Der Sommer mit Lilou…

Juni 24th, 2018

Ich finde ja schon länger, das klingt wie ein wunderschöner Film- oder Buchtitel, der mir seit unserem letzten Ostseeurlaub im Kopf herum geistert.

Wenn ich also dazu käme, zu schreiben über diese Wochen mit dir in meinem Bauch, dann unter diesem Titel, dachte ich…

Morgen vollenden wir beide die 29. Schwangerschaftswoche und es kommt mir vor, als wäre ich schon eine Ewigkeit mit dir schwanger, als würde sich die Zeit gegen uns verschworen haben und absichtlich nur so träge und langsam Tag für Tag dahin kleckern. Tatsächlich ist es natürlich wirklich so, dass ich von dir weiß, mit einer gewissen Sicherheit seit dem allerersten Tag dieses neuen Jahres, also seit dem 1. Januar. Das ist natürlich schon länger her.

Ich bin mit dir durch fast kniehohen Schnee gestapft, durch den Wald kreuz und quer, habe mir so etwas Zeit gestohlen und versucht meinen Gedanken zu entgehen und meinen Sorgen so etwas entgegen setzen zu können und der Hoffnung entgegen zu laufen, die ich umso mehr spürte, als nach diesem eiskalten Winter endlich, endlich der Frühling kam. Den wir in Venedig, in den paar Tagen, etwas vorfühlen durften und dann umso wundervoller innerhalb von zwei Wochen zu Hause hereinbrach, mit unglaublich warmen Wetter, von gefühlt jetzt auf gleich und wunderschönen Farben, endlich wieder Farbe, die jeder eingesogen hat. Wir haben gemeinsam dem Heuschnupfen getrotzt und nun gab es schon Tage, die sehr heiß und freibadlastig waren… wir beide im kühlen Nass, ob erst im Meer oder hier zu Hause im blauen Wasser… Jede Sekunde davon genossen, aber so kommt es mir vor, als hätten wir schon drei Jahreszeiten hinter uns… aber wir haben im Gegenteil noch fast den ganzen Sommer vor uns, noch ist Juni, es fühlt sich eben nur so für mich an. Trost bringt ein wenig, es anders zu betrachten… 78 Tage klingen weitaus netter, als noch elf endlose Wochen :)

Ich teile mir alles ein, oder es wird eingeteilt. Vor uns liegen eigentlich nur noch fünf Schulwochen. In dieser Woche feiert Emil seinen sechsten Geburtstag, darauf freuen wir uns alle sehr, das Vorschulkind am meisten. Und dann am Ende dieser fünf letzten Wochen, voll mit Abschieden, Geschenken und Ausflügen, liegt der Rauswurf von Emil und einen Tag später Antons vierter Geburtstag. Wir haben dann im Anschluss zwei Wochen zu Hause für Sommer pur und machen uns dann so alles gut ist, ich dann sehr hoch schwanger, nochmal auf den Weg zur Ostsee ans Meer. Zwar leider nur für zwei statt drei Wochen, aber so bleiben uns noch ein paar Tage mehr zu Hause, nämlich noch mal zwei Wochen bis zur Einschulung von Emil und dem Beginn des September- Wahnsinns mit zig Elternabenden… in diesen letzten zwei Wochen, wäre es wundervoll, wenn du Lust hättest dich auf den Weg zu machen, damit du bei seiner Einschulung dabei wärst. Aber wie ich mich kenne, die letzten zwei Kinder habe ich übertragen, die zwei davor machten sich nur wenige Tage vor dem erratenen Termin auf den Weg in unsere Arme, werde „ich“ warten bis nach der Einschulung zum Gebären, weil ich sicher erst dann abschalten kann und du das spüren wirst. Aber es wäre wundervoll, du kämst eher zu uns, nicht nur weil Zoe sich gleich Ende der ersten Schulwoche auf den Weg nach Frankreich macht für fünf lange Tage, die ich ihr von Herzen gönne, aber ich hätte gern, wenn auch vorerst nur für einige wenige Tage alle meine acht Kinder im Haus, unter meinem Dach und meinen Fittichen. Und während ich diese Zahl denke und ausschreibe „ACHT“ bekomme ich Gänsehaut und mir steigen Tränen in die Augen…

Da ist so unendlich viel Vorfreude, so viel Aufregung, so viel Unruhe und nicht mehr aushalten können vor sich sehnen nach dir…

Nachdem ich ein paar Wochen glaubte, du wärst ein Junge und ich konnte mich noch erinnern, während dieses Satzes der Ärztin gedacht zu haben „Ist das nicht die Nabelschnur?“, aber weder hatte ich nochmal gefragt, noch konnte ich mir sicher deswegen sein, gab es vier Wochen eine leidige Namenssuche und irgendwie wollte nichts so recht passen. Das fand ich so komisch. Daran kann ich mich auch lebhaft erinnern. Wieso gefiel mir vor der Schwangerschaft der Name „Johann“ so gut und wollte dann überhaupt nicht passen? Als Mama hat man da ja so ein Bauchgefühl, zumindest ich spüre dem potenziellen Namen des Ungeborenen nach, versuche ihn in Verbindung zu bringen mit dem Zauberwesen in meinem Bauch, aber da war nichts… stattdessen gefiel mir ein französischer Name unheimlich gut, für den ich, solltest du deinen Penis doch gut versteckt haben, das alleinige Sorgerecht beantragen müsste… :) Nun kam es aber zum großen Organschall ganz anders, unser Lieblingsarzt sagte nur „Also das ist KEIN Junge“… und alles ergab auf einmal einen Sinn…

Nur kurze Zeit später, suchte ich an einem Wochenende gleich nach dem Frühstück auf dem Sofa eingemümmelt nach französischen Vornamen und verliebte mich sofort in einen Namen: Lilou. Das klang so schön, ja einfach perfekt. Aber da gab es noch unsere Familie, die härtesten Kritiker überhaupt und die fanden ihn auch richtig gut, allen voran der Papa, der augenblicklich in Lachen ausbrach und sowas meinte wie „Na, der passt zu Zelda.“ #Multipass

Die Jungs dieser Familie haben sich sehr, sehr gefreut, dass es nochmal ein Mädchen gibt und ich musste erstmal loslassen von diesem Bild, des kleinen Jungen, annehmen, dass Anton unser letzter und kleinster Sohn bleiben würde, so wie es aussieht und mich drauf freuen, dass ich das allererste Mal in meinem fast vierzehn Jahren als Mama, zwei Töchter haben werde, die nacheinander geboren wurden… zwei kleine Mädchen. Damit habe ich im Leben nicht mehr gerechnet. Und es klingt traumhaft. Ich freue mich so wahnsinnig auf dich!

In dieser Woche habe ich (neben den Dingen für einen Sohn zu Beginn der Schwangerschaft und Tragetücher), die ersten Sachen für dich gekauft, einen kleinen Kuschelanzug und eine Neugeborenenmütze. Eine Decke hätte ich noch gern, ein paar Schühchen sind noch gut, denke ich und ich brauche noch unbedingt Strickwesten und Kuschelhosen. Ich glaube, meine Vorlieben für die ersten Wochen sind da recht vorhersehbar, langer Body, falls es schon kälter sein sollte, Strickweste und Kuschelhose, darin verbrachte Zelda gemütlich ihre ersten Wochen und Monate bis es heiß wurde, da werden die Mädchen aber in komplett unterschiedlichen Wetterfronten geboren sein und daher muss ich da etwas umsortieren und mich noch mal in meinen Baby- Klamottenvorräten umsehen.

Zelda spricht schon so viel, wie wird es sein, wieder ein kleines Zauberwesen im Haus zu haben, dass sich nur durch Geräusche und kleine Gesten bemerkbar machen kann? Wie werden diese letzten Wochen? Auch so entspannt wie in der Schwangerschaft mit Zelda oder lauert irgendwo noch ein Krankenhausaufenthalt? Wie wird die Geburt? Schaffen wir nochmal so eine traumhafte Hausgeburt? Wird das Wochenbett entspannter als das Letzte? Haben wir dann noch viel Zeit zum Genießen oder überrollt uns dann schon der Alltag?

Vor uns liegt noch soviel Sommer und ich hoffe, wir schaffen uns diese letzten Wochen zu versüßen mit Vorfreude, Kraft tanken und Mitte finden.

 

„Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg“- 15+2

März 21st, 2018

Ende des letzten Jahres hatte ich so ein Gefühl…

Erst am 11. Dezember die Erleichterung, dass die Fehlgeburt mit dem nächsten Zyklus nun wahrhaftig überstanden war und dann fast 12 Wochen nach der Gewissheit an meinem Geburtstag, dass wir kein Baby im Juni bekommen würden, hatte ich wieder einen Eisprung.
Aber ich blieb bei mir, Ende des Jahres. Ich war unsicher, ob es bei einem Test doch noch einen Rest Beta- HCG unseres verlorenen Babies anzeigen würde und irgendwie, ja irgendwie weil ich mir auch nicht sicher sein konnte, ob dieses „Gefühl“ dieses Mal Bestand hätte und aus so einem „Dieses Jahr 2017 lassen wir jetzt wie es ist…“, machte ich am Neujahrsmorgen mit maximaler Willensstärke für mich „erst“ und mit maximaler Aufregung bei 4+0 einen Test und der war positiv.
Schlagartig war natürlich alles anders. Da war nicht nur dieses „Yay! Ein neues Jahr!“, sondern auch „Oh Gott, oh Gott! Hoffentlich wird es auch ein gutes Jahr! Ein Jahr voller Hoffnung, Glück und Freude! Ein Jahr mit einem weiterem Baby!“
Ich hab zwei oder drei Tage später nochmal getestet und der Test zeigte zwar mehr an, aber es hätte bittedanke auch noch deutlicher sein können, ich war verunsichert. Sehr.
Ich zwang mich dazu keine weiteren Tests zu machen, ich zwang mich dazu raus zu gehen und die Ferien zu geniessen mit den Kindern und ging erst bei 6+0 zur Ärztin. Und da war ein Herzschlag! Und zwei Wochen danach immer noch. Immer kleiner als die Ärztin rechnete, aber für mich zeitgerecht und das kleine Zauberwesen wuchs stetig, auch das liest sich nun so stimmig und wie vorher besitmmt, aber es war wahnsinnig aufregend und nicht immer einfach- und ich buk und buk meiner Aufregung entgegen…
Es war zum Teil auch schwierig, weil ich ja meine Medikamente nehmen musste gegen das Rheuma, dazu Progesteron und zum ersten Mal Blutverdünner und ich kam mir mit Folsäure und Vitamin D obendrauf eher krank vor, als guter Hoffnung, diese Last und Verantwortung keine Medikamente zu vergessen, das Progesteron bitte alle acht Stunden, das war eine Belastung. Und mir war unendlich schlecht und müde war ich und antriebslos, bin ich immer noch, kein Blumentopf zu holen gerade bei mir.
Zelda abzustillen fiel mir auch nicht leicht, aber diese Nächte gingen nicht mehr und das Stillen tat vor allem wahnsinnig weh. Ich bin noch immer unendlich dankbar, dass Nils mich dabei so unterstützt hat und mir Zelda von sich aus förmlich gemopst hat, um mit ihr Runden im Kinderwagen zu laufen bis sie schlief, bei mir war eher keine Beruhigung zu erwarten. :/ Mitterweile ist das scheinbar ewig her und ich bin sehr glücklich wie gut wir das hinbekommen haben.
Dass alle jetzt einschliesslich meiner Einer (inklusive Blasenentzündung) so oft krank waren in den letzten Wochen und noch der Heuschnupfen dazu, war jetzt auch nicht so aufbauend. Und nebenbei wuchs das kleine Wesen in mir, was ein Geschenk, während ich mir hier und da, auch wegen Röntgen beim Zahnarzt wahnsinnige Vorwürfe gemacht hatte.
Nun ist seit zwei Wochen emotionaler Ausnahmezustand, das kenne ich leider schon von anderen Schwangerschaften, diese besonderen Wochen, in denen ich für mich spät schon einmal ein sicher geglaubtes Kind verlor, dank eines Unfalls, das zerrt, zudem fast zeitgleich. Auch dieses Kind in meinen Bauch soll im September zur Welt kommen. Es ist oft hart, sich den Erinnerungen zu stellen, gerade morgen und übermorgen, sich nicht zu verlieren in alten Ängsten, tief durchzuatmen und mir zu sagen, dass ich dieses Kind so furchtbar wie es ist, zu jeder anderen Zeit im Jahr auch verlieren kann und auf ganz andere Weise. Aber ich weiss genau, was ich jetzt verlieren würde, das Wissen, das eine Sekunde reicht, um all das zu zerstören, eine falsche Stufe, eine Fehlentscheidung beim über die Straße gehen, ein falscher Softmarker beim Ultraschall, da ist einfach so eine Unruhe in mir, neben der Freude, die es definitiv auch gibt!
Die Kinder einzuweihen, war ein großes Fest, diesen Moment hatte ich spontan für mich allein, diese hemmungslose Freude war überwältigend, obwohl was heisst „Kinder“?! Zoe wusste es sofort, weil ich meine Periode nicht mit ihr bekommen hatte, kluges Mädchen das! Es war einfach wundervoll. Sie freuen sich so sehr, ehrlich und sind aufgeregt!
Und ich hab Kleidung gekauft, für einen Sohn schon vor einem Monat und neue Tragetücher…
Und auch wenn mich das weiter tragen der frohen Kunde unruhig macht, nach wie vor, als gäbe ich ein Stück vom Glück einfach her, ist es schön, die Freude und die gute Hoffnung zu teilen…

Es so müde… ein bißchen Mimimi…

Januar 26th, 2018

Ich geh schon die ganze Woche am Stock, bin halt auch hoch motiviert und ko gestartet, Sonntagmorgen erst nicht schwimmen, dafür beim Bäcker gewesen, den Mann schlafen lassen (mach ich sonst nie), dann war Nils ja Sonntagabend weg zu diesem Bloggerevent, während ich allein mit Geburtstagsvorbereitungen beschäftigt war und Kinder ins Bett bringen und dann wollte ich morgens früh raus, wegen den Überraschungs- Geburtstagsbrötchen und Ausschlafen des Mannes, dann stand ich eine Dreiviertelstunde in der Kälte bis der Schulbus kam und Zoe schon zum ersten Pratikumstag aufbrauch, Nils kam zwar wieder nach Hause wegen Bahn- Chaos und Schnee, aber arbeitend und ich kümmerte mich ums Abholen der Kindergartenkinder und all den anderen Kram, wie immer und weil Geburtstag… so oft hat er ja nun nicht Geburtstag. Abends waren wir dann Essen gemeinsam und zu Zweit und ewig spazieren und dann war ich platt. Die Nacht war kurz und ich wieder mittendrin am nächsten Tag, schnell die Getränkekisten hoch, viel Rechnungskram und dann ist das der Tag, an dem die zwei Jungs immer später kommen und mich das immer raus reißt am Nachmittag, zudem Anton momentan bei jedem Abholen im Kindergarten schreit wie am Spieß, sich auf den Boden wirft, wenn nicht im ersten Bus, dann im zweiten oder er steigt nicht aus, oder liegt dann an der Bushaltestelle, es ist wirklich ermüdend, auch zu Hause, er ist laut und schreit oft vor Frust, statt zu sprechen. Seufz. Phase. Geht vorbei, darf sie schneller. Zoe habe ich jeden Tag seit Dienstag morgens um 9Uhr verabschiedet und schon kurz nach 12Uhr in der Altstadt wieder eingesammelt nach dem Kindergarten, Mittwoch hatte ich dann morgens einen Arzttermin und der riss mich auch so raus aus meiner Morgenroutine und danach war ich gleich am Kindergarten, nachmittags kam sehr früh eine Freundin, Noah kam abends verletzt nach Hause gelaufen, ganz durch den Wind noch, weil er mit einem Freund beim Fangen spielen die Treppe runter gefallen war, die Nacht zum Donnerstag war übel, (generell sind die Nächte kurz und unterbrochen), Anton wuchtete sich nur von links nach rechts im Schlaf und abends hat es mich alles an Pobacken zusammen kneifen gekostet, noch schwimmen zu gehen, endlich mal wieder Zeit für mich und allein seit Samstag. Und heute denke ich nur: Durchhalten, irgendwie, obwohl mich die kommende Woche schon bedrohlich anlacht, Montag gleich zum Zahnarzt und vor allem weil Nils zwei Tage ein Event am Flughafen geplant hat und ich den Frühdienst übernehmen muss und mich eigentlich wieder Treffen will und und und, aber ich sagte mir „Das Wochenende kommt, da lädst du deinen Akku auf!“ dann kommt der Zweitklässler heim und verkündet: „Juhu! Morgen ist Schule! Freiarbeitssamstag!“ und alles was ich denken kann ist „Neee! NEEE! Bitte nicht!“, der bloße Gedanke morgen alles wieder schnell, schnell und husch, husch zu machen, lässt mich fast heulen. Und ich komm mir total albern dabei vorbei, nur ein paar Dinge hier hin und dort hin verschieben und dann passt das schon… Ich hatte mich gefreut mal wieder Schwimmen zu gehen, am Vormittag, wenn es noch leer ist, vielleicht Sonntag zu schwänzen, obwohl die Halle nächstes Wochenende zu hat, der Mann muss wie immer alles Frische morgen einkaufen gehen und kommt dann immer total beladen Heim und ich wollte entspannen und in Ruhe Frühstücken, mit dem Mann mal seit Ewigkeiten mittags mal wieder einen Kaffee trinken gehen, außerdem steht noch ein Einkauf beim Discounter auf dem Plan… ich bin so müde. Und ich brauch doch nur ne Pause und da wo ich sonst immer Unnötiges streiche, für das Schulkind ist das morgen wichtig und er freut sich drauf, Zwickmühle hoch Mama. Weder mag ich da morgen hin und mit anderen Eltern rumsitzen und arbeiten, noch mit sechs Kindern allein zurück bleiben, mal wieder und warten, dass sie zurück kommen… aber zwischen den drei Möglichkeiten müssen wir uns wohl entscheiden.

„Mit euch stimmt doch was nicht!“…

Januar 24th, 2018

Wir werden regelmässig gefragt, ob wir schon immer wussten, dass wir so viele Kinder wollten oder wie das so ist? Oder obs dann auch schon egal war? Wie das passiert ist?- Obwohl das natürlich jeder weiss, also woher Kinder so kommen können. Oder man bekommt den total neuen Vorschlag, dass eine Schwangerschaft ja auch zu verhindern sei. Oder das übliche Großfamilien- Bullshit- Bingo. Der Mann sagt da regelmässig so ein Sprüchlein auf, ich fand das sehr spannend von ihm zu hören, vor allem, weil ich das ganz anders erlebt habe.
Also ja und nein, wir wussten das nicht. Ja- denn warum auch immer, am ersten Abend mit diesem Jungen, hörte ich mich Dinge sagen wie „Ja, voll toll! Großfamilie! Kann ich mir auch vorstellen!“ ICH! Zu ihm. Da hatte ich ihn das erste Mal gesehen und dieser Typ redete von zehn Kindern. Warum auch immer, völlig egal. Fakt ist, mit ihm kam mir das leicht über die Lippen. Es gab nämlich auch eine Zeit, da wollte ich gar keine Kinder. Weil ich dachte, ich wäre viel zu irre dafür und könnte das nicht gut. Und es wäre definitiv besser für mich und diese fiktiven Kinder, sie gar nicht erst zu bekommen.
Nein, weil man das nicht in dem Sinne plant oder planen kann? Ich hatte keine Ausbildung und in dem Moment, in dem ich mein Leben in den Griff bekam, sehr früh heiratete, ich war ja erst 20, in der Schule Erfolg hatte, mit meiner Depression umgehen konnte, da war ich schon schwanger, also in dem Moment, wo ich dachte, ich könnte dann wenn es eben nicht klappen sollte, doch vorher eine Ausbildung machen, war mein Lebensweg entschieden. Denn für mich war klar, ich muss meine Zeit sinnvoll nutzen. Kann ich jetzt keine Ausbildung machen, bekomme ich eben vorher Kinder, vielleicht ist es später zu spät und ich bin heute froh drum, so gefühlt und gedacht zu haben, denn ich hatte Recht! Es klappt nicht immer alles so einfach, wie man sich das zurecht gelegt oder „geplant“ hat, schon gar nicht mit zunehmenden Alter und das ich für mich Recht haben würde, erlebte ich schmerzlich nur ein paar Jahre später.
Als Zoe dann da war, war ich fix und fertig. Sie war kein Anfängerbaby! Es war emotional eine totale Achterbahnfahrt. Ich liebte sie so sehr, aber ich war überrumpelt von meinen Gefühlen, davon dass mich dieses kleine Wesen so in den Wahnsinn treiben konnte und an den Rand meiner Kräfte! Ich hatte nicht das Gefühl, alles richtig zu machen, ich fühlte mich unzulänglich, nicht gut genug. Und dennoch haben wir das irgendwie hinbekommen und obwohl sie mich oder uns, aber ich mag bewusst bei mir bleiben, also mich so gefordert hatte, ich einfach so durchgeschüttelt wurde, wusste ich als sie sechs Monate alt war, entgegen dem Moment im Kreissaal: „DAS will ich noch mal! Ich möchte einen kurzen Altersunterschied, ich möchte ein Geschwisterchen für dieses Mädchen.“ Und dann kam Noah wirklich! Was eine Zeit!- keine einfache Schwangerschaft, Streit mit der Familie, es war nicht so schön. Aber Noah war trotz aufwühlendem Start ein super lieber kleiner Kerl. Auch ein bißchen schon immer unser Sorgenkind aus verschiedenen Gründen, aber ganz anders als Zoe, die toll ist! Und ich war zufrieden und glücklich mit meinen beiden Kleinen. So richtig gefordert mit zwei Kindern unter zwei Jahren, aber zufrieden und wollte so schnell kein weiteres Kind, Nils schon. Und dann gibt es eben diese Geschichte mit dem Arzt, ich war schon darauf vorbereitet, immerhin hatten wir uns für natürliche Familienplanung entschieden, aber der Tom war Schicksal. Und dann gab es später den Moment mit drei Kindern im Urlaub, ich kann mich heute noch daran erinnern, dass wir uns beide ansahen und da fehlte jemand. Und dann kam Ben, aber immer… und wir hatten diese Grenze schon erreicht beim dritten Kind, allein das war ja total unnormal mit 24 das dritte Kind bekommen zu haben, immer war der Druck von Außen enorm. Ich glaube, jeder der das dritte Kind bekommen hat, kennt diese Sätze, die man dann hört. „War das geplant?“, „Nun ist aber Schluss?!“, Fernseher, Hobbies, Kondome, Religion- da lag schon alles auf dem Tisch. Wir hatten diese Grenze überschritten. Mit Anlauf. Und dieses Hürde im eigenen Kopf, im Herzen zu nehmen? Immer dieses eigene Hinterfragen? „Warum machst du das jetzt?“, „Was kompensierst du damit?“, „Was stimmt mit mir nicht?“- das war immer da, die ganze Zeit. Das ist das Stigma, was man trägt. Ein exotisches Wesen, das Dinge ganz anders „plant“. Ich habe selber ab und an Großfamilien gefragt: „Woher wusstet ihr, dass ihr wirklich noch mehr wolltet?“ und werde es heute auch sehr regelmässig gefragt. Meist kennt man die Antwort auf die Frage, ob man noch ein Kind möchte, schon bevor man die Frage gestellt hat, man geht nur so nochmal alles im Kopf durch, glaube ich. Unverantwortlich. Nicht weitsichtig genug, fahrlässig und „Wenn nun was passiert?“
Typsache. Ich bin definitiv eine Frau, die alles stubenlang herumwälzt und durch denkt, immer, gern nachts, gerade dann, Tage oder Monate immer und immer wieder. Aber ich kann so nicht leben, immer mit dem Worst Case im Nacken. Ich treffe sinnvolle Entscheidungen, lege Geld für die Kinder zur Seite, wenn es auch nicht viel für jedes Einzelne ist, weiß realistisch, dass ich ihnen vieles nicht ermöglichen werde können, so wie andere Eltern es tun, aber das nehme ich in Kauf. Ich habe keinen Ehevertrag, keinen Fallback. Weil es auch nie so kommen wird, wie ich mir das gedacht habe. Ich muss dann flexibel und anpassungsfähig sein. So sehe ich das, anders könnte ich wohl auch nicht leben wie wir es tun.
Ich könnte da noch weiter ausholen, aber das war nicht, was ich erzählen wollte.
Als Ben dann also da war, ich wurde 26 nach seiner Geburt und versuchte Monate später noch mal schwanger zu werden hat mir das Leben mit Wucht und Macht gezeigt, dass man eben nicht alles beschließen und planen kann, wie man denkt. Eine Fehlgeburt jagte die nächste und ich war emotional so ausgebeutelt als ich dann nach drei Verlusten in neun Monaten endlich dauerhaft schwanger war, mich darauf einlassen, das Glück annehmen, vorbehaltlos Freude empfinden, es ging nicht, vielleicht weil auch diese Schwangerschaft eine Zitterpartie war. Und ich glaube, es sind diese Erfahrungen die dich Demut lehren und echte Dankbarkeit, wenn eines deiner Kinder eventuell Trisomie haben könnte und dir am Ende der anderen Schwangerschaft gesagt wird, der Magen des Babies sei viel zu klein und das müsse man dann mal sehen, wenn das Kind zur Welt gekommen sei, diese Erfahrungen erden. Da ist es keine Phrase, dass jedes Kind ein Geschenk ist. Ich fühlte das genau so. Jedes Kind so einzigartig und wundervoll (und anstrengend, wie ich als Mutter :) )
Also nein, diese Kinder sind nicht einfach so (aus Versehen) passiert und es ist sowas von nicht egal, ob da nun noch einer mehr ist oder nicht, abgesehen von der Mehr- Arbeit, ist es eben auch mehr schön. Mehr einzigartig. Es war ein harter Kampf mit mir selbst, mich selbstbestimmt für mein Leben zu entscheiden, was immer noch heute und immer wieder unter die Lupe genommen und auseinander gepflückt wird, für dieses Leben mit dieser Familie, für diese Art zu Leben. Und auf der anderen Seite ein Leichtes jedes Kind zu bejahen und trotz Selbstzweifel, ob man dem wirklich, wirkllich, wirklich gewachsen sein wird, ob man das alles schaffen kann und wie nur- einfach ein Nicken, ein Blick, ein Händedruck, ein Moment, eine gemeinsame Entscheidung- genau DAFÜR.

Facebook- Pause, ein Experiment

Januar 21st, 2018

Vor einem Monat etwa stand ich abends total frustriert in der Küche, nach einem eigentlich reichen und schönen Tag, schlich sich Enttäuschung in mein Herz, nicht mal nur weil ich ein Tuch, das ich schon lange suchte nicht bekam, sondern weil mir alles zu nahe ging, mehr als gut für mich war. Ich nahm mir alles zu Herzen und so hatte ich schon über eine Woche überlegt, ob es nicht gut wäre bei Facebook zu pausieren.
Wie damals nach der zweiten von drei Fehlgeburten, als das Blog bewusst schwieg, bis ich wieder Lachen konnte, bis ich wieder bei mir war, bis ich mit allem umgehen konnte, was von Außen online auf mich einprasselte. Und ich konnte an diesem Abend im Dezember nicht fassen, was da mit mir passierte, ich war schwimmen mit den Jungs, ich hatte Popcorn selber gemacht, eine zu salzige Crème de caramel au beurre salé, das Krokant war auch nicht so toll, aber es war schön, denn ich hatte Zeit mal Neues auszuprobieren, tütete Kekse für Lehrkräfte ein und der Sohn wollte ins Schulkino und dann sank meine Laune durch meine Enttäuschung rapide, sicherlich nur ein Auslöser, aber da war sofort das Gefühl „jetzt oder nie“- raus da… ohne dramatischen Abschiedspost- und gucken was passiert.
Die ersten Stunden waren sehr lustig, weil ich mit den Fingern immer wieder auf dem Massenger landete. Die ganze Zeit tippten meine Hände, die selben routinierten Buchstaben und Symbole. Und dann suchte ich Ausweichmöglichkeiten, ich war wieder mehr bei Twitter. Auch da merkte ich ebenso schnell, dass mir da auch nicht alles unbedingt gut tut. Ich vertrieb mir meine Zeit also insgesamt woanders, die ich ja eigentlich dachte „einzusparen“. Da blieb vielleicht die Hoffnung, ich würde mehr lesen, auf der Strecke. Oder meine Zeit sinnvoller nutzen, aber anscheinend brauche ich auch die Zeit einfach nur mal so zum Verbummeln und sich treiben lassen ohne einen messbaren Erfolg mitzunehmen.
Ich suchte in den Ferien andere Tuchfirmen, sah mir Muster und Farben an, denn neben dem Tragen ist und bleibt das Weben der Tücher, das ganze drum herum genauso mein Hobby und das fehlte mir. Also suchte ich Ersatzdrogen… ich verlor mich darin im positiven Sinne, es ist einfach schön, sich schöne Dinge anzusehen und Tragetücher sind einfach meine Leidenschaft. Kunst, in die man eben auch Kinder tragen kann, besser als jede andere Textilie. Und ich habe in den Jahren so viel gelernt. Sauge Infos zur Pflege auf und bin da sehr aktiv, bis heute finde ich immer noch etwas Neues, das mich fesselt und für das sich das Sein in den Tuchgruppen lohnt.
Außerdem habe ich da viele liebe Menschen kennengelernt, mit denen ich zum Teil auch in der Pause Kontakt haben konnte, Frauen die einfach einen festen Platz in meinem Leben haben. Das ist auch ein schönes Gefühl.
Gestehen muss ich auch, dass ich in den letzten zwei Wochen über den Account des Mannes, ab und an geguckt habe, ob ich als Groupie was verpasse. Aber das war meist nur ein schneller Blick.
Jetzt wäre es mal Zeit zurück zu kommen und ich warte so auf den Moment, den Ruck, dieses „Ja, jetzt!“ und das kam noch nicht… soviel zu meiner kleinen Pause auf einem anderen Kanal.
Final kann ich sagen, es tat gut, so auf Abstand zu gehen, was oder wer man ist, kann man nicht abstreifen, aber sich etwas sammeln und auf das Wesentliche konzentrieren. :)

Alles über mich, eure Mutter… I

Januar 16th, 2018

Alles was bleibt, ist das Wort und Erinnerungen daran…

…während ich wie gelähmt auf unserem Sofa sitze, nicht fassen kann dass meine Ma bald wieder operiert werden muss und alles was drum herum dazu gehört, dass ein kleines Mädchen bald Geburtstag feiern muss ohne ihre Mama, weil sie gestorben ist… all das wirbelt in mir herum, dass ein Wollen und Wünschen manchmal nicht reicht und was dann bleibt…
Diesen Gedanken hatte ich schon, als ich in den letzten Tagen vermehrt Antworten zu Fragen las, die Frauen und Mütter im Netz beantworten und ich tue es hier… nur etwas anders.
Meine liebe Freundin Simone schenkte mir vor ein paar Jahren ein Buch und bisher schrieb ich nicht eine Seite darin, mahnend steht das Buch im Schrank, denn ein ähnliches zog ich im Haus meiner Oma aus den Regalen nach ihren Tod, leer. Ohne all das, was ich gern gewusst hätte.

So sitze ich hier, statt zu schlafen und probiere es auch in Etappen und wenn ich wenigstens nur anfange, dann ist das besser als nichts oder?

Meine Fragen kommen aus dem Buch „Alles über meine Mutter“ von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis.

1. Kapitel „Alle Mütter sind Töchter“
01. Was ist deine früheste Erinnerung?
Ich weiß es nicht mehr. Früher wusste ich das, da habe ich öfter dran gedacht. In den ersten drei Jahren meines Lebens bin ich im Haus meiner Großeltern mit aufgewachsen. Da waren also meine Großeltern, meine Eltern und mein Onkel. Solange bis mein Papa in die Armee eintreten musste und soweit ich das richtig abgespeichert habe, zwei Jahre nicht da war. Also nur zum Urlaub nach Hause kam. In der DDR war Wohnraum Mangelware und meine Eltern waren zwar verheiratet, aber hatten keine eigene gemeinsame Bleibe- meine Ma war 18, als sie heiraten, mein Papa 20 und ich war dann auch schon unterwegs und mit 19 hatte sie mich dann geboren. Ich kann mich in Bruchstücken an dieses Zimmer bei meinen Großeltern erinnern oder es sind Fragmente von späteren Jahren, weil sich der Raum ja kaum verändert hatte. Ich kann mich an das Treppenhaus erinnern, etwas an den Garten. Ich glaube für meine Ma war das nicht einfach. So allein in diesem Haus mit mir zu sein, sie arbeite Vollzeit, ich war ein Jahr alt und musste in die Krippe, weder wollte ich das, noch war ich immer gesund. Aber sie hatte keine Wahl, stand unglaublich früh auf, weckte mich und fuhr mit mir aus Brandenburg am Rande Berlins mit den Öffentlichen rein in die Stadt, gab mich ab in der Krippe und fuhr weiter zur Arbeit… Also ich denke bei frühesten Erinnerungen an dieses Haus.

02. Hattest du einen Kosenamen in der Familie?
Ja, meine Eltern und Großeltern nannten mich „Jeani“- wie „Jenni“ oder „Jenny“, die Art wie meine Ma oder meine Familie es sagt, kann ich gut leiden. Bei Freunden heute kann ich das gar nicht ab. Da klingt das nach „DSCHENNI“. :) Außerdem bekam ich auf Grund eines riesigen Frosches in unserer Wohnung den zauberhaften Spitznamen „Frosch“. Warum auch immer, vielleicht weil ich so ein Körperklaus bin :)

03. Womit hast du am Liebsten gespielt?
Es gab wohl eine Puppe. Ich kann mich beim besten Wissen und Gewissen nicht daran erinnern. Es wird schon stimmen. Irgendwann mit Barbies. Ich glaube, ich hatte unendlich viele Barbiepuppen dank meinem großzügigen Nennonkel. Und zog sie an und aus. Ich hatte echt viel Zeug. Ich habe aber auch Tapete geknibbelt und Fäden von den Gardinen abgezupft. Daran kann ich mich auch erinnern.

04. Wie wurden deine Geburtstage gefeiert?
Ich habe keinen blassen Schimmer mehr. Ich weiß, dass ich wie jedes Kind wohl Stunden damit zubringen konnte auszurechnen wie viele hundert Tage es noch bis dahin dauern würde, aber Rituale weiß ich keine mehr.

05. Hattest du ein eigenes Zimmer?
Nach dem Umzug aus dem Haus meiner Großeltern in unsere eigene Wohnung, muss ich ein eigenes Zimmer gehabt haben. Und auch nach der Geburt meiner Schwester drei Jahre später hatte ich eines, denn meine Eltern dachten es wäre auf Grund des Altersunterschieds total wichtig, dass jeder seinen Raum hatte, also bekam ich als Älteste das Riesenzimmer für mich ganz allein, meine Schwester das schmale Schlauchzimmer nebenan und meine Eltern schliefen mir gegenüber im Wohnzimmer dank einer Anbauwand mit Bett innen.

06. Warst du im Kindergarten?
Ja, schon immer und ich denke mit Grausen daran zurück. Auch wenn ich von da aus, auf unser Wohnhaus gucken konnte.

07. Wer hat dich abends ins Bett gebracht?
Keine Ahnung. Und als ich mich erinnern kann, ging ich allein ins Bett.

08. Warst du eher Papas oder Mamas Liebling?
Puh. Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass meine Ma immer fand, ich sähe meinem Papa viel ähnlicher als ihr, das hat sich vermutlich auch gesagt, weil sie ihn tausend Mal attraktiver fand als sich selbst? Was ja nun nicht stimmte, aber auf den ersten Blick gab es viele kleine Dinge, die sie wohl mehr an meinen Vater erinnert haben, als an sich selbst. Und das hat sie dann oft gesagt. Heute sehe ich sehr viel von ihr in mir. Von beiden. Und viele Wesenszüge. Dinge, die man auch einfach mitnimmt. Ob man will oder nicht :) Und ich glaube, dass meine beiden Eltern mich sehr lieb hatten und meine Ma eine besonders enge Bindung zu mir hatte, weil sie eben so lange mit mir allein sein musste.

09. Wurde bei euch daheim gebetet?
Definitiv nein. Meine Eltern sind Atheisten. Mein Vater hat mit meiner Oma gebetet, als mein Opa verstorben war, meine Oma war evangelisch. Sie ging auch in die Kirche und ich glaube, sie hat in ihrem Glauben doch viel gefunden. Ich war eher Diejenige, die dann in unserer Familie Glauben gesucht hat, Halt… um alles zu verstehen, was um mich herum geschah, aber das änderte sich später nochmals radikal…

10. Kannst du dich daran erinnern, wie deine Schultüte aussah?
Nein, gar nicht. Aber ich weiß, dass ich nur einen schwarzen Lackschuh tragen konnte, weil ich mir den Mittelfuß nachmittags im Kindergarten gebrochen hatte und Gibs trug, mein Kleid und meine Schuhe waren dahin, ich trug glaube ich einen Mickey Maus Pullover. Aber ich weiß, dass meine Schwester Donald Duck in ihrer kleinen Schultüte an dem Tag hatte…

11. Womit hast du deine Geschwister geärgert?
Mit vielen Dingen. Ich war nicht immer nett. Und meine Schwester hat mich oft genervt, z.B. weil sie mir alles nachgemacht hat, heute wenn Zelda die Kapuze von ihrem Strickjäckchen hochholt, weil ihre Geschwister das machen, muss ich immer an diese eine Szene im alten Urlaubvideo denken, man war ich sauer, weil sie immer alles nachgeäfft hat, dabei fand sie mich vielleicht nur toll und wollte alles machen, was ich mache… Aber ich hab meiner Schwester mal Riesenangst gemacht, mit einer Freundin während spirituelle Musik lief, ich sei aus Versehen vom Balkon gefallen- wir wohnten im elften Stock- dummer Weise sah das unten echt auch so aus in der Hecke, als wäre jemand rein gefallen… das war sooo fies von mir.

12. Was war das Schlimmste, was du als Kind angestellt hast?
Zählt auch Pubertät? Also abgesehen davon, dass ich mit 17 in ein Auto gestiegen bin und quasi für immer weg gefuhr, zumindest auszog- aus Gründen und das war auch notwenig und für mich richtig schlimm, dass ich in dieser Zeit so um die 16 mich nachts aus dem Haus geschlichen habe, wenn meine Eltern schliefen und mit dem letzten Bus/SBahn zu meinem Freund in seine Wohnung fuhr. Und dann meinen Eltern erzählte, ich wäre saufrüh los gefahren. Damals muss man dazu sagen, waren wir frisch zurück nach Brandenburg gezogen und ich hatte einen Schulweg von beinah zwei Stunden. Und was hatte ich immer Angst, so jung, nachts allein unterwegs, total bescheuert.

13. Wie hieß dein erster Klassenlehrer?
Ich hatte nur Gute, liebe und sehr engagierte. Den Namen der Ersten weiß ich leider nicht mehr, wir Schüler wurden damals wegen der Wende umgesiedelt, die Lehrerin an die ich mich erinnere hieß „Denise“, eine tolle Frau. Und später am Gynmasium Frau Vogel, streng, aber lieb und sie hat echt versucht auf mich aufzupassen, hat Gespräche mit meiner Ma gesucht.

14. Wie hieß deine beste Freundin in der Grundschule?
Christiane. Sie durfte nicht rein, wir saßen oft stundenlang nach der Schule an der Türschwelle und quatschen. Sie war echt ne Tolle. Leider nicht so beliebt wie ich auch und ich suchte immer Kontakt zu Virginia, meiner Freundin aus dem Nachbarhaus, die auch im elften Stock wohnte. Und der ich zuwinken konnte, wenn wir aus dem Fenster guckten. (Ich würde meine Kinder ja umbringen.) Ihre Eltern kamen aus dem Zirkus, meine ich. Leider suchte sie oft die Freundschaft zu einem beliebteren Mädchen, das mich nicht ausstehen konnte. Und ich tats ihr gleich. Lies sie mich fallen, ging ich zu Christiane zurück und anders herum. Ganz schön blöd. Dann gab es noch einen besten Freund, der hieß Marcus. Das war ein lieber Kerl. Mit dem konnte ich gut reden, der war so herrlich normal und wir konnten gut zusammen zocken. :)

15. An welches von allen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken erinnerst du dich besonders?
An kein Bestimmtes, es gab aber ein Weihnachten, da wurden meine Schwester und ich überschüttet mit Geschenken und mein Vater las uns dann vor am Tisch, ich glaube beim Frühstück, daran kann ich mich noch erinnern. An dieses Vorlesen. Vermutlich wertvoller als alle Geschenke. Obwohl das Jahr bekam ich auch so einen Lerncomputer: „Hallo! Wähle eine Aktivität!“ Heute noch der Running Gag in unserer Familie, glaub ich.

Zwischen den Jahren, ins neue Jahr, durch die Rauhnächte…

Januar 6th, 2018

Jedes Jahr mit etwas Verspätung lese ich dann von den Rauhnächten, die Nächte zwischen „Heilig Abend“ und „Heilige Drei Könige“, zwölf an der Zahl… von Träumen auf die man achten soll und den Blick, den man in die Zukunft richten darf, wie man in sich spüren kann…
Zwischen den Jahren, das sind Worte, in denen ich mich finden kann, diese Unruhe kurz vor Jahresende und dem was nun kommt, als würde etwas Neues, Reines, Ungeschriebenes von einem liegen, vor mir liegen. Und beinahe jedes Jahr verfasste ich ein paar Zeilen über genau dieses Gefühl am Neujahrsmorgen… in diesem Jahr war das anders… in diesem Jahr am Neujahrsmorgen waren meine Gedanken ganz woanders, als bei der Reinheit dieser ersten Stunden des Jahres…

Ich habe diese Ferien geliebt, sie waren so anders als die Ferien im letzten Jahr oder die davor, es war Zeit zum Spielen, Schwimmen, Lesen, lange Aufbleiben und spät Aufstehen, es war etwas Zeit um Freunde und Familie zu sehen… es fühlt sich gut an im Rückblick, rund… genau richtig und ich freue mich morgen auf diesen letzten Ferientag, bevor der Alltag uns wieder ein Stück weit verschlucken wird…

Ein paar Gedanken habe ich mir gemacht, Dinge, die mich bewegt haben in den letzten Wochen oder Monaten oder schon immer, die ich mir aufgeschrieben habe, Wünsche in die Rauhnächte, nicht zwölf, aber dennoch ein paar, immer wenn mir etwas einfiel, schrieb ich es auf…

*Ich möchte aufhören, ständig und immerzu ein schlechtes Gewissen zu haben, mich nicht gut genug zu fühlen, weil ich vielleicht nicht früh genug wach war, um pünktlich in der Halle zu sein und danach so ein Druck entsteht, ich das Gefühl habe nicht mehr alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe… Beliebig auf andere Dinge anwendbar. Wie mich als Mama. Ich wünsche mir mehr Gelassenheit mir mir und meinen Ansprüchen an mich selbst.

*Ich möchte weniger von Neid zerfressen sein, mich mehr für Andere freuen, als meinen eigenen Nachteil zu sehen, den Fokus anders legen.

*Ich möchte gastfreundlicher sein und nicht immer nur an die Arbeit denken, die mich erwartet, wenn sich jemand oder uns zu sich einläd, sondern an das was ich selbst vielleicht auch verpassen würde- wenn ich mich nur drauf einlassen könnte.

*Ich möchte meine Pläne auch mal loslassen können und nicht stur an ihnen festhalten… beinahe manisch. Und das Gelingen und Gutsein eines Tages, eines Ereignisses oder oder damit zu verknüpfen, dass sie in einer bestimmten Ab- oder Reihenfolge passieren (hätten) sollen. Im Herzen- nicht im Kopf flexibler sein.

*Ich möchte nicht mehr denken, ich wäre nie genug, das Gefühl einer Version von mir hinterher zu hechten, die ich gern wäre. Denn der Tag hat nie genug Stunden, Ruhe oder perfekte Momente, in denen ich die bin, die ich gern wäre. Ich möchte lernen die zu sein und zu achten, die ich heute oder gerade in diesem Moment bin.

*Ich möchte ruhiger werden. Manchmal zittere ich vor Aufregung, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und meinen Gefühlen Ausdruck verleihen möchte, es schaffe aus dem Kokon heraus zu treten und für mich das Wort zu ergreifen. Und dann sind es womöglich die Falschen, wie es scheint? Wäre ich sonst ruhiger? (Mir meiner) Selbst sicherer?
Es gibt Menschen, die tun mir nicht gut. Ich lasse sie aus. Blende sie aus. Manchmal reicht das leider nicht, sie dringen ein in meinen Kreis und nach all den Jahren ist mein Rezept noch immer oft: weg laufen oder angeblich überreagieren. Weil ich den Ton nicht finde, meinen Ton, meine Stimme. Ich möchte lernen, zu sagen was ich denke, mit Humor und dem richtigen Maß an Sprache. Damit ich nicht ans Kehrtmachen denken muss.
Zwischen jemanden überlesen und für sich einstehen, fehlt mir oft eine Nuance. Es gibt für mich meist nur schwarz oder weiß. Und dann werde ich gebeten runter zu kommen. Es geht nicht darum, ob mein Gegenüber recht hat, denn die Sätze sind ja genau so bei mir angekommen und oft genug auch genau so gemeint, es geht darum meinen Ton zu finden, um für mich vertretbar und annehmbar auf Kackscheiße zu reagieren. Dass ich am Ende das Gefühl habe, nicht alles geschluckt zu haben, zu überlesen, sondern mir mein Gesicht, meine Gefühle wahren konnte. Und sagen: „Ja! Verflucht! Ich habe Recht! Du bist ein Idiot!“- Nur mir Humor. Subtiler, feiner und entwaffnend. Denn es gibt zwei Gegenteile von Zurückhaltend sein, Selbstbewusstsein und Aggression. Ich verheddere mich dann gern als Gegensatz zu Weglaufen in Letzterem, weil ich das Andere noch nicht gut genug geübt habe.

*Ich möchte die Momente bewusster wahrnehmen. Tom sagte auf dem Weg von der Schwimmhalle nach Hause: „Mama, ich finde doof, dass die schönen Momente immer so schnell vorbei gehen.“ Ich dachte an den Urlaub im Herbst mit Oma im Familienhotel.
Und ich erwiderte: „Und meistens weiss man leider gar nicht, dass dieser eine Moment gerade besonders schön und kostbar ist, das weiss oder fühlt man oft erst im Nachhinein, viel später.“ Und ich dachte daran wie oft ich meinen eigenen Vorstellungen nachjage… wie ich kein Buch, keinen Film richtig geniessen kann, wann ich noch mehr schaffen, fühlen, erleben will- von dem was ich mir alles so gewünscht oder vorgestellt habe.
Am Besten alles gleichzeitig machen, dabei nichts ganz begreife und erlebe oder am Ende des Tages unzufrieden bin, weil dies und das „fehlte“… oft merke ich erst Tage oder Wochen später, dass diese Ferientage zum Beispiel perfekt waren und ich zufrieden, während mein Kopf mittendrin noch denkt: „Aber wird hätten noch..!“ Und „Ich hätte immer früher aufstehen sollen, damit noch mehr…“
Und es liegt nicht nur am Schaffen und Erreichen, sondern weil Momente Beziehung schaffen. Es ist das was unsere Erinnerungen werden, diese Ausschläge vom Alltag, deswegen fahr ich hier und da mit den Kindern einfach weg. Diese Fluchten bleiben einem im Gedächtnis und kreieren die Beziehung zu den Kindern, zum Partner, zu uns selbst…

Vieles wiederholt sich in mir oder ist so eng miteinader verwoben, dass es schwer ist es auseinander zu ziehen und wie eines aussieht… das oben Geschriebene möchte ich mir in diesem Jahr immer wieder bewusst machen und in meinem Kopf wiederholen und durch die Übung wird das vielleicht auch noch mal was mit der Veränderung… :)

Lesen 2017

Januar 1st, 2018

Seit zwei, drei Jahren, vielleicht länger, notiere ich mir die Bücher, die ich im jeweiligen Jahr gelesen habe. Ich bin sehr zufrieden mit dem vergangenen Jahr, auch wenn ich mich gleich zu Jahresanfang mit dem sich zu Beginn recht vielversprechend lesenden „Hydrografen“ echt schwer getan habe… das Lesen dieses Buches schleppte sich über Wochen von 2016 in 2017… So begann das Jahr, aber ich nahm dann ganz langsam Lesefahrt auf. Ich hab von vielen lieben Online- Menschen, fühlt euch einfach angesprochen, tolle Inspiration erhalten und in meinen zwei Lieblingsbuchläden hier in der Vorstadt bei uns und dem Stand an der Ostsee viele Bücher entdeckt. Nach wie vor ist und bleibt es eine Kunst, für mich in genau diesem einen Moment, das für mich passende Buch zu finden…
Ich glaube allein während der Ostseeurlaube, hab ich bis zwölf Bücher gelesen… Twilight natürlich als ReReReRead… mein Anker, mein Halt, meine Stütze durch die Dunkelheit, mittlerweile habe ich die Biss- Reihe in deutsch als Ebook und die Taschenbücher und in Englisch die Taschenbücher und den ersten Teil als Ebook, vom ganzen Rest ganz zu schweigen, der Bücher zu den Filmen, CDs und seit Weihnachten einen POP!Edward vom Manne zu meinen Buttons, alles ausbaufähig :)… wenn ich jetzt überlege welche Bücher mich sehr mitgerissen haben, dann waren das auf jeden Fall „Das Haus der schönen Dinge“, dieses unheilvolle, schleichende Voranschreiten des Nazi- Regimes und wie mitten in meiner Wahlheimat beschrieben jüdische Familien eingekesselt, vertrieben und ermordert werden hat mich sehr berührt, im Anschluss las ich „Alma“- weniger verschnörkelt aber brutal eingängig… „Töchter einer neuen Zeit“ war ebenso genau meins, „Das Mädchen im Strom“ reiht sich da auch ein… und jetzt gegen Ende des Jahres „Die Nachtigall“- besetztes Frankreich, Mittäterschaft und Résistance- viele geschichtliche Details, die ich parallel nachgelesen habe, wie die „Operation Frühlingswind“ und viele wundervolle Zitate, die ich mir notiert habe. „Die niedrigen Himmel“ und die „Schönheitskönigin von Jerusalem“ haben meinen Horizont erweitert und mich auch parallel viele geschichtliche Fakten nachlesen lassen.
Zum Lachen gebracht hat mich am Ende Marc- Uwe Kling, den unser Großer mir seit Monaten rezitiert oder vorspielt, ob ich wollte oder nicht… nun hab ich mich an die Bücher gewagt… ein schöner. leichter Jahresabschluss.
ich bin froh, dass unsere Bücherei so gut ausgestattet ist, somit konnte ich einen Teil ausleihen, ob Papier oder Elektronisch, viele Ebooks hab ich mir gekauft oder als Buch in den Händen halten wollen, wobei das nur etwas mehr als 10 gewesen sein können, es ist einfach ein Luxus, dass ich genau an der Stelle weiterlesen kann auf meinem Handy, an der ich gerade gar, den ich verlege Bücher immerzu, deswegen lese ich meist zwei zur Zeit, weil ich ja auch immerzu unterbrochen werde oder jemand verblättert die Seiten… meine Lesenzeiten sind unsere Urlaube und die Abende, wenn ich Stunden damit verbringen das kleine Mädchen ins Bett zu bringen :) Leider hab ich auch wie immer ein paar Bücher angefangen, aber nicht zu Ende gelesen ;)

01 „Der Hydrograf“, Allard Schröder
02 „Mein sanfter Zwilling“, Nino Haratischwili
03 „Das Lied meiner Schwester“, Gina Mayer
04 „Die Rückkehr“, Rebecca West
05 „An Paris hat niemand gedacht“, Veronika Peters
06 „Das Mädchen Wadjda“, Hayfa Al Mansour
07 „Das Nest“, Cynthia D’Aprix Sweeney
08 „Das Haus der schönen Dinge“, Heidi Rehn
09 „Alma“, Dagmar Fohl
10 „Töchter einer neuen Zeit“, Carmen Korn
11 „Zeiten des Aufbruchs“, Carmen Korn
12 „Trümmerkind“, Mechtild Borrmann
13 „Die Stunde unserer Mütter“, Katja Maybach
14 „Ein ganzes Leben“, Robert Seethaler
15 „Wer das Schweigen bricht“, Mechtild Borrmann
16 „Edward- Auf den ersten Blick“- Stepehnie Meyer
17 „Biss zum Morgengrauen, Stephenie Meyer
18 „Biss zur Mittagsstunde“, Stephenie Meyer
19 „Biss zum Abendrot“, Stephenie Meyer
20 „Biss zum Ende der Nacht“, Stephenie Meyer
21 „Das Mädchen im Strom“, Sabine Bode
22 „Alles Licht, das wir nicht sehen“, Anthony Doerr
23 „Midnight Sun“, Orginal Stephenie Meyer
24 „Midnight Sun,“ deutsche Übersetzung eines Fans, Original Stephenie Meyer
25 „Die niedrigen Himmel“, Anthony Marra
26 „Die Schönheitskönigin von Jerusalem“, Sarit Yishai- Levi
27 „Die Nachtigall“, Kristin Hannah
28 „Das Haus der vergessenen Bücher, Christopher Morley
29 „Paula“, Sandra Hoffmann
30 „Die Känguru- Chroniken“, Marc- Uwe Kling

„Over and over and over and over again now“… (miscarriage)

Dezember 11th, 2017

In den letzten Tagen wuchs meine Unruhe, was wenn mein Gefühl mich doch im Stich liess und ich es nicht geschafft hatte? Momentan ist einfach alles ein wenig zu viel und ich wurde etwas dünnhäutiger, als ich es ohnehin schon war. Wie geplant letzten Donnerstag konnte ich noch nicht gehen, weil meine Blutung da noch nicht ganz vorbei war und ich sollte ja erst kommen, wenn meine erste Periode wirklich, wirklich vorbei sei. Und das war nun am Wochenende, worüber ich mich unendlich gefreut habe, weil ich zwei Mal schwimmen gehen konnte. Das hat so gut getan! Und nun hieß es heute morgen Augen zu und durch, anziehen hinfahren und gucken, ob mein Arzt da wäre und Zeit hätte, dauert nur fünf Minuten hatte er gesagt, denn ich konnte natürlich vorab keinen Termin ausmachen, ich wußte ja nun überhaupt nicht, was mich in den nächsten Wochen erwarten würde. Zelda war unheimlich lieb im Wartezimmer und ich wurde schnell aufgerufen. Somit hatte ich nicht allzu viel Zeit mit Kopfkino und ich wurde belohnt: alles ist so, wie es sein sollte! Ich habs wirklich geschafft, ganz allein. Ich hätte schon auf dem Stuhl vor Freude und Erleichterung anfangen können zu weinen, und auch jetzt bin ich noch überwältigt, wenn ich das schreibe. Es ist wirklich wirklich vorbei. Ich habs geschafft! Ich kann wieder atmen! Das Seil um meinen Brustkorb, das mir alles abschnürte, ist wieder lockerer… es ist ein befreiendes Gefühl, auch wenn der Grund ein furchtbar trauriger ist. Nach allem was war, beginne ich wieder bei Null und ich versuche mich irgendwo wieder etwas mehr zu finden, das muss mir noch gelingen und mehr ausblenden, was von mir erwartet und verlangt wird und schauen, was mir gut tut, damit ich wieder die Frau, die Ehefrau, die Freundin und Mutter sein kann, die ich sein will! <3

„Waking to these sounds again
I wonder how I’ll sleep
Passing out is taking off into the stubborn deep
I’d like to meet a human who makes it all seem clear
To work out all these cycles and why I’m standing here
I’m falling
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now
Running through my life right now
I don’t regret a thing
The things I do just make me laugh and make me want to drink
I’d like to meet a mad man who makes it all seem sane
To work out all these troubles and what there is to gain
I’m falling
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now
Projecting what I want is always hard to know
But when it comes between my sights I’ll let the damage show
I’d like to meet a space man, who’s got it going on
Sailing through the stars at night ‚til our world is gone
I’m falling
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now
Over and over and over and over again now
Calling and over and over and over and over again now“

Morcheeba, Over And Over

Zurück in die Normalität, ein Versuch… (miscarriage, menarche)

Dezember 3rd, 2017

Es fühlt sich oft sehr einfach und natürlich ein, wie wir hier backen, Heimlichkeiten planen… ich meine Freundinnen einlade für ein kleines Adventskaffeekränzchen und ich total darin aufgehe, auch ein bißchen zurück denke, an die Zeit als wir alle nur Kindergartenkinder hatten und alles noch anders war, vielleicht freier und mich frage, ob sich viel davon in unseren Köpfen abspielt, all diese Unflexibiltät, der wir damals entgegen strotzten, wenn wir uns am Nachmittag gegenseitig zu irgendwem einluden und da herum schlumperten und unsere Mütter- Selbsthilfegruppetreffen abhielten :) Als ich Freitag nach dem anstrengenden, aber auch erfüllenden Tag im Adventsmodus ins Bett sank und von Zelda nicht los kam, war ich total dankbar und glücklich, auch wenn wie immer viel zu wenig Zeit zum Quatschen gewesen war. Aber da war auch so eine Müdigkeit, nicht nur dass ich schon seit über einer Woche gleichbleibend krank bin, meine Lymphknoten am Kopf (vermutlich durch die Autoimmunerkrankung) immer mehr anschwellen, nur leider nichts wirklich schlimmer wird, damit es dann auch mal besser werden kann, es aber auch so nicht wirklich besser wird, da ist auch so ein Kummer, ab und an, nicht mehr oft, erwischt es mich eiskalt, wenn ich lese, dass eine werdende Mutter ihr Kind im Bauch spürt, schießt da sofort Schmerz durch mich hindurch, weil es etwas ist, dass ich dieses Mal nicht erleben werde, ich gönne es jeder werdenden Mutter von Herzen, da ist nie Missgunst, sondern nur Traurigkeit darüber, dass ich das nicht haben werde können, nicht dieses Mal… das wird sich wohl in den nächsten Monaten so weiter ziehen… Generell geht es mir viel besser, dadurch dass ich das alles so raus gelassen und intensiv erlebt habe, ist da nicht viel auf meiner Seele lasten geblieben, obwohl es genug um mich herum gibt, das mir Kraft raubt und mich aufzehrt und mich hindert einfach alles endgültig zu verarbeiten, ich hab nur begrenzt Energie und die ist irgendwann verbraucht… Zumal unsere kleinen Küken auch krank sind und Zelda so mies schläft im Moment.
Jetzt war die Schwimmhalle einen Monat lang geschlossen, als wir aus dem Familienhotel zurück kamen, war der letzte geöffnete Tag und da blutete ich noch und ich wollte nicht riskieren mir eine Infektion einzufangen. Ganze drei lange Wochen hab ich quasi unser Kind verloren und die Schwangerschaft losgelassen, nachdem ich vier Wochen genau darauf gewartet hatte. Nun war gestern der erste Tag, an dem die Halle wieder aufmachen sollte und am Freitag bekam ich natürlich, wie sollte es anders sein, meine erste Periode nach der Fehlgeburt, heißt für mich ich muss nun erneut zur Kontrolle und hoffen, dass es jetzt einfach tatsächlich final überstanden ist. Ich ging dann heute dank Hygieneartikel trotzdem in die Halle und sinnierte dort darüber nach, wie unfassbar das Leben manchmal sein kann, denn unsere große Tochter ist seit gestern nun auch eine Frau. Es sollte ein Freudentag und ein Fest sein, dass sie nun schon ein so wundervolles, großes Mädchen ist, aber sie war tatsächlich total geknickt, weil sie eigentlich heute auch mit ihrer Tante schwimmen gehen wollte. So viele verschiedene Gefühle, soviel Widersprüchlichkeit, mein Herz hinkt allem etwas hinterher… da schließen sich zu viele Kreisläufe, so vieles das ich in dem Moment hinterfrage, so vieles das zufällig gleichzeitig passiert und als ich heute ins Wasser eintauchte und die erste Bahn geschwommen war, fühlte ich mich steif und schwer und ungelenk im Wasser, als wäre ich eingerostet über die vielen Wochen, ich fühlte jede Bewegung in meinen Armen und Beinen, sie fühlten sich so schwer und bleiern an, als wäre ich ein Backstein, den man zufällig ins Wasser geworfen hätte… aber nur im Wasser fließen die Gedanken, ich kann mich sortieren, hier ist wichtig andern aus dem Weg zu schwimmen, einzuschätzen wie man wo am Besten durch kommt, ganz im Moment zu sein und das andere alles einen kurzen Augenblick, nur wenige Minuten hinter sich zu lassen…