Eine Woche ohne

Von Montag bis Freitag weilte der Mann wieder den halben Tag in der Arbeit. Zwei kleine Kinder
mit und bei mir zu Hause- das ist für mich nun nichts neues. Als Zoe 17 Monate alt war, wurde
Noah geboren und als der zwei Wochen alt war, war ich allein deheim. Als Zoe 2 Jahre und 10 Monate
alt war, hatten wir das Glück sie in den KiGa schicken zu können. Da war ich bereits wieder
schwanger und so kam es, dass als Noah fast 23 Monate alt einen kleinen Bruder bekam und ich
wieder allein mit zwei Kindern zu Hause war. Ein halbes Jahr später fing ich an sehr viel zu laufen,
ich brachte ein Kind in den Kindergarten und ein anderes in die Tagesgruppe. Ich hatte also nur ein
Kind zu Hause am Vormittag, zumindest außerhalb der Ferien von Dienstag bis Freitag. In den vier
Wochen Sommerferien war ich hochschwanger sogar tageintagaus allein mit drei Kindern. Jetzt seit
beinah zwei Monaten geht Noah auch in den Kindergarten. Und seit beinah 6 Wochen sind wieder
2 Kinder zu Hause. Man könnte also sagen ich bin geübt im betreuen von zwei Kindern hier zu Hause.
Aber die Woche hat mich geschlaucht, emotional. Ein kleiner 1 1/2 jähriger, der gewohnt war
einen Monat seinen Papa immer hier zu haben, muss plötzlich seine Mama mit einem kleinen
Bruder teilen. Der Knopf weint viel mit Vorliebe während ich stille. Genau dann möchte er auf
meinen Schoss. Sofort. Erst saß ich auf einem kleinen Stuhl in der Villa Klitzeklein, am Freitag saß
ich dann schon auf dem Spielteppich total verdreht, hauptsache auf Augenhöhe. Ich kann seine
Gefühle nur aushalten und ich weiß, dass das vorbei geht. Aber dieses Schreien und Weinen zerrt
an meinen Nerven. Ich hab ihn einfach lieb! Ich sehe, dass er noch ein kleiner Knopf ist und mich
auch noch sehr braucht. Dennoch habe ich am Donnerstag eingesehn, dass Schonfrist nicht die
Lösung ist. Seitdem gibt es den Schnuller nur noch im Bett. Ich geb uns einfach noch ein bißchen
Zeit. Und Liebe. Das wird. Ich weiß das. Ich war die Geduld in Person in dieser Woche. Aber in
meinen Ohren klingelt es irgendwann. Ich hab nur einmal raus gemusst in dieser Woche. Natürlich
frage ich mich, wie das erst wird, wenn ich täglich mit vier Kindern unterwegs bin. Es sind ja
nicht nur die Wegstrecken. Es muss erstmal der große Zwillingskinderwagen runter gebracht
werden, dann zwei Kinder nacheinander. Von dem das kleinere bitte nicht weinen sollte. Vorher
muss man wirklich alles gepackt haben. Zwei verschiedene Sorten Windeln, Feuchttücher,
Wechselkleidung, Tragetuch, Stilltuch und Spucktüchern.Im Kindergarten war ich bisher nie allein.
Aber das werde ich dann sein. Allein schnell zwei Kinder anziehen, bevor eines der Kleineren
anfängt zu Schreien oder Weinen- denn sonst klingelt es in den Ohren und der Stresspegel steigt.
Dann ist der Wagen so voll mit den zwei Rucksäcken und Co, dass kein Platz für einen Einkauf ist.
Aber das sind nur Wege. Noch ist der Gatte bei meinen Freundinnen dabei. Wenn Tom im Haus
der einen die Treppen hochgeht, während ich stille, rennt er hinterher. Wenn einer weint, tröstet
er. Wenn gestritten wird, schlichtet er. Natürlich tue ich das auch. Auch ich kann es eben nicht so
gut. Zumindest erlebe ich das so. Auch wenn das Quatsch ist. Auch wenn ich mit der Flasche ähnlich
gebunden war, fühle ich mich nicht so komplett einsatzfähig als stillende Mutter im Augenblick.
Es widerstrebt mir zutiefst angewiesen zu sein auf die Hilfe Dritter. Wenn ich die Wahl habe, nehme
ich die Hilfe gern, aber wenn ich sie brauche behagt mir das nicht, denn schließlich sind das meine
Kinder… Vermutlich mache ich mir viel zu viele Gedanken. Und in drei Wochen schmunzel ich über
meinen Eintrag. Vielleicht erst in sieben. Aber das bin einfach ich: Ich grübel und grübel.

11 Responses to “Eine Woche ohne”

  1. isabella Says:

    WIE machst du das nur? wie und wann hast du zeit für dich? du bist so eine wahnsinns mutter, dass es schon fast übernatürlich wirkt – ernsthaft!

    meine schwester hat sechs kinder, aber eben nicht in solch kurzen abständen, ich behaupte fest, dass deine vier kinder sicher eine größere herausforderung sind – da sie eben alle noch so klein sind. zoe ist ja noch kein wirklich „großes“ kind!

    manchmal schäme ich mich für meinen unmut, wenn meine tochter tobt, der kleine weint, thomas lang arbeitet und der umzug ansteht, was DU machst ist jeden tag einfach harte arbeit?!

    du bist wirklich ein fabelwesen – ein tolles mit viel herz und verstand!

  2. isabella Says:

    achja und ich wiederhole mich, aber ich finde dich eben sehr beeindruckend – und ja ich weiss, dass du das gar nicht lesen möchtest :-D

  3. 4kidsmami Says:

    …..Liebe Kassiopeia ich kann dich sehr gut verstehen. Mir geht es ähnlich im Moment, die Kleinen weinen beide im Moment viel, mein Mann hatte die Tage auch einiges zu erledigen und ich bin sehr froh, dass er sich auch Elternzeit genommen hat.

    Du redest hier von den Tagen meine Liebe und wie empfindest du die Nächte?
    Es ist anstrengend, aber auch sehr schön und die Kinder sind so lieb und müssen sich auch erst an die Situation gewöhnen. Für die „Kleinen“ die dann schon nicht mehr die „Kleinsten“ sind finde ich es am schwierigsten. Es zerreißt einem fast das Mutterherz, wenn sie weinen, aber in diesem Moment eben zurückstecken müssen!
    Ich denke ganz fest an dich und du schaffst das, du hast ja auch schon Routine :-)

    An dieser Stelle mal ein „dickes Lob an unsere Männer“!!!!!

  4. Silberpfeil Says:

    Ich kann Dich verstehen. Ich hatte diese Gedanken auch oft. Und das bei zwei Kindern. Der Gedanke morgens zwei Kinder inkl. Füttern und Abpumpen und dann noch mich ausgehfertig zu machen, um dann püktlich bei der Arbeit zu sein, war mir ein Greuel.
    Aber irgendwie klappts. Man bekommt mit der Zeit Routine, und auch die Kleinen gewöhnen sich daran.

    Ich kann mir vorstellen, dass das Stillen mit einem jammernden Kleinen daneben eher schwierig ist. Liliane hatte auch immer genau zu der Zeit eine Krise, und sie ist ja doch schon etwas älter. Aber mit dem Schoppen ist es nicht anders. Du ist genau so angebunden. Aber es fühlt sich halt nicht so an.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Dein Zweitkleinster schnell merkt, dass er immer noch geliebt wird und das Ganze nicht mehr so bedrohlich sieht.

  5. frau musgrave Says:

    Kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschliessen aber moechte noch hinzufuegen: wieso widerstrebt es Dir so, auf Hilfe angewiesen zu sein? Wir leben nunmal nicht mehr in symbiotischen Grossfamilien oder anderen Kulturkreisen, in denen die Kinder auch immer mal wieder andere Bezugspersonen haben und es voellig natuerlich ist, dass die Mutter sich garnicht um alles kuemmern kann, dieses ‚ich muss das alleine wuppen‘ ist doch ein relatives neues Ding!

    Ich weiss nicht ob ihr das Glueck habt Grosseltern in der Naehe leben zu haben, wir haben es nicht, und es waere mir ohne externe Hilfe, gerade in der Babyzeit, wohl sehr schwer gefallen. Klar schafft man es irgendwie, aber man muss selber teilweise bis zur Selbstaufgabe zurueckstecken. Ich finde Hilfe grossartig : )

  6. kassiopeia Says:

    @Frau Musgrave: Das hast du schön geschrieben. Wieso es mir widerstrebt ist ganz einfach, der
    Satz der mich zusammen zucken lässt ist: „Und warum bekommt man dann soviele Kinder, wenn
    man sie nicht allein versorgen kann?“ Das tut weh. Vorallem wenn man eigentlich weiß, was man
    täglich leistet. Ich finde gerade in der ersten Zeit mit Baby ist man arg gebunden, man kann nicht
    einfach mal eben so aufhüpfen, weil man tröstet, stillt/füttert, wickelt…
    Wir haben eine Oma in der Nähe und die hilft auch aus, ebenso die Schwägerin, aber das ist mir
    weniger unangenehm. Ach MIst, ich merk gerade, dass mich letzte Woche etwas ziemlich aus der
    Bahn geworfen hat… und das betrifft speziell einen Menschen.

    @Silberpfeil: Ach ich weiß, die Routine kommt, aber bis dahin zitter ich ein bißchen! :)

    @5KidsMami: Ja, ein Hoch auf die Männer! PS. Von den Nächten reden wir lieber nicht! :)

    @Isabella: Ausgerechnet du, die mit Baby und Kind wieder umzieht, schmeichelt mir?! So ein
    Quatsch!

  7. frau musgrave Says:

    Also, mit Verlaub, aber so ein Satz ist ja wirklich bescheuert!! Wieso haben wir soviele Kinder?? Das kann man dann ja auch beliebig ausweiten – wieso haben wir Kinder und jemand muss trotzdem arbeiten gehen? Wieso haben wir Kinder und trotzdem noch den Wunsch nach eigener Zeit, nach Aufrechterhaltung unsere Ehen, nach ’sanity‘ fuer uns selbst? Lass Dir von solchen unqualifizierten und extrem unsensiblen Auesserungen nicht weh tun und halte diese Menschen einfach mal eine Weile von euch fern, es gibt sicher *niemanden* der die Babyzeit einfach findet, das ist ja auch garnicht der Anspruch, aber umso wichtiger ist doch die Unterstuetzung von dritter Seite! Du hast gerade erst ein Kind geboren und noch 3 andere zu versorgen, ich glaube Du schaffst das ueberhaupt nur durch Deine ‚jugendliche‘ Energie ; ) Ich in meinem hohen Alter waere da schon laengst zusammengeklappt!

  8. Karin Says:

    Du machst das alles ganz wunderbar! Und das grübeln, ja, das gehört wohl dazu. Ich denk ganz viel an dich/euch.

  9. jo Says:

    Du hast schon recht, ich mache mir diese Gedanken auch oft und ich stecke ja schon mittendrin: Vollzeitjob, Krippe/Kita/Schule, morgens alle raus, abends alle wieder rein, abfüttern, baden, wickeln, trösten… ich bin morgens immer alleine und abends oft. Es ist ein ewiger Spagat und selten die Zeiten, wo man wirklich mal Ruhe hat für eine Geschichte für EIN Kind oder sonstwas in Ruhe zu machen. Manchmal funktioniere ich nur und das tut mir sehr leid, auch für die Kinder. Ich bin oft schon froh, wenn nur einer heult/bockt/meckert und nicht alle gleichzeitig ;-) Aber es geht schon, muss ja, man wächst da wirklich irgendwie rein und Du hast ja schon jede Menge Erfahrung, sozusagen ;-)
    Das schlechte Gewissen habe ich auch, oder eher die Abneigung gegen das Gefühl allen beweisen zu müssen, dass man das schon irgendwie schafft und nicht überfordert ist. Besonders meine Schwiegermutter sagt dann gerne mal ein „Siehste!“ und das mag ich nicht hören…
    Alles Liebe für Euch, jo

  10. eva Says:

    ach seufz, ich kenne das so sehr. diese zwickmühle. dieses von allen-seiten-zerren-sie-an-mir. (meine kamen alle 2 jahre, 2002, 2004 und 2006)
    heute habe ich meine jüngste(gestern 3 geworden) in den kiga gebracht. ab heute jeden tag vormittags alle aus dem haus. ich kann es gar nicht glauben.
    und prompt meldet sich der große mit neuen problemen a: „mama, ich hab keinen zum spielen in der pause!“ neue baustelle, neue seelenarbeit muss geleistet werden. überall wird muttern gebraucht. so isses halt.
    wir schaffen das :)
    lg eva

  11. Janine Says:

    Du weißt ja, dass ich Dich für großartig halte :-)

    (Und im Moment schäme ich mich mal wieder maßlos, dass ich manchmal so ungeduldig mit Robin bin, obwohl er ja nur EINER ist… )