Zoes Geburt

Drei Tage nachdem ich von meinem Arzt die Bestätigung bekam, ich wäre wirklich tatsächlich das erste Mal
schwanger, kaufte ich mir ein Büchlein und dokumentierte für das Bauchkind die Schwangerschaftswochen
darin. In dieses Büchlein, schrieb ich acht Tage nach ihrer Geburt auch dieses Ereignis nieder…

Vier Tage nach dem errechneten Termin, am 04. November 2004 fuhr ich ein letztes Mal zu meinem
Frauenarzt und der teilte mir eigentlich mit einer Ruhe mit, dass es jetzt dann so langsam losginge.
Ich schickte den Gatten noch einmal mit seinem besten Freund in die Kneipe und wischte noch mal sehr
gründlich die Böden, schließlich könnte es ja sein, dass ich nie mehr Zeit dafür haben würde. Der Bauch
war stattlich, aber ich kann mich nicht erinnern jemals wieder so entspannt gewesen zu sein und mir
wenig Gedanken gemacht zu haben, wann es genau los geht. Mein Arzt hatte mir einfach so eine gewisse
Ruhe mitgegeben, es würde einfach losgehen, es hatte bereits begonnen und war nur eine Frage der Zeit.
Und so wartete ich einfach. Natürlich sehnsüchtig, aber nicht so ausschließlich.
Am Morgen des 05. November wurde ich wach und hatte so ein komisches Gefühl, einfach nur ein Gefühl
und es zog so leicht. Ich war überglücklich, dass der Gatte einfach zu Hause bleiben konnte und die Geburt
nahte gefühlt ja auch bestimmt, dachten wir. Wir machten an diesem wunderschönen Tag lange
Spaziergänge durch den Schlossgarten, das erste Mal durch den Englischen Garten, liefen im Anschluss die
steile Treppe nach unten, dann wieder hoch in die Altstadt zum Einkaufen und Mittagessen organisieren.
Das waren große Wege für eine Schwangere. Aber wir genossen einfach die freie Zeit und die Zweisamkeit.
Nach dem Essen liefen wir in die Bücherei und melden uns dort an, hörten Musik und ich hatte schon ein
paar fiese Wehen immer mal wieder, aber alles noch immer recht unregelmässig. Und das Gefühl sagte mir,
dass dieses Daheimbleiben des Gatten einfach richtig gewesen war. Es war gegen 17Uhr als der Gatte noch
ein paar Besorgungen machte und ich mich hinlegen wollte, einfach auch mal für mich sein und in mich
horchen. Ich schlief auch, aber wurde immer wieder wach von diesem fiesen Ziehen im Bauch und Rücken.
Und als ich so auf die Uhr sah, kamen die Schmerzen so alle 7 Minuten. Ich stand dann wieder auf, der
Gatte war auch zurück und bereitete ein Kartoffel-Gratin zu, rief meine Schwiegermama an, nur um zu
fragen, ob es denn jetzt wirklich losgeht, aber da kamen die Wehen schon in Wellen, hatten einen Höhepunkt
und kamen immer schön regelmässig, eine Minute etwa. Es war schon 18Uhr mittlerweile. Später sahen
sahen wir zusammen unsere Lieblingsserien und gingen dann ins Schlafzimmer. Wir versuchten uns
vorzustellen wie es wohl sein würde mit ihr. Der Gatte wollte eigentlich ins Klinikum vor Ort, um nach dem
rechten sehen zu lassen, aber ich konnte nicht aufhören darüber nach zu denken, dass ich bloß nicht zu
früh losfahren wollte, schließlich unterstellt man den Erstgebärenden sie wären so hysterisch und würden
immer viel zu früh losfahren. Außerdem hätten wir nur den einen Versuch, das Taxigeld wollte ich nur
einmal bezahlen müssen und ich konnte an nichts anderes denken, als daran wie schrecklich es wäre, dort
hinzufahren und wieder Heim geschickt zu werden, weil es noch gar nicht soweit war. Gegen 0:30Uhr hielt
ich es aber wirklich nicht mehr aus. Wir gingen noch einmal Duschen und dabei wurden die Wehen so
intensiv, dass wir das Taxi bestellten gegen 1:40Uhr. Wir hatten also noch 20 Minuten Zeit bis wir los
mussten, die 20 letzten Minuten allein zu Hause.
Um 2:20Uhr kamen wir in der Klinik an, nach einer unschönen und unangenehmen Fahrt mit Wehen,
holprig und im Raucherwagen. Eine Putzfrau fragte uns doch wirklich, ob wir ein Baby dabei hätten zur
Geburt, aber die Autoschale brauchten wir einfach für das Bauchkind. Wir mussten darüber doch wirklich
schmunzeln, fanden den Weg und dort wurde ich direkt ans CTG geschlossen. Die Wehen kamen schon
alle drei Minuten, aber der Muttermund öffnete sich nur langsam. Das war sehr ernüchternd nach all
den Stunden erst 2cm. Ich sollte ein paar Zäpfchen nehmen um die Geburt zu unterstützen und mich
in die Wanne legen, aber das war sehr unangenehm, in dieser fremden Umgebung, vor dieser mir
fremden Frau. Ich wollte wieder raus aus der Wanne. Die Wehen waren aber immerhin kräftiger geworden
und ich zog um auf das Kreissbett. Der Muttermund war erst bei 4cm. Und ich machte mich total
verrückt, 1cm in einer Stunde, warum tut sich da nur was so langsam, war ich zu früh losgefahren?
Ich konnte im Kopf nicht richtig abschalten. Von da im Halbliegen an folgten schmerzhafte Wehen und
es waren dann schon 5cm. Mir ging es zu langsam, weil es wirklich sehr sehr wehtat und sich anfühlte,
als Stünde das Köpfchen schon fertig am Beckenausgang. Die Wehen waren sehr heftig und die Abstände
wurden immer kürzer. Man legte mir ein Schmerzmittel nahe, dass ich all die Stunden nicht wollte, aber
die Wehen kamen viel zu oft und der Muttermund öffnete sich zu langsam, es würde dem Bauchkind
dann auch wieder besser gehen. Besser halte es in meinem Kopf? Natürlich wollte ich jetzt eine PDA.
Zum PDA legen musste der Gatte vor die Türe. Ich kann nur heute annehmen, dass ich einen Wehensturm
hatte, denn die Wehenpausen waren nur noch etwa 20- 30Sekunden lang. In diesen Päuschen musste
ich mit den Rücken einen Buckel machen, damit die Nadeln gesetzt werden konnte, erst die Betäubung,
dann der Schlauch. Als die PDA saß, wurde ich getaped und der Gatte konnte wieder zu mir. Ich veränderte
die Liegeposition, damit sich das Mittel gut verteilte. Der Gatte war ein Traum von Geburtsbegleitung,
machte mir Mut, sagte die Wehen an, strich mit einem Lampen über die Stirn, hielt meine Hand und wies
uns irgendwie den Weg.
Die Geburt schritt voran und der Gatte verschwand kurz um der werdenden Oma kurz zu berichten
so wir überhaupt sind. Als er zur Tür reinkam, setzten auch schon die Presswehen ein. Die waren gar nicht
so schmerzhaft, wie Frauen sie beschrieben hatten, eher endlich aktiv werden und was tun können.
Ich schob feste, der Arzt lag auf mir und kristellerte wie ein Weltmeister. Ich erinnere mich wie der Arzt
bei der letzten Wehe sagte: „Noch einmal pressen, dann ist es geschafft.“ und so wurden aus drei Mal
Atmen und Pressen pro Wehe vier und ich spürte wie sie auf die Welt kam, dieser warme, weiche Körper
aus mir glitt und ich dachte, dass wäre wohl das schönste Gefühl der Welt. Der Gatte weinte vor Freude.
Ich fragte als erstes, ob sie gesund wäre und ob sie ein Mädchen ist und beide Male hörten wir ein „Ja.“
Ich konnte sie noch immer nicht sehen, dafür war ich zu erschöpft, aber ich konnte sie hören. Die
Hebamme sagte, es wäre höchste Zeit gewesen, sie hatte keine Käseschmiere mehr und auch kleine
Waschfrauenhände mit langen Fingernägeln. Ich konnte es einfach nicht glauben, sie war da. Sie sollte das
kleine Mädchen aus meinem Bauch sein? Man legte Zoe zu mir mit einem Handtuch, nachdem der Gatte
sie abgenabelt hatte. Er machte Fotos und sie schrie und schrie und schrie. So laut. Bestimmt eine Stunde
lang, zumindest gefühlt. Und ich kann mich noch daran erinnern, wie wir uns sagten, dass wir das noch so
wunderschön finden würden, aber sicher nicht lange Zeit, wenn sie so laut schreit. Der Gatte nahm sie auf
den Arm und sah unheimlich glücklich aus. Auch stolz und erleichtert. Als er sie mir zurück gab, hatte sie
sich langsam beruhigt. Es war Morgen geworden und die Sonne schien zum Fenster rein, genau auf uns.
Es war wunderschön, alles schimmerte in goldenem Licht. Und jetzt waren wir eine Familie.

Zoe Sophie wog 3820g verteilt auf 54cm, geboren am 06. November 2004 um 9.19Uhr, 6 Tage nach
errechneten Termin.

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