Entrückt…


Kaum zu glauben, dass es eine Woche her sein soll, dass Nils von seiner Schwester lieber Weise abgeholt und sie gemeinsam hoch geflogen sind. Das letzte Wochenende hat uns auf vielen Ebenen zerrissen. 

Es ist schwer das jetzt auszuhalten. 

Vor einer Woche sass der Mann am Flughafen und wartete auf seinen Flug, während ich auf dem Sofa lag und nach schlimmen Kopf-, Glieder und den Halsschmerzen jetzt noch Fieber bekommen hatte und mit Schüttelfrost auf die Wirkung des Fiebersenkers wartete und Tom mir dankbarer Weise zwei Wärmflaschen brachte, bis es soweit war. Ich fragte mich zitternd und schlotternd, was ich mir zum Teufel eigentlich dabei gedacht hatte ihn gehen zu lassen. Aber ich wusste, dass es richtig so und vor allem wichtig war und nur ein paar Stunden später, als Nils mit seiner Schwester und Mutter am Boden kniete und sie das getrocknete Blut vom verstorbenen Ehemann & Vater von den Fliessen schrubbten, waren alle letzten Zweifel dahin. Auch wenn ich auf dem Zahnfleisch ging. Es gab mir Energie und Zuversicht, meine Daheimmission war wichtig. Ich gab gut auf mich Acht, machte Pausen und senkte das Fieber immer wieder und dank unserer tollen Kinder vergingen die Tage ganz gut bis Nils Sonntag Nacht zu uns zurück kam. 

Seitdem geht es keinem wirklich gut. Mir weder körperlich, aktuell bin ich schwerhörig, nachdem mein Trommelfell Dienstag Abend geplatzt ist und der Husten hält mich auf Trab, das AB wirkt nur schleppend, wenn alles doch viral ist kein Wunder. 

Aber auch emotional ist Land unter. Es ist unfassbar wie Trauer zu Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit wird, wenn einem bewusst wird, dass man diesen Menschen gar nicht wirklich gekannt hat, der da ging. Dinge ans Tageslicht kommen und ins Bewusstsein dringen, die niemand wissen und fühlen wollte. Das praktisch alle ohne Ausnahme nur angelogen und betrogen wurden, sich über Menschen, die ihn liebten, lustig gemacht und kaum ein gutes Wort zu finden ist. Wie soll man um jemanden trauern, den man gar nicht richtig zu fassen bekam? Da ist gerade soviel Wut. Soviel Strarre und Entsetzen und man wartet. Vielleicht darauf, dass alles sackt… oder darauf, dass alles wieder so wird wie zuvor. Wenn ich sehe wie es Menschen, die ich liebe gerade geht, möchte ich schreien und toben, nur ändern würde es nichts. Es ist stiller geworden, nur innen tobt es laut.

Und dann wartet man doch irgendwo auch auf den Anruf, dass alles ein Irrtum war, während die Sterbeurkunde alles offiziell macht… 

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