmal einkaufen gehen müsste am nächsten Tag, denn ich brauchte acht weitere Tafeln weißer Schokolade… Allein deswegen war ich schon aufgeregt, denn das war ganz und gar nicht mein Plan gewesen. Immerhin schaffte ich es spät abends das Horn und die Ohren aus Fondant zu formen…

An ihrem Geburtstag warteten leider nicht genug Kerzen auf sie, deswegen könnte ich mir immernoch in den Po beißen, dafür aber pastellfarbene Luftballons, Geschenke in Einhorn- Geschenkpapier eingewickelt und ihr Wunschfrühstück alias Pancakes von Papa. Nachdem sie alles ausgepackt hatte, musste sie leider in die Schule, dafür mit Cake-Pops unterm Arm und dann noch Sport und langer Schultag… Anpackende Brüder hatte sie wenigstens genug dabei…

Als die Kleinen im Kindergarten waren, ging ich mit Zelda Turbo- Einkaufen, holte noch Minipizzen und raste Heim, schmolz da die Schokolade, liess sie wieder abkühlen, rührte alles zusammen mit der zimmerwarmen Butter und dem Puderzucker und bestrich die Schichten Kuchen damit, bis alles halbwegs gerade aussah. Der erste Schritt. Und viel Zeit blieb mir nicht mehr. Ich testete, ob die Farbe und die Creme zusammen passen und es trennte sich nichts von einander, also rührte ich Farbe an und versuchte, das irgendwie halbwegs schön drapiert auf den Kuchen zu bekommen, dann Farbe nach Farbe und schaffte es zwar nicht geplant, aber so gefiel es mir am Besten auf die oberste Schicht mit Ach und Krach… Ich schickte davon ein Bild an den Mann, hatte den Teig zum Ausstechen geschafft, aber den zweiten nicht… und raste aus dem Haus, um in die Einkaufsstraße zu fahren und zum Blumenladen zu gehen und dort einen schönen Strauß für sie binden zu lassen und trotzdem pünktlich im Kindergarten um 12Uhr zu sein… von dort wieder heim, den Jungs Essen zu um 13Uhr aufwärmen, die Dosensuppe war ne echt gute und schnelle Idee, dann alles abräumen und wieder an den Kuchen ran, vollenden und den Tisch decken… und das bitte bis 14.30Uhr, denn auf die Mädchen wartete nach Schulende ein Taxi zu uns nach Hause… ich war maximal aufgeregt und angespannt und schaffte dank Noahs Hilfe und Kopfhörern alles rechtzeitig, auch wenn mir abends im Bett einfiel, dass ich die frischen Snickerdoodles vergessen hatte…

Ihr Gesicht, als sie herein kam und die Sektgläser mit Kindersekt sah und den Einhorn- Kuchen, den wir im Urlaub ungefähr so im Internet gesehen hatten, war genauso wie ich gehofft hatte… Ich hab mich so gefreut und ich glaube, bis die letzten zwei Mädchen kamen und der Nachmittag mit Papa dann seinen Lauf nahmen, war es ein runder Tag mit Geschenken auspacken, Überraschungs- Einhorn- Pinata, Keksen backen und als Abschluss Raclette mit Oma. Auch wenn sie dann schon sehr in den Seilen hing…

Und ich hatte am Vormittag in einem ruhigen Moment in der Küche hier und da eine Erinnerung an diese erste Geburt vor 13 Jahren… diese letzten Stunden mit meinem Mann, das Entdecken der neuen Vorstadt, in der wir erst seit drei Monaten wohnten und die uns ein zu Hause werden sollte…

Die Hexe und der Zauberer (miscarriage, depression, trauma, cancer, family drama)

November 20th, 2017

Diese Gedanken türmten sich über viele Tage in mir auf, bis sie den Weg hier her fanden… als ich etwa 13 war… vielleicht jünger, vielleicht älter, ich weiß es nicht mehr ganz genau, wurde meine Oma, die eigentlich meine Uroma war aber meine Mama groß gezogen hatte, sehr krank. Sie war in einem Krankenhaus und in meiner Erinnerung sollte sie wieder gesund werden, so sollte es es sein, so erzählte man sich es in der Familie und alle standen sich sehr nahe.
An diesem einen Tag in meiner Erinnerung besuchte ich mit meiner Mama meine Oma, die eigentlich meine Uroma war, im Krankenhaus. Aber dort wurden wir mit den Worten „Gut, dass Sie da sind“ in einen kleinen Raum geführt. Es hat keiner daran gedacht mich raus zu schicken und ich war auch ein sehr reifes Kind, denke ich, eines, das viel tragen und noch mehr verstehen konnte. Ich weiß, wie in diesem Raum alles zusammen schrumpfte auf die Worte, (Magen)Krebs und ihr jeden Wunsch erfüllen, den sie jetzt noch hätte… In meiner Erinnerung waren wir die ersten dieser eigentlich großen verwirrenden Familie, die die Wahrheit erfuhr. Es gab bestimmt noch mehr Worte, aber alles an was ich mich erinnere, sind dieser enge Raum und das ausrechnet meine Mutter als Erste davon erfuhr, meine Mutter, die darin zusammen fiel, aus heiterem Himmel. Meine Mutter, die irgendwie ohne ein Handy damals, meinen Vater angerufen hatte und der uns von dort abholte, denn fahren konnte sie so nicht mehr… Diese nächste Zeit, das Pflegen meiner Oma, die eigentlich meine Uroma war durch eine meiner Tanten, die eigentlich die Tante meiner Mutter war, das langsame Abschied nehmen und zeitgleich eine noch viel größere Verletzung, die brutal durch meine Mutter fuhr und ihr jede Fröhlichkeit und alles Quirlige ihrer Persönlichkeit für lange Zeit oder für immer nahm, bleibt mir in Erinnerung. Der Kummer, der einzog und vor dem wir Kinder beschützt werden sollten, aber von dem ich dennoch wusste, ich war zu sehr ich, ich wusste und hörte alles. Meine Oma starb, ich erinnere mich an diese Beerdigung noch immer, dort sah ich zum bisher letzten Mal meine eigentliche Oma, die meine Mutter nicht groß gezogen hatte und mir eine Fremde war. Ich erinnere mich an diese verfluchte Musik, bei deren Einsetzen ich weinen würde, wie auf den Beerdigungen danach. Ich erinnere mich an eine Zeit vor meiner Staffelei, die ich irgendwann von meinen Eltern geschenkt bekommen hatte und meinen Kreidefarben. Ich erinnere mich daran, wie ich jeden Abend Bücher vor meine Tür schob, weil die Katze, die mich angegriffen hatte, mir im Rücken gehangen hatte, als ich schreiend durch Wohnzimmer gerannt war und von deren Attacke ich noch heute Narben am Rücken trage, so geängstigt hatte und doch nie auszog. Diese Bücher schob ich jeden Abend vor die Tür, bis mein Papa sich erbarmte und die Türklinge nach oben anbrachte und ich etwas mehr Sicherheit fühlte. Ich erinnere mich an all das und das in meinem großen Zimmer, das mit der Staffelei, der Kreidefarbe und dem Stapel Bücher vor der Türe, ein Fernseher vor mir stand und ein Recorder. Und jeden Tag, jeden Abend lief der gleiche Film, zumindest in meiner Erinnerung und ich malte und malte und malte und dieser Film lief und lief… Es war „Die Hexe und der Zauberer“. Die gemalten Bilder habe ich noch heute.
An all das erinnerte ich mich wieder mehr, seitdem ich mit der Zeugung dieses letzten Kindes ein weiteres mal hintereinander alle „Biss“- Bücher las. Seitdem ich wieder täglich die Soundtracks hörte, das Making Of ansah, die Filme beinah täglich laufen und sei es nur in Etappen. Es beruhigt mich. Es hüllt mich ein und fängt mich auf. Es gibt mir Sicherheit. Nichts Unbekanntes. Immer das Gleiche. Im Hotel, durch die ersten Tage, der sogenannten kleinen Geburt, begann ich „Midnight Sun“ (Twilight aus Edwards Sicht) in Englisch zu lesen und nun wieder zu Hause in Deutsch.
Nach drei langen Wochen Blutungen endete nun diese „kleine Geburt“, meine elfte Schwangerschaft und ich erlebe Tage, die weniger bedrückend sind, als andere. Eine vierte kleine Seele, ein Teil von mir, wartet vielleicht irgendwo auf mich. Und ich habe das Gefühl, ich kann wieder freier atmen. Ich kann nun heilen. Noch mehr loslassen. Und meinen Platz im Alltag wieder finden, auch wenn ich merke, dass ich keine Reserven für nichts habe. Meine Dünnhäutigkeit bezeugt es hier und da. Das Schwimmen fehlt mir, aber die Halle öffnet nach einem Monat Schließzeit, erst wieder im Dezember. Manchmal timed das Leben alles selber. Und bis dahin, laufe ich weiter viel mit meinen Kopfhörern durch die Gegend, wie ich es als 15Jährige schon tat, als ich depressiv durch Berlin fuhr und die satanische Bibel und diverse andere Bücher las, die mein Umfeld so verstörten, wie ich es vielleicht tief drinnen war…

„I was a heavy heart to carry…“ (Miscarriage)

November 9th, 2017

Mitte/Ende letzter Woche war ich soweit, dass mich die Schmerzen nur noch verrückt machten. Ich konnte kaum aus der Tür gehen ohne gleich wieder ins Bad zu stürzen, es hat mich unheimlich viel Kraft gekostet, emotional wie körperlich, denn es war sehr schmerzhaft. Durch den Urlaub haben mich Schmerzmittel getragen und ich hab versucht mir nichts anmerken zu lassen, was es natürlich für mich noch schlimmer gemacht hat, als es ohnehin schon war- in so einer Situation so isoliert zu sein. Dann gab es Worte, die mich mitten ins Mark getroffen und sehr verletzt haben, obgleich sie nicht so gemeint waren, aber wieder allein damit zu sein, mit dem Gefühl dieses Verlusts hat mich nieder gedrückt. Da hat mir vorher mehr geholfen mich offen mal hier und da auszutauschen und sei es mit einer Freundin morgens im Kindergarten… Auch konnte ich das verdammte Blut in der Menge und Zeit einfach irgendwann nicht mehr sehen, jeder Gang zur Toilette hat auf die Wunde in der Seele gedrückt. Ich konnte dann nicht mehr. Ich hatte keine Kraft mehr dafür. Es drückte und schob einfach nur mich durch. Ich war einfach entrückt. Natürlich war dieser schlimmste Tag der Höhepunkt und danach wurde es schrittweise besser… es musste so sein und das sollte es auch, aber es hat mich auf die Probe gestellt, ob ich das so immer noch wollte. Ich hab versucht da gegen zu halten, gelesen was mir gut tat und lange Spaziergänge mit den Kindern, dem Mann oder allein gemacht… und nebenbei lief auch im Hotel ein Alltag, das trug mich auch.
Nach Zoes Geburtstag Anfang dieser Woche, ging ich dem Tag der Kontrolle entgegen. Heute dann hatte ich meinen Termin und ich war erstaunt wie ruhig ich allein gestern Abend war. Hätte ich noch eine Curettage gebraucht, dann wäre es eben so gewesen, nicht sonderlich angenehm, aber es hätte im weitesten Sinne nichts mehr mit meinem Baby zu tun gehabt. Damit konnte ich gut umgehen, es liess mich mich weniger hilflos fühlen, es wäre kein Auskratzen meiner Hoffnung mehr gewesen, sondern ein sehr unangenehmer medizinischer Eingriff, denn ich hatte mein Baby bereits allein verloren, das war sehr heilsam.
Ich war auch vorhin auf die Nachfrage nach dem Mutterpass gefasst und beim Gehen wieder das Wünschen einer „Guten Zeit!“, ich habs ausgehalten. Es war auch genug Abstand zum letzten Termin. Es ist noch Blut in meiner Gebärmutter zu sehen, aber das könnte jetzt noch abgehen, ganz vorbei ist es auch nicht für mich und ich soll wie erwartet nach meiner nächsten Monatsblutung zur Kontrolle kommen. Es wäre also sowas wie geschafft, wenigstens fast. Die Zyste ist auch weg, mein Körper hat mich nicht umsonst gequält. Nun müssen andere Wunden heilen und das braucht mehr Zeit als einen weiteren Zyklus. Aber für den Moment bin ich zufrieden, dafür gibt es andere Baustellen, um dich ich mich kümmern muss.

„And is it worth the wait
All this killing time?
Are you strong enough to stand
Protecting both your heart and mine?“

Florence + the Machine

in labor (miscarriage)

Oktober 31st, 2017

Anfang letzter Woche, Montag und Dienstag kündigte sich im Nachhinein vielleicht schon alles an, kaum ganz ein Tropfen Blut am Tag und ich nahm das nicht weiter ernst, weil das ja auch mal nach einer Untersuchung beim Frauenarzt vorkommen kann. Doch die Tage vor der Abreise hatte ich schon hier und da stärkere Unterleibsschmerzen, was ich nicht so recht glauben wollte, ich konnte mich nämlich in der Vergangenheit wunderbar in so etwas hinein steigern, deswegen versuchte ich weiterhin alles auf mich zu kommen zu lassen. Und alle Interpretation hätte auch nichts genützt, es ging los als es los ging.
Am Tag vor der Abreise dann war ich sehr gefordert, den ganzen Tag räumte, wusch, faltete ich, lief ich Treppen rauf und runter, hin und her zum Koffer und trug Wäsche und alles zusammen, was neun Menschen benötigen… Ich war nur auf den Beinen. Und als ich abends dann auf dem Sofa saß, zog es sehr schmerzlich, ich musste richtig pusten, aber ich wollte, ich konnte das nicht als Wehen sehen, vermutlich war ich einfach nur zu sehr gefordert gewesen den Tag über, das mit den Wehen das schob ich weit weg. Ich nahm eine Schmerztablette und schlief später gegen Mitternacht ein. Als ich nachts zur Toilette wanderte, war da eine kleine Schmierblutung, die mich wacher werden ließ. Ich hatte wirklich Angst, dass ich in einer Lache aus Blut aufwachen würde, hatte mir eine Einlage in die Unterwäsche gelegt und war nun in hab Acht so lange bis der Schlaf mich doch überfraute. Als ich morgens dann aufwachte, war nichts mehr von dem Blut zu sehen. Ich hatte schon Sorge, ich hatte das alles geträumt…
Unser Frühstück war kurz, ich musste mit Zoe nochmal los, etwas besorgen und als wir das alles erledigt hatten, ich mit ihr noch im Buchladen war, um ein Buch für die Ferien zu kaufen und anzufragen, wann sie sich am Besten für den Praktikumsplatz melden könnte, was mir nicht so leicht fiel und ja auch ein hoch emotionales Thema ist, das erste Schulpraktikum zur Berufswahl (ahhh!)… Als wir dann da standen und über den Zebrastreifen zum Bus nach Hause gehen wollten in der Altstadt, etwas mehr als eine Stunde vor der Abfahrt, fühlte ich etwas… und ich war sooo nervös und hatte etwas Sorge, man könnte mir etwas ansehen, anmerken… ich wollte nur nach Hause und hielt die Beine zusammen… Zu Hause hoch ins Bad gestürmt, ein besorgter, einfühlsamer Blick vom Mann und ich hatte richtig gefühlt, da war Blut und mir purzelten im ersten Moment die Steine vom Herzen… vier Wochen warten… wie eine kleine Ewigkeit… Es war vorbei. Ich kaufte am Hauptbahnhof dann noch mehr Einlagen und wir fuhren trotzdem ins Familien- Hotel, keine drei Stunden später waren wir dort. Es hätte auch ganz anders laufen können…
Nun ist es so, dass der Kummer weiterhin tief sitzt… Herzschmerz. Aber ich bin auch stolz- all die Unsicherheit, ob ich das Richtige tue… Natürlich ist das Warten noch lange nicht vorbei, das wurde mir schnell klar, aber eine weitere Etappe ist geschafft. Ich muss nun weiter warten, ob mein Körper das wirklich allein schafft, ich muss natürlich noch mal zum Arzt, vielleicht muss ich dann einen weiteren Zyklus warten, weil nicht alles abgegangen ist, vielleicht brauche ich am Ende doch die Curettage. Aber ich habs geschafft. Das Aushalten, das Warten. Die ersten Tage waren eine Qual. Und doch fiel die Entscheidung leicht, weil ich noch so am Anfang der Schwangerschaft war, kein Fieber hatte, meine Entzündungswerte scheinbar in Ordnung. Ich weiß, bei unserem Sternenkind James ging das nicht oder ich hatte nicht genug Zeit den ersten Schock zu verkraften, aber die Vorstellung dieses tote große kleine Baby in mir zu haben, war die Hölle- das habe ich nicht vergessen. Aber es war auch die Hölle mich in fremde Hände zu begeben in diesem Zustand, dieser Gedanke des Auskratzens, die Hölle zu warten und zu hoffen, dass ich am Ende doch noch eine zweite Curettage brauchen könnte, die Hölle mein Kind nicht mehr gesehen zu haben, die Hölle es einfach nicht „begreifen“ zu können, die kurze Zeit in der so viel mit mir passiert war. Und viel später diesen Höllen-Schwangerschaft mit Emil mit Blutungen von Anfang bis Ende, nach der damals letzten und dritten Fehlgeburt.
Ich habe es jetzt geschafft, für mich einzustehen, für mich zu kämpfen, mir Zeit zu lassen… einfach Raum, Luft um anzukommen, zu verstehen, anzunehmen, niemand Fremdes wühlte in mir rum, ohne das ich das wollte. Ich würde vielleicht noch mal etwas anders machen, ich würde vielleicht nicht so oft zum Arzt gehen, weil das sehr aufwühlend war und jedes Mal Wunden aufgerissen hatte und selbst als die Arzttermine erträglich wurden, war die Terminvergabe bei der Arzthelferin eine Seelenqual, das würde ich mir niemals mehr selber zumuten, das dürfte der Mann dann machen, er war ja schließlich daran beteiligt, das kam mir aber vorher leider nicht in den Sinn… Aber ich habe es geschafft bis hierher und es klingt vielleicht komisch, aber ich bin sehr stolz auf mich, es hat mir Selbstvertrauen geschenkt, auch wenn ich nach wie vor unsicher bin, wenn ich eine Stunde wandern war und mein Unterleib mich danach umbringt, wenn die Blutung mal Stunden stagniert oder wie heute einfach zu viel und zu schmerzlich ist… aber ich versuche weiter Ruhe zu bewahren, mir weiter Zeit zu schenken… vier Wochen alles zu verarbeiten… vielleicht brauche ich trotzdem noch eine Curettage, aber ich bin nicht schon durch diese Mühle mit allem, ich muss nicht zusehen, dass ich drei Monate verhüte, damit da nichts passiert, ich habe vorerst nicht weiteres Narbengewebe im Uterus und ich habe Zeit in mich zu gehen, heraus zu finden, was ich wirklich will… und klar tut es weh, wenn die Kinder sagen, dass wir zurück aus dem Urlaub bestimmt schwanger sind, weil sie das alles viel schwerer verstehen diesmal, es ist zu lange her, dass wir es erzählt haben, dass erst jetzt das eigentliche „verlieren“ stattfindet ist zu komplex… es ist schade, dass ich nicht ins Wasser kann hier, aber ich bin hier, ich hab Ruhe, ich kann auch mal allein sein, mich zurück ziehen, ich muss nicht den Alltag weiter wuppen, während mein Unterleib gefühlt in Stücke gerissen wird, ich hab mehr Zeit. Ich weiß nicht, ob es noch mal mein Weg wäre, ob ich in einer Parallelwelt nicht auch froh wäre, jetzt schon einen ersten neuen Zyklus zu erleben, dass weniger Schmerzen schön wären, hab ich bestimmt auch mal gedacht die letzten Tage, aber alles gehört zusammen, es ist eine schwere Zeit, kein einzelner Tag, es war schlicht aber nicht einfach, jetzt mein Weg…