Der Zwilling

Unsere beiden Großen haben wunderschöne Namen bekommen. Die Bedeutung war mir immer wichtig.
Dann wurde ich ein drittes Mal schwanger und der Name Tom gefiel mir so gut, nur die Bedeutung
nicht: „Der Zwilling“. Schon damals war klar, wessen Zwilling er sein würde, ich fühlte das einfach. Auch
wenn ich mir immer Mühe gab aus dem Namen keine selbsterfüllende Prophezeihung zu machen,
wurde aus diesem „Bauch“gefühl ein greifbares.
Seit Wochen schreit Tom am Abend. Seit langen Wochen und im Augenblick mit dem, was in unserem
Leben so passiert, ist es so belastend geworden, dass es mir überhaupt auffiel. Wir haben wirklich viel
probiert und dennoch schreit er. Aus Prostest. Er schreit alles, was sein Wortschatz hergibt: Licht an!
Licht aus! Herkommen! Mama! Papa! Tür zu! Tür auf! Abraxas (der Kater) raus! An seinem Abendritual
hat sich nichts verändert. Wir gaben allem nach, Licht an, dann aus, Türe auf, Türe zu. Er wirft jeden
Abend seinen Nuckel raus, seine Puppe und seinen Teddy, immerhin bleibt das Bettzeug mittlerweile
wo es hingehört. Jeden Abend gehen wir hin, wenn er schreit, sehr oft, sehr sehr oft. Sobald er hört,
dass wir kommen, hört er auf zu Schreien. Er ist hundemüde, dass seh ich, dass weiß ich. Und ich
kenne das noch. Eine zeitlang war es besser und zwar die 1 1/2 Wochen zwischen Elternzeit und
Kündigung vom Gatten. Da war ich hier allein am Abend und konnte stillend nicht immer wieder rüber.
Irgendwann flog der Nuckel raus, aber nur soweit, dass er selbst noch hinkam. Und plötzlich wart Stille.
Er schlief fortan nach diesem einen Abend, allein ein. Ich hatte nicht geschimpft, ich hatte nur mit Ben
nicht gekonnt wie ich gewollt hätte. Nun schreit er wieder seit Mitte Dezember immer mal wieder-
jeden Abend unterschiedlich lang. Mittlerweile ist die Türe am Abend sperrangelweit auf
und das grelle Oberlicht im Flur strahlt genau in sein Zimmer. Ich habe alles probiert, sogar hingehen
bevor er weint und noch einmal streicheln und einen extrem gekürzten Mittagsschlaf. Da ist er wieder
der elterliche Aktionismus, dabei müsste ich es besser wissen. Ich weiß nicht, wieso er weint. Ich saß
schon an seinem Bett- alles was geht, haben wir probiert. Es gibt anscheinend keinen Grund. Es ist
vielleicht schon ein Ritual geworden. Ich bringe es nicht übers Herz ihn mit Absicht schreien zu lassen
bis er einschläft, er soll ja wissen, dass wir da sind! Und ich probiere nun noch einmal das vorher zu
ihm gehen und das Fortführen des knappen Mittagsschlaf. Aber schlussendlich sagt mir mein Verstand,
dass sein Zwilling genau so war. Mit 22/23 Monaten erlebte ich das alles ähnlich bei einem anderen
Kind. Es war schrecklich. Nur eine Phase wie alles zuvor, aber schlimm, richtig schlimm. Und urplötzlich
war es auch damals ausgestanden. Heute habe ich so tolle Schläfer, die sich immer gut im Schlaf
erholen können…
Du Miniausgabe… ich kann langsam nicht mehr, denn es zerreißt mir das Herz. Bitte lass diese Phase
zu Ende gehen, ja?!
Nach einem Gespräch mit Toms Oma, weiß ich wer Schuld ist

9 Responses to “Der Zwilling”

  1. KatjaW Says:

    Puh, Martha war GE-NAU-SO. Ich erinnere mich an die Zeit in der sie abends schreiend im Bett lag und ich meinen Frust gebloggt habe. Wir haben auch alles durchprobiert, bis hin zu bei ihr liegen, bis sie einschläft und auf Knien möglichst leise wieder aus dem Zimmer schleichen. Da war Ida ziemlich genau so alt wie Ben jetzt und Martha ja auch ähnlich alt wie Tom. Bis heute weiß ich nicht, wieso/ warum/ weshalb, aber es musste irgendetwas mit Ida zu tun gehabt haben. Zu wenig ‚Exklusivzeit‘ für Martha, zunehmende Präsenz von Ida=mehr Eifersucht bei Martha, irgendetwas. Oder auch einfach Angst. Vor allem und jedem, jeder Schatten, jedes Geräusch, alles.
    Letztlich haben wir das dann so gelöst, dass wir Marthas Nachttischlicht anließen und sie so lange lesen durfte, bis sie einschlief. Das ist heute immer noch, deshalb schlafen die beiden auch getrennt.
    Och menno, ich wünsche euch jedenfalls viel Kraft!

  2. Frische Brise Says:

    Ach ja. Ich liebe das Internet. Wir sind nicht allein.
    Lese ich doch überall von haargenau denselben Problemen, die wir hier auch haben. Seit Monaten hier dasselbe Spiel mit dem Mutzelchen. Es war wirklich schlimm und tat mir auch weh.
    Mittlerweile kommt sie nur noch 2- 5 mal raus. Ansonsten spielt sie halt alleine bis 21 Uhr in ihrem Zimmer, bis sie wirklich müde ist. Tja…
    Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase. *schieflächel*

  3. Wusel Says:

    Bei uns auch! Es schwankt allerdings sehr.. momentan läuft es wieder etwas besser. Haben irgendwann aus lauter Verzweiflung das Zimmer des Sohnemannes umgestellt, da ich den Eindruck bekam, als stünde das Bett zu „exponiert“ und als könne er deshalb nicht zur Ruhe kommen. Es wurde besser, ob das allerdings am Umstellen lag, oder daran, dass einfach eine Phase vorbei war, kann ich nicht beurteilen.
    Schicke Euch eine Extra Portion Durchhaltevermögen!

  4. 5kidsmami Says:

    Das habe ich auch je nach Laune hier…dieses allabendliche Spiel, Schnuller rauswerfen, weil dann kommt Mama auf alle Fälle nochmal rein, da ich ja ohne dieses Teil nicht einschlafe. Wenn ich noch besser gelaunt bin, dann werf ich noch die Kuscheltiere und mein Schmusekissen raus.

    Also ich wünsch dir auch weiterhin viel Kraft, es wird auf jeden Fall irgendwann wieder besser..nur eine Phase!

  5. jo Says:

    Hatten wir auch, gut verdrängt und eben beim Lesen wieder ans Licht gezerrt. Mit dem mittleren (bei der Grossen kann ich mich nicht erinnern ;-)) und auch in diesem Alter. Er gebrüllt dass die Wände wackelten, ganz hysterisch. Irgendwann wars wieder vorbei. Hm. Keine Ahnung was es war. Gute Nerven!

  6. Steffi Says:

    Hm, gibt es Schuld, wenn ein Menschlein nicht schlafen will oder kann!? Schlafen ist so eine Sache und es gibt ja auch viele Bücher dazu und jede Menge Ratschläge, von Frauen aus allen Generationen. Aber eben kein Patentrezept.
    Hier schläft das Kind so, wie es das gerade braucht. In der Regel gibt es natürliche schon einen gewissen Ablauf, aber manchmal signalisiert das Kind eben auch: Heute gehts so nicht! Da Nina nicht spricht, kann sie sich (auch) nur durch Schreien, naja, manchmal durch Meckern bemerkbar machen. Dann versucht man eben dieses oder jenes und trotzdem dauert es manchmal Stunden, bis sie in den Schlaf findet. Das geht dann manchmal nur eine Nacht, manchmal Wochen.
    Das einzige was mir/uns hilft, die Situation „locker“ zu überstehen, ist es, die Tatsache zu akzeptieren, dass es so ist, wie es ist, an diesem oder jenem Abend.
    Das Bauchgefühl trügt meistens nicht, wenn man einschätzen muss, warum das jetzt so ist, aber es hilft eben auch, finde ich…

  7. Jacqueline Says:

    Bis vor 2 Wochen hier das gleiche Szenario.Zermürbend.
    Nach 1 Woche hab ich das HAndtuch geschmissen und ihm gesagt, dass ich nicht weiß was er will. Kein Kuscheln, kein Trinken, kein verkürzter Mittagsschlaf half. Nix. Kein Zahnen, keine sonstigen Erklärungen.
    Ich ließ ihn schimpfen und motzen.
    Nach 2 Tagen war es vorbei.
    Ich verbuchte es als „Phase“, Unterkategorie „Austesten“.

  8. kassiopeia Says:

    @Steffi: Jetzt hab ich solange gegrübelt. wann ich was zur Schuld gesagt habe und dann dämmerte es mir. Der letzte
    Satz ist ein Satz, den man einfach mal unernst sagt, wenn ein Elter genau das gleiche verhalten an den Tag legte, als
    er klein war. Und das ist hier der Fall. Simpler Scherz von Vererbung.
    Akzeptieren ist sicherlich wichtig und normaler Weise kein Problem. Aber im Moment passiert hier zu viel auf einmal
    und das was sonst eben ist wie es ist, wird zur Belastungsprobe und treibt mir die Tränen in die Augen.

    @Jacqueline: Ja das ist eben die Frage. Austesten oder plötzliche Ängste (vor was auch immer)?! Zermürbend ist es.

    OHM. Nur eine Phase. Nur eine Phase…

  9. mama schwaner Says:

    Niemand ist schuld. Kinder sind unterschiedlich alle. Das weißt du ja :) Und wenn ich an den Horror mit Paul denke, der bis weit über den 2. Geburtstag jede Nacht mindestens drei Mal gebrüllt hat bis wir kamen – und wir kamen – und nun Oskar sehe, weiß ich diese Ruhe zu schätzen (okay, Oskar hat derzeit seine ersten Traumphasen und wir müssen gegen 22 Uhr mal zu ihm, aber das ist nicht schlimm, da bin ich (leider) eh noch wach :) )

    Es geht vorbei. Ich hoffe schnell und drücke alle Daumen dafür. Hat er denn auch so einen Teddy oder so? Seit bei Oskar der Schnuller weg ist, verlangt er den und gibt sich damit zufrieden!

    PS: Tasche und Kissen ist fertig. Geht am We oder vielleicht noch morgen raus! :)