Scheißtag

Wie Sie es nennen ist mir egal- Schicksal, göttliche Fügung oder Zufall. Aber als ich schon
vor Tagen beschloss, dass mein Sohn heute daheim bleibt und nicht in seine Spielgruppe
geht für die 3 Stündchen, dachte ich daran, dass er nächste Woche nach der OP auch nicht
gehen könnte, die letzten zwei Tage nicht ging, wegen Geburtstag von Tom und Arzttermin,
aber der wohl beste Grund fürs Daheimlassen war: Stress vermindern. Wir sind bei 10+3
und wollten Ruhe bewahren, nächste Woche wird aufregend genug!
Es war ein Vormittag an dem ich beschloss, mal nicht ewig im Bad zu stehen, nur kurz
Zähne putzen, Gesicht waschen und schminken. Duschen und Haare waschen ein tägliches
Must-have, vorallem die Haare im Moment ließ ich sein zum Wohle der Kinder. Ich schlug mich
mit einem Ebayeinkauf herum und 2 Tage nach dem Geburtstag trudelten Geschenke
ein. Das wühlte mich am Rande auf. Aber wir sind ja zäh. Tom erwachte dann um 13Uhr,
jammernd wegen seiner Zahnbeschwerden. Also dachte ich alter Optimist, holen wir Zoe
mal früher ab, da war wieder dieses Gefühl. Egal der Abwasch, egal die Klamotten von Mami und
den Jungs, egal die Haare, setzt Mami halt ne Mütze auf- wir sind ja gleich wieder da! Und
als ich den Gruppenraum betrete und in das Gesicht meiner Tochter sehe, startet Murphy’s Law.

*Zoe’s Erzieherin erzählt sofort, sie hätte eben versucht mich zu erreichen: 38°C, aber sie dachte
sich schon das wir unterwegs seien. Und nun denkt ein rational denkender Mensch, naja ein
Infekt halt! Schade nur, dass Zoe Montag und Dienstag zu Hause mit Temperatur war. Ein
Freund Scharlach hatte und ein anderer Fieber.
*Mama startet vom Kindergarten aus einen Notfallplan. Statt entspannt nach Hause zu tingeln
und auf dem Sofa- verdient- zu lümmeln, ruft sie Papa an. Der hat im Handy die Nummer vom
Kinderarzt bzw. vorm PC sitzend, die Nummer der Ärztin, die zu Fuß zu erreichen wäre.
(Für alle nicht Dachauer, von der Festwiese aus zu unserem Arzt zu kommen ist blöd, von
unserer Haustüre aus jedoch mit Bus prima!) Papa ruft zurück, wir sollen sofort zur Ärztin, denn
ab 15Uhr wird es voll. Ich zog also wehend 2 Kinder hinter mir her, vor mir ein Baby, dass zu
Hause um 15Uhr gerne ein Mahlzeit gehabt hätte, Bäcker voll, stürmen also hungrig weiter.
*Bei der Ärztin angekommen, fragt mich die dusselige Kuh doch ernsthaft, warum wir hier und
nicht bei unserem Arzt sind?! Weil halt! Ich sage: Zoe Fieber, Kindergarten Scharlach oder nur
Streptokokken- weiß ja momentan schon, dass die verwandt sind, Mami lernt dazu.
*Genau in dem Moment, in dem ich das Wartezimmer betrete, höre ich eine Mutter den anderen
Wartenden verkünden: „Die da hat Fieber und im Kindergarten gibts Scharlach!“ Mein Blick
sagte mehr als jede Blume!
*Also saß ich dreckig, muffig und verstruwelt im Wartezimmer. Ein tolles Gefühl. Ich habe mich
schon sehr, sehr lange nicht mehr so scheiße gefühlt. Und man sieht, dass ich schon wieder
schwanger bin- wenn man sowieso denkt, die ist nicht ganz sauber mit drei Gören!
*Im Behandlungszimmer kann ich mein Selbstbewusstsein nach zwei Sätzen wiedererlangen.
*Der Arzt, keine Ärztin verfügbar heute, verkündet soeben Zoe hätte keine Streptokokken, da
stürmt die Arzthelferin doch rein und schreit: „Dr. der Test wird doch langsam leicht positiv!“
Diesen Satz kenne ich! Das war in etwa das, was sich dachte als ich in den Flitterwochen war.
*Der Arzt gibt zu, die Wartezeit nicht ganz korrekt abgewartet zu haben und denkt doch allen
ernstes nach, ob er uns schon ein Antibiotikum aufschreiben soll.
*Ich dumme Kuh verlasse die Praxis ohne Noah testen zu lassen.
*Apotheke
*Naturkostinsel
*Feinkostladen = Seelenfutter
*Bäcker
*Bus fährt uns vor der Nase weg
*Anderer Bus überfüllt
*Rufe Schwiegermutter an und rede mir alles von der Seele.
*Trockne Tränen
*Wundere mich über die Flecken auf Tom’s Hose.
*Entdecke 2sec. danach einen riesigen braunen Fleck vor dem Katzenklo, mit Schmierstreifen.
*Desinfiziere Tom’s Hände
*Setze Kinder samt Brezen vor Sandmann.
*Sage Zoe, sie dürfe Tom weder füttern noch teilen, reiße vorsorglich ein Stück ab.
*Entferne Fleck.
*Rufe Freundin an, um sie zu warnen und abzusagen für morgen. (Wir waren gestern dort)
*Möchte Kindern Zähne putzen.
*Bemerke dass ich rammdösig Zoe die Zähne mit Noah’s Zahnbürste putze. Fluche, schmeiße
diese zur Seite, bitte Noah auf den Hocker und wasche ihm die Hände, während Zoe kurz
auf die Toilette geht.
*Drehe mich um, nehme mein Handy um Nils anzurufen und ihm zu sagen, er muss neue
Zahnbürsten kaufen (die soll man erneuern, nach zwei Tagen Antibiotika, nur blöd, dass Zoe
jetzt krank ist und Noah eine neue braucht). Drehe mich also um, nehme mein Handy, drehe
mich zurück zu Noah mit Handy am Ohr und sehe wie Noah seine (verseuchte) Zahnbürste
im Mund hat.
*Es gibt wenig Menschen, die mich je so fluchen haben hören.
*Nehme den Anruf an, denn Handy liegt in Ecke, weil Zahnbürste fliegen lernen musste und kotze
meinem Mann alles vor die Füße. Alles. Kurz und lege auf.
*Tränen schießen mir in die Augen.
*Entschuldige mich fürs Schimpfen und Fluchen bei den Kindern und erkläre mich.
*Meine tollen Kinder sagen allen ernstes „Arme Mama!“
*Rufe bei unserem Kinderarzt an, gehe morgen oder Montag Noah testen, wegen der OP am
Dienstag. Sonst muss die OP abgesagt werden.
*Bringe Kinder wirklich toll ins Bett.
*Möchte rüber gehen und tja die Sicherung ist herausgehüpft.
*Mutti drückt Sicherung wieder rein.
*Kater rennt ins Kinderzimmer. Kinder haben Angst vor Katze im Dunkeln beim Schlafen.
*Leicht gereizte Mutti hinterher, jagt Katze aus Kinderzimmer.
*Mutti geht ins Wohnzimmer und sieht das Salz der Brezn überall!
*Mutti holt Staubsauger, weil mit schlafenden Kindern ist nicht gut saugen.
*Katze rennt erneut rüber.
*Mutti rastet aus, rennt rüber, knallt die Türe zu, schmeißt sich auf den Bauch und erwischt
Katze auf die letzten Zentimeter, kann sich beherrschen die Katze nicht zu erwürgen, schmeißt
Katze ins Bad.
*Mutti macht heulend Wasserkocher an.
*Mutti geht saugen, Mutti könnte ewig weiter saugen. Mutti heult. Aber es ist eher reinigend. Im
wahrsten Sinne und so…
*Mutti durchzuckt ein Schmerz, der kaputte Staubsauger hat Mutti was eingeklemmt. Jetzt
läufts die Wangen aber ordentlich runter.
*Im Flur fragen die Kinder von drüben, was los sei: Mutti ist heute alles zuviel, erklärt sie,
manchmal ist man fröhlich und manchmal eben traurig, Mutti würde nun heulen und dann ist wieder
gut. Da sagen die Kinder doch allen Ernstes nach einander: „Ich liebe dich!“
*Mutti will Flasche machen, Mutti guckt auf verunglückten Finger. Finger blutig. Mutti schnappt
sich Flasche und kuschelt Baby ganz feste.
*Mutti: Nase voll!

24 Responses to “Scheißtag”

  1. Ines Says:

    Ja Scheißtag war wohl die richtige Bezeichnung.

    „…und morgen wird wieder die Sonne scheinen….“ *ganztolldrücken*

  2. june Says:

    june drückt mutti ganz fest virtuell! june hat keine ahnung was da für eine op ansteht (konnte die ganzen geschützten beiträge nicht lesen, da june loch im kopp und vergesslich) aber june sendet dir alle lieben gedanken und bietet ein ohr zum auskotzen, jederzeit!

    dickes fettes küsschen auf den finger und den bauch! kuschel dich mit dem kissen aufs sofa und bitte – scheiß auf das salz am boden…salz bringt doch glück oder!?

  3. kaanu Says:

    So ein Tag verdient keinen anderen Namen als Scheißtag. :-(

    Fühl Dich umarmt und fest gedrückt! Ein Vorteil hat das ganze: morgen kanns nur besser werden…

  4. agichan Says:

    Und morgen wirds zum Glück besser.

  5. kassiopeia Says:

    Ich nehme doch mal stark an, dass der Tag morgen nicht schlimmer wird, aber hatte ich erwähnt, dass
    ich morgen einen Frauenarzttermin habe, 12.30Uhr mit drei Kindern, waren eigentlich nur zwei, nur ist
    Zoe eben krank und ob die Schwiegermutter Zeit hat, steht in den Sternen, denn die wartet ganz
    Hebammenlike auf ein Baby.

  6. Fr. SchokoPerle Says:

    Wat für ein mega scheiss Tag!

    Und liebe Mutti, fühl dich gedrückt, geherzt. Und ich hoffe dass du schon urlange mit deinem Liebsten auf dem Sofa kuschelst, dabei Schokolade für die Seele naschst und den scheisstag einen scheisstag sein lässt der dir am allerwertesten vorbei geht.

    Morgen dann wieder Sonne!

  7. kassiopeia Says:

    Danke! Wird eben erledigt mit Serrano, Weintrauben und Flugmango! Sabber!

  8. Pampersfront Says:

    Diese Sternenkonstellation, die Sonnenflecken gepaart mit Hormonschübchen sowie dem Tief, das Schnee in Tirol bring sind schuld – eindeutig! Solche Tage gehen vorüber und dann schätzt man erst solche ereignislosen Tage, wo alles so glatt in Bahnen läuft!

    Alles Liebe, du machst das :-)

  9. berliner luft und ostseewelle Says:

    Oh weia! Alles an EINEM Tag! Phu!!!
    Was soll ich sagen… ich hoffe, morgen wirds nicht ganz so schlimmm…

  10. Karin Says:

    Ja, Scheißtag hoch 2. Ich denk an dich!

  11. Ines Says:

    12:30 uhr, ein Frauenarzttermin mit 3 Kleinkindern – ähm, ich drück die Daumen das der Tag besser wird, ganz toll versprochen.

  12. ISabella Says:

    Oh Mann! Ein Tag den man nicht brauchen kann! Ich denk an Dich! Jeden Tag! Und finde es schön wie stark Du bist! Solche Tage gehören wohl auch hin und wieder zum Alltag mit Kindern…hmm!

    Aber was ich noch unbedingt loswerden muss. Ich glaube selbst mit ungewaschenem Haar siehst Du immer noch umwerfend aus ;) Du bist schon eine sehr sehr hübsche, schlaue, fleißige Mutti!

    Ich drück Dich!

  13. Corinn Says:

    Alles wird gut, dass kann nur besser werden. *umärmel*

  14. Ansku Says:

    Also Scheisstag ist da ja noch untertrieben!!!!

    Ich nehme Dich mal ganz fest in den Arm. Und dann kommen auch wieder die Tage, wo es eigentlich fast perfekt läuft. Denk daran, meine Liebe, und versuch Dich daran festzuhalten. Solche Tage gibt es wohl überall und deshalb klaue ich mir mal das Zitat einer Freundin: „Möglicherweise wird alles gut!“ ;) :lol:

    Also! Morgen wird’s besser möglicherweise! ;) Ich drück die Daumen, vor allen Dingen dafür, dass Ihr irgendwie so weit das irgendwie geht von Krankheiten verschont bleibt!

  15. Cecie Says:

    oh mann, das war nicht volles programm, sondern volles programm für zwei monate.

    ich drück dich mal und hoffe, dass der heutige tag um seine verantwortung als NEUER FRISCHER tag weiss und sich besser angeht!

    liebe grüsse, Cecie

  16. claudia Says:

    heute wirds ganz bestimmt besser… ooohm…

  17. partikelfg Says:

    Mein allerherzlichstes Beileid!

  18. soulsilence Says:

    Oh Mann… ich hab grad richtig mitgelitten beim Lesen… Was für ein Tag. Ich schicke mal einen ganz festen Drücker!

  19. Schussel Says:

    Ach, Du arme. Das war ja wirklich mehr, als man für einen Tag oder eine Woche brauchen kann.
    Aber was ich dazu mal sagen muss: Du hast richtig tolle Kinder, die Dich dann versuchen aufzumuntern – ich denke, das hilft Dir auch ein Stückchen auf, richtig?
    Auf dass heute besser wird…

  20. Lisa Says:

    Ohwei, ich drücke Sie mal virtuell ganz doll! Solche Tage braucht man wirklich nicht und ich bewundere Sie dennoch, wie Sie das alles mit den drei Kleinen und dem Babybauch meistern!! Kopf hoch, es kommen auch wieder schönere Zeiten!!

  21. Silberpfeil Says:

    Uii, das war ja wirklich heftigst. Wir schicken von hier ein paar Sonnenstrahlen auf dass es heute wieder besser wird. Ich drück die Daumen für Noah.

  22. 4Kidsmami Says:

    Oh je, das war ja wirklich ein sehr anstrengender und nervenaufreibender Tag. Du hast dich aber wacker geschlagen und alles gut erledigt, wow, welch eine Powerfrau du doch bist.
    Genieße die schönen Momente und wenn alle drei hinereinander sagen: „Mama ich liebe dich“ dann hast den halben Ärger wieder vergessen, oder?
    Wünsche dir weiterhi alles Liebe und gute und versuch dir so oft es möglich ist, auch mal eine Auszeit zu nehmen.

    Du schaffst das TSCHAKA!!!!!!!!

  23. mama schwaner Says:

    oh man, ich lese das erst jetzt! was für ein scheiß tag! ehrlich. zum glück überstanden! du arme… :(

  24. DüneSieben Says:

    ICH KENNE SOLCHE TAGE. Und das Ausrasten zum Schluß. Ich neige dann auch zu Putzfimmeln, wie Du. Versuche (haha!) zu entspannen. Aber es wird Deine Kinder nicht brechen, wenn sie Dich mal weinen oder „austicken“ sehen, ich weiß es von meinen Kindern, mit denen ich jetzt ganz offen über diese „schweren Jahre“ sprechen kann. Da war mein Mann ganz viel beruflich unterwegs und ich teilweise 5 Tage am Stück (unterbrochen nur von den Wochenenden) mit drei Kleinkindern allein. So manches Mal hätte ich komplett durchknallen können, war millimeter davon entfernt. Bitte, nicht an Dir selbst zweifeln, Du machst das alles sehr gut, da bin ich mir sicher!