Bestes Timing

Die Nacht auf Freitag war eigentlich ruhig. Bis auf ein Erwachen und längeres Jammern vom Tochterkind
und eines von Tom und Ben, fanden wir wirklich Schlaf. Am nächsten Morgen schien es den betroffenen
Jungs schon besser viel besser zu gehen, aber ich setzte weiterhin auf Schonkost. Und nachdem wir am
Donnerstag einen Spucketag hatten, stand der Freitag im Zeichen des Wickelns. Das Tochterkind litt immer
noch, scheinbar unverändert an Bauchweh und ich litt mit.
Und wie das so ist, an solchen Tagen- stürzte unser Babykind von der Treppe. Und zwar richtig böse.
Er schrie gleich, spuckte nicht, aber zwischen seinen Augen schwoll die Partie rasch und bedrohlich an.
Ich war total klar, rechnete den nächsten Bus kurz aus, versuchte den Gatten zu erreichen und dann den
Kinderarzt. Natürlich wurde mir gesagt, dass ich kommen sollte, zur Kontrolle und das tat ich sogar
richtig gern. Wir waren alle angezogen und schnell fertig, schafften den Bus. Ben sah aus, als hätte er
ein Chromosom zuviel. Die Leute starrten. Und Ben sah nicht gut aus, er wurde müde. Und wie ich da
stand im Bus und das Adrenalin langsam weniger wurde, alle anderen Kinder sicher saßen, da bekam
ich richtig Angst. Ich hatte richtige Angst, dass es diesmal nicht glimpflich ablaufen würde. Und da
stand ich nun, das Babykind pennte weg und ich hatte Angst, er würde aufhören zu atmen. Wenn es
das eigene Kind ist, ist man da nicht sonderlich rational. Ich brauchte einen ganzen Moment bis mir
einfiel wie ich jetzt genau überprüfen könnte, ob er atmet, tastete hier und dort, bis meine Hand auf
seinem Brustkorb landete. Mir wurde mulmig. Ich hatte den Gatten nicht erreicht, mein Handyakku
war fast leer, ich konnte nur kurze Nachrichten auf Twitter absenden. Immerhin.
Als wir beim Arzt ankamen, musste ich Ben aus dem Wagen nehmen und er war gleich wach und
klarer. Aber sah schrecklich aus. Beim Überreichen der Krankenkassenkarten, das Tochterkind litt ja
noch und sollte gleich mal angeschaut werden, erwähnte ich vorsichtshalber, dass drei von vier
Kindern gestern gespuckt hätten und hoffte man möge uns fünf irgendwo zwischenlagern. Tat man
aber nicht, sie zuckten mit den Schultern die guten Arzthelferinnen, scheinbar genug Party im Haus.
Es gibt zwei Warteräume. Einer war voll mit Kindern und Baby. Einer leer mit einer Frau und Baby. Ein
sehr kleines Baby. Am liebsten hätte ich im Flur gewartet, ging aber nicht. Also behielt ich Ben auf
dem Arm, was er gar nicht lustig fand und quetschte die anderen drei in die hinterste Ecke. Dort
wurde sich ordentlich gekloppt, alles zu eng und zu doof und überhaupt. Mir rann der Schweiß. Ich
versuchte ruhig zu bleiben, bis noch jemand ins Zimmer kam. Und da warf ich einen Blick auf das
Klitzekleine. Es war frisch geschlüpft und das andere Kind laut Aussage der Mutter 8 Monate alt.
Hurra, wie schrecklich und wir alle in einem Warteraum. Ich hoffe so sehr, wir haben alles von zu
Hause Mitgebrachte wieder zurück Heim genommen! Irgendwann, wie das so ist, nach einer
gefühlten Ewigkeit durften wir in eines der Behandlungszimmer. Und dort gab es vom weltbesten
Kinderarzt für beide Kinder Entwarnung. Bei Ben wäre es eine fies aussehende Weichteilschwellung
zwischen den Augen. Wenn er erbricht, sollten wir eine Klinik aufsuchen. Das übliche eben. Im
Anschluss stürmten wir noch schnell den Rossmann für allerlei Kram, vor allem Dinkeltrallala,
fuhren Heim und versuchten einen ruhigen Tag zu verbringen. Was nicht ganz gelang, weil ich
so langsam was schaffen wollte hier im Haus. Es sieht hier nämlich unmöglich aus, nach drei
Tagen nichts schaffen.
Am Abend kam der Mann und nach einer weiterer ruhigen Nacht, steht fest heute werde ich den
Samstag zu Hause und im Bett verbringen. Mit zarten Unterbrechungen von Toilettengängen. Wie
sich das eben gehört, hab ich damit hübsch gewartet bis die Kinder versorgt sind vom weltbesten
Gatten. Börks, mir ist so schlecht. Hoffentlich ist das bis nach dem Wochenende vorbei, noch mehr
wünsche ich mir keine kindlichen Rückfälle und kein Einsteigen vom Gatten in die Nummer. Soll
der mal schön gesund bleiben!

5 Responses to “Bestes Timing”

  1. Wolfram Says:

    Trink Wasser, nur reines Wasser – das schmeckt vor- wie rückwärts gleich – und das auch nur einen Eßlöffel alle zehn bis 15 Minuten, dann sollte es drinbleiben.
    Ansonsten: gute Besserung euch allen, und möge der Gatte so gelassen bleiben wie du bisher!

  2. Patricia Says:

    Oh Mensch, gute Besserung euch allen! Und starke Nerven und Kraft und ab und an mal Menschen, die vorbeikommen und euch unter die Arme greifen! Und bis zum Rest des Winters keine Gastro-Enteritis-Viren mehr. …

  3. isabella Says:

    so nun hab ichs verschrien. verdammt.

    es geht vorebi. es geht vorbei. es geht vorbei!!!!

    und zu bens verletzung: der arme! und ich kann so gut nachfühle, wie einem fast das herz stehenbleibt vor angst!!!

    oh mann :( ich hoff euch gehts bald gut!!!

  4. Judith Says:

    Gute Besserung an dich und an den Rest :-)

  5. agichan Says:

    allerbeste genesungswünsche!