Wie ein Schlag ins Gesicht…

 

Ich hab damit einfach nicht wirklich gerechnet. Natürlich hatte ich noch im Hinterkopf, dass da etwas „nicht eindeutig genug“ auf dem Röntgenbild zu erkennen gewesen war, aber letzten Endes hatte ich gedacht, man wolle nur etwas ausschliessen. Montag dachte ich noch daran den MRT Termin einfach abzusagen, so ein Aufriss!
Und dann bekam ich noch, gleich im Anschluss des MRTs, obwohl ich damit auch nicht gerechnet hatte, jemanden zu Gesicht, der mir gleich sagte, da wäre etwas angebrochen. Angebrochen? Was soll das denn heissen? Ich dachte noch im Spass, ich kann aber auch nichts richtig machen, mir nicht mal richtig was brechen…
Zwei Tage nach dem MRT -hatte ich mit dem Orthopäden ausgemacht- sollte ich bei ihm anrufen, aber meine Bilder waren nicht da, also nochmal telefoniert (Was mir nicht leichtfällt, fremde Menschen anzurufen. Meine letzte Therapeutin wäre hoch erfreut wieviel ich das zur Zeit übe, aber das neue Datenschutzgesetz ist dabei behilflich.) und tada nun endlich wurde ich zurück gerufen und in mir bröckelte bei den Worten auf der anderen Seite des Telefons alles zusammen…
Es ist einfach zuviel. Es ist nervenaufreibend gewesen in letzter Zeit sich nach der Elternzeit mit Lilou, die einen sehr braucht und viel weint, die Aufgaben zuzuwerfen. Ich streite sehr viel mit dem Mann, gerade in stressigen Zeiten, da geht es auch um Anerkennung, aber mal Tacheles, es geht vorallem darum, dass wir uns die Bälle nur so zuwerfen. Zwei Tage Homeoffice waren es diese Woche; sollten es sein, nun werden es drei.
Ich kann mich defakto nicht so schonen, (will ich auch gar nicht verdammt!) auch nicht wenn der Mann die ganze nächste Woche Homeoffice macht (, denn der soll ja arbeiten) und ich hab Angst vor dem Schreien vor Überforderung von ihm und dann auch von mir, wenn etwas nicht funktioniert wie es sollte und den Streitereien, beim Versuch alles unter einen Hut zu bekommen.
Ich hab auch Angst davor, was mein Körper weiter macht. Am Dienstag bei meiner Rheumatologin war alles ok, aber ich hab Schmerzen in den Knien und im gesunden Fuss, sowie der linken Hand. Der Grossteil an Schmerzen kommt von der Schonhaltung mit der Schiene, ich belaste ja, was richtig doof ist, komplett eine Seite mehr als die andere, also die Gelenke. Die Hand bzw das Handgelenk ist aber nicht betroffen, sondern die Sehne. Heisst auch Orthopädisch.
Gut und schlecht in einem, denn das nun angezeigte Nutzen der „Unterarmstützen“ zusätzlich zur Schiene, die nun auf mich zukommt, wird das ganz sicher alles nicht besser machen. Zudem soll ich Heparin spritzen. Ich mir selber. Neben dem Stillen, dabei wollte ich mein Rheumamedikament wieder hoch dosieren, nachdem ich das abgesetzt hatte wegen der Einnahme der Antiobiotika, denn wenn ich beides zeitgleich einnehme, schwächt es derer beiden Wirkung und ich möchte definitiv meine Blasenentzündung los werden, was ich nicht schaffte bisher und daher nochmal eine Portion im Anschluss an die ersten fünf Tage verschrieben bekam, musst ich auch nochmal anrufen, und nun meine vollen 10 Tage bekomme, die ich ja auch zu Beginn an wollte, aber nunja.
Was ich meine ist, das sind einfach verflucht viele Arzttermine gewesen in letzter Zeit und Telefonate, die mich ja nun mental mehr fordern als andere Menschen, abgesehen von der Zeit, die das frisst diese in den Alltag einzubinden und zum Teil 10 Minuten in der Warteschleife zu hängen und morgen muss ich also noch mal zum Orthopäden und dann darf ich zuvor wieder telefonieren, ob ich denn wirklich nebenher stillen darf. Embryotox sagt ja, aber der Orthopäde wollte sich rückversichern durch den Frauenarzt, ich denke da eher an den Kinderarzt, guter Mann! Und ich muss raus kriegen, ob es Wechselwirkungen mit meinem Rheumamedikament gibt. Es ist zum Kotzen, also hab ich erstmal nur geweint, alles was ich die letzten Tage, ach eigentlich die ganzen zwei Wochen zuvor nicht gemacht hatte nach dem Umknicken, einfach mal weinen. Ich komm da auch nicht drüber weg, dass sowas passiert, weil man umknickt. Nicht beim Sport, nein bei so einer Alltäglichkeit und ich nutze diese verfluchte Treppe im Kindergarten seit über elf Jahren! ELF!

Zwei Kinder waren diese und letzte Woche krank, ein Kind hat ebenfalls seit der Woche, in der ich mich verletzte einen Bänderiss, einem Anderen wurden heute vier bleibende Zähne gezogen… dabei kann mir auch keine Haushaltshilfe der Welt helfen. Zuviel krank hier in der Familie und der Mann leidet ja auch, nimmt er mir Lilou tragend ab, meckert seine Schulter… und diese furchtbare Isolation. Ich geh nicht wirklich viel raus. Ging ja gar nicht. Aber ich brauche diese Zeiten, dieses Abholen vom Kindergarten um mal Luft zu holen, das ist meine Zeit! Ich war ja nicht mal Schwimmen bisher! All die Dinge, die mir gut tun, mich als Mama auftanken liegen brach. Meine zehn Minuten Sport jeden Tag für den Rücken. Alles fällt einfach weg, ich weiss einfach nicht wie ich da für mich etwas anderes finden soll, damit ich nicht das Gefühl habe mich als Frau…, als Mensch komplett aufzulösen. Denn so fühlt sich das an, dabei bin ich eine starke Frau, die vieles allein gewuppt bekommt, es macht mich fuchsig mich nun so zu fühlen… auch körperlich so eingeschränkt zu sein, von den Schmerzen seit zwei Wochen, was hatte ich Kopfweh vom Schonhalten, ganz zu Schweigen. Was mir da wirklich hilft, sind die lieben Freundinnen, die ich in den letzten zwei Wochen getroffen habe, das tat sooo gut! Und für morgen habe ich schon vor Wochen drei Freundinnen zu einer Art Adventskaffee eingeladen, darauf freue ich mich jetzt noch mehr, da bin ich einfach nur ich und versuche es noch mehr einzusaugen und davon etwas zu zehren!

Verrückt ist, dass da eine Stimme im Kopf ist die sagt: „Sieh mal! Was für ein Erfolg! Du bist zwei Wochen vom Besten ausgegangen! Du hast dich nicht verrückt gemacht, nicht schwarzgemalt, nicht dramatisiert, dich in nichts reingesteigert. Was ein Erfolg nach dieser schlimmen Angststörung!“

Aber wie sagt meine Therapeutin natürlich auch: „All das bewahrt Sie natürlich nicht davor, dass dann mal wirklich was passiert!“ Und genau hier sind wir nun… die Tränen sind versiegt, kämpfen sich immer mal wieder nach oben und dann schauen wir mal weiter… nächste Woche also Homeoffice und der Mann daheim, das wird, das muss. Und weiter gucken…