Ja, ich will

Ich dachte, wenn nur der Sommer vorbei wäre, dann käme die Ruhe. Aber dem war nicht so.
Ich dachte, wenn der Herbst vorbei wäre und Weihnachten naht, dann käme Ruhe, weil ich
schon im Sommer Ideen für Geschenke hatte, doch die Ruhe kam nicht. Bis jetzt. Es ist
unruhig. Es ist auf der einen Seite so wie ich es immer wünschte, lebendig und auf der anderen
Seite stellt sich dieses Gefühl nicht ein, dieses ja so fühlt es sich gut an. Ich weiß woran das
liegt, aber im Moment bin ich nicht richtig fähig irgendetwas daran zu ändern. Aber ich muss.
Im Moment ist es so, dass ich mich fragte, warum ich nur so gereizt bin und mir die kommenden
Festtage so gar nicht besinnlich erscheinen, und vor allem warum zum Teufel ich das nicht in
die Hand nehme. Es geht nicht recht. Ja, ich will abends arbeiten, ich will abends Gäste, ich
will Freunde und ich will Kinder hier zum spielen. Aber ich will das so nicht. So heißt, dass in
den letzten drei Wochen hier bei mir, von mir 3 Frühstücke, eine Nikolausfeier, ein Frauenabend,
ein VersicherungstantenAbend, ein SchwiegerelternAbend, ein paar TherapieMorgende und
etliche NatürlichNehmIchDeinKindSuperGernNachmittage auch gern in zweifacher Ausführung
stattfanden. Nebenher führt man eine Ehe, arbeitet spät abens, aber so klappt das einfach
nicht weiter. Ich will das so nicht. Doch das sind ganz seltsame Gefühle für mich. Ich war ewig
freundschaftslos und jetzt jemandem zu sagen, nein danke du, ich bin voll- das kann ich nicht.
Es fällt mir schwer „Nein“ zu sagen, weil ich will, denn ich könnte etwas verpassen. Ich versuche
Abtriche zu machen: dann liegt die Wäsche eben vier Tage verstreut im Wohnzimmer, dann liegt
der Berg Versicherungspapiere eben auf dem Schreibtisch, dann wird das Paket einen Tag
später Retoure geschickt, dann geh ich eben nicht zum dritten Laternenlauf in einer Woche, aber
wenn man merkt dass das alles nur noch Jobs sind und das alles keinen Spaß mehr macht, dann
sollte man die Notbremse anziehen.

8 Responses to “Ja, ich will”

  1. Ines Says:

    Zieh mal schnell ;-)

  2. Mudder Seemann Says:

    Eine Freundin, die ein *Nein, ich kann nicht* nicht akzeptieren kann, ist keine ….

    Für diese Erkenntnis habe ich Jahre gebraucht… schön war der Weg nicht. Der Moment wo mir Augen geöffnet wurden, aus denen ich vor lauter „Freundschaftsdiensten“ nicht mehr schauen konnte erst recht nicht.

    Bleib Dir treu und Deinen Lieben – eine echte Freundschaft hält das aus!

  3. partikelfg Says:

    Manchmal ist es auch schön allen anderen beim Termine nachrennen zuzusehen und selbst die Beine
    hochzulegen oder in Ruhe den Alltag mit seiner „kleinen“ Familie zu genießen. Versuch
    es doch mal. Tut gar nicht weh!

  4. Isabella Says:

    Ich kenne das und es ist oft so anstrengend. Also, nicht NEIN sagen zu können :-) Und immer wieder mache ich mir etwas aus, freue mich Wochen zuvor auch darauf (oder auch nicht, weil ich bloß aus schlechtem Gewissen zusagte) , aber kurz vorm Termin, bin ich dann oft müde ausgepowert und lustlos. Und das spüren dann auch Mann und Kind(er).

  5. seenia Says:

    obwohl ich in einer ganz anderen lebenslage stehe als du: mir kommt das sooo bekannt vor. vonwegen NEIN sagen ‚müssen‘ und notbremse ziehen….

    ich wünsch dir auf jedenfall genau die kraft, die dich nein sagen lässt und die an der notbremse mitzieht!

    :)

  6. mama schwaner Says:

    dann zieh doch bitte mal. weihnachten steht an. fest der liebe, besinnlichkeit, fest der familie. und das „nein“ wäre dann noch nicht mal egoistisch. also zieh, kräftig!

    (aber ich kann dich sehr gut verstehen!)

  7. vreni Says:

    manchmal hilft es, nicht gleich zu antworten. ich glaube kaum jemand ist beleidigt, wenn du dir etwas bedenkzeit ausbedingst. „ich habe grad viel zu tun und möchte es mir kurz überlegen“ wird glaube ich von vielen verstanden. und auch ein ehrliches „mir ist es grad zu viel, aber ein anders mal gerne wieder, wenn es bei mir etwas ruhiger ist“ verstehen die meisten, und freunde sowieso.

  8. kassiopeia Says:

    Danke an alle!

    Ich denke, ich habe schon einen guten Weg gefunden, hier und da gekürzt. Auch doch, wo ich es nicht
    gewollt hatte. Aber ich wurde mal wieder krank. Mein Körper ist quasi meine Notbremse. Aber man merkt
    eben leider immer erst, wenn es zu spät ist, dass man sich übernommen hat, nicht mitten drin im Planen,
    da schafft man das alles noch gut… Muss mir etwas einfallen lassen, um realistischer im Voraus zu planen.