365 Tage


Einen Jahresrückblick zu schreiben, fällt mir besonders in diesem Jahr nicht leicht. Es gab so viele schöne Tage und Momente, an die ich mich gern erinnere, es startete ja gut, erst kamen wir zwar mit krankem Küken, aber immerhin vom Meer zurück, wenig später feierten wir unserem 15. Hochzeitstag, wofür wir fast zwei Tage Auszeit mit Lilou genossen und nur wenige Wochen später Anfang Mai, war ich nochmal so lange mit Freundinnen zum Wellnessen. Aber wieder mit Lilou, auch wenn an Erholung nichts zu holen war in diesen zwei Tagen, mag ich sie nicht missen, ich habe den Spaziergang morgens um 6Uhr gern mitgenommen und werde mich ewig daran erinnern, wieviel ich im Stande zu laufen war mit Baby im Tragetuch. Und nebenher war eben doch Zeit für ein paar schöne Gespräche!

Dann waren wir zwei weitere Mal an der Ostsee, einmal davon dreieinhalb Wochen. So gesehen, viel schöne Abwechslung. Vorallem weil wir im Elternzeitmonat von Lilou Kellerhusen als Nachbarort entdeckt haben und für unsere Verhältnisse in Familiengruppen immer wieder sehr aktiv waren und Neues ausprobierten. Auch wenn das Selbstversorgen einer so großen Familie immer eine Einbuße an Erholung und der laufende Familienalltag so immer ein Stresspunkt blieb und bleibt. 

Weiterhin eine Herausforderung waren die zwei Mal Jobsuche vom Mann, es war jeweils, gerade beim zweiten Mal ein herber Schlag und so einfach eine schlimme und unsichere Zeit. In der uns wieder Menschen aus dem Netz geholfen haben und uns dem Kind einen Herzenswunsch erfüllen liessen, der die Lebensqualität in unserem Hause enorm verbessert hat: ein eigenes Fahrrad für den dritten Sohn. 

Trotz Lilous High Need Allüren, haben wir es geschafft ein paar mehr Dinge zu unternehmen in diesem Jahr, so haben wir zwei Mal Poing besucht, einmal den Tierpark, dank VIP Tickets einmal Legoland und einmal zu Zeldas drittem Geburtstag den Playmobilfunpark und zweimal, einmal an Antons Geburtstag dank Entgegenkommen der Gruppenorga und einmal in halber Besetzung mit der Schwägerin die Therme Erding, zwei Mal waren wir in Herrsching am Kloster, einmal wird uns auf ewig in Erinnerung bleiben, der Besuch an Ostern, dem (ohne Zusammenhang) ein Magendarminfekt folgte. 

Auch wenn Eigenlob stinkt aber auch in Anbetracht der Planung für das kommende Jahr, in das man Hoffnungen und Wünsche hinein haucht, möchte ich nochmal erwähnen wie stolz ich auf uns Eltern, oft auch auf mich bin was unsere Logistik angeht, was solche Fahrten und Unternehmungen angeht, denn selbst ein Besuch bei Ikea mit den Kleinen ist eine Meisterleistung dank ohne Auto schlaucht schon oft die zeitintensive Anfahrt und ich bin so stolz auf diese unsere Truppe, die trotz hier und da mal den Anschluss verlieren immer wieder mit uns Verrücktheiten unternimmt und meist alle immer mit dabei sind. 

Ansonsten ein Segen meine Schwiegermama, die immer für uns da ist, Familie rockt an dieser Stelle und die uns gerade in den vergangen Monaten eine große Stütze war. Denn in diesem Jahr bekamen wir Antons vorläufige Diagnose und die ersten Therapien bzw Hilfemaßnahmen konnten starten, was nicht immer einfach war, gerade für mein Mamaherz und dazu kam nun Tom, der durch unter anderem seine doch sehr wahrscheinliche Hochbegabung sich im Sozialen oft schwer tut, genauso wie Zelda, die nun ihrem Bruder im Kindergarten nacheifert und neuerdings nicht mehr spricht. Vielleicht lache ich in ein, zwei Monaten über alles, aber momentan war das alles wahnsinnig viel auszuhalten. Bei Tom läuft die Diagnostik und wir kommen gut voran, aber auch hier bleiben Sorgen, anders als bei Anton vielleicht wo die Reise hingeht, was für ein Leben meine Kinder einmal führen werden und ob wir alles tun konnten, um sie zu unterstützen ihren Weg zu finden und diesen zu gehen. Diese Herausforderung gelingt nicht immer. Gerade wenn man sein eigenes Päckchen trägt, so wie ich auch. Ein Kontaktabbruch in diesem Jahr hat mich in tiefe Selbstzweifel gestürzt und einiges an Selbstvertrauen gekostet, und das wo ich mich eh schon schwer tue Freundschaften zu knüpfen und zu erhalten. 

Umso dankbarer bin ich für die treuen Menschen um mich herum, die mich weiterhin begleitet haben und meine Mädelstruppe, die wir uns regelmässig zu treffen schaffen, auch wenn gerade anders als früher oft zu wenig Zeit für Persönlicheres bleibt, in den wenigen Treffen, die uns gegeben sind. Manchmal würde ich gern mehr da sein und mehr Zeit zum Zuhören haben. Und dennoch geben mir diese Treffen, auch mit anderen Freundinnen immer so unendlich viel.

Was unsere Familie einmal mehr als durchgeschüttelt und an anderer Stelle wieder mehr zusammen geschweisst hat, ist der plötzliche, unerwartete Unfalltod meines Schwiegervaters, der nun wirklich mehr kein Teil dieser Welt ist, ich muss es mir immer wieder sagen. Ich war ja kein Familienmitglied, dass vor Ort war und das Ausmaß gesehen hat und beseitigen musste, ich hatte dadurch vielleicht mehr zu tun, das alles zu „begreifen“. Zu kämpfen haben wir mit den emotionalen Hinterlassenschaften aber alle. Ein Mensch, den man einfach nicht zu greifen bekam, ist nicht mehr da und das was hätte sein können, bleibt ein Wunschgedanke.

Mein Körper hat mich da schneller eingeholt und ausgebremst, erst Bronchtitis, dann eine fiese Mittelohrentzündung, gefolgt von einer eitrigen Angina, ohne Pause hinter einander weg. Ich musste langsamer machen und mehr auf mich schauen. Wie zum Ende des Jahres erneut, als der dritte und letzte Magendarmvirus, die Familie heimgesucht hatte. 

Wenn ich meinen Feed so durchsehe, sehe ich viele Fotos aus der Natur, die ich in diesem Jahr gerade zum Erden und Runterkommen noch mehr gesucht habe, als in den Jahren zuvor, viele Tragefotos, ich sehe Backwaren für meine Familie, Puzzlen mit meiner Familie, viele Stunden Schwimmen und schaue auf 21 gelesene Bücher zurück. Das Jahr war bunt. Aber auch atemraubend. 

Dennoch bleibe ich unendlich dankbar. Wir haben uns, wir sind zusammen, wir haben gemeinsam Weihnachten und Silvester gefeiert, der Mann und ich haben gemeinsam nach 15 Jahren Ehe, den 65. Kindergeburtstag feiern dürfen und nun beendeten wir das Alte und begehen Seite an Seite das neue Jahr und vielleicht nehmen wir auch noch mehr Schönes mit! 

2 Kommentare

  • Andrea

    Ein frohes neues Jahr euch allen ! Dieser Großfamilienalltag fordert uns schon sehr heraus, wenn das Außen dann noch weg bricht, dann ist man mehr als gefordert. Aber man schafft es eben auch in der Gemeinschaft. Das ist so wunderbar. Wie sehr hält die Familie doch zusammen.

    Wie ihr das alles ohne Auto schafft, ist mir ja ein Rätsel. Aber wir wohnen auch auf dem Lande. Da ist es wohl noch undenkbarer.

    Für eure besonderen Kinder : viel Kraft. Es ist so schön, das sie da sind. Sie lehren uns Demut und fordern uns neu heraus. Wir haben sie auch, diese besonderen Kinder. Besonders empfindsam, besonders begabt, wie auch immer es gelagert es. Es zu erkenne, es anzugehen und sie nicht in Schubladen stecken, das ist das größte Geschenk an sie.

    Viel viel Kraft ihr Lieben zwei. Gerne würde ich euch ja mal persönlich treffen. Aber ihr wohnt so weit weg !

    Liebe Grüße
    Andrea – die Großfamilienmama