Noch 3 Wochen oder 37+0

Seit heute ist unser Bauchbär kein Frühchen mehr. Wie schon in der dritten Schwangerschaft mit
Tom erinnere ich mich an die zweite Schwangerschaft mit Noah, in der ich den letzten Tag mit
dem Bauchbaby genoss. Niemand hatte es für nötig gehalten mich aufzuklären, dass es trotz dieses
klinischen Zeitpunkts schwierig und zu früh für unseren Sohn sein könnte, denn am darauf
folgenden Tag wurde eingeleitet. Ben darf jetzt auch kommen, aber eben nur sollte er sich von
allein auf den Weg machen…
Passend zum heutigen Tag nahmen wir an der Kreisssaalführung teil. Diese Führung war nicht nur
informativ. Es war das erste Mal, dass wir als Paar Zeit hatten zu registrieren, dass wir ein Baby
bekommen- auch wenn es bereits das vierte ist. Durch Ferienzeiten konnte ich weder einen
Geburtsvorbereitungskurs für mich allein, noch wir als Paar wahrnehmen, auch kein Schwimmen
oder dergleichen. Bisher reichte die Zeit nur für dreimal Schwangeren-Yoga. Zeit, die eigentlich so
unheimlich wertvoll ist, weil man sie sich allein im Alltag viel zu wenig nimmt. So freuten wir uns
als werdende Eltern sehr auf diese Führung. Aber es wurde auch eine Reise durch die Vergangenheit.
Denn dazu musste man in Richtung der Notaufnahme gehen. Also gingen wir in das Gebäude, dass
wir schon für zwei Geburten vorher betreten hatten, gingen vorbei an dem Cafe, vorbei an dem
CT-Raum, den ich damals mit halbseitiger Gesichtslähmung betrat als Zoe 6 Wochen alt war, vorbei
an der Anmeldung für Notfälle, die ich letztes Jahr mit allen Kindern wegen Noah betrat der vom
Gerüst geschubst worden war und es für ne gute Idee hielt danach ein Nickerchen zu halten, anstatt
wach und ansprechbar zu bleiben.
Als wir im Vortragsraum ankamen, fanden sich dort eine ganze Menge werdender Eltern. Ich sah die
Hebamme, die mich damals in der Schwangerschaft mit Noah in der 34.SSW gefragt hatte, ob ich
mein Kind rausschmeißen wolle, nur weil ich die Akupunktur ablehnte und nicht mehr sinnlos die
Wehen bekämpfen wollte, sondern die Ursache dafür finden. Ich sah die Hebamme mit der ich schon
mit Zoe zur Rückbildung ging, die die erste Schicht in der Geburtseinleitung bei Noah übernommen
hatte, die Hebamme die das Babyschwimmen mit Zoe leitete und die Nachsorge nach Noahs Entbindung
übernommen hatte, die Hebamme die Tom letztes Jahr auf die Welt geholt hatte und die Hebamme
mit der ich telefoniert hatte wegen einem Wochenend-Geburtsvorbereitungskurs „Aber Frau Hitze,
beim vierten Kind wissen Sie doch wies geht“, hatte sie gesagt und spielte auf die Kosten an, die
ebenso anfallen, wenn das Kind vor dem Kurs kommt.
Eine sehr sympathische Chefärztin der Frauenklinik leitete mit einer Hebamme im Wechsel die
Vorstellung des Krankenhauses. Neu für mich war, dass auch hier wirklich ungern Dammschnitte gemacht
werden, neu war ebenso, dass es Pucksäckchen geben soll und neu war auch, dass eigentlich eher
befürwortet wird das Kind bei sich zu behalten, egal wie müde und erschöpft man sei. Das war
wirklich sehr interessant und sehr sympathisch. Ich erfuhr heute auch das für mich wichtigste, nämlich
dass in der Nacht bei ambulanter Geburt kein Kinderarzt automatisch vor Ort ist, aber auf Wunsch
bestellt werden kann. Die nicht Anwesenheit der Kinderärzte soll aber zumindest ein Gehen in der
Nacht nicht im Wege stehen. Auch das klang gut, denn diesmal würde ich -soweit alles in Ordnung-
gern das enge Zeitfenster nutzen, in dem mein Körper hormongeflasht dazu in der Lage ist, die
Füße bis zum Ausgang in ein Taxi zu bewegen. Daheim ist Nachsorge organisiert.
Im Anschluss ging es rauf in die Kreisssääle. Ich war in dem Wehenzimmer indem ich Stunden lag mit
Noah im Bauch und Tokolyse im Arm, im Wehenzimmer indem ich unsicher auf und ab tigerte mit
Tom im Bauch bis wir in genau den Kreisssaal gehen konnten, in dem ich unsere beiden Jungs bekam.
Ein komisches Gefühl. Vorallem bei hellichten Tag. Vorallem das neue Bett und das der Gebärstuhl,
der zu Dekozwecken immer dort stand plötzlich weg ist. Und dann dieser Geruch. Allein schon bei
Betreten dieses Krankenhauses: dieser Geruch. So riecht dieses Krankenhaus eben. Es ist ein
schönes und vetrautes Gefühl, aber auch ein anderes. Als wir aber in diesem Kreisssaal standen war
da plötzlich wieder alles. Und eben seltsam, so ohne Schmerzen, die die Wahrnehmung so verzerren.
Ich sah sogar die Plastikbändchen für die neuen Menschen. In Gedanken suchte ich Platz für den Maxi
Cosi und unsere Tasche. Ich stellte mir das Zimmer wieder in dämmrigen Licht vor und wie der
Raum dann wirkt. Noch ist die Geburt von Tom die letzte. Bald wird sie ein Stück nach hinten rücken
und Platz machen für die von Ben. Ein komisches Gefühl…
Nebenan war der Kreisssaal mit Wanne. Ein Gedanke, der mir bis heute nicht so gefiel. Ich liege gern
und bin dann ganz bei mir. Mir ist mittlerweile egal wie toll es sein soll, wenn man sich bewegt, all
das wollte ich bei Tom und landete wieder im Kreissbett auf dem Rücken und es war wunderbar so
und wunderschön. Aber diese Führung und die Hebamme, die das anscheinend richtig gern nutzt,
brachte da soviel Freude rüber, dass ich nur noch gespannt bin wie es diesmal sein wird, diese Geburt.
Wir konnten einen Blick auf den Not-Op werfen und einen in das winzige Zimmer für die Versorgung
von Babies, die darauf angewiesen sind: Ein toller Anblick, wenn man es nicht braucht! Wirklich wichtig
so eine Führung.
Dann ging es auf Station. Was sehen diese Privatzimmer gut aus!? Egal. Und dann weiter der Geruch
zum Schwesternzimmer an das die Neonatale grenzt. Ein schrecklicher Geruch: Desinfektionsmittel
in rauhen Mengen. Und drei von vier Betten belegt. Einen Blick durften wir hinein werfen und was
waren diese Kinder winzig. Das war die letzte Station der Reise in die Vergangenheit, denn sofort
waren die Bilder wieder da, wie unser Sohn dort lag und versorgt werden musste. Mir war plötzlich
noch unwohler als vorher. Es tut gut, dass immer und immer wieder abzulaufen, an den Zimmern
vorbei zugehen, die man mal belegt hatte und eben auch an der Neonatalen, aber es tut einfach
immer noch ein bißchen weh und in Gedanken versucht man sich ganz nah daran zu wagen, dass es
sein könnte, nicht muss aber könnte, dass Ben Starthilfe braucht. Auch wenn ich das nicht hoffe,
aber ich versuche es im Hinterkopf zu hehalten…

Zu Hause legte ich mich später in unser Bett. Ich fühle mich nur noch wohl in unserem Schlafzimmer.
Noch nie habe ich mir soviel Gedanken um das Wochenbett gemacht und erst jetzt in dieser vierten
Schwangerschaft wird mir bewusst wie wichtig diese Zeit ist. Zeit für mich um mich zu erholen und
Zeit um Ben kennen zu lernen. Einfach anzukommen. Denn es wird so sein wie jedesmal. Man fiebert
dem Geburtstermin entgegen, lauscht in sich hinein und will nur noch eines: dieses Kind und dann
plötzlich ist es da. So wie bei Tom. Erst steht man morgens bei ET+9 frustiert vor dem Kindergarten,
hört vom Arzt plötzlich das Wort „Einleitung“ zu oft, sitzt am Nachmittag weinend da und weiß nicht
was man tun soll, plötzlich bemerkt man endlich die Wehen, die nach den Schmerzen tagsüber begannen
und bekommt mal eben noch an diesem Tag ein Kind. Also vom Frustnachmittag sitzt man plötzlich
24Stunden später auf der Couch mit drei Kindern, plötzlich ist dieses Kind einfach da. Ich merke wie
sehr mich die Schwangerschaft anstrengt -vieleicht auch die letzten-, wie sehr ich über mich hinaus
gewachsen bin und wie sehr ich diese Ruhe brauche. Eine Ruhe, die nicht wahrgenommen nie mehr
wieder nachgeholt werden kann. Ich sehne mich sehr nach diesem Raum der Ruhe. Ich fühle mich
dort geborgen und beschützt, dort will ich mich von der Geburt erholen. Ich möchte nicht wieder
eine Woche nach der Geburt unseres Kindes im Regen weinend durch die Straßen laufen, weil etwas
unwiderbringlich fort ist, weil man sich zuviel zugemutet hat.
Ich blühe auf. Die letzten Wochen schlauchten sehr und ich fühlte mich ausgeliefert. Die Geburt war
in weiter Ferne und das deprimierte mich. Je näher diese aber rückt umso besser geht es mir. Ich bin
bereit. Bereit ein Kind zu bekommen. Nicht nur weil alles da ist, nein ich bin bereit. Ich habe viel mit
meinem Mann gesprochen und mir viele Gedanken gemacht. Ich komme quasi im Moment an in der
Rolle als Gebärende. Ich genieße mein Kind im Bauch und hoffe darauf das der kleine Mensch sich
bald auf den Weg macht. Denn eines möchte ich nicht noch einmal erleben: diese Verzweiflung beim
Übertragen, wenn man sich nicht mehr sicher ist, ob das Kind weiterhin gut versorgt ist. Die Ärzte
von nichts anderem mehr sprechen, man in die 2-Tages-Kontrollmühle gerät, all das zermürbt…

Jetzt geht es mir gut. Gerade jetzt. Ich fühl mich bereit. Ich bin soweit. Und nun schauen wir gespannt
zum Bauchbewohner, wann er denn bereit ist und sich zu uns auf den Weg macht…

15 Responses to “Noch 3 Wochen oder 37+0”

  1. Karin Says:

    es bleibt mir nur zu sagen „hach“ und möge alles so kommen, wie du es dir vorstellst!

  2. agichan Says:

    (Wieso musst du das im Hinterkopf behalten? Warum nicht einfach daran glauben, dass alles gut geht? Obwohl ich gerne Risiken abwäge und alles im Blick habe.. bei manchen Dingen finde ich es viel förderlicher sich nur auf das Positive zu konzentrieren: alles wird gut, liebe Janine. Alles wird gut.)

  3. Patricia Says:

    Hach, diese Ruhe, die aus deinen Worten strömt, tut so gut. So innerlich mit dir im Reinen KANN nur alles gut werden!

  4. Mareike Says:

    Hach, auch einfach von mir. Es ist soo schön sowas zu lesen! Ich wünsche Dir, Euch, dass alles so kommt wie ihr es Euch vorstellt!

  5. Gabriela Says:

    Danke! Es kommt alles so nah in der Erinnerung, so gut nah!

  6. Ines Says:

    und wieder wünsche ich Dir, so wie hundert andere vermutlich auch, das diese Geburt und die Zeit danach ganz Deinen Vorstellung entspricht.

  7. Frau Ährenwort Says:

    Sehr schön geschrieben. Ich habe noch 5 Tage bis zur vollendeten 37. Woche, auch dann soll sich unser Kügelchen auf den Weg machen dürfen, aber Sie darf auch noch ein wenig länger drin bleiben, aber übertragen werde ich nicht, denn meine Ärztin hat schon angekündigt, dass sie sie dann holen wird, denn ich habe Schwangerschaftsdiabetes und da will man kein Risiko eingehen. Drücken wir uns die Daumen, dass alles ohne Risiko und Schwierigkeiten abläuft.

  8. DasDanny Says:

    Wunderschön, liebe Frau Kullertrulla….*snüff*

    Wunderschön geschrieben….

    Mitfühlende Grüße

  9. jo Says:

    Alles Liebe!

  10. dickbauchmarie Says:

    gestern träumte ich von ihnen.und ben. der sich auf den weg gemacht ahtte und nach fluffigen 4h als nele auf die welt purzelte.die nele lag dann mit all ihren geschwistern (!) in diesen glasbabyrollkästen im krankenhaus und meine (!) mutter besuchte die 4 udn staunte über die hübschen kinder

    *kopschüttel*

  11. kassiopeia Says:

    Danke für die lieben Wünsche!

    @dickbauchmarie: Herrlich. Was ein wirres Träumchen! Danke sehr fürs Teilhabenlassen! Hat mich heute zum
    Lächeln gebracht und das mag heute was heißen! ;)

    @DasDanny: Ich bin ja mal gespannt weiter von euch zu lesen! ;) Bitte unbedingt schreiben!

    @FrauÄhrenwort: Heute ist so ein Frusttag und wenn ich so lese, dass Sie auf keinen Fall übertragen werden
    wegen Ihrer Diabetes, wird mir ganz anders und dann weiß ich auch schon, wer zuerst von uns beiden entbindet!
    Alles Libe für Ihren Endspurt! (Frau Kassiopeia, die zu faul ist sich auf Ihren Blog zu registrieren, obwohl Sie
    schon ewig mitliest!)

    @agichan: Na weil der junge Mann mal gepflegt über vier Kilo wiegen wird und damit die Wahrscheinlichkeit
    leider recht groß ist, dass er Probleme hat seinen Blutzucker zu halten.

    @Gabriela: Ach Sie… Ich denk so oft an Sie!

  12. agichan Says:

    aber es MUSS ja nicht und drum solltest du ganz unbedingt diese Möglichkeit im Blick halten – und nicht die olle negative. dat bringt doch nix. es kommt, wie es kommt und ich bin mir sicher, dass es gut kommt, jawohl :)

  13. Janine Says:

    *knuddel* Das hast Du wundervoll geschrieben. Irgendwie kommt da so eine Atmosphäre rüber *seufz* Ich wünsche Dir von Herzen, dass alles so kommt, wie Du es Dir vorstellst!

  14. 4kidsmami Says:

    ….Ich drück dich ganz doll, das du uns so nah bei dir teilhaben läßt, was du fühlst, denkst, dich bewegt! Du rührst mich oft zu Tränen, wie liebe- und gefühlvoll du schreibst.
    Mach dir keine Sorgen, du bist schon in der Übung….bleibe ganz ruhig und entspannt. Du wirst nicht übertragen…und bald deinen Ben in Armen halten können – da bin ich mir ganz sicher!
    Hast du es mal mit Akupunktur versucht! Ich weiss nicht mehr genau, ab wann meine Hebamme das an den kleinen Fußzehen gemacht hat, aber bei mir hat es sofort gewirkt und Wehen ausgelöst, die dann auch zur Geburt führten nach knapp 5 Std. beim 2. Kind :-)
    Es wird schon alles gut gehen, Mehrfachgebärende sind da oft ganz fix und es geht schneller als man denkt. Und du hast einen tollen Mann an deiner Seite – ihr seid ja schon ein eingespieltes Team!
    Wünsche dir alles Liebe und Gute für den Endspurt…..tschaka….du SCHAFFST das!!!!

  15. Sandy Says:

    Hach! Seufz! Ich wünsche alles erdenklich Gut!