Lilous Geburt

September 19th, 2018

Zauberkind heissen die Notizen zu der Schwangerschaft mit Lilou, der Ort wo ich seit Beginn des Jahres, alles festhalten konnte, was mich bewegt hatte. Am 1. Januar begann ich dort zu schreiben. Viele Monate später enden dort meine Gedanken mit einem detailliert beschriebenen Tag im September, es wird der 15. sein. Wie ein sich schliessender Kreis, vielleicht komme ich später darauf zurück…

„Rose“ war der Name, der mir sofort in den Sinn gekommen war. Dieser und ein alter männlicher Vorname, so der Auftakt zu meinen Erinnerungen an über neun lange Monate Schwangerschaft. Wie ein Gefühl dafür haben, wen ich unter meinem Herzen trug… Und nun trägst du „Rose“ als einen deiner Vornamen… ich liebe das so. Wie bei Zelda der Vorname „Marie“ sofort in meinem Kopf und Herzen gewesen war… und so fanden sie ihren Platz in euren Namen…

Es wird so im Nachhinein seinen Sinn haben, dass die nächsten drei Einschulungen und Lilous Geburtstag nicht so nahe bei einander sind, sondern wir etwas Zeit haben werden, alle Ereignisse zu geniessen, das kam mir aber erst später in den Sinn… Zwischen Noahs damals zehnten Geburtstag und Zeldas Geburt hatten wir auch immerhin dann fünf Tage Abstand…

Ich hatte einen eigentlich schönen Abschluss der Schwangerschaft. Am Mittwoch ging es mir ja noch so extrem schlecht nach der Vorsorge im Kreisssaal, dass ich gar keine Ambitionen gehabt hatte zu gebären, nicht in dieser Nacht zumindest. Jetzt so im Nachhinein denke ich auch, dass war alles so viel: die Einschulung noch gerockt und dann war mir für Mittwoch einfach keine Kraft mehr übrig geblieben, ein Klassiker- immer, wenn die ganze Anspannung von einem abfällt, sackt man in sich zusammen.

Donnerstag hatte ich beim Abholen von Anton Zeit für mich gehabt, durch einen Riesenzufall unterwegs eine Freundin getroffen, einfach mal wieder atmen können, mein eigenes Schaffen anerkennen und auch annehmen, dass ich in sechseinhalb Wochen Ferien und Familienzeit, hauptsächlich Zeit mit dieser verbracht hatte und ich dabei am Ende etwas zu kurz gekommen war.
Auf der anderen Seite genoss ich es am Abend nochmal mit Emil zum Bäcker zu gehen, dort kauften wir Brot und Gummibärchen und hatten uns dabei auf dem Weg hin und zurück so toll unterhalten können, wir wetteten auch, ob wir klitschnass oder trocken Heim kämen, denn es wurde dabei immer dunkler am Himmel. Mein Erstklässler überraschte mich so, dass er alle Zahlen an den Häusern benennen konnte, an denen wir vorbei kamen.
Jedes Mal merke ich in solchen Momenten, wie kostbar gerade diese Zeit mit den drei mittleren Jungs ist und dabei wie viel schwieriger im Alltag zu finden. Die Grossen finden ihre Wege dazu eigentlich immer, man muss nur mal das Handy weglegen und die Kleinen fordern Zeit einfach nochmal ganz anders ein und ich hatte hier so noch einmal eine schöne Zeit mitten im Alltag mit meinem Kind, umgeben von absoluter Unspektakulärität, dass es schon mega spektakulär war, für mich und ihm tat es sicher auch gut, man muss diese Momente nur sehen können und zupacken, das ist nicht immer so leicht.

Abends hatte ich nochmal Zeit mit dem Mann genossen, nachdem alle Kinder schliefen, ausserdem war ich fürs Homeoffice extrem dankbar, konnte tagsüber immer mal wieder Kraft tanken, musste nicht zusehen, dass ich alles komplett allein schaffen muss und so startete ich eigentlich gut gelaunt in den Freitag, obwohl ich nicht zur Vorsorge beim Frauenarzt wollte, aber ich fühlte mich danach erstaunlich selbstbestimmend und guter Dinge, klar auch hier wieder dank dem Mann, der seine Telko mit Zelda auf dem Arm machte, während ich im Sitzen mein CTG schreiben lassen konnte, ohne auf Zelda Acht geben zu müssen. Auch wollte ich keine Untersuchung, weil ich keinen Grund dafür sah, die wollte mein Frauenarzt auch nicht. Ich hatte ausserdem irgendwie so ein Gefühl, das lag ganz sicher nicht an der einen Wehe auf dem CTG und war gespannt auf das Treffen mit meiner Hebamme am Samstag. Ich hatte nochmal Zeit für mich genossen, war durch den Schlossgarten gelaufen, durch den Botanischen Garten und nahm die Treppe, die ich mit Nils damals gemeinsam hochschwanger mit Zoe im Bauch genommen hatte, war einkaufen, flitzte dann mit Wrap in der Hand zur Haltestelle, um schnell daheim zu sein, aber da wartete sogar schon Oma mit den beiden Kleinen und der Mann war im Keller in der Homeoffice- Höhle. Ich hatte anschliessend Mittagessen gekocht, konnte danach sogar ruhen, Noah war währenddessen mit seiner Oma unerwarteter Weise beim Zahnarzt wegen dem gebrochenen Bogen seiner Spange und danach noch mit ihr einkaufen… Nachdem Ruhen, kochte ich noch Lasagne vor und machte Tiramisu, falls es los ginge hätte ich gleich gutes Essen fürs Babyversorgen und wenn nicht, dann eben nur gutes Essen. Was ich mir damit für einen Gefallen getan hatte, konnte ich da noch nicht ahnen…Abends gabs leider einen Tiefschlag in diesem eigentlich perfektem Tag, meine Hebamme war unsicher, ob sie es morgen zu mir schaffen würde, genau genommen klang es gar nicht danach, denn sie schrieb auf einmal von einem Sommerfest. Es traf mich so, ich hab mich so sehr über mich gewundert, versucht heraus zu kriegen was genau mich wieder so durchschüttelte, hinterfragte alles und ging ratlos ins Bett. Aber es war wie „morgen also nicht“… klapp. Ich war dann abends im Bett trauriger als den ganzen Tag, schrieb Nils noch um eine Minute nach Mitternacht „und wieder ein neuer Tag, hurra oder so“…

Ich schlief aber gar nicht gut. Wachte immer wieder auf, hatte Schmerzen, die in den Rücken zogen und es gab erste Geburtszeichen. Ich wusste nur leider, dass das nichts heisst, keine wirklich genaue Zeitangabe wäre. Je näher der Morgen kam, desto wacher wurde ich und desto mehr lauschte ich in mich, müde wie ich war, hoffend dass es vielleicht jetzt doch ganz schnell geht, mal was anderes, eine Geburt vor dem Frühstück?! Also meinte ich nur zum Mann, er solle Gas geben beim Einkaufen, stritt noch fast mit ihm, weil er nicht schnell genug los ging und stellte dann ernüchtert fest, dass trotz Schmerzen, trotz dem mich echt schon elend fühlen, nichts in Gang kam, also weder die Abstände kürzer, noch die Wehen stärker… und erwartet hatte ich das auch nur, weil ich das Gefühl hatte, dass es kurz im Bauch geknackt hatte, gegen acht Uhr. Knacken war zwar nichts Neues im Bauch, aber danach war es kurz in die Toilettenschüssel gelaufen. Es war nur so wenig gewesen und gefühlt kam nichts nach… Nun wusste ich ja seit Wochen, dass Lilou schon im Becken liegt, tief. Ich erklärte mir das also so, dass selbst wenn das bisschen Fruchtwasser vor ihrem Köpfchen abgegangen wäre, hätte sie den Raum sofort eingenommen, wäre nur ein Stück tiefer gerutscht und hätte alles wieder abgedichtet. Soweit meine Theorie. Und bei Zelda waren es von Blasensprung bis zu ihrer Geburt nur 90min gewesen. Ich scherzte also noch mit Nils, falls es jetzt doch schneller ginge, würde ich ihn anrufen, aber ich glaubte, er hätte nun doch etwas mehr Zeit, mittlerweile waren ja schon zwei Stunden vergangen. Und er antwortete: „Ja bitte! Damit ich die Nabelschnur durchbeissen kann!“ (wie Ragnar Lodbrok in Vikings, Anmerkung der Ehefrau).
Ich machte die Fenster zu, stellte die Heizung an, damit es später nicht so kalt hier oben wäre, duschte und machte mich allgemein doch auch fertig für den Tag. Nils brachte mir neben dem Ausräumen des Einkaufs sogar meine Kerzen und Tee hoch zur Entspannung, aber ich gab dann auf und ging mit dem Tee wieder runter an den Frühstückstisch gegen 10Uhr, aber ich hatte gar keinen Appetit, zwang mich ein Knäckebrot zu essen und war einfach so im Autsch, dass ich nicht lange sitzen konnte, ging wieder hoch, Schloss die Türe hinter mir, ging in die Hocke und hoffte, hörte dabei bei verschiedenen Positionen wie morgens schon „Intro“ von The XX, legte mich ins Bett, las… aber kapitulierte, die Stimmung im Haus war angespannt, denn der Mann versuchte die Kinder von mir fern zu halten, was weder gut klappte, noch richtig nötig war… ich hatte mich als Trostpflaster am Vorabend noch auf einen Samstags- Spaziergang mit dem Mann gefreut und nun würden wir das eben versuchen…
Alles was mir blieb, war einen Weg zu finden das auszuhalten. Und so gingen wir eben raus in Richtung Krankenhaus, hinten übers Feld, quatschen… Paarzeit verbringen, wir wären ja ganz in der Nähe. Und dort angekommen, gönnte ich mir eine Bionade und ein Panini. Das war nach dem bisschen Knäckebrot ein Festmahl. Es schmeckte wirklich gut und ich genoss es mit Nils zusammen zu sein, es zog und tat zwar die ganze Zeit weh, doch dann zog es heftig. Einmal längs über den Bauch. Und ich weiss noch, dass ich dachte, wenn mir morgens tatsächlich die Fruchtblase gesprungen war, dann sollte ich auf keine fremden Toiletten mehr gehen, wenn sich das hier so zieht, schon gar nicht im Krankenhaus, als musste ich wohl oder übel nach Hause laufen und konnte das hier mit dem Mann, diese Zeit nicht in die Länge ziehen, mein Körper rief nach Rückzug…
Auf dem sich schleppendem Rückweg kurz vor 13Uhr, pflückte ich mit dem Mann ein paar Blumen und legte meine Instagram Zahl 5 für ET plus 5, um eventuellen Spekulationen aus dem Weg zu gehen, unser Baby wäre schon da, was blanker Hohn gewesen wäre. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass in einer Stunde das Sommerfest der Hebammenpraxis beginnen würde…
Ich ging mal wieder auf meine beschlagnahmte Toilette für diesen Tag, ruhte mich aus, hatte sogar noch neue Wäsche angemacht, trockene zusammen gelegt und mit nach oben genommen, „wer weiss wann ich das nächste Mal…“, las, ruhte, ging in die Hocke, auf den Ball…umgeben von Schmerzen, in Rücken, Po oder mal eine Wehe, irgendwann später war die Lasagne fertig… also wieder Essen, diesmal griff ich einfach zu, aber lange Sitzen konnte ich wieder nicht… es tat einfach zu weh…

 

Das war ja kein Marathonlauf, bei dem ich einer Route folgen kann, einen klar definierten Startpunkt habe, auf der Karte immer sehen kann, wo ich mich gerade jetzt genau auf meinem Weg befinde und bei der ich mein eindeutiges Ziel immer vor Augen habe… genau sehen kann wie viele Kilometer mir fehlen und ich einschätzen kann, wie viel Puste ich noch brauchen würde…
Nein, das war wie bei 40Grad Fieber oder einem schlimmen Magen- Darminfekt, es half definitv nicht nur das Wissen, dass es mir in einigen Tagen besser gehen würde, wann genau auch immer das sein würde, es ging mir schlicht richtig beschissen. Und ich wollte eine Veränderung in die eine oder in die andere Richtung- und zwar sofort. Ich war nicht Herrin meiner Sinne, nicht in meiner Haut, ich war einfach nicht ich selbst. Es war furchtbar.
Geburtsarbeit ist für mich auch etwas, das man aktiv tut, man leistet sie in regelmässigen Abständen, man erduldet sie nicht passiv, aber das war genau, was mit mir an diesen Tag passierte, etwas auf das ich überhaupt keinen Einfluss zu haben schien. Ich war dem Schiessen und dem Drücken total ausgeliefert, ich konnte dem keine Atmung entgegensetzen, weil es eben nicht wie in einer Wehe oder Welle kam, einen Höhepunkt gab und dann wieder verebbte, ich konnte mit Haltungswechseln gar nichts erreichen, da war einfach nichts, an dem ich mich festhalten, entlanghangeln und womit ich mir selber helfen konnte.
Ich glaube diese Art der Ungewissheit, die mich ja auch schon beim Thema „warten“ gequält hatte, machte mir zu schaffen.
Wenn du nach Stunden merkst wie deine ganze Muskulatur Stück für Stück verkrampft, du in Abwehrhaltung gehst… alles was du gelernt oder dir angeeignet hast an Wissen über die Geburt sich in Luft auflöst. Was war das hier? „Es fällt mir schwer die Situation als gegeben hinzunehmen, so dass am Ende weder die Schwangerschaft, noch die Geburt so verliefen oder starteten wie ich mir das erträumt hatte. Also annehmen. Daher mache ich trotzdem meinen Kram, hangele mich an Mahlzeiten und Routinen entlang und verstehe die Welt nicht mehr.“

 

„Das nach wie vor gleiche Problem. Ich muss zur Toilette und kann nicht, kommt uns das bekannt vor? Ich hab grad so geheult. Ich geb hier echt mein Bestes, aber so hab ich mir das nicht vorgestellt.“  Ich musste dann doch an Bens Geburt denken, auch damals hatte es keine richtigen Wehen gegeben, bis fast zum Schluss. Keine Wehen, die regelmässiger kamen oder in kürzeren Abständen oder intensiver wurden, etwas was man klar als Geburt bezeichnen hätte können…
Ich hatte nach dem Mittagessen sogar noch etwas geschlafen, ich sah beim Blick in den Spiegel etwas zerknautscht aus, aber ich dachte, das bisschen Kraft würde ich noch brauchen, es war mittlerweile 16Uhr, zwei Stunden vom Hebammen- Sommerfest waren geschafft. Unten stritten gerade der Große und sein Papa, woraufhin es dem Mann reichte und er selber einkaufen fuhr. Keine halbe Stunde später war er sogar schon wieder hier, die Kleinen stritten währenddessen laut im Garten, vielleicht war die Stimmung in der ganzen Familie angespannt. Ich dachte nur, so in einem Reihenhaus, neben Nachbarn von denen man die Kinder gross hat werden sehen (wie unsere Großen auch), Nachbarn die keinen Kinderlärm mehr machen, ist es komisch so lange und über Jahre hinweg noch immer Schimpfwörter, Zank und Streit im Minigarten zu generieren, so nahe zu haben und als einzige auszusenden. Die Nachbarn machen dafür anderen Krach, das ist mir klar, ob nun Freunde, Feste, Feuer oder rauchen im Garten, was im Sommer ins Schlafzimmer kriecht, aber es fiel mir so ganz bewusst auf an diesem Nachmittag bei offenen Fenster, vielleicht auch, weil ich gerade dabei war einer neuen Krachmacherin auf die Welt zu helfen.
Kurz vor 17Uhr kamen meine beiden Töchter ins Zimmer, die Große legte sich neben mich und erzählte mir etwas, die Kleine hüpfte erst auf dem Bett, dann auf dem Pezziball und brachte uns so zum Lachen. Der Mann machte die Kinder sowas wie Bettfertig, weil wir „Infinity War“ mit den Kindern gucken wollten, vor Zoes Abreise. Ein weiteres Zeichen an diesem Tag, denn die liegende Acht für unser Kind war so mein Zeichen für diese Schwangerschaft, ein sich schliessender Kreis, die Unendlichkeit… Nils hatte extra Chips und Süsskram für diesen Anlass zusammen mit dem Wunschfilm der Kinder gekauft, Zelda war leider auf dem Sofa schon eingeschlafen und umgebettet worden… ich hatte mich auf diesen Film gefreut, aber ich tippte auf meinem Handy, spielte Candy Crush, ging zwangzigtausend Mal auf Toilette, stöhnte wegen Rückenschmerzen, hatte Bauchweh, mir war schlecht, also kochte ich mir Magen- Darmtee… vom Film bekam ich soviel gar nicht mit. Aber das Sommerfest war geschafft.
Zelda war aufgewacht und ich dachte noch: „Oh nein! Wie soll man denn so ein Kind bekommen?! Wenn immer jemand getröstet werden muss?“ Aber konnte Anton überreden etwas eher mit mir hoch zugehen.
In der Hoffnung er würde dann schneller einschlafen. Ich war so fertig und schon wieder so müde. Wir lasen „Der Geburtstag“, davon wie der kleine Hase mit dem blauen Elefanten seinen Geburtstag feiert (noch so ein Zeichen, es lachte mich morgens beim Aufwachen mit Lilou an…) und im Anschluss gab Anton das Buch beim nochmal angucken mit eigenen Worten wieder, das war so süss, eine weitere Zauberminute für diesen Tag. Ohne Schmerzen, ohne Wehen wäre das noch besser gewesen. „Ich kann nimmer. Ich kann nimmer. Ich kann nimmer. Ich bin völlig ratlos und weiss nicht, was ich tun soll. Ich hab den ganzen Tag schon solche Schmerzen und Krämpfe. Ich kann echt einfach nicht mehr. Ich bin kraftlos und müde und ein Schatten meiner selbst, das bin nicht ich.“ Und dann schrieb ich das dem Mann…

 

Es war genau halb neun, als ich schrieb „Ich werde irre! Ich schwöre es!“– „Irre wegen Wehen oder Anton?!“– „Schmerzen!“ Und so kam er hoch in unser Schlafzimmer und dort pustete ich, denn Anton schlief. Emil würde heute keine Mama brauchen, der war bei Noah am Schlafen.
Ich heulte. So bitterlich. Ich hab an diesem Tag ohnehin soviel geweint, vor Schmerzen, vor Frust, vor Angst, ich dachte mir, lass es einfach laufen. Unten lief es wie oben. Es zeichnete den ganzen Tag schon, jetzt kam etwas Blut hinzu, was mich nicht sorgte, weil Lilou sich noch viel bewegte. Und fragte mich, ob sie den Ausgang aus dieser Schwangerschaft genauso suchte wie ich!?
War ja nun egal, lass laufen. Was ein Tag! Über 14Stunden ging das nun schon! Wo sollte das enden? Ich war fix und fertig. Und Nils nahm meinen Kram mit runter, meine Matte und meinen Ball. Und nach einem Toilettengang, die xte… war es fast schon unheimlich, nun da ich wusste, die Kleinen schlafen, legte sich ein Schalter einfach um und alles passierte so schnell, aber ich bekam noch alles mit. Ich hockte vorm Sofa und veratmete Wehen, echte und richtige Wehen. In diesem Alleingeburtsbuch hatte ich von dem Mantra „Ich bin weit wie der Ozean!“ gelesen, aber ich war eher der „Lilou im Weidenkörbchen auf hoher See und ich schwimme bei Wellengang zu ihr hin“- Typ… ich dachte noch an die armen, grossen Kinder und das ich auf einmal so laut geworden war, hoffentlich kamen die damit klar und in einer Pause von den Wehen sah mir der Mann in die Augen und meinte: „Sie kommt gleich, also entweder rufe ich noch deine Hebamme an. Oder du möchtest, dass ich deine Hebamme nicht anrufe.“ Und ich dachte verwirrt noch kurz „Wer kommt? (Er meinte Lilou.) Hat er sie schon angerufen? Und ja vielleicht besser, das dauert so lange, vielleicht ist sie ja ein Sternengucker!“ und somit ging ein weiterer Teil Balast ab, Hilfe würde kommen. Alles klar. Also schrieb Nils um 20:45Uhr rum eine WhatsApp.
Und während ich noch hörte, wie meine Hebamme am Telefon mit Nils diskutierte, „Bist du sicher?! Ich bin gerade angekommen…“ stöhn… pust… fragte ich mich, ob es noch Zeit genug wäre Oma Heide anzurufen, falls die Kleinen aufwachen… Nils kam wieder vom Telefonieren kurz vor 21Uhr, sichtlich zufrieden, wollte wissen, bleiben wir hier oder ziehen wir um? Hmm. Gott was hatte ich Angst, Anton würde aufwachen beim Umbetten. Aber hier bleiben? Im Wohnzimmer? Bei offener Treppe? Auch nicht so schlau, oben könnte man die Türe zumachen… also ging ich hoch, irgendwie zwischen zwei Wehen, so zwischen 21.10Uhr und 21.15Uhr muss das gewesen sein, nachdem der Mann Anton zum schlafendem Ben getragen hatte, dabei blieb mein Blick an den wunderschönen Kerzen hängen, die der Mann angezündet hatte. Oben war Tom bei Zoe im Zimmer. Nils legte mir die Matte vors Bett, das höher war als das Sofa und ich kreiste das Becken und stöhnte, angefeuert vom Mann. Und der Mann war der Beste. Er weiss Dinge zu sagen, mit einer Sicherheit, wie könnte ich die nicht glauben? „Ich kann nicht mehr! Ich kann nicht mehr!“- „Doch, du machst das alles ganz grossartig! Du hast es gleich geschafft! Sie ist gleich da!“ (Und er redete von der Fruchtblase, aber das fand ich Quatsch, überhörte ich einfach, denn die war ja morgens aufgegangen, dachte ich noch.) Und er merkte auch, genauso wie ich, dass die Wehen sich veränderten, ich fing an zu schreien. Von U zu A. Ich schrie ins Kissen. Ich glaube, wir wussten beide, dass wir mitten in der Übergangsphase waren und der Körper fing an zu schieben… diesen Luxus gönne ich mir immer im Bett, dauert ja meistens nur ein, zwei wenige Wehen, auf jeden Fall schnell und bis hierhin war ich immer auf Knien gewesen…  die war unten, die Maus. Ganz sicher. Auf das Pressen freu ich mich ja immer, für andere ist es ein Graus. In den Büchern steht überall man solle der Geburt nur positiv genug entgegen blicken, eine Frage der Einstellung quasi, wenn man sie sich nur kurz und schön genug visualiert, würde die Geburt auch so sein und erlebt werden können. Das konnte ich nicht. Noch nie. Ich hatte bis zuletzt auch Angst vor den Schmerzen und der Geburtsarbeit, nix mit Geburtsreise und orgastischen Gefühlen. Aber dieses Pressen? Da kann ich was tun, dann ist es fast geschafft, seit dem zweiten Kind bin ich da total euphorisch, fast geschafft, gleich ist mein Baby da. Ob es nun daran liegt, dass ich das besonders gut kann und mich deshalb drauf freue oder mich so drauf freue, dass ich es dann gut kann, wird sich nie beantworten lassen, ich begnüge mich damit, dass es hier dankenswerter Weise so ist, gerade nach der endlos erscheinenden Vorarbeit… Aber nun war es soweit, ich hatte es bis hierhin geschafft, ich zog um auf mein Bett. Und der Mann fragte noch, mit Decke oder ohne? Ohne, die stört ja nur, dachte ich noch. Hose noch ausziehen, die letzte Unterlage aus dem Krankenhaus von Antons Geburt schnell unter den Po, Nils wischte kurz nochmal sauber und dann waren wir auch schon bereit. Ich glaube, wir beide hätten das auch ohne Hebamme geschafft, hätten wir keine Wahl gehabt sowieso, so ein Baby lässt sich dann ja nicht mehr aufhalten, wir wussten jetzt sind wir in der letzten Phase, jetzt kommt die Maus und dann kam meine Hebamme zur Türe rein und wollte mich untersuchen: „Darf ich kurz!? Wann ist denn die Blase gesprungen? Oh ja, die kommt gleich!““ Bist du sicher?!“ Ich wollte es nur nochmal hören „Ja!“ Dann ging der Mann was holen oder nach Anton un den anderen Kindern sehen und kam gerade rechtzeitig um 21:31Uhr ins Zimmer. „Komm schnell! Mach die Türe zu!“,  sagte Elke sanft zu ihm. Und ich schrie. Erstmal kurz nachdenken, dahin, da weitet es sich, es britzelte dort… kurze Pause und bei der nächsten Wehe schrie und schob ich dank Erinnern wie das nochmal wieder und trotz lieber die Energie irgendwohin Pressen, statt schreien und sie war da… schwupps… lag auf meiner Brust, meinem Bauch um 21.34Uhr. Und sie roch so unverschämt gut und sie schimpfte und schrie. Ich weiss nicht genau, wie lang meine Hebamme da schon da war, aber es können nicht mehr als ein paar Minuten gewesen sein. Wir kuschelten Lilou in Handtücher und ich sah erstmal nur ihren kleinen Kopf, ihre Händchen, hielt sie fest und streichelte ihre weiche Haut, die das erste Mal Luft fühlte ausserhalb meines Bauchs und ich weinte Freudentränen, weil sie da war, das alles echt und kein Traum war, weil es ihr gut zu gehen schien der Stimme nach und auch weil ich es geschafft hatte. Und dann kamen recht schnell, erst Zoe und Tom, weil die Plazenta noch nicht da war und alles hübsch sauber und trocken war (hatte ja nicht wie sonst Unmengen Fruchtwasser), da war Zoe ja bei Zeldas Geburt ganz anders geworden. Als die beiden im Zimmer waren wurde geguckt, ob Lilou wirklich ein Mädchen ist, mir war wichtiger, ob der Hebammenblick schon das Gewicht gescannt hatte, aber eben weil mir wichtig war, ob alles okay wäre mit ihr, ich hatte mir ja noch sehr Sorgen gemacht, um das Menschlein, wegen weniger Wasser und weniger prophezeitem Geburtsgewicht. Alles war so auch etwas anders. Bei Zelda war es hektischer gewesen, ich hatte eine Spritze für die Nachwehen bekommen, Zelda wog ja auch mehr mit ihren 4790g, da wollte sie damals keine Blutung riskieren, jetzt wirkte meine Hebamme entspannter, wir warteten dass die Nabelschnur auspulsiert hatte, das durfte ich selber fühlen, so lange blubberte sie noch nach der Geburt, Zoe und Tom gingen und Noah kam hoch, aber da merkte ich die erste Nachwehe, da meinte ich noch, jetzt solle er aber schnell gucken und küssen und wieder raus in seinem eigenen Interesse…
Und schwupps, war die Plazenta da… da war also auch alles prima, die Geburt vollständig geschafft, der Mutterkuchen wurde auf eine Wickelunterlage ausgebreitet, es gab keine Verkalkungen zu sehen, der sah perfekt aus und war komplett. Das mit dem Anlegen war nicht so einfach und die Handtücher waren kalt geworden, weil nass, die Nabelschnur wurde erst nochmal gekürzt und mit Heilwolle trocken gelegt und wir Eltern zogen Lilou das erste Mal gemeinsam an, nackig bleiben wäre toll gewesen, aber sie sollte nicht frieren, das war mir wichtiger. Danach ging ich erstmal duschen (unter den Augen meiner Hebamme wegen dem Kreislauf und so, aber obwohl ich ja immer einen niedrigen Blutdruck aus der Hölle habe, selbst hochschwanger, kann ich nach so einer Leistung „einfach“ aufstehen und duschen gehen) und mein Lieblingsnachthemd anziehen.  Wir stiessen kurz an, Anton kam hinzu und wich nicht mehr von unserer Seite, der war vom Krach schon vor einer Weile wach geworden und musterte kritisch dieses Bündel, schlief lange nicht mehr ein, was später das Elternglück geniessen etwas schwieriger gestaltete, nachdem unsere Hebamme schon wieder auf dem Heimweg war, aber in dem Moment sprachen wir Frauen noch bei Kerzenschein, während Nils ein paar Dinge aufräumte, runter brachte, das sind ja nach einer Geburt immer so magische Momente… „Hättest du mal gedacht, hier zu liegen und acht Kinder zu haben?!“- „Nein.“ Und das stimmt, nicht nach diesen Fehlgeburten nach Bens Geburt, ab da war jedes weitere Kind nur noch wie Magie, nie im Leben hätte ich damals als vierfache Mama gedacht, dass ich in diesem Leben nochmal doppelt so viele Kinder haben würde… und das war auch nie der Plan. Obwohl wie schon so oft nieder geschrieben, bei und mit Nils war von Beginn an alles anders. „10Kinder? Ja, okay.“ Bis dahin wollte ich keine. Ich als Mutter? Wer könnte bekloppter als Mutter sein als ich? Aber mit diesem Jungen in meiner Wohnung? Alles schien möglich und dann erzählte ich ihr, erst von Nils, dann von Zoe, Noah, Tom, Ben, Emil, Anton, Zelda und nun Lilou…

41. Schwangerschaftswoche

September 13th, 2018

Ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll… ich bin definitiv nicht gern schwanger und ich mag jeden ganz doll verhauen, der mir erzählen möchte, dass ich den Bauch bald noch vermissen werde. Das mag ja sein, denn so ein schöner runder Bauch schreit nach Leben, nach Zauber, nach Wunder… aber ich bin ja nach vier verlorenen und sieben geborenen Kindern durchaus in der Lage mich zu erinnern… ich kann seit Januar nicht normal essen, es geht mir schlecht, ich hielt mich auf Trab, um fit zu bleiben, weil ich so gut wie alles allein machen muss, nicht weil ich will, nicht weil ich Hilfe ablehne, sondern weil da kein magisches Zauberpony in der Ecke wartet… dazu kommen all die Verantwortung, die ich trage seitdem ich denke, ich bin schwanger… all die Unsicherheit, die ja bitte immer hoffnungsvoll bleiben soll… meine Blutwerte werden gerade schlechter, das schiebt meine Rheumatologin auf die Schwangerschaft, in meinem Gesicht tut mir alles weh, weil da noch so ein Rest Erkältung sitzt, die ich einfach nicht richtig auskurieren kann, ich wuppe die Abende, an denen der Mann zur Physiotherapie muss und eigentlich ja nur etwas später kommt… ich könnte ewig so weiter machen… mein Körper schreit danach endlich verlassen zu werden, kein Gefäß mehr zu sein, auch wenn ich weiß wie viel Geburtsarbeit noch vor mir liegt (und mich erschaudern lässt, ich gebe es immer wieder zu) und dann die läppischen vier Wochen sowas wie Wochenbett, in denen ich mich von Schwangerschaft, Geburt und den Verletzungen erholen und heilen darf.

Schwanger sein ist für mich einfach der einzige legale Weg an ein Kind zu kommen… und es gab unendlich viele Momente in dieser Schwangerschaft, in denen ich dachte, ich mag das einfach nie mehr wieder erleben, wenn dieses eine Kind noch geboren wurde… ich bin einfach keine 21 mehr, Gott sei Dank und leider in einem.

Ich bin stolz, auf alles was ich in den letzten Wochen erreicht und geschafft habe, aber auch weil ich eben keine Wahl hatte, ich hielt mich wie oben beschrieben fit und hielt mein Aktivitätslevel hoch. „Überanstreng dich nicht“ las ich so oder ähnlich in den letzten Wochen der Ferien, aber jetzt mit der Schulzeit ist es gefühlt schlimmer, ob es nun an der noch einmal fortgeschrittenen Schwangerschaft mehr liegt, an meinen Immunsystem, dem Stress, der abfiel aber auch der Stress, der jetzt erstrecht präsent ist… Elternzeit schön und gut, aber was ist mit den besonders kraftraubenden Tagen vor der Geburt? Wie soll man entspannt in eine Geburt gehen? Ich bin emotional auch so müde, ich glaube, ein Stück weit verdaue ich noch, dass all mein Gefühl von „sie käme eher“, nicht eintraf, damit hab ich tatsächlich so überhaupt nicht gerechnet, nein schlimmer noch… Tag um Tag vergeht…

In der Maschinerie gefangen… in den letzten Monaten dachte ich oft an eine Alleingeburt, meine Geburt mit Anton war sehr traumatisch. Und die Geburt von Zelda zu Hause dagegen so schön und heilsam, der Rest nicht unbedingt. Der Weg hierher auch nicht. Oft habe ich mich allem entzogen, war Wochen nicht beim Arzt. Und nun?

Gestern war nach der Einschulung der erste richtige Tag im Alltag. Die Oma hatte kurz den Anton um 12Uhr vom Kindergarten geholt, aber fuhr dann gleich wieder weg, nach einem Schnack, während ich Mittag machte für die fünf Schulkinder, die um 13Uhr kamen… mir war etwas komisch gestern. Ich versuchte mich zu pflegen, bewusst langsamer zu machen, kümmerte mich um meine Füße (was für eine verfluchte Verrenkerei), Frühstückte in Ruhe, inhalierte, machte eine kleine Runde Sport für den Rücken… nach dem Mittagessen als die Spülmaschine lief, musste ich mal wieder den ganzen Tag zur Toilette. Im Anschluss wollte ich mich hinlegen und ausruhen, nur kurz, etwa 30min reichen ja, aber Zelda schlief ein und so war ich auf Habacht sie auch wirklich zu wecken im Anschluss, denn auch ohne Mittagsschlaf war sie letzte Woche mal bis 22Uhr wach und mit kann es dann mal Mitternacht werden, wenn man dann gern mal abends Luft holen möchte, ist das eher ungut, wenn ich eh bis nach 21Uhr zwei Kids in den Schlaf begleite, von denen einer die Nacht neben mir schläft… die Kinder stritten hier und da laut und ich verpustete etwas Schmerzen, zog mich ganz bewusst eine Stunde zurück trotz der Geräuschkulisse auch mit schlechtem Gewissen, weil ich es eben nicht zum Spielplatz oder ins Freibad geschafft hatte), ging später dann nochmal durch die Haare des Lausbuben, sicher ist sicher, machte Abendbrot und dann kam der Mann… jeden Abend begleite ich die Jungs… aber gestern wollte ich es aufteilen, Anton macht der Alltag wieder zu schaffen und ich wollte, dass er die Chance hat schnell einzuschlafen, das gelang dann dennoch erst gegen 20.30Uhr. In der Zwischenzeit hatte sich meine Hebamme schon gemeldet, ob ich dann jetzt wie verabredet zum Kreisssaal käme wegen der Vorsorge… also natürlich nochmal Toilette und loshupfen genau dahin, Stress Stress Stress… aber umso eher ich da wäre, käme ich wieder nach Hause…

So legte ich mich aufs Bett mit meinem engen Gurt, sie untersuchte mich, wie ich das hasse, aber die Hoffnung ist ja da, dass sich doch was getan hat und während ich da lag, plante sie schon die nächsten Tage. Ich war erst Montag bei der Vorsorge wegen der 40+3 Regelung, es waren gerade mal zwei Tage vergangen und ich soll am Freitag schon wieder zum Frauenarzt, in meinem Kopf schrillte es und schrillte noch lauter, als sie meinte, sonst massiere sie, wenn ich mag natürlich am Samstag mal den Muttermund, das kannte ich noch von Zelda und hatte tatsächlich geholfen vor zwei Jahren, aber ich war nur überfordert, ich ging gedanklich in Abwehrhaltung, ich war so müde… ich wollte das alles gar nicht hören, ich will doch nur hören, dass bald dieses Kind kommt… das CTG schrieb und sie meinte noch beim Hinausgehen, so vorbildlich würde unser Baby das machen, ich sehe so müde aus, da könnte ich schnell heim gehen… keine 5min später schlug das Gerät heftig Alarm, ich drückte auf den Herztonknopf und wartete, ob das Gepiepe aufhören würde, denn ich dachte sie war weg geflutscht… passiert ja… aber ich bekam schlimme Schmerzen, das kenne ich leider auch und Gott sei Dank weiß ich das einzuordnen, teilweise wachte ich nachts mit richtig starken Schmerzen auf, entweder liegt sie dann doof oder die Bauchmuskeln krampfen richtig, so dass ich kaum aufstehen kann… also lag ich da und wand mich und dann kam sie zurück und lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Herztöne… von entspannten 120Schlägen, hämmerte es nun bei über 185 und deswegen schlug das Gerät Alarm. Oh. Gar nicht schön und es hörte nicht auf… sie wand sich… wie schon Montag beim Arzt, aber da hatte ich im Sitzen schreiben dürfen und war so stolz auf mich gewesen, dass ich das erfragt hatte, da war sie aber auch nach fünf Minuten gleich ruhiger geworden, also genau anders herum… ihre Bewegungen waren aber gestern Abend so schmerzhaft, das kannte ich so nur von Ben. Ben war das eigentlich vorher Schädellagen- Kind, dass sich in der 40. Woche im Kreisssaal vor der Hebamme von Quer- in Beckenendlage gedreht hatte, um am nächsten Morgen wieder in Schädellage zu liegen, der unter der Geburt keine Anstalten machte, das Becken zu Kontakten und dann in einem Rutsch kam, aber vorher einmal mit den Schultern stecken geblieben war, dieses Verhalten zog sich ja nach der Geburt weiter… :) Bei Lilou ist das aber anders, sie sitzt seit Wochen ganz lieb und geduldig tief im Becken mit dem Kopf, nur ihren Körper dreht sie hin und her… oder sollte ich sagen wuchtet… nun empfahl meine Hebamme das Kind festzuhalten… damit sie sich beruhigt, aber das ist sie gar nicht gewöhnt, auch enge Kleidung behagt wieder ihr noch mir… sie ist da eher die Freischwimmerin. :) Ich machte mir dann echt Gedanken, meine Hebamme meinte, das wäre eigentlich nicht pathologisch, aber theoretisch müsste man jetzt länger CTG schreiben, mein Fluchtinstinkt war geweckt… noch länger? Ich schnaufte und stöhnte und Lilou flippte weiter aus… ich dachte, man darf gar nicht dran denken, was unter der Geburt in einem Krankenhaus passieren würde, wäre eine andere Hebamme hier neben mir… ich gab mir Mühe Lilou zu beruhigen, aber es gelang nicht wirklich. ich setzte mich dann auf, aber da war meine Hebamme schon wieder, hielt den Bauch und meinte fast schon anerkennend, aber eben so, dass ich mich verstanden fühlte, dass Lilou wirklich unglaublich viel Kraft hat und dass sie sehen würde, wie weh sie mir gerade täte… sie nahm das CTG ab… das half leider nicht weiter. Lilou beruhigte sich erst nachts, Stunden später… natürlich macht man sich als Schwangere Gedanken, ich fühlte ja, wie aufgewühlt sie war… und das war ich ebenso. Ich will diese Kaskade an Untersuchungen und Kontrollen nicht, aber ich mag auch weiterhin eine Hausgeburt. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll… ich wusste, dass sich so erschöpft wie ich war, kein Kind bekommen würde können. Irgendwann schlief ich ein und nur ein paar Stunden später war ich wieder wach und wurde gebraucht…

Ich bin so dankbar für diesen Mann, der seit Jahren saufrüh aufsteht und den Frühstücksdienst übernimmt, den Kindern Brote macht und seien sie noch so un- Bento, damit ich liegen bleiben kann, weil schwanger oder Stillnächte… Das tut so gut, aber der Rest klebt an mir… heute ist er sogar im Homeoffice, was nicht bedeutet, dass er mich betüddeln kann und mir alles abnehmen, aber das eine oder andere eben schon…

Ich mag am Liebsten flüchten… mich verstecken… vor den Sorgen, den Kontrollen, dem Warten… dem immer weiter Warten… ich kann gar nicht mehr aufzählen wie oft ich schon Küchenrolle oder Klopapier für die Zeit nach der Geburt nachgekauft habe, wie oft ich das Bad schon sauber geputzt habe, damit ich da ein paar Wehen in Ruhe veratmen kann und mich Pflegen nach der Geburt, wie oft ich Staub im Schlafzimmer gewischt habe, dass mein gut duftendes Gebärzimmer sein soll… ich fühl mich so emotional ausgelutscht und müde… und mir steckt der Abend noch in den Knochen, während ich überlegen muss, ob und wann und wie ich morgen erneut zur Kontrolle watscheln darf…  erwähnte ich schon wie emotional ausgelutscht ich mich fühle?

40. Schwangerschaftswoche

September 3rd, 2018

Ich stehe in meinem Schlafzimmer und denke, dass mir vermutlich irgendwann rückblickend diese Tage wie verzaubert vorkommen werden, aufgeladen, sehnsuchtsvoll, in Erwartung auf ein Wunder…
Tatsächlich wache ich jeden Morgen total genervt auf und realisiere, dass ich ja *immernoch* schwanger bin.
Alles ist schön hergerichtet, die Räume strahlen eine Wärme und Behaglichkeit aus, die sogar mich einlullen, die Kinder warten genauso liebevoll und erwartungsfroh auf die Geburt wie wir Großen. Was gäbe ich drum, noch ein paar Tage in den Ferien Zeit zu haben, zum Ankommen mit dem kleinen Babymädchen, ohne Alltag, ohne Schule und ohne Kindergarten. Einfach nur wir in unserer Blase, danach wäre ich sicherlich froh, der Papa dann auch, wenn die Kinder hier und da ein paar Stunden weg sein werden. Aber mit jeden Tag, der ereignislos vergeht, verstreicht einmal mehr die Möglichkeit auf ein in Ruhe Ankommen. Das macht mich unendlich traurig, gerade nachdem ich wie aufgezogen war, als wir vor (gerade mal) einer Woche hier ankamen und das vorherrschende Gefühl war, bloss noch schnell alles fertig zu haben, bevor…
Langsam wird mir alles zu viel, ich bin genervter von Kommentaren als sonst, ich möchte allein sein, meine Ruhe haben… und endlich dieses Baby gebären.
Hinzu kommt, ja das möchte ich auch festhalten, dass meine Hebamme gefühlt nicht so für mich da war und sein konnte, wie ich mir das gewünscht hätte, ich mich ab und an nur ins Leere meldete, sie nicht antwortete, ich mich dadurch nicht so gut aufgefangen und behütet fühlte, was dazu führte, dass ich oft dachte, dann mache ich das alles eben allein…
Meine Stimmung hat also einen Tiefpunkt erreicht. Ich bin gespannt, wann sich die Glückseligkeit in mir ausbreitet, weil unser Mädchen endlich da ist…
Bis dahin sorge ich dafür, dass ich jeden Tag eine Aufgabe habe, Läuse auskämmen zum Beispiel (uah) und einmal alle Bettwäsche waschen, Wände streichen, Einschulungs“geschenke“ einwickeln, Pakete zurück schicken und alles besorgen, was noch fehlt von letzten Geschenken über Hausschuhe zu wollenden Babysocken, Vorkochen, Schultaschen auf Vordermann bringen, Gesellschaftsspiele spielen und nach Tagen endlich nachlassendem Regen mal wieder auf den Spielplatz gehen und frische Luft atmen können… und dort wie so eine sehnsuchtsvolle naive Frau in freudiger Erwartung denken: „Wer weiss, wann ich das nächste Mal raus komme…“

Zerrissen

August 27th, 2018

Normalerweise fällt mir der Abschied von Meer unendlich schwer. Manchmal geht es etwas leichter, wenn wir Pfingten fahren durften und klar ist, dass wir nach dem Sommerwahnsinn nochmal kommen können… aber am Ende des Sommers ist es immer besonders traurig, bleischwer das Herz, weil man keine Ahnung hat, wann man wieder hier sein darf…

Dieses Jahr nochmal schlimmer, ist das Gefühlschaos perfekt, die Sorge auf die letzten Meter noch hier im Haus zu entbinden oder während der Fahrt heim (die letzte Geburt dauerte 1 1/2Stunden), gepaart mit der Aufregung und Vorfreude und gleichzeitig der Hoffnung und Sorge, ob man noch *alles* rechtzeitig schafft *vorher* zu Hause…

Und im Herzen bei jedem Abschied von Meer immer diese Zeitraffermomente vom Zauberhaus. Das Wissen, dass wir sehr wahrscheinlich beim nächsten Mal ein grosses Baby, fast Kleinkind dabei haben werden, denn so hochschwanger war ich hier oben noch nie. Das erste Mal so dermassen kugelrund, obwohl mir einfällt, dass ich mit Kugelbauch Ben, unserem ersten Septemberbaby, schon mal am Meer war, dennoch nicht so kurz vor dem Termin, damals noch im Bungalowhaus lange vor dem Neubau. Ansonsten fuhr ich schon öfter von Zauberhaus fort, frisch schwanger oder wurde es knapp danach, nicht immer durfte das Kind bei uns bleiben. Dennoch dreht sich alles um dieses Haus, diesen Ort, so viele Entscheidungen, die wir dort fällten, soviele Meilensteine, die wir dort erlebten…

Das erste Mal im Zauberhaus war ich allein mit Nils etwa ein dreiviertel Jahr nachdem wir uns kennen gelernt hatten, vielleicht wars auch schon ein Jahr her. Nils hatte mir nach unserem Kennenlernen am 11.August etwa einen Monat später einen Heiratsantrag gemacht und nun hier oben, fast ein Jahr später trotz unglaublich viel Streit, fanden wir den Mut alles genauer zu planen, denn dort gab es einen Leuchtturm, in dem man heiraten konnte und so wurde nur kurze Zeit später nach und durch diesen Urlaub alles ernster und greifbarer- die Anmeldung beim Standesamt im September für de Hochzeit im Februar, nur wurde es eine Mühle an der Nordsee, statt dem Leuchtturm an der Ostsee.
In diesem Jahr der Hochzeit waren wir nicht am Meer, denn ich war mittlerweile sehr schwanger, Zoe kam dann als unser erstes Kind im November und mit ihr fuhren wir als Familie im Sommer drauf das erste Mal ans Meer. Und fuhren mit Noah im Gepäck wieder heim. Ein Jahr später mit Noah als Baby und Zoe hoch… und wieder ein Jahr später frisch schwanger mit Tom im Bauch, ein Jahr später mit drei Kindern an der Hand und dem Wunsch nach Ben im Herzen wieder Heim. Diesen Urlaub vergesse ich nie, es war so klar, Tom braucht so einen Partner in Crime wie Zoe und Noah es waren und dann war ich wirklich ein Jahr später oben hochschwanger mit Ben im Bauch- ein Jahr später schon lief Ben mit 10 Monaten nackig am Strand entlang! Er lief! Es folgte eine furchtbare Zeit voller Kinderwunsch und Verlusten- ein langes schlimmes Jahr, ein Sommer an dem ich schwanger vom Meer weg fuhr und das dritte Kind in Folge nur kurze Zeit später verlor, um dann endlich Ende des Jahres mit Emil schwanger zu werden… Im folgenden Sommer drauf, dann mit einem einen Monat altem Baby ans Wasser, dann ein weiteres Jahr später wieder der Wunsch geflüstert in den Wind und wieder ein Jahr später mit Minibaby im Sommer und ein zweites Mal im Herbst dann mit drei Monate altem Anton ans Meer, ein Jahr später mehr als ein Wunsch, denn ich hatte bereits ganz frisch ein Baby unterm Herzen als wir mit sechs Kindern am Meer waren, im Sommer darauf war sie da, unsere zweite Tochter- Zelda- und wir besuchten die Ostsee mit sieben Kindern, ein Jahr später wieder eine Abfahrt mit Baby unterm Herzen, das nicht bleiben durfte und dann in diesem Jahr mit Riesenmurmel am Strand und ganz viel Hoffnung- so ging es Jahr um Jahr bis heute…

Aber nicht nur neue kleine Menschen begleiteten uns, die Kinder wuchsen und wuchsen, jedes Jahr gefühlte Meter… von den kleinen Babies am Strand blieb nicht fiel, daraus wurden Kinder, die allein an die Promenade gehen, abends spazieren, nach uns ins Bett oder gar nicht erst an den Strand… wie sich alle miteinander verändern, noch viel mit einander spielen, aneinander wachsen und miteinander aufwachsen ist schön zu sehen… und ganz besonders brennen sie sich ein diese Momente oben an der Ostsee, wenn Nils mit den Großen vor mir geht, während er den Kinderwagen schiebt, schiebt sich ein Bild über die junge Frau neben ihm, die meine Tochter sein soll, aber gerade erst von Papa und Opa auf den Schultern genau dort getragen wurde…

Dieser Sommer kommt nicht zurück…

August 16th, 2018

Wenn man hier Urlaub machen darf, dann bekommt man oft so einen Entspannungsdruck, man müsse quasi schon mit Schnuppern der Meeresluft auf der Stelle tiefenentspannt sein… dem ist leider nicht immer so, aber es wird ein wenig erwartet, ob nun von Dritten oder einem selber…

Nach einem Tag wie gestern, wo die zweite Läusekur anstand und ich mich vor Schmerzen abends kaum mehr auf den Beinen halten konnte, wird das schwierig mit dem dankbaren Genuss am Meer. Der schönste Abend war bisher verrückter Weise der Erste, vor Dankbarkeit und Erschöpfung zerfliessen, dass man den Weg geschafft hat, auch wenn ich super schlecht einschlafen konnte, denn genau an solchen Tagen, finde ich nicht zur Ruhe, der Körper ist so übern Punkt, es geht einfach nichts mehr, aber wie gesagt, der Abend war schön. :)

Ich bin dann gern jemand, der sich erinnert, unzufrieden mit sich oder der Gesamtsituation ist und dann anfängt Vergangenes zu beschönigen… dabei war ich in dem Moment, an den ich mich zu erinnern meine, genauso verunsichert, ob ich das Maximale aus dem Urlaub rausholen kann, ja das wird einem ja auch ein wenig vorgegaukelt in dieser Generation, du lebst quasi nur gut, wenn du die ganze Zeit gut drauf und glücklich bist und das funktioniert überhaupt gar nicht. Ich hab das für euch getestet.

Mal Loslassen, wenn nicht im Urlaub wann dann? Von der Fernbedienung und der Lieblingsserie, die einen sonst im Alltag gut tut und runter bringt und stattdessen ein Buch lesen und währenddessen zwanzig Mal auf Toilette müssen… :) Mal Loslassen von dem Müssen, dem wir sollten, den Essenszeiten, einfach allem und genau so schaffen besondere Momente zu erleben, die man im Alltag gar nicht hätte. Die Kinder beobachten im Spiel, genau zuhören und das Handy mal weg legen, wenn man angesprochen wird und eigentlich gerade mal 5 Minuten darin versinken wollte… Statt dem nach zu spüren, was gerade nicht da ist, ein feuerquallenfreier Pool, was anfangen mit dem, was da ist und so kam der Mann heute auf die Idee mit Schaufeln bewaffnet, den Kindern unten „einen Pool“ zu bauen am Strand und am Ende konnte er sechs Kinder begeistern, zum Teil auch nur kurz da gemeinsam zu buddeln und mitzubauen, diesen Moment habe ich heute so genossen!

Was sich daraus entwickelte, zu beobachten und auch abends, nach einem späten Nickerchen, weil ich total erschossen war, noch mal runter zu gehen, nochmal Badehosen anzuziehen, obwohl es schon fast Abendessenzeit gewesen wäre, zuzugucken und zu beobachten wie sie einander einbuddelten… fünf Kinder noch ganz aktiv hier unten, während zwei immer mehr und mehr in ihrem Zimmer versumpfen, für den Großen fast ein Feuerwerk, wenn man ihn mal nach unten lotsen kann, die Große ist zu vernünftig und sagt dann Sachen wie „Ich müsste auch mal wieder raus gehen!“ … all das hab ich heute aufgesogen. Die Gespräche mit Anton, der noch so viel Nähe braucht und immer mehr spricht, erzählt wo wir sind, „in die Dame“ und das wir mit dem Zug hergefahren sind… ich sauge alles auf. Emil, der so neben der Spur ist im Moment, die große Unruhe vor der Einschulung… Zelda, die die zwei Jahre weit überschritten hat, eigentlich so viel oder mehr spricht als Anton und sich so gut ausdrücken kann, riesig aussieht mit ihrem langen, schlanken Körper und so unfassbar niedlich ist… Noah, der sich rührend kümmert, die Großen beiden generell mit denen man sich schon ganz anders unterhalten kann und den Menschen hier und da zu fassen bekommt, der da heranwächst… Ben mit dem ich gestern ein paar gebratene Nudeln kaufen war, Tom der immer alles genau aufsaugt und aufnimmt… ich könnte ewig so weiter machen und du guckst und guckst und staunst und sehnst einen neuen kleinen Menschen herbei und begreifst in einem Bruchteil einer Sekunde, dass dieser Sommer so einmalig ist, nicht mehr zurück kommt und so einfach genossen werden muss, wie er kommt und geht, mit Wespen oder ohne, mit Quallen oder ohne… und während ich versuche aufzuschreiben, welche Gefühlsexplosionen, da heute und in den letzten Tagen in mir waren, steht der Mann mit den drei Großen auf der Terrasse und schaut sich dank Zoes Teleskop den Sternenhimmel an, nachdem ich mich herrlich mit fünf Kindern beim „Mensch ägere dich nicht!“ anmeckern konnte… :)

Ich mag niemanden belehren, nicht mal mich selbst, im Urlaub ist Zeit für die Dinge, die im Alltag oft keinen Platz finden, aber alles das, diese Liebe zu diesen Menschen hier, die ich Familie nennen darf, gehört kurz konserviert…

 

35+0

August 5th, 2018

So unwirklich, in wenigen Minuten bei 35+0, laut Arzt schon seit Freitag, egal wie ich es drehe, offiziell bin ich in der 36. Schwangerschaftswoche, was bedeutet: rund herum noch 35Tage ohne dich in meinen Armen.
Unwirklich, dass ich nach all der Unsicherheit, doch noch meine Hebamme sah, die ich vier Wochen nicht gesehen hatte und dass ich ihr morgen tatsächlich noch die Unterlagen für die Rufbereitschaft zur Hausgeburt in den Kreisssaal vorbei bringen werde und dort wahrscbeinlich eind Vorsorge machen lasse, damit hab ich wirklich nicht mehr unbedingt gerechnet. Eine grosse Erleichterung breitet sich nun in mir aus, zumindest mehr als zuvor… die Sorge war zu gross, der Widerstand noch grösser bei Wehenstart in diesen Kreisssaal gehen zu müssen, auf mich gestellt ohne Hebamme, die Sorge ist noch da, aber ich lese mich parallel in das Buch „Alleingeburt“ ein, nicht weil ich das so wahnsinnig attraktiv finde, sondern um mich zu stärken. Zeldas Geburt war so schnell und rasant und im Fall der Fälle, dass meine Hebamme (selbst theoretisch erst ab Septemver verfügbar) keine Zeit haben sollte, nicht erreichbar wäre, damit ich
stattdessen nicht sofort durchdrehe, falls dem so wäre…
Ruhig bleiben können, das wünsche ich mir auch für die kommenden vier oder fünf Wochen. Atmen, noch etwas geniessen können, vorfreuen und Vertrauen haben.
Unwirklich, dass ich in den kommenden sechs Tagen für eine weitere Reise an die Ostsee und 14Tage Urlaub dort packen soll. So unwiderstehlich der Gedanke auch ist, nochmal die lädierten Füsse ins Wasser zu halten, sich den Wind um die Ohren sausen zu lassen und vor allem noch mal Kraft zu tanken, da ist auch grosser Respekt vor dem Alleinsein dort oben, ohne Auto, ohne Hebamme und mit einer Geburtsstation, die eine Stunde entfernt ist, soviel zu meinem Buch und dem Selbstvertrauen, ich brauch das echt, den Mut zu wissen, ich schaffe das so oder so auch allein.
In diesem Zusammenhang dachte ich oft an die kleine Geburt Ende des letzten Jahres, über Tage hatte ich wahnsinnig grosse Schmerzen, körperlich wie seelisch und ich hab es völlig auf mich allein gestellt geschafft diesen Weg zu gehen, der für mich so wichtig und heilsam war. Diese Gewissheit suche ich auch jetzt in mir, neben dem Nestbau, dem Schönmachen des Hauses, dem Herrichten der Wäsche und des Schlafzimmers, dem Streichen der Wände, suche ich auch ganz viel in mir.
Wenn es meine letzte Geburt, mein letztes Wochenbett sein sollte, dann erwünsche ich es mir einfach nur schön. Ich suche Ruhe. Und horche in mich, auf Lilou und meine innere Stimme. Ich denke wir schaffen die Reise und entweder wuppen wir dann noch ein paar Tage zur Geburt oder wir verharren und nehmen noch Emils Einschulung mit, alles wird sich finden.
Aber es wirkt so nahe und fern gleichzeitig, wie war das auf der anderen Seite zu stehen? 5Wochen schwanger zu sein? Oder 7, wenn man die ersten zwei Wochen nicht zählt? Diese Unsicherheit und dieser lange Weg, der noch vor uns lag?
Ich spüre das kleine Mädchen immerzu, sie hat Kraft und Ausdauer. Aber sie kommt mir auch etwas zarter vor als ihre Geschwister.
Dennoch unwirklich, dass die Rumpeliese demnächst in meinen Armen liegen soll? Nur noch der August ohne dich? Dann machst du dich früher oder später auf den Weg?
Ich werde ein weiteres Mal zur Mama? Nur noch diese eine Reise und dann warten wir nur noch auf dich? So unwirklich!

Der Frau Kassiopeia ihr Zitronenkuchen

Juli 19th, 2018

Eigentlich ist das gar nicht mein Rezept, sondern das meiner Familie. Ein altes DDR- Rezept ursprünglich „Selterskuchen“ genannt. Und da ich letztens via Instagram voll gemeckert wurde, ich solle meine Rezepte gefälligst auch aufschreiben & teilen, versuche ich das mal… :) Es handelt sich um einen stinklangweiligen Tassenkuchen. Heißt man wiegt nichts ab, man misst alles in Tassen. Meine Lieblingsbacktasse fasst etwa 150-170g Wasser, je nach Schwapps. Und ich hab auch nicht so einen fancy Küchenhelfer oder schickes Maschinlein, sondern ein stinknormales, langweiliges, arme Leute Handrührgerät, das ich mit meinen Händen bediene.

Zutaten für einen Kastenkuchen:

  • 4 Eier
  • 3 Tassen Mehl
  • 2 Tassen Zucker
  • 1 Tasse Öl
  • 1 Tasse Sprudelwasser
  • 1 Zitrone (Abrieb der Ganzen, sowie ganzer Saft)
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Backpulver
  • Butter und Grieß für die Form
  • 1 Packung Puderzucker (250g)

und los gehts…

 

Zubereitung: 

  • Ofen auf 175/180Grad vorheizen
  • Form fetten und mit Grieß ausstreuen
  • in einer Schüssel die vier Eier mit dem Zucker schaumig rühren
  • Öl dazu geben & weiter rühren
  • Bio- Zitrone abreiben und den ganzen Abrieb dazu geben, aber nur ein paar Tropfen des Zitronensafts, denn Großteil davon landet später im Zuckerguss
  • sowie Salz & Backpulver
  • Mehl unterrühren
  • und ganz zum Schluss vorsichtig die ganze Tasse Sprudelwasser unterheben

Der Teig ist sehr flüssig und wird in die zu Beginn vorbereitete Form geschüttet und etwa 50Minuten bei 175/180Grad gebacken- unbedingt Stäbchenprobe machen. Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, auf einen Teller stürzen.

Für den Guss: 

Den Saft der Zitrone mit einem ganzen Päckchen Puderzucker mischen. Es sollte eine dicke, zähflüssige Masse entstehen, die auf dem Kuchen nur schwer verläuft und daher so eine schöne & blickdichte Zuckerkruste bildet, die je nach Lust und Laune zuvor eingefärbt und vorm Trocknen mit Streuseln oder was auch immer, aufgehübscht werden kann.

Der Sommer mit Lilou…

Juni 24th, 2018

Ich finde ja schon länger, das klingt wie ein wunderschöner Film- oder Buchtitel, der mir seit unserem letzten Ostseeurlaub im Kopf herum geistert.

Wenn ich also dazu käme, zu schreiben über diese Wochen mit dir in meinem Bauch, dann unter diesem Titel, dachte ich…

Morgen vollenden wir beide die 29. Schwangerschaftswoche und es kommt mir vor, als wäre ich schon eine Ewigkeit mit dir schwanger, als würde sich die Zeit gegen uns verschworen haben und absichtlich nur so träge und langsam Tag für Tag dahin kleckern. Tatsächlich ist es natürlich wirklich so, dass ich von dir weiß, mit einer gewissen Sicherheit seit dem allerersten Tag dieses neuen Jahres, also seit dem 1. Januar. Das ist natürlich schon länger her.

Ich bin mit dir durch fast kniehohen Schnee gestapft, durch den Wald kreuz und quer, habe mir so etwas Zeit gestohlen und versucht meinen Gedanken zu entgehen und meinen Sorgen so etwas entgegen setzen zu können und der Hoffnung entgegen zu laufen, die ich umso mehr spürte, als nach diesem eiskalten Winter endlich, endlich der Frühling kam. Den wir in Venedig, in den paar Tagen, etwas vorfühlen durften und dann umso wundervoller innerhalb von zwei Wochen zu Hause hereinbrach, mit unglaublich warmen Wetter, von gefühlt jetzt auf gleich und wunderschönen Farben, endlich wieder Farbe, die jeder eingesogen hat. Wir haben gemeinsam dem Heuschnupfen getrotzt und nun gab es schon Tage, die sehr heiß und freibadlastig waren… wir beide im kühlen Nass, ob erst im Meer oder hier zu Hause im blauen Wasser… Jede Sekunde davon genossen, aber so kommt es mir vor, als hätten wir schon drei Jahreszeiten hinter uns… aber wir haben im Gegenteil noch fast den ganzen Sommer vor uns, noch ist Juni, es fühlt sich eben nur so für mich an. Trost bringt ein wenig, es anders zu betrachten… 78 Tage klingen weitaus netter, als noch elf endlose Wochen :)

Ich teile mir alles ein, oder es wird eingeteilt. Vor uns liegen eigentlich nur noch fünf Schulwochen. In dieser Woche feiert Emil seinen sechsten Geburtstag, darauf freuen wir uns alle sehr, das Vorschulkind am meisten. Und dann am Ende dieser fünf letzten Wochen, voll mit Abschieden, Geschenken und Ausflügen, liegt der Rauswurf von Emil und einen Tag später Antons vierter Geburtstag. Wir haben dann im Anschluss zwei Wochen zu Hause für Sommer pur und machen uns dann so alles gut ist, ich dann sehr hoch schwanger, nochmal auf den Weg zur Ostsee ans Meer. Zwar leider nur für zwei statt drei Wochen, aber so bleiben uns noch ein paar Tage mehr zu Hause, nämlich noch mal zwei Wochen bis zur Einschulung von Emil und dem Beginn des September- Wahnsinns mit zig Elternabenden… in diesen letzten zwei Wochen, wäre es wundervoll, wenn du Lust hättest dich auf den Weg zu machen, damit du bei seiner Einschulung dabei wärst. Aber wie ich mich kenne, die letzten zwei Kinder habe ich übertragen, die zwei davor machten sich nur wenige Tage vor dem erratenen Termin auf den Weg in unsere Arme, werde „ich“ warten bis nach der Einschulung zum Gebären, weil ich sicher erst dann abschalten kann und du das spüren wirst. Aber es wäre wundervoll, du kämst eher zu uns, nicht nur weil Zoe sich gleich Ende der ersten Schulwoche auf den Weg nach Frankreich macht für fünf lange Tage, die ich ihr von Herzen gönne, aber ich hätte gern, wenn auch vorerst nur für einige wenige Tage alle meine acht Kinder im Haus, unter meinem Dach und meinen Fittichen. Und während ich diese Zahl denke und ausschreibe „ACHT“ bekomme ich Gänsehaut und mir steigen Tränen in die Augen…

Da ist so unendlich viel Vorfreude, so viel Aufregung, so viel Unruhe und nicht mehr aushalten können vor sich sehnen nach dir…

Nachdem ich ein paar Wochen glaubte, du wärst ein Junge und ich konnte mich noch erinnern, während dieses Satzes der Ärztin gedacht zu haben „Ist das nicht die Nabelschnur?“, aber weder hatte ich nochmal gefragt, noch konnte ich mir sicher deswegen sein, gab es vier Wochen eine leidige Namenssuche und irgendwie wollte nichts so recht passen. Das fand ich so komisch. Daran kann ich mich auch lebhaft erinnern. Wieso gefiel mir vor der Schwangerschaft der Name „Johann“ so gut und wollte dann überhaupt nicht passen? Als Mama hat man da ja so ein Bauchgefühl, zumindest ich spüre dem potenziellen Namen des Ungeborenen nach, versuche ihn in Verbindung zu bringen mit dem Zauberwesen in meinem Bauch, aber da war nichts… stattdessen gefiel mir ein französischer Name unheimlich gut, für den ich, solltest du deinen Penis doch gut versteckt haben, das alleinige Sorgerecht beantragen müsste… :) Nun kam es aber zum großen Organschall ganz anders, unser Lieblingsarzt sagte nur „Also das ist KEIN Junge“… und alles ergab auf einmal einen Sinn…

Nur kurze Zeit später, suchte ich an einem Wochenende gleich nach dem Frühstück auf dem Sofa eingemümmelt nach französischen Vornamen und verliebte mich sofort in einen Namen: Lilou. Das klang so schön, ja einfach perfekt. Aber da gab es noch unsere Familie, die härtesten Kritiker überhaupt und die fanden ihn auch richtig gut, allen voran der Papa, der augenblicklich in Lachen ausbrach und sowas meinte wie „Na, der passt zu Zelda.“ #Multipass

Die Jungs dieser Familie haben sich sehr, sehr gefreut, dass es nochmal ein Mädchen gibt und ich musste erstmal loslassen von diesem Bild, des kleinen Jungen, annehmen, dass Anton unser letzter und kleinster Sohn bleiben würde, so wie es aussieht und mich drauf freuen, dass ich das allererste Mal in meinem fast vierzehn Jahren als Mama, zwei Töchter haben werde, die nacheinander geboren wurden… zwei kleine Mädchen. Damit habe ich im Leben nicht mehr gerechnet. Und es klingt traumhaft. Ich freue mich so wahnsinnig auf dich!

In dieser Woche habe ich (neben den Dingen für einen Sohn zu Beginn der Schwangerschaft und Tragetücher), die ersten Sachen für dich gekauft, einen kleinen Kuschelanzug und eine Neugeborenenmütze. Eine Decke hätte ich noch gern, ein paar Schühchen sind noch gut, denke ich und ich brauche noch unbedingt Strickwesten und Kuschelhosen. Ich glaube, meine Vorlieben für die ersten Wochen sind da recht vorhersehbar, langer Body, falls es schon kälter sein sollte, Strickweste und Kuschelhose, darin verbrachte Zelda gemütlich ihre ersten Wochen und Monate bis es heiß wurde, da werden die Mädchen aber in komplett unterschiedlichen Wetterfronten geboren sein und daher muss ich da etwas umsortieren und mich noch mal in meinen Baby- Klamottenvorräten umsehen.

Zelda spricht schon so viel, wie wird es sein, wieder ein kleines Zauberwesen im Haus zu haben, dass sich nur durch Geräusche und kleine Gesten bemerkbar machen kann? Wie werden diese letzten Wochen? Auch so entspannt wie in der Schwangerschaft mit Zelda oder lauert irgendwo noch ein Krankenhausaufenthalt? Wie wird die Geburt? Schaffen wir nochmal so eine traumhafte Hausgeburt? Wird das Wochenbett entspannter als das Letzte? Haben wir dann noch viel Zeit zum Genießen oder überrollt uns dann schon der Alltag?

Vor uns liegt noch soviel Sommer und ich hoffe, wir schaffen uns diese letzten Wochen zu versüßen mit Vorfreude, Kraft tanken und Mitte finden.

 

„Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg“- 15+2

März 21st, 2018

Ende des letzten Jahres hatte ich so ein Gefühl…

Erst am 11. Dezember die Erleichterung, dass die Fehlgeburt mit dem nächsten Zyklus nun wahrhaftig überstanden war und dann fast 12 Wochen nach der Gewissheit an meinem Geburtstag, dass wir kein Baby im Juni bekommen würden, hatte ich wieder einen Eisprung.
Aber ich blieb bei mir, Ende des Jahres. Ich war unsicher, ob es bei einem Test doch noch einen Rest Beta- HCG unseres verlorenen Babies anzeigen würde und irgendwie, ja irgendwie weil ich mir auch nicht sicher sein konnte, ob dieses „Gefühl“ dieses Mal Bestand hätte und aus so einem „Dieses Jahr 2017 lassen wir jetzt wie es ist…“, machte ich am Neujahrsmorgen mit maximaler Willensstärke für mich „erst“ und mit maximaler Aufregung bei 4+0 einen Test und der war positiv.
Schlagartig war natürlich alles anders. Da war nicht nur dieses „Yay! Ein neues Jahr!“, sondern auch „Oh Gott, oh Gott! Hoffentlich wird es auch ein gutes Jahr! Ein Jahr voller Hoffnung, Glück und Freude! Ein Jahr mit einem weiterem Baby!“
Ich hab zwei oder drei Tage später nochmal getestet und der Test zeigte zwar mehr an, aber es hätte bittedanke auch noch deutlicher sein können, ich war verunsichert. Sehr.
Ich zwang mich dazu keine weiteren Tests zu machen, ich zwang mich dazu raus zu gehen und die Ferien zu geniessen mit den Kindern und ging erst bei 6+0 zur Ärztin. Und da war ein Herzschlag! Und zwei Wochen danach immer noch. Immer kleiner als die Ärztin rechnete, aber für mich zeitgerecht und das kleine Zauberwesen wuchs stetig, auch das liest sich nun so stimmig und wie vorher besitmmt, aber es war wahnsinnig aufregend und nicht immer einfach- und ich buk und buk meiner Aufregung entgegen…
Es war zum Teil auch schwierig, weil ich ja meine Medikamente nehmen musste gegen das Rheuma, dazu Progesteron und zum ersten Mal Blutverdünner und ich kam mir mit Folsäure und Vitamin D obendrauf eher krank vor, als guter Hoffnung, diese Last und Verantwortung keine Medikamente zu vergessen, das Progesteron bitte alle acht Stunden, das war eine Belastung. Und mir war unendlich schlecht und müde war ich und antriebslos, bin ich immer noch, kein Blumentopf zu holen gerade bei mir.
Zelda abzustillen fiel mir auch nicht leicht, aber diese Nächte gingen nicht mehr und das Stillen tat vor allem wahnsinnig weh. Ich bin noch immer unendlich dankbar, dass Nils mich dabei so unterstützt hat und mir Zelda von sich aus förmlich gemopst hat, um mit ihr Runden im Kinderwagen zu laufen bis sie schlief, bei mir war eher keine Beruhigung zu erwarten. :/ Mitterweile ist das scheinbar ewig her und ich bin sehr glücklich wie gut wir das hinbekommen haben.
Dass alle jetzt einschliesslich meiner Einer (inklusive Blasenentzündung) so oft krank waren in den letzten Wochen und noch der Heuschnupfen dazu, war jetzt auch nicht so aufbauend. Und nebenbei wuchs das kleine Wesen in mir, was ein Geschenk, während ich mir hier und da, auch wegen Röntgen beim Zahnarzt wahnsinnige Vorwürfe gemacht hatte.
Nun ist seit zwei Wochen emotionaler Ausnahmezustand, das kenne ich leider schon von anderen Schwangerschaften, diese besonderen Wochen, in denen ich für mich spät schon einmal ein sicher geglaubtes Kind verlor, dank eines Unfalls, das zerrt, zudem fast zeitgleich. Auch dieses Kind in meinen Bauch soll im September zur Welt kommen. Es ist oft hart, sich den Erinnerungen zu stellen, gerade morgen und übermorgen, sich nicht zu verlieren in alten Ängsten, tief durchzuatmen und mir zu sagen, dass ich dieses Kind so furchtbar wie es ist, zu jeder anderen Zeit im Jahr auch verlieren kann und auf ganz andere Weise. Aber ich weiss genau, was ich jetzt verlieren würde, das Wissen, das eine Sekunde reicht, um all das zu zerstören, eine falsche Stufe, eine Fehlentscheidung beim über die Straße gehen, ein falscher Softmarker beim Ultraschall, da ist einfach so eine Unruhe in mir, neben der Freude, die es definitiv auch gibt!
Die Kinder einzuweihen, war ein großes Fest, diesen Moment hatte ich spontan für mich allein, diese hemmungslose Freude war überwältigend, obwohl was heisst „Kinder“?! Zoe wusste es sofort, weil ich meine Periode nicht mit ihr bekommen hatte, kluges Mädchen das! Es war einfach wundervoll. Sie freuen sich so sehr, ehrlich und sind aufgeregt!
Und ich hab Kleidung gekauft, für einen Sohn schon vor einem Monat und neue Tragetücher…
Und auch wenn mich das weiter tragen der frohen Kunde unruhig macht, nach wie vor, als gäbe ich ein Stück vom Glück einfach her, ist es schön, die Freude und die gute Hoffnung zu teilen…

Es so müde… ein bißchen Mimimi…

Januar 26th, 2018

Ich geh schon die ganze Woche am Stock, bin halt auch hoch motiviert und ko gestartet, Sonntagmorgen erst nicht schwimmen, dafür beim Bäcker gewesen, den Mann schlafen lassen (mach ich sonst nie), dann war Nils ja Sonntagabend weg zu diesem Bloggerevent, während ich allein mit Geburtstagsvorbereitungen beschäftigt war und Kinder ins Bett bringen und dann wollte ich morgens früh raus, wegen den Überraschungs- Geburtstagsbrötchen und Ausschlafen des Mannes, dann stand ich eine Dreiviertelstunde in der Kälte bis der Schulbus kam und Zoe schon zum ersten Pratikumstag aufbrauch, Nils kam zwar wieder nach Hause wegen Bahn- Chaos und Schnee, aber arbeitend und ich kümmerte mich ums Abholen der Kindergartenkinder und all den anderen Kram, wie immer und weil Geburtstag… so oft hat er ja nun nicht Geburtstag. Abends waren wir dann Essen gemeinsam und zu Zweit und ewig spazieren und dann war ich platt. Die Nacht war kurz und ich wieder mittendrin am nächsten Tag, schnell die Getränkekisten hoch, viel Rechnungskram und dann ist das der Tag, an dem die zwei Jungs immer später kommen und mich das immer raus reißt am Nachmittag, zudem Anton momentan bei jedem Abholen im Kindergarten schreit wie am Spieß, sich auf den Boden wirft, wenn nicht im ersten Bus, dann im zweiten oder er steigt nicht aus, oder liegt dann an der Bushaltestelle, es ist wirklich ermüdend, auch zu Hause, er ist laut und schreit oft vor Frust, statt zu sprechen. Seufz. Phase. Geht vorbei, darf sie schneller. Zoe habe ich jeden Tag seit Dienstag morgens um 9Uhr verabschiedet und schon kurz nach 12Uhr in der Altstadt wieder eingesammelt nach dem Kindergarten, Mittwoch hatte ich dann morgens einen Arzttermin und der riss mich auch so raus aus meiner Morgenroutine und danach war ich gleich am Kindergarten, nachmittags kam sehr früh eine Freundin, Noah kam abends verletzt nach Hause gelaufen, ganz durch den Wind noch, weil er mit einem Freund beim Fangen spielen die Treppe runter gefallen war, die Nacht zum Donnerstag war übel, (generell sind die Nächte kurz und unterbrochen), Anton wuchtete sich nur von links nach rechts im Schlaf und abends hat es mich alles an Pobacken zusammen kneifen gekostet, noch schwimmen zu gehen, endlich mal wieder Zeit für mich und allein seit Samstag. Und heute denke ich nur: Durchhalten, irgendwie, obwohl mich die kommende Woche schon bedrohlich anlacht, Montag gleich zum Zahnarzt und vor allem weil Nils zwei Tage ein Event am Flughafen geplant hat und ich den Frühdienst übernehmen muss und mich eigentlich wieder Treffen will und und und, aber ich sagte mir „Das Wochenende kommt, da lädst du deinen Akku auf!“ dann kommt der Zweitklässler heim und verkündet: „Juhu! Morgen ist Schule! Freiarbeitssamstag!“ und alles was ich denken kann ist „Neee! NEEE! Bitte nicht!“, der bloße Gedanke morgen alles wieder schnell, schnell und husch, husch zu machen, lässt mich fast heulen. Und ich komm mir total albern dabei vorbei, nur ein paar Dinge hier hin und dort hin verschieben und dann passt das schon… Ich hatte mich gefreut mal wieder Schwimmen zu gehen, am Vormittag, wenn es noch leer ist, vielleicht Sonntag zu schwänzen, obwohl die Halle nächstes Wochenende zu hat, der Mann muss wie immer alles Frische morgen einkaufen gehen und kommt dann immer total beladen Heim und ich wollte entspannen und in Ruhe Frühstücken, mit dem Mann mal seit Ewigkeiten mittags mal wieder einen Kaffee trinken gehen, außerdem steht noch ein Einkauf beim Discounter auf dem Plan… ich bin so müde. Und ich brauch doch nur ne Pause und da wo ich sonst immer Unnötiges streiche, für das Schulkind ist das morgen wichtig und er freut sich drauf, Zwickmühle hoch Mama. Weder mag ich da morgen hin und mit anderen Eltern rumsitzen und arbeiten, noch mit sechs Kindern allein zurück bleiben, mal wieder und warten, dass sie zurück kommen… aber zwischen den drei Möglichkeiten müssen wir uns wohl entscheiden.