Die lustige Welt der Immobilien

Wir wohnen auf 115qm in vier großzügig geschnittenen Zimmern im Altbau. Wir, das sind
zwei Erwachsene und vier Kinder. Die Kinder bewohnen zu Zweit jeweils die Villa Klitzeklein
und die Villa Kunterbunt. Seit 5 1/2 Jahren wohnen wir hier, haben es uns hier wunderschön
gemacht, hier sind wir zu Hause.
Nur leider wohnt hier auch der Schimmel. Wir wohnen mit unseren vier Kindern im Alter von
5-0 Jahren im zweiten Stock. Wir sind also im Besitz mehrerer paar Schuhe, Kinderwägen, Fahr-
und Laufräder, Fahrradhänger, Autositze- trotz Führerschein- und Autolosigkeit.
Es gibt weder einen Balkon, noch Terasse, keinen Garten, keine Garage oder andere Stellfläche,
denn im Keller ist ebenso viel Schimmel. Zu sechst wohnen wir mitten in der Altstadt und einer
Steigung von 13% bis hier hoch. Sei erwähnt, dass alles wichtige „unten“ ist.
Wir würden also gerne umziehen. Wir wünschen uns ein Zimmer für unsere Tochter, die Ruhe
braucht, die am wenigsten Schlaf braucht, die das einzige Mädchen ist. Wir wünschen uns
einen Grünstreifen für uns und die Kinder. Nur ein bißchen mehr Platz, wir sind nicht gierig.
Ein fünftes Zimmer würde uns reichen. Und es scheitert kaum am Geld. Wir würden uns ein
Bein abhaken, um mehr Miete zahlen zu dürfen für ein schöneres zu Hause.
Aber. Aber es gibt kaum Häuser oder eine Wohnung mit Garten. Ich habe mir in den letzten
Wochen unzählige Grundrisspläne angeschaut. Wir haben telefoniert. Es hab Vorab-Absagen,
weil Vermieter nur 3 Personen in ihrem 155qm Haus haben wollen. Wir haben drei Häuser
angesehen. Davon überholte uns ein Paar mit drei Kindern, nach herkömmlichen Auswahl-
Kriterien, ein zweites Mal wurden wir nicht genommen, aber der Grund wurde uns nicht mitgeteilt,
d.h. noch immer wird das Haus zur Miete angeboten. Beim dritten Mal war ich einfach nur
noch sauer. Und das war am Samstag.
Vorab teilte uns der Makler mit, dass er uns die genaue Adresse nicht mitteilen könnte. Es gäbe
einen Treffpunkt und nur diesen einen Besichtigungstermin. Als ich pünktlich „beim Treffpunkt“
ankam, wurde ich freundlich begrüsst. Fünf weitere Familien trafen ein. Eine Familie verabschiedete
sich rasch. Dann setzte sich ein Zug in Bewegung. Die Familie hinter mir stellte fest, dass einzig
die Laternen fehlten. Dann bogen wir in eine Strasse, die bekannt ist: Die Jugendherberge. Herzig
stellten zwei Familien fest, dass es bestimmt leise dort wäre. Direkt gegenüber hielt der
Martinsumzug nämlich an. Und ich sah? Ein Haus, dass ich kenne. Ein Haus, dass ich online schon
einmal gesehen hatte und aussortiert hatte. Wir sind in dieser Strasse mit einem Makler. Vorab gab
es kein Bild zu sehen. Aber dieses Haus kenne ich. Es ist kein Versehen, es ist das Haus, dass online
von Privat angeboten wird. Mir schwoll der Kamm. Ich bin angesäuert. Als wir das Haus betraten,
war alle noch viel schlimmer als auf den Fotos. 60er Bau, bescheiden isoliert. Alte Fenster. Alte
Küche, die auch noch drinnen bleibt- Freude! Kaputte Fliesen im Bad. Glasbausteine im Treppenhaus.
Ich suchte vergebens das fünfte Zimmer, das es nicht gibt, denn ich fand nur ein Wohn- und drei
Schlafzimmer. Ich wurde sauer. Angepriesen mit den Worten: Modernisierung 2010, nahm ich an,
dass nach dem Auszug, der genau am Besichtigungstag stand fand, irgendetwas passiert. Auf meine
Nachfrage sagte man mir, dass man das bei Interesse mit dem Vermieter ausmachen dürfe. Aha. Ob
gestrichen werden würde?- Vermieter fragen! Ich wollte ausrasten. Ich war sauer, aber froh, dass
Mann und Kinder zu Hause saßen. Ich war froh, dass die Kinder von nichts wussten. Denn beim
letzten Mal fragte mich das Tochterkind mit einem traurigen Blick: „Wieso wollen die uns nicht?“ Ich
ging entsetzt Heim. Ich war wütend und erschöpft. Ich lief vorbei an unendlich vielen Häusern und
mir liefen die Tränen. Es scheint unmöglich, mich verlässt der Mut allmählich.
Wir möchten im Ort bleiben. Ohne Auto spielt sich hier unser Leben ab, weiter weg geht schlicht
nicht.
Zu Hause angekommen zeigte ich dem Gatten die Bilder der vorher aussortieren Immobilie und stelle
weiter fest: Dasselbe Objekt wird von privat ohne Provision angeboten, kostet aber monatlich
150Euro mehr Miete. Das Grundstück ist von privat auch gleich 50qm grösser, vielleicht daher der
Preisunterschied. Die Rede ist von „etwa“ 200qm Wohnfläche, beim Makler bietet dasselbe Haus
nur 155qm. Immerhin ist man sich mit der Nutzfläche einig: 60qm. Von Privat: Keine Haustiere,
gepflegt, Ausstattung normal. Vom Makler: Sind Haustiere eine Sache der Vereinbarung, die
Ausstattung ist gehoben und vollständig renoviert, letzte Modernisierung eben 2010. Aha. Alles ein
großes Missverständnis?! Ich war demnach eindeutig im falschen Haus.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe ein gutes Auge und viel Fantasie. Als ich das erste Mal in
diese unsere Wohnung kam, war es ein Desaster. Aber ich hab was draus gemacht. Ich konnte mir
alles vorstellen. Ich hätte nichts dagegen wieder selbst ordentlich Hand an zu legen. Aber das sprengte
den Rahmen einfach.
Das ist der Moment, in dem Sie ein gute Idee haben und sagen, dass alles wieder gut wird.

15 Responses to “Die lustige Welt der Immobilien”

  1. Silberpfeil Says:

    Oh, wie ich mit Euch mitfühlen kann. Das ist so zermürbend. Und Eure Wünsche und Vorstellungen sind ja wirklich nicht zu hoch. Ich drück Euch alle Daumen, dass ihr mal an einen kinderfreundlichen Makler oder Eigentümer gelangt.

    Wir suchen seit drei Jahren hier im Kanton Zug (Schweiz) ein kleines Häuschen oder eine Fünfzimmerwohnung mit einem klitzekleinen Garten. Auch hier ist das Budget nicht so schlecht. Wenn wir unseren Kanton verlassen würden, könnten wir uns ein freistehendes Einfamilienhaus mit grossem Garten leisten. Aber eben, wir wollen hier nicht weg. Alle Verwandten wohnen hier, die Anbindung ans ÖV ist super und die Schulen perfekt.
    Wir finden nichts. Entweder sind Kinder nicht willkommen oder der Preis ist dermassen überrissen, dass es sich nur die wirklich Reichen leisten können.
    Alle Familien mit kleinen Kinder die wir kennen, ziehen hier langsam weg, weil sie sich das Niveau schlicht nicht mehr leisten können. Noch gebe ich nicht auf. Einen kleinen Funken Hoffnung lasse ich noch nicht sterben.

  2. agichan Says:

    *drück
    Es wird kommen, das Haus oder die Wohnung, die ganz klar EURE ist. Natürlich. Ich schick dir ganz vel Kraft, damit du genug Geduld und Durchhaltevermögen aufbrinst bis es soweit ist. *drück dich noch mal*

  3. die_schottin Says:

    P. und ich haben schon vor unserer Hochzeit eine neue Wohnung gesucht. Sie sollte schön geschnitten sein, mind. 4 Zimmer und einen Garten haben und schön gelegns ein(zentral aber ruhig). Ich hab nachher nicht mehr gezählt wie viele Wohnungen wir uns angesehen haben, wir waren fast jedes Wochenende zu Besichtigungen. Genau ein Jahr nach der Hochzeit fanden wir unsere Wohnung. Zum Garten noch mit Balkon. Wir haben sie dann alleine mit Hilfe von unserer Familie 3 Monate kernsaniert (nur noch die Wände standen teilweise, Leitungen etc alles raus und neu). Das geduldige Suchen und Arbeiten hat sich gelohnt. Auch Ihr werdet eine passende Wohnung finden. Freilich hoffentlich ohne so viel Arbeit. Ist ja kaum machbar mit 4 kleinen Kindern. Ich drück Euch die Daumen.

  4. karo Says:

    Hallo, ich lese hier schon sehr lange :o)
    Natürlich möchte ich gerne Mut machen, aber ich kenne natürlich gar nicht die Wohnungsmarktsituation vor Ort, deshalb halte ich mich mal zurück mit den typischen Aufmunterungen. Wir sind letztes Jahr nach Hamburg gezogen und alle haben uns gewarnt, dass wir niemals in so kurzer Zeit (wir hatten unsere alte Wohnung schon gekündigt) eine neue Wohnung nach unseren Vorstellungen finden würden. Hat aber geklappt, ohne Probleme.

    Hätten wir nicht so schnell was gefunden, dann hätten wir es wohl auf uns genommen, einen Makler für uns zu engagieren. Wäre das nicht was in eurer Situation? Die haben einfach ganz andere Kontakte und für die Nerven ist es vielleicht auch besser wenn ihr nur Wohnungen besichtigt, die auch infrage kommen und ihr dann entscheiden dürft?!

  5. Patricia Says:

    Ach Mensch, ich kann euch gut verstehen! Wir haben nach dem Haus, in dem wir wohnen, mehr als ein Jahr lang gesucht und dabei gar fürchterliche Löcher gesehen, bei denen ich oft dachte, man müsste Schmerzensgeld bekommen, wenn man einziehen würde. Dass Makler im Bestreben, die Wohnung loszuwerden, lügen wie gedruckt, macht das Ganze auch nicht einfacher. Wir haben häufig meinen Vater mitgenommen (Bauhandwerker), der die Aussagen über die top-renovierte oder „auf jeden Fall schnell zu renovierende“ Wohnung häufig ad absurdum geführt hat. Ich drücke euch die Daumen, dass euch bald die Wohnung mit dem Vermieter über den Weg läuft, die zu euch und eurem Leben passt!

  6. Ines Says:

    Siehste bei uns scheitert es am Geld. Wohnung mit 4,5 Zimmern und Garten die gibt es schon aber für um die 1000 Euronen Kaltmiete, das ist einfach nicht drin. Ich wünsch euch mal viel Glück, ihr werdet irgendwann schon das geeignete finden, bestimmt!

  7. Chrizzo Says:

    Puh, Ideen möchtest Du haben… Wie wäre es denn, Ihr schaltet mal eine eigene Suchanzeige? Und wie sieht es mit MundzuMund-Propaganda aus? Einfach alle auch nur halbwegs bekannten Menschen drauf ansprechen, dass Ihr auf der Suche nach einer Wohnung/einem Haus seid? Ich wünsch Euch viel Glück und send aktuell noch ein wenig Geduld!

  8. jo Says:

    *drück* Ich kann mich noch gut an die 3 Monate erfolgloser Wohnungssuche 2004 erinnern, in und um Karlsruhe, dabei nur mit 1 (!!) Kind plus Hund. Zermürbend. Dabei war Kind oder Hund egal, war beides nicht gern gesehen. Am Ende bezahlten wir unglaubliche 800€ für 3 Zimmer, zwar gross aber nichts besonderes, im Karlsruher Umland… Auto Pflicht. Zum Heulen, aber wir hatten Eile und fanden einfach nichts anderes. Ich wünsche Euch viel Glück!
    PS: der Gatte hat Arbeit? Darf man gratulieren?

  9. Schussel Says:

    Oh, ich erinnere mich nur zu gut. Meine Eltern haben etwa 15 Jahre lang (ja, kein Tippfehler) nach einer größeren Wohnung gesucht und schließlich aufgegeben. Wir sind am Ende zu neunt in 4 Zimmern, knapp 100 qm aufgewachsen und fanden nirgends etwas größeres. Meist auch noch ganz offen mit dem Grund, es seien zu viele Kinder. Häuser mit 150qm wurden dann gerne an die Ehepaare mit zwei Hunden vermietet. Am Ende haben meine Eltern sich mit Hilfe von Großeltern, Förderungsdarlehen und so weiter an den Eigenbau gewagt, weil es keine andere Möglichkeit gab – nur halten werden sie das meiner Ansicht nach finanziell nicht können :(

    Ich wünsche euch so so sehr, dass ihr mehr Glück habt, verständige Vermieter findet und eine wunderschöne Unterkunft für euch sechs. Alle Daumen gedrückt.

  10. Frische Brise Says:

    Hast Du schon bei immonet (punkt) de reingeschaut?
    Wir waren da sofort erfolgreich.
    Ich drück Euch soooo sehr die Daumen, daß Ihr etwas Passendes findet!

  11. Anne Says:

    Ich würde mich mal bei den Wohnungsbaugenossenschaften bei euch in der Stadt erkundigen. Die sind ja gemeinnützig und haben daher nichts gegen große Familien. Häufig hat man da eine gewisse Wartezeit, aber die Mieten sind wirklich günstig.

  12. Garfieldine Says:

    Wirklich was hilfreiches kann ich auch nicht mitteilen.

    Es ist eine Frechheit was da betrieben wird. Die meisten Fälle von „größer als Durchschnitt-Familien“ haben nur über die Hilfe von Freunden und Bekannten eine Chance oder indem sie Lügen. Aber das ist keine wirkliche Alternative.
    Habt ihr vielleicht die Chance über einen Aushang im KiGa oder so aktiv zu suchen, wo ihr bekannt seid?

    Ich verstehe das auch nicht, aus so vielen Gründen. Mehr Kinder bedeutet für Nachbarn nicht grundsätzlich mehr Lärm!
    Solche Geschichten lassen einen an der Menschlichkeit zweifeln….

    Drücke euch die Daumen!

  13. eva Says:

    püh. 2 jahre suchzeit für die hausfindung. macht nicht wirklich mut, oder? ok, wir wollten kaufen, aber: geduld. es kommt etwas. ich hatte auch diesen punkt erreicht: ok, für uns gibt es gaaar nix in düsseldorf. aber dann plötzlich: kam es, unser haus, was wir grad sanieren und mit 5 köppen in 3 zimmern altbau hausen, der große braucht ruhe und sein eigenes reich…ja, man wird bescheiden, ich weiß. man denkt, ich halte es nicht eine sekunde länger aus…
    aber: nicht aufgeben! umhören, immoscout-abo bestellen und immer dranbleiben!! alle ansprechen, aushang kiga, spielgruppe und co. immer und immer wieder. die frau an der supermarktkasse und den postboten anquatschen etc pp.
    lg eva

  14. kassiopeia Says:

    Danke für die Tipps. Wir verbreiten die frohe Kunde gerade wie blöd, grasen die Zeitungen ab und die Angebote
    online. Ein Makler beauftragen wäre eine gute Idee. Aber der Mut verlässt mich. Langsam. Aber er tuts.

    Ich fühle mich ja noch nicht mal abgelehnt wegen der Kinder. Wir haben eben nur einen Verdiener, sind jung und
    haben obendrein vier Kinder… Die paar Angebote, die es gibt, schnappen uns andere vor der Nase weg. So
    einfach ist das. Unser Feind sind Doppelverdiener und die Ein-Kind-Eltern… :)

  15. karo Says:

    Ach, nicht den Mut verlieren!!!
    So ein Makler wird doch nur bezahlt, wenn er euch auch ne tolle Wohnung zeigt, die ihr gerne haben mögt – da lohnt sich sowas!
    Und wenn der dann sagt, dass es nix gibt für eure Vorstellungen, dann darfst du ein bisschen den Mut verlieren, aber jetzt noch nicht! ;o)