Ein langer ruhiger Fluss

Es gibt so Morgende im Bad, da starre ich ungläubig auf meinen Bauch und denke: „Und da ist
ein kleiner Mensch drinnen, der alles neu macht?!“ Ich weiß, dass dieser kleine Mensch da ist,
denn er tritt mich genau jetzt, als würde er ständig sagen wollen, dass er da ist. Aber wenn ich
mich umschaue und unseren im Moment Jüngsten sehe, der gerade erste Worte spricht, aber noch
immer auf seinen Knien die Welt erobert, dann scheint das noch so lange hin, doch das trügt.
Wenn unser Baby geboren wird, ist unser Tom schon wieder 1 1/2 Jahre bei uns. Manchmal scheint
das eine ganze Weile und dann wieder so kurz: unsere zwei Jungs, unsere Tochter. Ich glaube
in dem Moment, in dem Tom beschließt nun nur noch zu laufen, mehr als zwei Schritte, wird das
im Kopf noch mal einiges auf den Kopf stellen. Dann sieht er einfach so alt aus wie er ist und
nichts täuscht mehr darüber hinweg wie die paar Zentimeter, die momentan über dem Boden
rutschen.
Auch der Gedanke, dass vieles von vorn beginnt und einem ganz bestimmten Muster folgt. Alle
4 Kinder wachsen in dieser Wohnung auf. Schon zu Zoe habe ich gesagt, sie solle nicht den Mülleimer
im Bad ausräumen, dann zu Noah und nun sagte ich es zu Tom. Irgendwann werde ich es auch
zu unseren Ungeborenen sagen. Auch werde ich zusehen, wie die Handtücher im Bad ausgeräumt
werden, an Zahnpasta gelutscht, Zahnbürsten durch die Wohnung getragen, Handtaschen und
Rucksäcke ausgeräumt, Essen vom Küchenfußboden geklaubt, ins Katzenklo gegriffen wird und
noch so vieles mehr. Genau in diesen Augenblicken weiß ich, alles war schon mal da. Genauso.
Ich höre im Moment meinen Sohn Noah rufen: „NEIN! TOM! NEIN!“, denn die Jungs streiten schon
mal heftig. Vor nicht allzu langer Zeit hörte ich Zoe rufen: „NEIN! NOAH! NEIN!“, bald wird wohl
Tom seinem Bruder ein zartes „NEIN“ ins Ohr brüllen voller Zorn und Hilflosigkeit. Wo sich jetzt
die beiden Jungs öfter in die Quere kommen, gab es eine Zeit voller Zoe und Noah, die sich in die
Quere kamen. Zoe hält sich immer öfter raus, schreit nicht mehr so viel. Vermutlich wird Noah
irgendwann ruhiger und ich muss nur noch die Kleinen von einander trennen, weil der 2 Jährige
von einem Baby geärgert wird. Mal wieder. Denn das kennen wir schon. Genauso. Komisch und
schön zugleich. Alles wiederholt sich. Und während man auf die Ankunft des Jüngsten Sproß wartet,
hat die eigentlich doch noch kleine Vierjährige mit ihrem Grips geschafft sich logisch selber das
Uhrlesen bei zubringen. Nichts kompliziertes, keine Viertelvor oder Viertelnachs, sondern sie
weiß die aktuelle Stunde, die naht, ist oder kommt. Wow. Ich liebe es so sehr, beim Großwerden
zuzusehen: meine kleinen Ü-Eier. Denn auch wenn sich so machnes entwicklungstechnisch
wiederholt sind sie alle jeder für sich einzigartig. Vier kleine Menschen bald, zum Lieben, Verzweifeln
und Beobachten.

7 Responses to “Ein langer ruhiger Fluss”

  1. Jana Says:

    Ich bewundere dich. Das 4. Kindund so kurz hinter einander. Ich stelle mir dann meinen Sohn mal vier vor und denke, oh gott, nie im Leben! Wie schaffst du das? Hast du dir 4 Kinder (oder mehr?) immer gewünscht oder ist das eher Zufall?

  2. mama schwaner Says:

    Ja, alles war schon mal da :) Wie wahr. Ich liebe es auch so zuzusehen. Und bin stolz. Auf meine Kinder. Auf mich/uns. Und kann mir dennoch nicht vorstellen, dass die mal groß werden. Also wie das so ist.

  3. sandra Says:

    wow,die Uhr lesen! Hat sie eine Armbanuhr,oder noch icht?Saskia kann das noch nicht,hat aber ein Armbanduhr(Flick,Flack) Und liebt sie und sie hat ein Holzspielzeug,an der auch ein übungsuhr ist.

  4. berliner luft und ostseewelle Says:

    Wow! Schön geschrieben! Und so wahr!
    Da muß ich mir glatt ne Träne wegwischen…

  5. denise Says:

    Sehr schön geschrieben und wie recht du hast. Alles war schon mal da und doch hat jeder seine eigene Persönlichkeit.

  6. seenia Says:

    ein wunderschöner beitrag und für menschen wie mich (die noch kinderlos sind) genau das richtige zum wissen „ich will das auch alles mal erleben“ (ob es dann vier sein werden weiss ich also noch garnicht….)

    danke!

  7. kassiopeia Says:

    @Jana: Ja also schon gewünscht. Alle hintereinander. Wir haben bis auf eine endgültige Endzahl nütscht
    konkret je ausgemacht. Alles nach Gefühl und auch Planung, was letzen Endes ja auch nur nen Gefühl ist,
    das Gefühl das dieses und jenes gut passt. Und Planung immer wieder umgeworfen, weil was anderes
    besser passte und dann wieder logisch war, aber das ist viel zu weit ausgeholt… Ich möchte auf kein Ü-Ei
    verzichten hier! Echt nicht.

    @Sandra Eine Uhr hat sie nicht, weil ich nicht dachte, dass sie sie braucht. Schick fänd sie das wohl schon!

    @Berliner Luft: Jetzt ist aber mal gut hier!

    @Seenia: Fühl mich mehr als geschmeichelt und bin ja berühmt für meine Fähigkeit Nettes anzunehmen,
    daber: Nun ist aber mal gut hier!
    Es gibt auch Dinge, die will man gar nicht erleben ;) Lernen, dass man nie den Toilettendeckel
    auflassen darf, denn es könnte die eigene Zahnbürste drin landen! ;)