Was mir nahe geht.

Ich weiß nicht genau woran es liegt, dass mich solche Gespräche derart verletzen, aber ich bin es leid, mir nur immer wieder nur zu sagen, dass diese Menschen es nicht so meinen, dann sollen sie sich einfach anders ausdrücken, verdammt. Und eigentlich fing alles ganz harmlos an.
Ich dachte es wäre gut, dass es das letzte Mal Rückbildung ist, weil Emil herum kugelte, gurrte und agil war wie noch nie. Ich war auch stolz, aber in erster Linie dachte ich, wie gut dass wir heute das letzte Mal da sind, als er auf eine andere Frau zu robbte, sie in den Arm kniff, sie an den Haaren zog. Die Dame war unheimlich nett und gar nicht böse, sie fühlte sich eher geehrt und flirtete mit Emil herum. Später erfuhr ich ja, dass wir doch noch mal zur Rückbildung kommen dürfen.
Am Ende der Stunde, ich hatte das eigentlich gar nicht so sehr mitbekommen, guckten schon alle. Ich weiß bis jetzt wirklich nicht wieso. Wie alt der denn sei und ich sagte 6 Monate, ich hab auch ehrlich den Überblick verloren wie alt alle anderen Kinder sind, weil die Frauen gehen und kommen- ein fortlaufender Kurs. Dafür wäre er aber fit hiess es, das Kind von MamaX wäre noch nicht so weit. Mein erster Impuls war, ist doch egal. Und das ist es doch am Ende. Ist doch wirklich egal. Klar ist man als Mutter stolz, auf alles mögliche, aber das wäre ich persönlich genauso so wie jetzt auch noch in einem Monat oder zwei oder drei. Und wie schwer er denn sei und ich meinte 10kg, vermutlich. Ob ich denn stillte. Natürlich, würde ich stillen. Und ich schreibe das mit einem Augenrollen, gab ja auch drei Kinder, die ich nicht gestillt habe.
Dann kommt der Wendepunkt X und ich höre, wie eine Mama sagt, aber er hätte ja auch Geschwister oder? Und ich antworte ja, vielleicht läge es wirklich nur an den vier Geschwistern, die um ihn herum toben, dass er einfach mit dabei sein möchte, wer weiß das schon genau und ab diesem Punkt, verändert sich die ganze Stimmung im Raum. Alles starren mich an.
Die Stimme einer Frau überschlägt sich und wird so schrill: „Er ist dein 5. Kind?!“ Soll ich lügen und sagen, April, April? Nein, ich habe es über 3 Monate hinweg geschafft, das nicht so genau zu erwähnen und genau heute den Moment verpasst, weiter zu machen wie immer. Selber Schuld.
Mit einer Frau komme ich ins Gespräch, es ist ein sehr nettes Gespräch. Sie erzählt kurz von ihrer Freundin mit vier Kinderm, dann das sie ihren Mann halt sehr spät kennen gelernt hat, ein drittes Kind wäre ja schon schön, aber sie sei zu alt, ein Satz den ich leider oft höre. Ich sage wie froh ich bin, dass ich meinen Mann so früh kennen gelernt habe, und das muss ja mit den Kindern auch klappen. Sie fragt mich, ob ich das schon immer gewusst hätte mit den Kindern, dass wir so viele wollen, wie der Altersunterschied ist und in dieses nette Gespräch mischt sich eine Frau: „Waren die alle gewollt?“- „Natürlich“, sage ich und sie scheint mir nicht zu glauben. „Aber dann müssen das ja ganz brave Kinder sein.“ Der Moment wo ich nicht weiß, ob weinen oder lachen. Brav, na klar. Hat die Frau nicht auf dem Radar, dass das fünf verschiedene Menschen sind und keine Klonarmee eines braven Kindes? „Naja,“ sage ich. „Aber dann muss man doch sicherlich viele Abstriche machen, dann ist es zu Hause also nicht so ordentlich?“ In mir regt sich Widerstand. Bitte? „Also, eigentlich wäre mir Ordnung sehr wichtig.“ Klar liegen auf dem Fernseher eine fette Staubschicht und lauter Kindertapser, aber ich liebe und brauche meine Ordnung und so genau muss diese Dame das ja nicht wissen. „Dann sind aber alle Kinder auch mal nicht so gepflegt oder? Da kann man dann nicht einfach so gut drauf achten?“ Ich schnappe nach Luft und sage ehrlich, dass ich sehr großen Wert darauf lege, dass die Kinder gut gepflegt sind und seien wir mal ehrlich bei so vielen gucken die Leute schon eher mal genauer hin.“ Dann sagt sie: „Na, wenn man das gewöhnt ist, dann kann man es sich wohl nicht mehr anders vorstellen.“ Ich verspreche dann, dass man da reinwächst, von dem ich nicht mal hundert Prozent überzeugt bin und sage ganz ruhig, dass man da auch der Typ für sein muss. Wie ich es schon oft im Leben gesagt habe, aus Überzeugung und ganz ehrlich, das ist doch kein Wettbewerb. Ich schrieb schon mal darüber. Es ist kein gut oder schlecht. Niemand ist ein Versagen, weil er „nur“ 2 Kinder hat. Man muss sich nicht bedroht fühlen und nach Antworten suchen, das ist ganz einfach so. Und dann finalt sie: „Aber du hast ja auch früh angefangen und wenn man älter wird hat man eben nicht mehr so Nerven.“
Jetzt möchte ich schreien und verlasse doch nur übereilt den Raum. WAS soll das immer? Warum muss man so lange picken und suchen und die Arbeit anderer schlecht machen, nur damit man sich selber besser fühlt? Es hat meiner Meinung nach nichts mit dem Alter zu tun. Ich kenne tolle fitte schwangere Frauen Ende 30. Und Risiko- Schwangere mit Anfang 20. Ich kenne super entspannte 40 Jährige und wirklich gestresste 20 Jährige Mütter. Und anders herum. Auch das Mittelfeld soll nicht fehlen. Das kann man doch nicht so pauschal sagen. Es ist wie es ist. Ich verlasse den Raum und die letzten drei Damen, die darüber fachsimpeln, wie sehr Schwangerschaft sie verändert hat und sich gegenseitig bekräftigen, dass es am Alter lege, dass sie nicht noch die Kraft haben wie mit 20.
Ich rufe den Mann an und schildere alles. Ich treffe eine liebe Freundin erzähle und lache mit ihr. Aber es bleibt ein kleiner Schatten heute. Die Art von Gesprächen, die ich einfach nicht so spurlos an mir vorüber ziehen lassen kann. Zum Glück selten.

Edit: Eine Woche später und ich turne neben der Frau mit der ich mich beim letzten Mal nett unterhalten hatte. Sie entschuldigt sich für das letzte Gespräch, obwohl sie mir nichts getan hat und meint, die Unterhaltung wäre in eine sich falsch anfühlende, komische und unschöne Richtung gegangen, sie hätte sich dabei nicht mehr wohl gefühlt und es war ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Darüber hab ich mich so sehr gefreut (Eigen- und Fremdwahrnehmung) und wir haben in der letzten Stunde gefühlt zusammen mehr miteinander gequatscht, als geturnt.

2 Responses to “Was mir nahe geht.”

  1. Oarrrrr | Blogprinzessin Says:

    […] zu den “unnor­ma­len” mit DREI *keuch* Kindern zu gehö­ren, aber was sich diese Dame bei Frau Kassiopeia raus­ge­nom­men hat ist ja wohl kaum mehr zu […]

  2. Auf sich selber schauen « jonicamole Says:

    […] ich bei Frau Kassiopeia und der Blogprinzessin so Fürchterliches lesen musste, bin ich ins Nachdenken gekommen und da gärt […]