Von Reisepässen

Sieben Wochen ist Zelda nun alt und am Montag stand meine Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt an, sogar Blut nahm man mir noch mal ab. Seltsam war es, denn die Besuche waren in dieser zehnten Schwangerschaft spärlich ausgefallen. Schön war es hingegen mit Zelda da zu sein.
Im Vorfeld hatte ich mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht, weil es das erste große Event wieder allein ohne Mann war, mit zwei kleinen Kindern einen (intimen) Arzttermin bewältigen, nach all den Wochen mit ihm. Würde Anton aus seinem Wagen raus wollen? Würde Zelda sich ablegen lassen, damit der Arzt sich etwas ansehen könnte? Sollte ich noch extra den Maxi Cosi mitnehmen, um sie kurz ablegen zu können oder aber würde es dieses eine Behandlungszimmer sein und so unkompliziert ablaufen wie ich mir das dachte?
Als ich dann dran war, staunte der Arzt nicht schlecht, dass Zelda doch auch so schwer bei ihrer Geburt gewesen gewesen war wie ihr Bruder und schien sich zu freuen, dass die geplante Hausgeburt geklappt hatte, danach hüpfte ich auf den Stuhl mit Zelda im Sling und Anton begann beim Geräusch des hoch fahrenden Stuhls zu schreien. Ich hatte Verständnis für mein Kind, dass das vielleicht ein oder zweimal erlebt hatte und nun Angst bekam, säuselte beruhigende Worte und schaute weder auf den grauweißen, flackernden Monitor noch auf den Arzt, der mit mir sprach, sondern nur zu meinem Kind in seiner lila Kinderwagenschale, die ihn schützend umgab.
Diese kurze Untersuchung war auch schnell geschafft und ich setzte mich noch einmal auf die Liege. Als der Arzt das Ultraschallgerät auf meinen Busen ansetzte, war es bei Anton vorbei, das war ihm alles zu unheimlich. Zelda lag hingehen völlig ausgeglichen auf der Liege und schlief weiter. Zufrieden übergab mir mein Arzt den Mutterpass mit den Worten: „Hier! Ihr Reisepass!“ Wie passend, dachte ich… Eine lange Reise lag nun hinter uns und Pässe, hätte ich von anderen Reise schon einige…
Ich solle erneut kommen, wenn ich wieder schwanger wäre, sagte der Arzt lächelnd, wobei ich hingegen nur das Gesicht meines Mannes vor Augen hatte (und vielleicht auch den einen Reisepass, der oben in einer Kiste liegt, für die anderen viel zu kurzen Reisen gab es keine Pässe)… Also fragte ich, wann die nächste Vorsorge wieder anstehen würde, in einem halben Jahr, so schnell wollte wenn denn dann keine weitere Reise planen… Das Kleinkind hatte sich derweil beruhigt, das kleine Mädchen gleitete schlafend wieder in den Sling, ganz nah zu mir und während ich die Praxis verließ, war ich stolz und froh, dass ich diesen Start in den Montag, in diese Woche so gut bewältigt hatte und alles bis auf das Schreien des Kleinkindes gut gewesen war und eine Stück weit, endete ein weiterer Abschnitt meines Lebens…

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