Emanzipationsgedanken

Naiv dachte ich ja, das schönste Geschenk der Emanzipation der Frau wäre, die Freiheit das Leben zu
wählen, das man leben möchte. Aber die Erfahrung lehrt, es sollte dann doch bitte auch der richtige
Lebensweg sein, den man als Frau wählt, sonst wäre die ganze Emanzipation dem Untergang geweiht.
Ein bißchen Recherche später muss ich zugeben, es ist schon ein sehr spezieller Weg den die
Emanzipationbewegung der Frau da anstrebte. Es sollten doch bestimmte Kriterien erfüllt sein, die
ich natürlich nicht erfülle.
Das für mich Spannende, jetzt wo ich das las und mein Wissen auf dem neusten Stand ist, ja da kann
ich mich doch plötzlich sogar entspannen, mich zurück lehnen und mich davon frei machen. Dann
ist das nicht mein Weg. Dann bin ich eben nicht klassisch emanzipiert. Ja und jetzt?

12 Responses to “Emanzipationsgedanken”

  1. Schussel Says:

    Ich weiss nicht, wo Du das gelesen hast – also kann ich da schlecht mitreden.

    Für mich selbst finde ich aber, Emanzipation heißt weder ein Weg noch der andere, sondern schlicht, dass man die freie Wahl hat. Aber wirklich frei, frei von Druck, frei von finanziellem Druck durch ungleiche Bezahlung der Geschlechter, frei von Vorurteilen, frei von festgefahrenem. Dann finde ich, dann wären wir emanzipiert, weil dann jeder genau nach seiner Lust und Laune und Lebensart das aussuchen könnte, was er wollte – mehr Arbeit, mehr Kinder, mehr was auch immer. Deshalb mag ich den klassischen „Feminismus“ auch nicht, der ist für mich nur die Umkehrung von dem, was früher falsch lief und immer noch manchmal falsch läuft. Ich will Freiheit.

  2. neph Says:

    „Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipare: einen „Sklaven oder erwachsenen Sohn“ aus dem mancipium, der „feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen“, in die Eigenständigkeit zu entlassen.“

    Unfrei ist nur der, der gern tun würde, was er nicht tun kann. Wer alles tun kann, was er nur möchte (nicht: „was ihm zu tun möglich wäre“), ist frei.
    Freie Menschen müssen nicht befreit werden. Der Schlüssel zu allem ist die Frage „ob man die Wahl hat“, nicht, in welche Richtung man diese Wahl trifft.

    Wenn ich gern zehn Kinder haben, hinter dem Herd stehen, mich ganz und ausschließlich mir selbst und der Versorgung und Umsorgung meiner Familie widmen möchte, obwohl ich mich durchaus auch hätte anders entscheiden, einen anderen Weg hätte gehen kann, dann bin ich genauso „emanzipiert“ wie jede Frau im Management irgendeiner großen Firma.

    _Ich_ die ich arbeiten gehe, meine Kinder jeden Wochentag nur vielleicht zwei, max. drei Stunden sehen kann, die ich mir die Hacken abrenne in diesem Spagat und mich dabei in meinem Gewissen verheddere, nur um meine Miete bezahlen zu können – nicht weil ich es so will, wie es jetzt läuft, ich bin wohl – nein, definitiv – wesentlich unfreier als jede Hausfrau, die es liebt, Haufrau zu sein.

    Emanzipation heißt nicht, arbeiten zu gehen.
    Emanzipation heißt, sich frei entscheiden zu können, was man tun und lassen mag, ohne dabei vom reinen Rollenmodell oder von irgendwelchen anderen Menschen mit anderen Ansichten unter Druck gesetzt zu werden.

    Menschen wie Dir vorzuwerfen, die Emanzipation zu verabschieden, ist wie… wütend sein, nachdem man jemandem ein paar Tausend Euro in die Hände gedrückt hat, damit der auch mal „richtig“ Urlaub machen kann, und der mit dem Geld schließlich doch lieber in die Alpen fährt statt in die Karibik zu fliegen, weil er die Alpen eben leidenschaftlich mag.

  3. neph Says:

    Vielleicht sollte man seine tausend Euro für die Person dann einfach für sich behalten. Dann sind beide Parteien glücklich. Die, die trotzdem genau den Urlaub machen kann, der ihr vorschwebt, weil der keine paar tausend Euro kostet und die, die nun das Geld hat, um selbst dahin zu fliegen, wo sie hinwill.

    Wenn die, die lieber in die Alpen will, die andere dazu zwingt, mit ihr mitzukommen, dann ist das Unterdrückung. Wenn aber seinerseits der Karibikliebhaber den Alpenmensch nötigt, sich ihm anzuschließen, dann ist das eine gute Tat.
    Das ist ganz schön anmaßend… und ironischerweise ist Intoleranz keineswegs …frei. Denn frei ist nur, was alle Seiten anerkennt. Und wie kann etwas emanzipiert sein, was nicht frei ist? ;)

  4. Mama Miez Says:

    neph hat völlig Recht. Emanzipiert sein bedeutet, frei und selber zu entscheiden, welchen Weg man im Leben geht und nicht nur gehen möchte.

    Allerdings gehört auch das Selbstbewusst sein dazu, diesen Weg zu gehen, ohne sich dafür zu rechtfertigen, sich zwischen den Stühlen zu verheddern oder sich an Meinungen anderer zustören. Wer wirklich emanzipiert ist, der steht über den Dingen.

    Und ich, für meinen Teil, kann sagen, dass ich nicht emanzipiert bin. Ich zweifle dafür viel zu oft an meiner Leistung, meiner Erziehung, meinem Handeln.

    Emanzipation ist selbstbewusst und aktiv zu leben.

  5. kindelfind Says:

    Puh, ich finde es so schwer etwas dazu zu schreiben, ohne dass es wie ein Angriff klingt. Und ein Angriff soll es nicht sein – zwar beschäftigt mich das Thema sehr (in Bezug auf meine Erwartungen an mich selbst) – es ist mir jedoch im Großen und Ganzen eher egal, für welches Lebensmodell andere Frauen sich entscheiden. Das sehe ich emotionslos.

    Es ärgert mich nur, wenn wichtige Aspekte unter den Teppich gekehrt werden. Natürlich ist es Quatsch wenn jemand behauptet, Berufstätigkeit sei erfüllender als Haus & Kinder zu hüten. Das ist eine ganz persönliche Wahrnehmung, die viele Frauen so sicher nicht bestätigen werden. Und es scheint paradox, dass eine Frau, die sich täglich in einem ungeliebten Job abmüht und die Kinder derweil betreuen lässt, emanzipierter (sprich freier) sein soll als eine zufriedene Vollzeit-Mama.

    Trotzdem (hier gehe ich mal auf Nephs Kommentar oben ein) finde ich es blauäugig, hier eine Momentaufnahme und nicht das „große Ganze“ zu betrachten.
    Nehmen wir an die „Hackenabrennerin“ und die glückliche Vollzeit-Mama trennen sich beide von ihren Partnern. Nun stellt sich erneut die Frage: Wer ist jetzt „freier / emanzipierter“? Und wer begibt sich von der einen Abhängigkeit (Mann) gleich in die nächste (Staat)? Ja ich weiß, „Teufel an die Wand malen“ und so weiter…. aber tatsächlich wird doch jede 3. Ehe heute geschieden. Einige werden das jetzt gelebte Modell glücklich bis ins hohe Alter fortführen können und rückblickend sicher nichts bereuen. Aber viele, viele Frauen halt auch nicht – und für die sieht es dann halt einfach bitter aus. Ganz im Gegensatz zu ihren Männern übrigens. Ist das dann Emanzipation?

    Was ich gerne noch dazu schreiben möchte ist, dass ich es übrigens nicht erstrebenswert finde, immer und ausschließlich „vernünftig“ zu handeln. Ich könnte mir gut vorstellen, auch mal für ein paar Jahre auf das „große Ganze“ zu pfeifen, mit Mann & Kind die Welt zu bereisen, in den Tag herein zu leben. Vielleicht machen wir das das mal. Aber man sollte sich dann halt auch darüber im Klaren sein, dass es eine „trügerische“ Freiheit ist….

  6. Ines Says:

    Mich würde ja jetzt erstmal interessieren was du gelesen hast?

  7. Schussel Says:

    @kindelfind: da stimme ich Dir ein gutes Stück weit zu.
    Man könnte aber ja auch – auf politischer Ebene – sagen, dass echte Emanzipation (und Freiheit) erst dann hergestellt ist, wenn eben echte Wahlfreiheit besteht, ohne dass nachher Nachteile zu befürchten sind. Was du beschreibst, ist ja hauptsichlich der finanzielle Druck, der möglicherweise durch lange Zeit zuhause enstehen könnte. Was wäre, wenn man diesen Druck mindert oder abschafft?

    Manches geht ja zum Glück in diese Richtung, wenn z.B. pro Kind mittlerweile drei statt nur ein Jahr als Erziehungszeit auf die Rente angerechnet werden. Aber auch die oft verschrieene „Herdprämie“ sehe ich als Beitrag in diese Richtung, für echte Emanzipation, echte Wahlfreiheit. Damit hätten Familien, bei denen einer zuhause bleiben möchte, mehr Geld zur Verfügung. (ja, ich sehe auch die Nachteile davon, aber das optimale Modell gibt es wohl nicht…) Und auf der anderen Seite der Ausbau von Kindertagesstätten, bessere Betreuungsqualitäten, flexiblere Teilzeitmodelle, Akzeptanz von Vätern in Elternzeit.

    Dass eben wirklich jeder das Leben leben kann, das er will, ohne dadurch schlechter da zu stehen, als jemand mit einer anderen Wahl, und ohne ein Lebensmodell durch politische Vorgaben vorzuschreiben. Ob das alles realistisch, politisch fair, oder auch nur finanziell machbar ist, steht natürlich wieder auf einem ganz anderen Blatt. Aber spannendes Thema, finde ich.

  8. Anne Says:

    Vor Urzeiten mal dazu gelesen und wiedergefunden
    http://littlebinbigf.wordpress.com/2008/05/27/eigenstandigkeit/

  9. neph Says:

    @kindelfind

    Aber was hat jetzt eine mögliche Scheidung mit der Emanzipation des (der) einzelnen zu tun?
    Als Arbeitnehmer kann ich genauso gekündigt werden. Wenn jemand zusätzlich zu all dem anderen arbeiten gehen möchte, entscheidet er sich genau dafür. Wenn jemand ausschließlich für Mann und Kinder „arbeitet“, dann eben dafür.
    Der eine kann geschieden werden, der andere gekündigt. Trotzdem tun sie in dem Moment genau das, was sie tun möchten. Wenn die Hausfrau geschieden wird, muss sie evtl arbeiten gehen um das fehlende Einkommen wieder auszugleichen. Wenn die vielleicht Managerin ihren Job verliert, ist sie genauso gezwungen, evtl eine Zeitlang daheim zu sein.
    Wahrscheinlich findet sich leichter ein neuer Job als ein neuer Mann, aber dafür bleibt der Hausfrau im Endeffekt noch genauso die staatliche Unterstützung. Und weil sie die annimmt, ist sie dann unfrei? Warum? Sie tut doch genau das, was sie tun möchte? Dass sie dafür weniger Geld hat, als ihr zustehen sollte, als es sich für _echte_ Emanzipation – Lösung von der Abhängigkeit von irgendeinem Rollenmodell, also auch von dem entgegengesetzten – eigentlich gehören würde, das ist ein völlig anderes Paar Schuhe. Da schließe ich mich übrigens Frau Schussel an.

  10. neph Says:

    (die Schlechtschreibung ist ein Produkt der fortgeschrittenen Stunde… sorry)

  11. kassiopeia Says:

    Ich sehe das wie Neph.

    Mit der Einschränkung das meines Wissens nach eben die tatsächliche Emanzipation wirklich auch einher geht mit finanzieller Unabhängigkeit, die ich nicht vorweisen kann. Aber es ist okay für mich, wie ich schon oben schrieb. Dann bin ich eben nicht klassisch emanzipiert und damit kann ich gut leben.

    Und zum vom kindelfind angeführten Scheidungsproblemen, ich versteh dich schon. Aber das Ding ist doch, selbst wenn ich einen tollen, schönen und gut bezahlten Job hätte ich wäre so oder so im Umbruch wenn wir uns scheiden lassen würden.

    Es kommt doch auch darauf an, wie man lebt. Ich lebe im hier und jetzt. Aber eben nicht völlig irre, sondern schon bedacht. Ich liebe jetzt, ich heirate jetzt, ich gebäre jetzt, ich lerne jetzt. Andere fürs später, haben Ängste vor Nöten und das ist okay. Es waren eben nur meine Gedanken dazu. Und die Quintessenz war eben für mich. Es ist so für mich okay, dann bin ich eben nicht so emanzipiert und muss damit leben, dass sich vielen Frauen die Zehennägel aufrollen, wenn sie mein Lebensmodell von außen kurz betrachten.

  12. Wolfram Says:

    Auch wenn da vielleicht viele Zehennägel Locken schlagen:
    es gehört auch zur Emanzipation, wenn man keinen Mercedes vor der Tür haben muß, selbst wenn man gut verdient, und einfach beim alten Corolla bleibt (ein altes Auto weiterzufahren kann gar nicht so viel Dreck machen wie die Herstellung eines neuen) oder auch einfach gar kein Auto hat.
    Ach, ich vergaß: das ist ja „andersgeboren“ (alternativ…), anders gesagt einfach nur schrill!