Ein Tag im November 2013

Gegen Mitternacht ging ich endlich ins Bett, dafür durfte ich gleich stillen und hatte bis zum nächsten Stop etwas Ruhe. In unserer Schlafzimmertür ist Milchglas und ich werde sofort wach, wenn eines der Kinder im Flur oder eigenen Zimmer das Licht anschaltet und so war es kurz vor fünf, als ich auf einmal senkrecht im Bett stand. Ich sah mich um, neben mir lag Emil, Nils und ich teilten uns die restlichen verbleibenden 90cm unseres Bettes und aus Emils Gitterbett hörte ich sanftes Atmen. Als ich runter kam, stand ein Kind halbnackt im hellen Zimmer und ich war zu müde, um sofort los zu quasseln, dass es aber noch keine gute Aufstehzeit wäre, sah aber das das liebste Kind versuchte sein Bettlaken abzuziehen und nur deshalb in Unterhose da stand, weil sein Pyjama nass geworden war. Jetzt lief ich halbnackt in den Keller und kam mit einem frischen Laken wieder, das ich aufzog. Ich deckte das Kind zu und gab ihm noch einen Kuss und ging gegenüber in ein leeres Bett. Dort kam ich aber nicht recht zur Ruhe, also wälzte ich mich. Als ich endlich einschlief, wurde ich gleich wieder wach, von einem Kind, das über mir aus dem Bett krabbelte und nach oben auf die Toilette stampfte- warum auch immer ist dem Kind nicht möglich im Dunkeln auf das WC im gleichen Geschoss zu gehen, in dem sich sein Bett befindet. Als der kleine Elefant erst wieder die Treppen runter und dann die Stufen rauf in sein Hochbett gestampft war, schlief ich wieder ein. Und wurde postwendend geweckt von Nils, der mit Emil auf dem Arm zum Wickeln kam. Das war mein Stichwort- ich ging wieder in mein Bett, wo ich mich tot stellte, bis alle mit dem Frühstück fertig waren und half dann nur noch beim Zähne putzen und anziehen.
Gegen acht Uhr zog ich dann mit den fünf Kindern los und ließ Nils kurz zurück mit dem Frühstückstisch und den Überbleibseln von getrockneter Erde aus Gummistiefelprofil.
Bens Gesicht verfinsterte sich langsam, als der Bus von Zoe und Noah abfuhr und sein Papa samt Anhänger immer noch nicht da war. Ich gab alles, machte ein Spiel draus, aber das war Ben herzlich egal, er wollte jetzt nicht mehr mit dem doofen Papa im doofen Anhänger zum doofen Kindergarten fahren. Er fuhr dennoch, weil ich hatte ja was zu tun, Zitronenkuchen backen zum Beispiel, duschen, Wäsche anmachen. Alles in allem fand ich meinen Vormittag ganz gemütlich. Ich aß in Ruhe Frühstück, räumte während meine Telenovela im Hintergrund lief die Küche auf und Emil spielte allein im Wohnzimmer, genau genommen räumte er komplett alle Elektrogeräte unter dem Fernseher aus und war selig.
Kurz nach elf brauchen wir zwei auf zum Kindergarten. Emil pennte ein und im Bus mussten wir eng zusammen rutschten, weil wir irgendwann drei Kinderwagen samt Müttern waren. In der Altstadt jagte ich kurz noch ein paar fehlende Sachen im Laden und machte mich auf zu meinen Kindern. Emil wachte im Kindergarten nach nicht mal dreißig Minuten schon wieder auf, mir schwante Übles und die Jungs waren vergnügt. Zu Hause überbrückten wir die Zeit mit Tischdecken und Essen aufwärmen und einem Schreckmoment: „Da ist Kacka auf der Treppe! IH! MAMA! KACKA!“, schon stand ich mit Desinfektionsmittel und Küchenrolle bereit für alles, da schaute mich nur betroffen ein vertrocknetes Blatt an. Im Anschluss von diesem Spaß gingen wir das allererste Mal zu Viert zu Fuß zur Haltestelle. Tom und Ben links und rechts, hatten Emil in der Mitte und waren nicht davon abzuhalten das Kleinkind so an der Händen zu halten, Emil übrigens auch nicht. Was mir gleich Ärger mit Zoe einbrachte, die auch Emils Hand wollte. Zurück zu Hause war an Essen nicht zu denken, denn Emil wollte noch mal raus. Natürlich aus dem Garten, wenn schon denn schon, also fing ich ihn ein, aber er schien genug Ausbrecher gespielt und frische Luft gehabt zu haben.
Nach dem Essen schickte ich die Kinder hoch, wie immer und kümmerte mich schon mal ums Geschirr. Die Großen machten Hausaufgaben, obwohl Zoe beklagte sie könne sich vor Aufregung gar nicht richtig konzentrieren. Ich lag neben ihr im unserem großen Bett, sah meinem fabelhaften Tochterkind in die Augen und konnte nicht fassen, dass ich vor 9 Jahren in einem Bett gelegen hatte mit ihr unterm Herzen und regelmässigen Wehen. Das war ein besonderer Moment, aber es hielt mich nicht davon ab kurz einzunicken, um wieder hoch zu schrecken, weil Emil weinte.
Wir zuckelten dann alle runter ins Erdgeschoss, wo ich mich mehr oder weniger in der Küche verbarrikadierte und weitere köstliche Heimlichkeiten fürs Zoes morgigen Tag zubereitete. Irgendwann gab es nur noch Abendessen, Duschen, Zähne putzen und Sandmann. Mittendrin fing Emil an zu Schreien und hörte nicht mehr auf bis sein Papa kam- Überraschung er war richtig müde. Irgendwann als es dann wirklich ruhig war und jeder in seinem Bett lag, vollendete ich die Heimlichkeiten, dekorierte und räumte mit dem besten Mann um die Wette, um dann kurz nach 21.30Uhr auf dem Sofa zu versumpfen- so der Plan. Ich wurde aber leider gleich gerufen, konnte mich anschließend von Emil los machen, ging noch einmal runter um zwei Brote zu essen und genoss so noch einen ruhigen Abend, bis mich das Bett rief. Irgendwann so nach 23Uhr.

4 Responses to “Ein Tag im November 2013”

  1. rage Says:

    hallo, ich hab eine frage: stillst jetzt nachts immer noch? ich dachte, die zahnärztin wollte das nicht mehr… frage aus reinem interesse, nicht mit erhobenem zeigefinger oder so (der steht mir ka auch gar nicht zu :-))

    ich glaube übrigens, der mann und ich kommen nächstes jahr auf unserem pärchentrip nach münchen, ich will unbedingt einmal nach dachau. und das geht mit den kindern einfach auf sehr lange zeit hinaus noch nicht.

  2. frau musgrave Says:

    WIE SCHAFFST DU DAS NUR ALLES??!!? Denke ich jedes Mal wenn ich Dich lese – und dann auch noch Zeit zum bloggen, fotografieren, backen… Superwoman, clearly ;)

  3. kassiopeia Says:

    @rage: Frag ruhig! :) Ich stille noch, zum einen weil die eine Zahnärztin hier, die Erste es gern sehen hätte, wenn er wenigstens erste wenige Schlafstunden ohne Stillen blieb, was wir geschafft haben. Und zum anderen, weil nicht klar, wie schädlich Stillen wirklich ist, es gibt so gegensätzliche Meinungen. Mein Kompromiss sind viele Zahnputzeinheiten und das wenige Stillen noch in der Nacht, habe erst in dieser Woche einen Termin bei einer anderen Zahnärztin und hoffe da auf ein gutes Gefühl. Sie läge genau neben einer Kinderklinik. Das würde mich beruhigen. Der nächste Kontrolltermin bei Zahnärztin Nr. 2 wäre aber auch schon bald wieder, weil die Zeit so rennt :)

    Meld dich einfach, wenn ihr her fahrt :)

    @Frau Musgrave: Was denn? Es war ja, wenn dann hier extrem, durch den Kindergeburtstag. :) Aber danke dir, ich sonne mich mal in deinen Worten, okay?! :)

  4. frau musgrave Says:

    Na alles, jeden Tag und immerzu, alles unter einen Hut bringen, und dann noch Zeit nehmen zum bloggen, fotografieren, backen, Kinder und Mann gluecklich machen, den Haushalt wuppen, nachts kaum schlafen, Zeit zum lesen, etc etc – eben: alles! Einfach grossartig… Woher nimmst Du nur die ganze Energie?? Bin voller Bewunderung.